Laaaaaaaange Erklärung
Hallo nochmal!
Wenn Du im
Drogenrausch nen Geistesblitz erfährst und daraufhin einen
Bestseller schreibst, war es richtig, Drogen genommen zu haben
-)))
Dann mach ich mir erstmal 'ne Pulle weiche Droge auf, oder? 
Es heißt ja immer „Mache einfach was Dir entspricht und Du
wirst glücklich werden. Mache einfach Dein Ding“ Aber was soll
das heißen? Woher soll man denn wissen, was man will ich
meine, was man wirklich will?
In einem gewissen Rahmen: Ausprobieren, forschen und hoffen, dass man es merkt, wenn man das Richtige gefunden hat. Einfach nur zu tun, was man gerade will, ist meine ich auch nicht so ganz das Richtige. Man hat ja schon Verpflichtung und Verantwortung, je nach Familienstand natürlich. In jüngeren Jahren sollte (und kann) man das mehr tun als später, sich ausprobieren, ruhig mal ein Studium abbrechen, wenn man merkt, es paßt nicht. Die Chance hat man später nicht mehr in dem Maße. Ich kenne jemanden, der hat im 6. Semester sein BWL-Studium abgebrochen und eine Ausbildung zum Krankenpfleger gemacht (Zum Entsetzen seiner Umgebung). Besser spät als nie kann man da nur sagen, er ist total zufrieden mit seiner Entscheidung.
Ist es besser Karriere zu machen
und viel Geld zu verdienen, dafür aber wenig Freizeit zu haben
oder sollte man auf Karriere und Geld verzichten und dafür ein
freier Mann sein?
Allgemein nicht zu beantworten. Do it Your Way. Wenig konkret, aber es gibt keinen Lebensleitfaden, der Glückseeligkeit garantiert, wenn man ihn nur akkurat befolgt.
Ja, das ist wie mit dem Fischer und siner Fru. Was man dann erreicht hat, wird einem vielleicht auch nicht reichen. Mein persönlicher Weg wäre der in der Mitte. Soviel verdienen, dass es zu einem relativ sorgenlosen Leben reicht und noch Zeit und Nerv für mich und meine Familie übrig bleibt. (Die Entscheidung würde mir leicht fallen, leider darf ich sie gar nicht treffen) Aber das ist ja nicht unbedingt eine „Scheidewegentscheidung“, sondern meist eher eine Entwicklung, in die man dann und wann mal steuernd eingreifen kann.
…aber es wird wahrscheinlich sehr
schnell sehr komplex. …
Wie soll man sich entscheiden, wenn einem die Grundlagen dafür
fehlen?
Ab diesem Punkt, wo es den rationalen Horizont überschreitet, aus dem Bauch heraus. Mein persönlicher Rat.
Darf ich fragen, was Dir zugestoßen ist?
Darf man: im Einzelnen keine irrwitzig schrecklichen Dinge. Aber in der Summe irgendwie eine Kette von blöden Fallstricken und „leider Pech gehabt“. Ich sage auch gleich dazu, dass ich keine große Lust habe mir jetzt im Einzelnen erklären zu lassen, was wir hätten besser machen können und wie einfach das doch alles wäre, wenn wir nur dies oder jenes täten. Purer Selbstschutz, bitte daran halten.
Studiumentscheidung: Da hab ich nicht ganz mein Ding (das wäre Design oder Ozeanographie oder gar kein Studium sondern die Schreinerei gewesen) gemacht, sondern einen scheinbar passenden vernünftigen Kompromiß studiert: Landespflege. Und das auf Annahmen und Außeneinfluß basierend, die man halt so als 20jährige hat. Die eigentlich nur mangelhaft sein können, im nachhinein betrachtet. An dem Punkt wäre ich mit Bauchgefühl wahrscheinlich besser beraten gewesen. Oder mit mehr Kalkül und Blick in die Zukunft.
Nach dem Studium schnurstracks in die „Frauenfalle“. Dem besseren, befristeten Job des Mannes hinterhergezogen, und das mehrmals. Jedes Mal drüber gegrübelt, alles abgewogen und dann jedesmal die (im Nachhinein falsche) Entscheidung getroffen. Hier wäre etwas langfristigeres Kalkül angesagt gewesen, meine ich heute. Aber wahrscheinlich hätten wir bei soviel Kalkül dann heute gar kein Kind, das wäre auch nicht schön, dafür hätte ich vielleicht eine berufliche Perspektive.
Zwischendurch noch ein paar saftige „Tiefschläge“, langwierige Unfallfolgen, Todesfall, Kind mehrfach operiert, was das Leben so an Überraschungen zu bieten hat. Keine Totalkatastrophen (bis auf den Todesfall, der kam einer nahe), aber immer so Piekser, dass man denkt, es geht nie wieder aufwärts.
Dann festgestellt, dass war’s wohl nicht, wir machen es anders, damit ich auch zum Zuge komme. Wieder umgezogen, selbstständig gemacht. Mit allem drum und dran, nicht einfach so ins Blaue. Sondern mit vollem, persönlichen Einsatz, wie wir eigentlich alle Dinge angehen. Naja, das war’s dann auch nicht. Zum Glück keine Schulden davon getragen, sondern vorher ausgestiegen. Dabei war die Luft bei mir schon vorher raus, ich hatte eigentlich schon keine Energie und keine Nerven mehr dafür. Dachte aber, wenn wir die Ärmel hoch krempeln, dann schaffen wir’s. Irrtum.
Nochmal umgezogen (in die alte Heimat) mit dem festen Vorsatz, niiiieee wieder umzuziehen. Hier glücklich zu werden oder sonst nirgends. Schnauze voll. Wir werden immobil und tragen die Folgen und hoffen völlig irrationaler Weise trotzdem, dass sich irgendwann hier etwas Vernünftiges ergibt. Ein berufliches Angebot für meinen Mann das wir angenommen haben, weil wir nach sorgfältiger Abwägung meinten, das wäre eine vielversprechende Chance. Die scheint es (mal wieder) eher nicht zu sein.
Immer in voller Fahrt und Überzeugung mit dem Kopf an die Wand. Man könnte meinen, wir wären ein bißchen blöd oder sowas oder irgendwie lebensunfähig. Da ich davon einfach nicht ausgehen will(ich halte mich schon für mindestens durchschnittlich intelligent und praktisch begabt) bin ich zu dem Schluß gekommen, dass unsere wohlüberlegten Entscheidungen keinen positiven Einfluß auf den Verlauf unseres Lebens haben. Die zugrunde liegenden Annahmen waren in unserem Falle offensichtlich meist falsch oder unzureichend. Versteh mich nicht falsch, wir haben uns ja auch ausgetauscht mit vielen anderen und über unsere Entscheidungsfindung gesprochen. Wenn jetzt alle die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen hätten und uns gewarnt hätten, dann wären wir ja echt selber schuld. Aber so war’s nicht, die Entschlüsse waren überwiegend vernünftig. Aber trotzdem falsch.
Auch mit der Wahrscheinlichkeit und Statistik (irgendwann muss doch auch bei uns mal was so klappen, wie wir es angenommen haben) braucht mir keiner mehr zu kommen.
Lange Erklärung, ich hoffe nachvollziehbar?
Wie gesagt, ich hoffte eigentlich, dass hier noch jemand antwortet , der meinen Pessimismus ein wenig ausgleicht 
Grüße
kernig