Aber ganz ernsthaft glaube ich, dass Trump wirklich von seinem Umfeld so gezielt informiert/beeinflusst wurde, dass er ernsthaft glaubt, dass Venezuela DIE große Nummer im Drogenhandel ist (was bekanntermaßen nicht der Fall ist) und dass das für ihn Grund genug ist, das Land zu überfallen und Maduro gefangen nehmen zu lassen. Und ich glaube auch, dass er glaubt, dass er dafür gefeiert wird.
Und natürlich wird die Zahl der Drogentoten in den USA im ersten Quartal 2026 um 50, wenn nicht 1200% niedriger sein als im letzten Quartal 2024, als Biden noch jedem Drogendealer persönlich über die Grenze geholfen hatte.
Oha, jetzt wird es kompliziert. Kurzfassung: 1998 kam Chavez an die Macht, steuerte das Land in eine sozialistische Richtung, vertrat anti-amerikanische Positionen und näherte sich Kuba an. 2002 kam es zu einem Generalstreik und in der Folge zu einem Putsch inkl. versuchter Amtsenthebung von Chavez durch das Militär. Eine unmittelbare Einmischung der USA in den Putsch bzw. eine Beteiligung daran wurde nie bewiesen, aber zumindest gab es wohl Kontakte zur US-Botschaft und es gibt auch Aussagen, dass die US-Regierung über die Pläne informiert war. Chavez hingegen bezeichnete die USA immer wieder als Drahtzieher bzw. Unterstützer.
Danach ist die Sache im Grunde nur noch immer weiter eskaliert.
Darum geht es im Grunde erst seit dem ersten Amtseintritt Donald Trumps.
Ein Bundeskanzler muss diplomatisch sein und kann nicht immer alles sagen. Aber diese Sätze sind natürlich superpeinlich. Was denkt Merz eigentlich, wie dämlich sein Volk ist?
Er unterscheidet also (auch) sehr deutlich zwischen dem (begrüßenswerten) Ergebnis der Veranstaltung für das Volk und der offensichtlich völkerrechtswidrigen Vorgehensweise der USA und dem kann ich mich nur anschließen.
Ich habe einen gewissen Bezug zu dem Land, weil mein Großonkel in den 70ern dorthin auswanderte und - im Zuge des wirtschaftlichen Niedergangs aufgrund des Verfalls des Ölpreises - in den frühen 90ern zurückkehrte. Ich selber bin zweimal dort gewesen und habe beim letzten Besuch - das muss 2000 oder 2001 gewesen sein - schockiert festgestellt, wie sehr sich die Situation damals von dem unterschied, was mir mein Großonkel während seiner gelegentlichen Besuche in den 80ern und natürlich nach seiner Rückkehr berichtete.
Natürlich ist es ein bisschen früh, um das zu beurteilen, aber es wäre schon hilfreich und wünschenswert, wenn der eigentliche Reichtum des Landes nun endlich mal bei der wirklich notleidenden Bevölkerung ankäme. Klar ist aber auch, dass der heutige Angriff der USA natürlich das nicht zum Ziel hatte, sondern dass es um ganz andere Dinge ging und die Lage der Bevölkerung nicht dazugehörte.
Angesichts der Wirtschaftskompetenz von König Donald I. ist aber leider nicht davon auszugehen, dass der Machtwechsel auf einmal dazu führt, dass es der Bevölkerung wirtschaftlich besser geht.
Ich habe starke Zweifel, dass er daran auch nur einen Gedanken verschwendet. Wie Du oben schon zusammengefasst hast: innenpolitisch (USA) geht um Ablenkung von Epstein, wirtschaftlich geht es um die Ausbeutung der Öl-Recourcen mit Gewinnerzielung in den USA. Die Menschen in anderen Ländern ist dem rechten Regime der USA genauso egal, wie ihre eigene Bevölkerung.
Imho ist jetzt auch die Situation für Selenskyj gefährlicher geworden. Ein Hauptargument der USA ist ja, dass Maduro nicht das legitime Staatsoberhaupt sei.
Auch bei uns gibt es genügend Idioten, die Selenskyj die Legitimität absprechen. Für jemanden wie Putin könnte das reichen, zumal ja erst unlängst Lügen über einen ukrainischen Angriff auf Putins Palast verbreitet wurden.
Zu Venezuela gibt es einen Podcasts des österreichischen Völkerrechtler Ralph Janick. Er geht dabei auch auf den Status Maduros ein:
ZEIT: … der deutsche Verfassungs- und Völkerrechtler, der das Agieren Hitlers gerechtfertigt hat.
Ambos: Ja, genau, wir erleben eine Renaissance seiner Theorie der regionalen Einfluss- und Großraumsphären, die er Ende der 1930er-Jahre entwickelt hat. Wir sehen also eine Aufteilung der Welt in Bereiche, in denen die wenigen Großmächte letztlich tun können, was sie wollen: Russland in Osteuropa, die USA in Lateinamerika, China in Südostasien. Wir in Europa werden zwischen diesen Blöcken zerrieben. Und das neue Jahr beginnt mit einem präzedenzlosen Sturz eines Präsidenten. Das zeigt: Wir leben in einer Welt, in der zwei, vielleicht drei Staaten – China, USA, vielleicht Russland – ihre Macht einsetzen, wie sie wollen, ohne Rücksicht auf Regeln und Abkommen.”
Trumps Operation gegen den venezolanischen Machthaber schoss am späten Samstag an die Spitze der chinesischen Weibo-Plattform und erzielte rund 440 Millionen Aufrufe auf der X-ähnlichen Plattform. Viele Kommentatoren zogen schnell Vergleiche zwischen dem Schicksal des südamerikanischen Landes und dem der selbstverwalteten Demokratie, die Peking für sich beanspruchen will.
Ich sehe bei China-Taiwan einen großen Unterschied zu USA-Venezuela.
Der Staat Venezuela wird von allen 193 UN-Mitgliedsstaaten als souveräner Staat anerkannt. Ich konnte keinen Staat finden, der Venezuela nicht anerkannt hätte.
Taiwan hingegen wurde nur von 12 Staaten weltweit als souveräner Staat anerkannt - wobei der Vatikan der einzige europäische Staat ist. Auch Deutschland bekennt sich zur Ein-China-Politik.
Die Erklärung Chinas, die ich zum Angriff der USA gegen Venezuela kenne, spielt an drei Stellen auf die Souveränität von Venezuela an. Aus Chinas Binnensicht sind sie also sauber, sollten sie in Taiwan einmarschieren und es übernehmen. Sie überfielen dann ja keinen souveränen Staat, sondern nur ein abtrünniges Gebiet. Also ist es aus ihrer Sicht nicht mit USA-Venezuela und vermutlich auch nicht mir Russland-Ukraine zu vergleichen. (Wobei ich die offiziellen Erklärungen Chinas zum Krieg gegen die Ukraine nicht kenne.)
Bestimmt. Immer, wenn es Gesetze gibt, die vorteilhaft sind, nehmen Diktatoren das gerne mit.
Dass Taiwan trotz seines speziellen Status in vieler Hinsicht und vielen Seiten wie ein souveräner Staat behandelt wird, spielt da keine Rolle.
Das schon, aber rund 50 Staaten erkennen Maduro nicht an.
Sehe ich auch so. Dennoch bin ich überzeugt davon, dass die Entführung Maduros eine Eskalation mit Taiwan wahrscheinlicher gemacht hat. Einer der wichtigsten Faktoren ist die Reaktion der USA und für mich sind die Chancen, dass Trump seinem Kumpel Xi Jinping mehr Spielraum gibt, deutlich gestiegen.
Das auf jeden Fall. Alle drei großen Despoten in der Welt schauen, wie weit sie gehen können und wagen sich regelmäßig ein kleines Stück weiter vor.
Und weil sich die Staaten der EU lieber gegenseitig zerfleischen und nationalistische Bestrebungen zunehmen, statt gemeinsam mit einer Stimme zu sprechen werden wir vermutlich „auf der Speisekarte landen“.
Maduro ist ein Diktator und es ist das beste für Venezuela, von diesem Mann befreit zu werden. Diese Befreiung muss jedoch von innen erfolgen - eine Legitimierung der Vorgehensweise der USA beerdigt jegliche Glaubwürdigkeit des Westens. Europa hat keine Minute zu verlieren, endlich eine gemeinsame Außen- und robuste Sicherheitspolitik auf den Weg zu bringen. Jedem Land in Europa muss klar sein: Entweder wir Europäer sitzen mit am weltpolitischen Tisch, oder wir landen auf der Speisekarte.
Quelle: Agnes Strack-Zimmermann lia LinkedIn
… dass ich mal mit Agnes einer Meinung sein würde …
Nachtrag: und was die „deutlichen und scharfen Reaktionen“ aus Europa für Grönland bedeuten, will ich gar nicht wissen…
BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht wiederum forderte die Bundesregierung auf, sofort den Geschäftsträger der US-Botschaft in Berlin einzubestellen. „Trumps Militärschlag gegen Venezuela und die Festnahme Maduros sind ein eklatanter Bruch aller Regeln des Völkerrechts, um sich nach Wildwestmanier den Zugang zu den venezolanischen Ölquellen zu sichern“, sagte sie zu Reuters. Auch sie sprach von amerikanischem „Staatsterrorismus“.
Hat sie denn auch schon Venezuela zur Kapitulation aufgefordert? Im schlimmsten Fall droht da ja ein Atomkrieg, wenn der offensichtlich unterlegene Gegner nicht bald anerkennt, dass er verloren hat.