Hallo Elke,
Als Adoptivmutter kann ich vor so einer Konstellation nur
warnen. Kinder haben unheimlich gute Antennen, was
Geheimnisse in Familien betrifft. Und wenn es nur die Zweifel
der Mutter sind oder des (Vielleicht-)Vaters.
ok, vielleicht kann ich von meiner Warte aus die Bedeutung dieser Zweifel der Eltern nicht verstehen, denn für mich steht die Person (z.B. der Adoptivvater, der sich um das Kind gut kümmert) und nicht die genetische Vaterschaft im Vordergrund, insofern sehe ich keinen Grund dafür, diese Zweifel seitens der Eltern zu pflegen.
Anderes Szenario ist aber: Kind wächst in dieser neuen
Beziehung auf, in einer stabilen Familie mit Mama und Papa.
Dem Kind ist es erst einmal egal, wer GENETISCH gesehen sein
Vater ist, eine ‚vollständige‘ Familie halte ich hingegen für
wichtig.
Auch eine Adoptivfamilie ist eine vollständige Familie.
Na, in diesem Fall würde der Fragesteller ja gern als Vater vom Kind anerkannt werden (falls das Kind genetisch tatsächlich von ihm stammt). Und in diesem Fall wäre das Kind eben ein ‚Trennungskind‘, es würde nicht in einer ‚traditionellen‘ Familienkonstellation aufwachsen, die meiner Meinung nach aber immer noch am ‚gesündesten‘ für die kindliche Entwicklung ist.
Ich sage ja auch gar nichts dagegen, dass man adoptierte Kinder über ihre Abstammung aufklärt. Aber wenn der Fragesteller direkt auf den neuen Partner der Mutter zugeht und in diesem Zweifel nährt, dann sät er Misstrauen in der Familie, das möglicherweise gar nicht berechtigt ist. Meiner Meinung nach sollte der Fragesteller das mit seiner Exfreundin ausmachen.
Wie
man mit den eventuellen nicht-biologischen
Verwandtschaftsverhältnissen umgeht, ist der entscheidende
Punkt. Alle möglichen Konfliktpunkte unter den Tisch zu
kehren, ist einer guten Atmosphäre nicht zuträglich.
Deine ‚off topic‘ Erzählung beweist doch gerade, dass es
besser ist, wenn Kinder von Anfang an über ihre pree-natale
Geschichte Bescheid wissen. Dann kommen sie sich mit 45 nicht
verar**** vor und stellen nicht alles, was sie über sich
selbst geglaubt haben in Frage.
Gerade das ist in diesem Fall eben nicht passiert. Diese Enthüllung kam für ihn völlig überraschend (er hat als Kind und auch später als Erwachsener also überhaupt keine Zweifel gehegt), hat ihn aber dennoch nicht aus der Bahn geworfen. Leider kann ich ihn jetzt nicht mehr direkt fragen, ob er glaubt, es sei besser gewesen, seine Adoptiveltern hätten es ihm früher verraten, da er vor kurzem gestorben ist. Aber er hat sich definitiv nicht ‚verarscht‘ gefühlt (wie du es ausdrückst) und seinen Adoptiveltern keinerlei Vorwürfe gemacht. Er war eben nur überrascht und hat für eine kurze Zeit mit dem Gedanken gespielt, über seine leibliche Familie nachzuforschen, hat diesen Gedanken aber schnell wieder verworfen. (Ich weiß das alles ziemlich genau, weil er ein sehr guter Freund unserer Familie war und zu dem Zeitpunkt, als er davon erfahren hat, wir in engem Kontakt zu ihm standen und somit seine Reaktion miterlebt haben.)
Das hat nichts mit ihrer
Liebe zu ihren Adoptiveltern zu tun oder umgekehrt, es ist nur
eine ehrliche Art miteinander umzugehen, die eine Beziehung im
Endeffekt nur festigen kann und vor allen Dingen, der
psychischen Gesundheit des Adoptierten zu Gute kommt.
Ich glaube, eine Pauschalisierung ist hier fehl am Platz, obgleich ich generell auch die Ehrlichkeit bevorzugen würde. Nur, wir reden hier über eine ganz konkrete Situation und nicht generell ums Adoptieren. Hier einen bösen Konflikt zwischen dem Paar heraufzubeschwören, der durchaus zu einer Trennung führen könnte, ohne sich überhaupt sicher zu sein, dass das Kind vom Ex stammt, halte ich für problematisch.
Etwas anderes wäre es, wenn der Fragesteller die Mutter selbst davon überzeugen könnte, dieses Thema anzugehen oder aber wenn der Fragesteller davon überzeugt ist, dass dieses Paar nicht in der Lage wäre, das Kind angemessen zu erziehen.
Nein, schön nicht. Aber der neue wird ja jetzt schon wissen,
dass seine PArtnerin ziemlich nahtlos von einer Beziehung in
die nächste gekommen ist. Und manchmal ist es besser, einen
Konflikt frühzeitig auszutragen und nicht zu warten, bis er in
ungeahnte Größen mutiert.
Und manchmal ist es besser, von manchen Dingen gar nicht erst zu erfahren. Glaub mir. Ich finde, diese Frau hat sehr wohl das Recht auf einen Neuanfang, ohne dass sich ihr Exfreund in ihre neue Beziehung einmischt. (Das jetzt mal von der Warte der Beziehung und nicht des Kindes betrachtet, da du dich in diesem Absatz auch darauf bezogen hast.)
Vor allen Dingen - noch einmal -
steht das Kindeswohl im Vordergrund und gerade dem Kind
zuliebe ist Wahrheit angesagt.
Wie oben gesagt, ich behaupte ja nicht grundsätzlich, man solle dem Kind das Adoptiertsein verheimlichen. Aber in dieser konkreten Situation halte ich es für einen schlechten Rat, zu dem neuen Partner hinzugehen und ihm das alles zu erzählen.
Gruß
Anja