Lieber Wolfgang!
2009 war wohl ein schwarzes Jahr für die Psychologie und
-therapie: 2 jugendliche Patienten entpuppten sich als
Amokläufer in Winnenden bzw. Ansbach, die Psychothrapeuten
erkannten nicht die Gefährlichkeit dieser Jungs.
Der Täter von Winnenden war m.W. nicht in psychotherapeutischer Behandlung.
Ich habe den
Eindruck, dass psychisch Störungen bei Jugendlichen nicht so
ernst genommn werden, daher darf zuerst der „Lehrling“
therapieren
Wie kommstn auf sowas?
, oder ist die Psychologie noch unfähig die
Gefährlichkeit socher Leute zu erkennen?
Ja, das ist sie.
Natürlich gibt es Ansätze dafür, siehe z.B.
http://www.uni-protokolle.de/nachrichten/id/128151/
(Allerdings teile ich den Optimismus dieses Links gar nicht.)
Es ist m.E. gar nicht mal das Problem für einen Psychotherapeuten, eine potentielle Gefährlichkeit seines Patienten zu erkennen (da kann man schon bestimmte Persönlichkeitsstörungen und Charaktertypen usw. dafür angeben, die eher zur Gewalt neigen als andere).
Das Problem ist eher das, dass man nicht erkennen kann, welcher aus dem Kreis von all diesen vergleichsweise vielen potentiellen ‚Gefährlichen‘ tatsächlich eine Amoktat verübt.
Unter anderem wohl deshalb nicht, weil es vermutlich auch ziemlich vom Zufall abhängt, wann und bei wem irgendwann ein
- konkreter Auslöser (vielleicht ein Kränkungs-Erlebnis)
- mit einer bestimmten aktuellen, zeitlich immer wieder wechselnden. Gemütslage
- mit einem Zugang zu Waffen
- mit einer rezenten Vorbild-Situation (vielleicht ein Film, Buch, Medienbericht)
- usw.
zusammenkommt.
Es handelte sich ja
hier nicht um Heulsusen, sondern um gefährliche Killer,
vergleichbar als ob der Augenarzt nicht den Balken im Auge des
Patienten erkennen konnte.
Völlig unpassender Vergleich.
Nach Aufklärung des Winnender
Amoklaufs kamen so viele Auffälligkeiten zu Tage, dass man
sich schon wundern muss,warum die Psychotherapeuten so
ahnungslos waren.
Abgesehen davon, dass dieser Täter gar nicht in Psychotherapie war … aber auch wenn er es gewesen wäre, hätte das wohl nichts geändert.
Du verwechselt hier einfach die zwei Perspektiven ex ante und ex post.
Im Nachhinein kann man immer bei einem Täter nach Indizien suchen, die seine Tat ankündigten, weil man weiß, 1) zu welchem Menschen man Material suchen muss, nämlich zum Täter und 2) wie man dieses Material auszuwerten hat, nämlich als Ankündigung einer Amoktat.
Im Voraus kann man aber unter all den Hunderttausenden, die irgendwann mal in Internetforen sagen „Ich bring euch alle um ihr Arschlöcher“ (was im obigen Link als „leaking“ bezeichnet wird, und angeblich so ein auffallendes Zeichen sein soll) nicht herausfinden, wer das ernst gemeint hat und wer nicht, wer dazu fähig ist und wer nicht usw.
Wenn der obige Link so großspurig beim Täter von Emsdetten auf dieses „typische Muster“ hinweist, dann ist das ein ex-post-Muster.
Ex-ante aber halte ich das für ziemlich wertlos, weil dabei erstens diese Informationen nicht alle in einer Hand sind (zumdem noch zeitlich verstreut), und weil zweitens die Menge derjenigen, die in Internetforen mal sagen „… dann bring ich sie um, die Arschlöcher …“, und auf ihrer HP irgendeinen Gewalttäter darstellen, halt ziemlich unüberschaubar ist.
Klar, ex post, ist das alles leicht gesagt, weil da diese Menge nur aus einer Person besteht, und ausgeschlossen ist, dass er das damals 2004 im Internetforum nur so gesagt haben könnte …
Abschließend: Wenn schon, dann haben eher noch die Eltern oder gut geschulte Lehrer eine Möglichkeit, solche Taten vorab erkennen zu können, nicht ein Psychotherapeut, der ja wirklich nur einen sehr kleinen Ausschnitt aus der Lebenswelt eines Menschen zu Gesicht bekommt.
Von daher ist dein Artikel tatsächlich schon furchtbar polemisch.
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