hallo!
nachdem mir jetzt schon „gedroht“ wurde wenn ich nicht endlich mal ein bisschen was zusammenfasse habe ich mich hingesetzt und diesen nachfolgenden text verfasst.
das soll nur mal ein erster rohentwurf sein! die ganzen literaturangaben, etc. müssen noch rein-die schreibfehler müssen raus (die kommen aber daher weil ich das ganze in einem sehr wackligen fahrenden zug geschrieben habe-da trifft man nicht immer die richtige taste).
meine bitte an euch: lest euch mal die sache durch und kommentiert das ganze.
ist es verständlich? kann man mit den beispielen was anfangen? eben alles was euch dazu einfällt.
ich hätte den text vielleicht unter „homepage“ weiter oben posten sollen-da aber der inhalt an sich unverändert bleibt stelle ich ihn in dieses brett damit man sich mal einen überblick verschaffen kann „wie es denn wirklich ist“
)).
Verspannungen/Schmerz und Krafttraining
Jeder wird es wahrscheinlich kennen: das verkrampfte Gefuehl in der Nackenmuskulatur wenn man mal wieder zu lange am Schreibtisch gesessen hat, nach einer langen Autofahrt oder wenn der Tag einfach zu viel Stress mit sich gebracht hat.
Vieles wird als „Heilung“ oder Loesung dieses Problems angepriesen, ganze Regale sind voll mit Buechern die einem einfache und schnelle Loesungen versprechen, ganze Berufsgruppen leben von diesen Problemen und eine Zeitschrift nach der anderen nimmt sich dieses Problem vor-je bunter die Schlagzeile auf dem Cover desto besser.
Doch wie sieht es in der Realitaet aus? Wuerden all diese Sachen wirken dann duerfte es doch niemanden geben der Schmerzen hat? Aber die Zahl derer die ueber solche Probleme klagen ist seit Jahren gleich-wahrscheinlich sogar steigend. Vorzeitige Verrentung, Operationen, Medikamente-alles ist bei diesen Beschwerdebildern gang und gaebe-mit immensem finanziellen Aufwand und persoenlichem Leid verbunden. Dabei kann nach dem heutigen Stand der Wissenschaft nahezu jedem geholfen werden. Man muss nur die Erkenntnisse die man bis jetzt gesammelt hat in der Praxis umsetzen. Ich versuche in diesem Artikel einen Ueberblick zu diesem Thema zu geben.
Dies ist nicht moeglich ohne etwas ueber die Funktionsweise unseres Gehirns zu wissen. Ich werde mich jedoch dabei auf das wesentliche beschraenken damit es auch fuer den Laien noch „verdaubar“ bleibt. Weiterfuehrende Literatur dazu existiert genuegend und kann im Anhang eingesehen werden.
Wie funktioniert unser Koerper?
Man kann den ganzen Menschen grob in zwei grosse Bereiche trennen: den Koerper an sich der von aussen von jedermann sichtbar ist und den Bereich der den Koerper steuert-das gesamte Nervensystem. Beide entwickeln sich im Laufe der Jahre in enger Kooperation, d.h. die Entwicklung des einen wird durch die Entwicklung des anderen beeinflusst. Fuer beide existiert ein grob vorgegebener genetischer Bauplan der sich nur sehr sehr langsam anpasst (in Zeitspannen die tausende von Jahen dauern)-die Person die wir taeglich im Spiegel sehen ist das Endresultat von dem was wir unserem Koeper taeglich angedeihen lassen.
Auch dass unterliegt staendigem Auf- und Abbau wodurch wir die Faehigkeit haben auch unser aeusseres Erscheinungsbild zu aendern (siehe verschiedene Haarschnitte, kraeftige Muskeln und den leidigen Bierbauch).
Auch unser Gehirn wird staendig auf- und abgebaut. Somit kann man sich neue Verhaltensweisen aneignen-wenn man die entsprechende Geduld mitbringt.
Wie wird dies nun gesteuert?
Der Grossteil (deutlich ueber 99%) geschieht automatisch. Wir brauchen uns nicht um unseren Herzschlag, unsere Verdauung, unsere Atmung kuemmern-das wird alles sehr zuverlaessig von bestimmten Bereichen im Gehirn erledigt.
Auch die Steuerung unserer Muskulatur beim gehen, laufen, schwimmen ist automatisiert. Alles was wir unserem Gehirn als Auftrag erteilen ist ein Ziel zu erreichen: „Ich moechte zum Schrank gehen“. Die richtige Aktivierung der Muskulatur geht dann von den motorischen Zentren im Gehirn aus.
Hier kommt der erste und wahrscheinlich wichtigste Denkansatz: wie lernen Babies das laufen? Bei Babies sind das Gehirn und der Koerper noch voneinander „getrennt“, d.h. alle Funktionen laufen automatisch ab um das ueberleben zu sichern (Saugreflex, Klammerreflex)-den Rest der Zeit verbringt das Neugeborene damit herauszufinden wo es sich befindet („in“ einem kleinen brandneuen Koerper) und was es damit machen kann.
Das strampeln der Beine im liegen ist ein „durchbewegen“ der ganzen Muskeln und Gelenke um dadurch Informationen (Reize) zu erzeugen die ans Gehirn gesendet werden damit dort die Information verarbeitet werden kann. Strampeln ist somit eine Voruebung fuer das spaetere gehen. Es wird im Laufe der Zeit auch immer feiner und koordinierter was zeigt dass das Gehirn immer mehr Kontrolle ueber die Muskeln erlangt.
Hat das Gehirn die bestmoegliche Kombination aus Muskelaktivitaet gefunden so wird diese fest im Gehirn und Rueckenmark abgespeichert. Daher ist es uns auch moeglich am Geraeusch zu erkennen welche Person einen Raum betreten hat-denn bei einer festen muskulaeren Kombination die uns das gehen ermoeglicht bleibt auch die dabei erzeugte Geraeuschkulisse gleich.
Warum werden diese Muster abgespeichert?
Wuerde unser Gehirn jeden Schritt den wir machen neu berechnen dann muesste es mindestens 10mal so gross sein. Dann koennten wir gehen. Da wir aber nebenbei andere Taetigkeiten absolvieren (sehen, hoeren, reden, essen,…) hat unser Gehirn im Laufe der Evolution diese „Motor-Programme“ bzw. Bewegungsmuster ausgelagert. Natuerlich ist dieser Kompromiss zwischen Rechenleistung und Effektivitaet nicht immer zu unserem Vorteil; aber die Kenntnis alleine kann uns schon weiterhelfen.
Babies erstellen diese Bewegungsprogramme erst-deshalb fallen sie auch sofort um wenn sie abgelenkt werden waehrend sie die ersten Schritte absolvieren. Nicht genuegend Rechenleistung.
Wie sieht das ganze nun im Erwachsenen aus?
Jeder Erwachsene hat fuer alle Taetigkeiten die es im Alltag gibt ein festes Bewegungsmuster. Diese Muster konnen alt sein (gehen, essen, trinken)-oder neu (Snowboard, Einradfahren, Billiard). Und wie jeder weis kann man bis ins hohe Lebensalter neue Bewegunsmuster erlernen-wenn man Zeit und Geduld mitbringt. Man braucht sich ja nur mal mit Leuten unterhalten die mit 40 Jahren angeangen haben Golf zu spielen!
Was passiert aber nun wenn wir noch nie in unserem Leben auf einem Sandstrand barfuss gegangen sind? Muss unser Gehirn das auch von Grund auf lernen? Natuerlich nicht. In diesem Fall sieht man sehr schoen wie unse Gehirn arbeitet. Das Bewegungsmuster „Gehen“ ist fest eingespeichert was dazu fuehrt dass die Beinmuskultur 10 Millisekunden vor Fersenkontakt schon anspannt, d.h. die Muskulatur bereitet sich auch das auftreffen der Ferse vor. Gleiches Prinzip beim fangen eines Balls: die Handmuskulatur spannt schon an bevor der Ball die Hand erreicht.
Diese Anspannungen sind aber auf bestimmte feste und bekannte Werte angewiesen, d.h. zum Beispiel die Haerte des Bodens, Schwerkraft, Windverhaeltnisse, Rutschfestigkeit des Bodens, etc. Ist einer dieser Werte veraendert funktioniert die Bewegung nicht mehr-man rutscht z.b im Winter bei Glatteis aus.
Da es aber unmoeglich ist all diese verschiedenen Werte abzuspeichern holt sich unser Koerper die Informationen darueber in „Echtzeit“, d.h. es wird staendig von neuem ueberprueft welche aeusseren Bedingungen vorzufinden sind. Dies geschieht ueber die ganzen Sinnesorgane die wir haben-vorrangig aber ueber die Tastrezeptoren der Haut, die Spannungsrezeptoren der Muskulatur und unsere Augen.
Diese Information wird mit dem verglichen was unser Koerper „erwartet“; die sensorische Information wird also dazu benutzt das vorbereitete Bewegungsmuster den tatsaechlichen Verhaeltnissen anzupassen. Wird unserem Gehirn diese Information genommen so werden unsere Bewegungsablaeufe „unrund“, nicht mehr gut koordiniert, abgehackt, Grobmotorisch, etc. Dies kann man in vielen neurologischen Krankheitsbildern sehr gut sehen. Ein weiteres Beispiel ist die Seekrankheit in der das Gehirn nicht in der Lage ist die unterschiedlichen Informationen unseres Innenohrs und die der Augen in Einklang zu bringen.
Was hat dies nun mit Verspannungen zu tun?
Zuerst sollte man sich klarmachen dass Verspannungen zu 99% nur im Rueckenbereich auftreten. An anderen Koeprerstellen kann dieses Phaenomen auch so bezeichnet werden. Was unterscheidet den Ruecken von z.b. unseren Beinen oder Armen? Wir sehen ihn nicht! Es gibt Akrobaten die vielleicht einen winzigen Teil ihres Rueckens sehen koennen-aber ich kenne keinen normalen Menschen der dazu in der Lage ist. Nicht umsonst gibt es auch das Sprichwort „Aus den Augen aus dem Sinn“. Man darf nicht unterschaetzen wie stark wir von visuellen Inputs abhaengig sind. Ein einfaches Experiment: stellen sie sich (gerade) hin-schauen sie nach vorne und heben sie ein Bein. Das Ziel ist es fuer 30 Sekunden ruhig stehen zu bleiben. Wiederholt man dies mehrmals ist es i.R. auch fuer Ungeuebte kein Problem das zu erreichen.
Jetzt wiederholen Sie das gleiche mit geschlossenen Augen. Unmoeglich? Nein-aber es fuehlt sich sicher anfangs so an. Das zum Thema der Bedeutung unseres „Seh-Sinnes“.
Punkt 2 zum Ruecken: die gesamte Wirbelsaeule hat in sich mehr Gelenke, Baender und Muskeln als der ganze Rest des Koerpers zusammengenommen. Dort sind die flaechenmaessig groessten und Staerksten Muskeln des Koerpers die auch beim untrainierten spielend das Dreifache bis Vierfache des Koerpers tragen koennen. Alleine die Baender zwischen den Beckenschaufeln und der Wirbelsaeule koennen bis zum 10fachen des Koerpergewichtes an Zug aushalten. Das sich diese Struktur angesichts dieser Leistungen auch noch in mehrere Bewegungsrichtungen strecken, kruemmen und drehen kann grenzt an ein Wunder. Ausserdem werden Schaeden automatisch laiufend repariert so dass Belastungen die immer wieder auftreten besser entgeghengewirlkt werden kann.
Kein Statiker, Techniker, Ingenieur dieser Welt kann eine aehnlich funktionierende Struktur kreieren.
Wieder ein Gedankensprung der noetig ist: wenn ich eine solch wunderbare Struktur habe die so vieles ermoeglicht-was ist dann fuer diese Struktur noetig um sie (gesund) zu erhalten? Bewegung. bewegung erhoeht den Blutfluss-dadurch werden Sauerstoff und Naehrstoffe antransportiert-Stoffwechselendprodukte werden abtransportiert-Gewebe wird belastet und daher wieder hochqualitativ umgebaut und es werden Informationen an unser Gehirn gesendet.
Muskeln haben zu 50% die Aufgabe unseren Koerper zu bewegen und abzubremsen-und zu 50% leiten sie durch die in ihnen liegenden Rezeptoren Informationen an unser Gehirn weiter. Unsere Muskeln sind das groesste sensorische Organ das wir haben. Da aber der Fokus der letzten Jahre/Jahrzehnte immer auf „Kraft“ gelegt wurde hat man diese wichtigste Funktion vergessen. Sehr zum Nachteil von Generationen von Patienten.
Wer bewegt aber seine Wirbesaeule schon taeglich in ausgeglichener Weise in alle Richtungen? Zirkusakrobaten und indische Yogis. Ich gehoere weder zu der einen noch der anderen Gruppe. Und wenn Sie zu einer dieser Gruppen gehoeren dann lesen Sie diesen Text sowieso nicht da Sie die oben beschriebenen Probleme nicht kennen.
Es fehlt unserem also einerseits die visuelle Information-und andererseits die Bewegung.
Was weiter?
Ueberall in unserer Haut sind Tastrezeptoren verteilt. An manchen Stellen (Finger, Zunge, Ohrlaeppchen) sind diese sehr dicht gepackt-an anderen Stellen sind sie weniger dicht. Je mehr man diese Rezeptoren benutzt desto sensibler werden sie-wie man am Beispiel der Blindenschrift erkennen kann. Auch Pianisten haben wesentlich feinfuehligere Fingerspitzen als normale Menschen.
Wie kann man das auf den Ruecken uebertragen?
Damit Rezeptoren gut arbeiten-und damit Meldungen ans Gehirn senden die es beachtenswert findet muessen staendig neue und ungewohnte Reize gesetzt werden. Jeder kennt es: man betritt einen Raum in dem ein unangenehmer Geruch herrscht. Dieser Reiz ist zunaechst neu und ungewohnt-wird aber nach einiger Zeit als normal empfunden. Das Gehirn „findet ihn nicht mehr interessant“ und beachtet ihn nicht mehr. Erst bei einem Wechsel der Umgebung bzw. der Luft merkt man wieder einen Unterschied.
Welche Reize geben wir nun unserem Wunderwerk Ruecken?
Morgens gibt es ein T-shirt oder ein Hemd, danach Fruehstueck mit Rueckenlehne, dann Fahrt zur Arbeit mit starrer Rueckenlehne, Sitz vorm PC mit Rueckenlehne, Fahrt nach Hause, …
Wir geben unserem Ruecken eine einzige Information: „Hier hinten ist immer die ganze Flaeche unter Druck“. Und das auf der Flaeche am ganzen Koerper welche die groesste zusammenhaengende Hautflaeche bietet. Ein einziger unsaeglich langweiliger Reiz fuer Milliarden von Rezeptoren.
Dazu noch fehlende visuelle und Bewegungsinformation und die Katastrophe ist vorprogrammiert.
Eine Sache muss noch besprochen werden bevor ich zum Selbsthilfeteil komme: die Rolle die Stress in unserem Leben spielt.
Fuer den Steinzeitmenschen war Stress nur in der Form von Ueberleben wichtig. Alles was das Ueberleben bedroht hat wurde mit Stressreaktionen beantwortet. Dabei werden alle Defensivmechanismen und „Leistungsmechanismen“ des Koepers auf 110% hochgefahren. Der Koerper „weiss“ dass er sich dabei selber Schaeden zufuegt-aber das Ueberleben hat Vorrang. Die Schaeden koennen in aller Ruhe in der nachfolgenden Entspannungsphase (Gefahr vorbei) wieder repariert werden (daher auch die grosse Bedeutung des entspannten und erholsamen Schlafes). In unserer Zeit wird aber vieles andere als Stressausloesend empfunden: das dauernd klingelnde Telephon, der Chef, Termindruck, …-die Zeiten vollstaendiger Erholung verschwinden zusehends.
Zwei Reaktionen sind bei dieser „Stressantwort“ zu beachten: einerseits der Schutz der Organe (Herz und Lunge) und der vermehrte Sauerstoffbedarf.
Der Schutz der Organe erfolgt vollautomatisch ueber fest eingespeicherte Reflexmechanismen. Diese sind stereotyp, d.h. die Ausfuehrung ist immer wieder gleich und aendert sich nicht. Reflexe sind sehr sehr schnell und daher ideal fuer solche Aufgaben geeignet. Der Schutzreflex beinhaltet das einwaertsdrehen der Arme und Schultern, das beugen des Oberkoerpers, das beugen des Kopfes und das hochziehen der Schultern. Somit wird die Angriffsflaeche verkleinert, der Hals vor Bissen geschuetzt und die Organe zusaetzlich verdeckt.
Sonderbarerweise ist diese Haltung nicht weit von der entfernt die die meisten Bueroarbeiter und Autofahrer haben. Ich ueberlasse es dem Leser hier weitere Spekulationen anzustellen.
Die Atmung unter Stress ist flach, schnell und beginnt mit einer „scharfen“ und schnellen Einatmung. Um dies zu bewerkstelligen muss unser Koerper seine gesamte Atemmuskulatur ruckartig kontrahierenleinerseits das Zwerchfell und andererseits die Nacken- und Halsmuskulatur die die Rippen nach oben hebt und somit eine staerkere Einatmung ermoegleicht. Wieder ein bekanntes Bild unseres Schreibtischtaeters-hochgezogene Schultern, eine flache Atmung und eine stark angespannte Hals und Nackenmuskulatur.
Und wie wir weiter oben im Text schon gelesen haben: das was wir immer und immer wieder machen wird von unserem Gehrin automatisch abgespeichert. Denn dann brauchen wir uns um diese Reaktionen nicht mehr zu kuemmern sondern koennen die dafuer benoetigte Energie fuer andere Sachen verwenden.
Zusammenfassung:
Stress loest in unserem Koerper Stressreaktionen aus. Wiederholte Ausloesung fuehrt zu einer „Automatisierung“ durch das abspeichern der entsprechenden Bewegungsmuster. Die Feinsteuerung erfolgt durch Bewegung und einkommende Informationen die wir beide nicht haben. Die reine Steuerung ueber Bewegungsmuster ist aber uebertrieben, nicht angepasst, grobmotorisch. Und siehe da: nach ein paar Jahren Taetigkeit am Schreibtisch fuehlt sich unsere Nackenmuskulatur steinhart an.
Dazu kommen noch die Veraenderungen im Gewebe die durch den hohen Anteil an Stresshormonen im Blut ausgelost werden (zusaetzlich verstaerkt durch Kaffee und Nikotin) und die meist schlechte Schlafqualitaet wodurch kleine Schaeden nicht mehr repariert werden koennen.
Die flache Atmung hat ausserdem zur Folge dass Kohlendioxid nicht mehr abgeatmet wird sondern sich im Blutkreislauf und Gewebe ansammelt wodurch unser PH Wert in Richtung „sauer“ veraendert wird was wiederum weitreichende Folgen auf den ganzen Organismus hat.
Erklaert das alleine den Schmerz?
Nicht ganz. Ein Modell geht davon aus dass chroisch angespannte Muskulatur schlecht durchblutet ist. Diese Minderdurchblutung alleine reicht aus um einen ischaemischen Schmerz auszuloesen-aehnlich einem Korperteil (Hand, Arm) die durch eine unguenstige Position „abgeklemmt“ werden und die dann bei Lagewechsel wieder „aufwachen“.
Die Gewebsuebersaeuerung traegt auch zum Schmerz bei-den dadurch werden zusaetzliche Schmerzrezeptoren aktiviert.
Der dritte Mechanismus liegt im „Basisbauplan“ unseres Koerpers: normalerweise werde aus jedem Koerperabschnitt zwei Arten von Informationen ans Gehirn gesendet: Informationen ueber Bewegung und Informationen uber „Schmerzempfindung“ (Noziception). Diese halten sich nomalerweise gegenseitig im Gleichgewicht.Faellt aber diese Information weg so gewinnt die „Schmerzempfindung“ gewaltig an Einfluss. Deswegen sollte man sich auch bei bestehendem Muskelkater weiter bewegen-denn die Bewegung hemmt sofort die Schmerzempfindlichlkeit. Diese steigt erst wieder wenn man erneut zur Ruhe kommt.
Dies sind nur drei von vielen weiteren Mechansimen die den Schmerz bedingen bzw. unterstuetzen konnen der mit Verspannungen einhergeht. Da diese aber oftmals auch nicht schmerzhaft sind sind sie nicht die einzigen Dinge die man bei der Behandlung beachten muss. Es hat sich aber gezeigt dass es die Mechansimen sind die man leicht beeinflussen kann-und das mit spektakulaeren Ergebnissen.
Was ist also noetig um Verspannungen zu beseitigen und ihrem auftauchen vorzubeugen?
- Die Wahrnehmung im betroffenen Koeperabschnitt erhoehen damit Informationen ueber den Ist-Zustand ans Gehirn geleitet werden damit dies die Muskulatur wieder fein steuern kann.
- Bewegung in den betroffenen Bereich bringen-v.a. natuerlich die Muskeln beanspruchen die momentan nicht mehr benutzt werden. Dies ist teils sehr sehr schwer da diese Muskeln im Gehirn „nicht mehr existieren“, d.h. nicht mehr vorhanden sind.
- Neue Bewegungsmsuter trainieren.
- Stressabbau. Hier liegen die einfachsten Uebungen im Bereich der bewussten Ausatmung. Der Rest ergibt sich dann sozusagen von alleine.
- Hautreize im betroffenen Bereich setzen. Ich hatte leider noch nicht die Gelegenheit mich mit Affen zu unterhalten-kann mir aber nicht vorstellen dass diese Rueckenschmerzen kennen-denn das gegenseitige entlausen hat in meiner Ansicht auch die Funktion dem Ruecken ueber die taktilen Reize (Beruehrung) etwas gutes zu tun. Wuerden mehr Menschen anstatt abends vor dem Fernseher zu sitzen sich gegenseitig den Ruecken mit einer Buerste abschrubben gaebe es auch wesentlich weniger Rueckenschmerzen.
Wohlgemerkt: es reicht i.R. aus eine einzige dieser Massnahmen durchzufuehren um eine deutliche Besserung zu erzielen! V.a. bei relativ neuen und kurz andauernden Schmerzen kann man dadurch sagenhafte Ergebnisse erzielen. Problematische wird es wenn die Schmerzen schon chronisch geworden sind. Hier muss man zum Teil auch an degeneriertes Gewebe denken das mindestens 6 Monate gezielte Belastung braucht um wieder qualitativ aufgewertet zu werden. Auch Vernarbungen im Rueckenbereich durch Trauma oder OP sind nicht zu unterschaetzen-deswegen sind die Ergebnisse nach „Bandscheiben-Operationen“ oftmals sehr schlecht da nur ein winziger Teil der Schmerzentstehung beachtet wurde und die anderen Faktoren nicht beruecksichtigt wurden.
Was wurde also bisher bei Verspannungen gemacht (und wird auch heute noch fleissig propagiert)?-und macht es denn Sinn wenn man obigen Text als Grundlage nimmt?
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Massagen
Diese Therapieform hat es schon vor tausenden von Jahren gegeben und sie wird auch in Zukunft ueberleben. Bei der Massage werden durch den Therapeuten Reize im betroffenen Gebiet gesetzt, die Durchblutung wird gefoerdert, der Patient kann sich entspannen.
Somit alles Ziele die die besprochenen Defizite ansprechen. Allerdings hier wieder das gleiche wie oben: bei chronischen Problemen sind die Erfolge nur kurzfristig bzw. nicht vorhanden. Denn die alten Bewegungsmuster sind immer noch unveraendert. Als alleinige Therapie kann Massage daher nur in wenigen Faellen dauerhafte Erfolge erzielen. -
Stretching.
Hier ergibt sich das Problem der Definition. Jeder redet davon-und jeder stellt sich etwas anderes darunter vor. So kann man natuerlich keine vernuenftige Diskussion fuehren. Die angeblichen Wirkungen von Stretching wurden alle wissenschaftlich schon seit Jahrzehnten wiederlegt, Stretching im Sinne von Muskelverlaengerung, Durchblutungsfoerderung und Senkung des Muskeltonus ist nicht moeglich. Das haelt aber viele nicht davon ab taeglich auf’s neue an ihrem Bindegewebe zu ziehen und soich dabei ab einem gewissen Grad sogar Verletzungen zuzufuegen.
Solche Methoden haben im Bereich des Rueckens nicht verloren. Wir haben dort sowieso schon ernsthafte Probleme vorliegen die wir nicht noch weiter vergroessern wollen. -
Entspannungstraining (Autogenes Tr., Post-Isometrische Relaxation, …)
Es mag sich der ein oder andere angegriffen fuehlen dass hier die ganzen Techniken in einen Topf geworfen werden. Ich erlaube mir dies auch nur weil ich den Aspekt der Entspannung ansprechen will. Unser ganzer Koerper arbeitet ueber Reflexmechanismen, d.h. alles ist mit allem anderen ueber einen oder mehrere Reflexe verbunden. Um ein Problem zu loesen kann man nun an irgendeinem dieser Reflexe eine Veraendereung wirken lassen und das ganze System reagiert darauf. Entspannung kann wirken-muss aber nicht. Hier ist es aber wert zu erwaehnen dass v.a. chronische Patienten dadurch wieder bessere Ergebnisse erzielen als akute Patienten. Die moegliche Erklaerung liegt darin dass dauerhafter Stress vom Koerper selber als Gefahr gesehen wird und dadurch noch mehr Stress ausloest. Durch bewusste Entspannung kann man also schonmal diese Ueberreaktion wegnehmen und die Gesamtsituation deutlich verbessern. -
Psychotherapie.
Nun-der zusammenhang zwischen Psyche und Koerper ist klar. Wer Zahnschmerzen hat wird nicht lachend durch die Strassen laufen, Frauen die Wehen haben erzaehlen keine Witze und Verletzte mit Brandwunden laecheln auch nicht. Harte Beispiele die eines verdeutlichen sollen: jede Verletzung beeinflusst die Stimmungslage!! Bei jedem Menschen!!
Nur weil man die Schmerzen chronischer Patienten nicht sehen kann heisst es nicht dass sie nicht da sind. Und dass diese Menschen dann „anders“ sind braucht einen nicht wundern.
Auch hier also wieder der Ansatz ueber einen Reflex einen anderen zu daempfen. -
Medikamente.
Auch hier werfe ich vieles in einen Topf. Wieso Cortisonspritzen ohne Entzuendung? Wieso Muskelentspannende Medikamente wenn das Programm im Gehirn sagt die Muskeln muessen anspannen? Wieso Psychopharmaka? Ich habe auch noch nie gehoert dass durch Medikamente Rueckenschmerzen dauerhaft weggebleiben sind. Sie haben natuerlich in akuten Faellen ihre Berechtigung-sind aber leider in den letzetn Jahren viel zu oft eingesetzt worden ohne den Menschen wirklich zu helfen. -
Krafttraining.
Hier nehme ich als Stellvertreter fuer alle Kraftorientierten Therapien das sogenannte „Kieser Training“. Es hebt sich von anderen Methoden dadurch ab dass der Slogan „Ein starker Ruecken kennt keinen Schmerz“ tagtaeglich auf vielen Werbeseiten zu sehen ist.
Man kann ueber Kieser schimpfen wie man will: die Vermarktung ist die beste auf dem Markt die es ueberhaupt gibt. Ist die Methode an sich auch sinnvoll?
Kieser propagiert die These dass die stabilisierende Muskulatur zu schwach sei und einfach nur gekraeftigt werden muesse um Schmerzen zu beseitigen. Interessanterweise wird nie gefragt warum denn die Muskulatur zu schwach ist. Als Standardantwort dienen dann eben Sachen wie „falsche Haltung, wenig Bewegung, …“-es wird nicht einmal erwaehnt dass vielleicht das Gehirn vergessen hat dass dort Muskulatur ist die arbeiten koennte wuerde man nur Informationen weiterleiten.
Die schwache Muskulatur wird also zunaechst gemessen und dann isoliert trainiert (und das mit maschinen die wirklich wie Folterinstrumente aussehen). Kann das funktionieren?
Ja. Bei einigen wenigen schon. Durch den Versuch die Muskulatur zu isolieren, d.h. nur eine Muskelgruppe kann arbeiten wird der Koerper gezwungen alles in dem Bereich aufzubieten was vorhanden ist. Dabei kann es sein dass er sich wieder daran erinnert dass es dort noch mehr Muskeln gibt und diese ploetzlich wieder anfangen zu arbeiten.
Wie aber meine Wortwahl zeigt „kann“ dass passieren-eine Garantie gibt es nicht. Macht es ausserdem Sinn Muskeln zu isolieren? Nur anfangs-bis der ganze Bereich wieder arbeitet. Danach muss das Gehirn wieder lernen wie es diese Muskulatur in einem groesseren Zusammenhang verwendet. Sonst ist man am Ende schmerzfrei beim Sitzen-aber das gehen tut immer noch weh.
Was aber am meisten stoert ist der exorbitante Preis fuer eine Therapie die auch nicht erfolgreicher ist als 2 mal pro Woche schwimmen, laufen oder spazierengehen. Wenn v.a. chronische Patienten irgendeine neue Taetigkeit beginnen haben sie immer stark abnehmende Schmerzen-auch ein Kochkurs bringt Erfolge. All diese Interventionen zeigen aber ab der 6ten Woche wieder deutlich ruecklaeufige Erfolge-die Schmerzen kommen wieder. Ein bis zwei Jahre nach Ende der intervention ist dann alles wieder beim alten. Dies ist zwar laut einer Untersuchung der AOK Niedersachsen ausreichend da man sich in der Zeit sehr viel Geld gespart hat-fuer den Patienten aber unbefriedigend.
Gibt es also eine Wunderheilung? Oder: und was soll ich jetzt machen?
In meiner Taetigkeit als Physiotherapeut habe ich vieles an und mit Patienten ausprobiert. Einiges davon war mir vom Wirkungsprinzip klar-vieles aber auch nicht. Ein intensives Literaturstudium und der Erfahrungsaustausch mit Kollegen und Kolleginnen aus der ganzen Welt hat mir aber ein besseres Verstaendnis fuer die Ursache der Problematik gegeben so dass ich jetzt besser und schneller abschaetzen kann welche Intervention fuer welchen Patienten geeignet ist.
Bei akuten Rueckenschmerzen gibt es nichts besseres als den Rat an den Patienten so aktiv wie moeglich zu bleiben. Bewegung im schmerzfreien Bereich so viel und so oft wie moeglich (wir erinnern uns: Bewegung hemmt den Schmerz). Sollte die Bewegung schmerzhaft sein so beobachtet man das Verhalten: Schmerz nur bei Bewegung ist OK-wenn er nachher wieder verschwindet; Schmerz der nach der Bewegung anhaelt ist ein Zeichen fuer eine Verletzung die noch geschont werden muss. Man muss sich eben in so einer Situation die Zeit nehmen etwas in seinen Koerper hineinzuhoeren.
Zudem erfolgt immer der Rat im betroffenen Gebiet (Ruecken) auch in Ruheposition oefter Reize zu setzen-dies mittels einer dieser wunderschoenen Badebuersten mit langem Stil mit dem man den Ruecken abschrubben kann. Ueber das setzen dieser Reize erfolgt wiederum eine sofortige Schmerzdaempfung. Toleriert die Schmerzstelle diesen Reiz nicht so empfiehlt es sich zunaechst nur den umliegenden Bereich zu buersten und sich Zentimeter fuer Znetimeter an den Schmerzpunkt heranzutasten.
Ich verwende ausserdem in der Praxis gerne Kinesiotape-ein Spezialmaterial welches diese Aufgabe des Hautreiz-setzens 24 Stunden am Tag erfuellt und teilweise phantastische Ergebnisse zeigt. Bei der kleinsten Bewegung werden sofort aus dem ganzen abgeklebten Bereich Informationen ans Gehirn gesendet welches dadurch die Muskelspannung optimal regulieren kann. Somit wird eine Art zusaetzlicher „Massageeffekt“ erzielt der wie gesagt 24 Stunden anhaelt. Hier werden in einem Tag so viele Reize gesetzt wie oft in einem ganzen Monat.
Bei chronischen Patienten kann man auch die gleichen Ratschlaege und Massnahmen geben bzw. einleiten. Hat sich das Gewebe aber durch jahrelangen Nichtgebrauch schon abgebaut ist es damit noch nicht getan. Der Schmerz verschwindet auch hier teilweise sehr schnell-bzw. wie oben beschrieben wird deutlich weniger-kommt aber wieder wenn man die behandlung bzw. die Eigeninitiative nicht weiterfuehrt. Hier ist es absolut noetig eine langfristige koerperliche Beschaeftigung durchzufuehren-vorzugsweise im Ausdauerbereich. Auch hier ist aber meine erste Empfehlung immer die Buerste-einfach, billig und sehr sehr wohltuend wie mein Ruecken mir das auch immer mitteilt.
danke für die geduld!!!
tschüss
matthias