Modeerkrankung Depression
Hallo Isabel, hallo Anja
Ich weiss, dass die Depression eine ernste Erkrankung ist, die man
nicht mit „das wird schon wieder“ und „goenn’ dir mal 'ne Pause“ aus
der Welt schaffen kann.
Ich weiss auch, dass die Zahl der an dieser Krankheit Leidenden
zunimmt, vielleicht weil die Welt immer komplizierter wird.
Aber:
Traurigkeit und Zeiten von Muedigkeit und Niedergeschlagenheit gibt
es im Leben fast jedes Menschen, der lange genug gelebt hat. Das ist
auch nicht erst seit ein paar Jahren so, sondern das gibt es sicher
schon seit praehistorischen Zeiten. Wenn ich an Erscheinungen wie
Sklaverei, Verfolgung, bittere Armut und Krieg denke, dann gab es
Zeiten, in denen die Menschen mehr litten als heute.
Die Depression wird aber als Krankheit erst seit vielleicht 100
Jahren systematisch erforscht, benannt und bekaempft.
Da stellen sich mir folgende Fragen:
Wie viele Depressive (nach moderner Definition) gab es vor 50, 100,
500, 2000 Jahren?
Was tat man frueher gegen Depression, also zu Zeiten, als es sie als
Krankheit noch gar nicht gab?
Sind alle Strategien aus frueheren Zeiten unbrauchbar?
Wenn man einem Traurigen und Erschoepften sagt, er habe eine
Depression, dann kann es passieren, dass dieser Gedanke die
Depression erst erzeugt. Denn er beginnt dann vielleicht, sich auf
diese Vorstellung zu fixieren, haelt nach weiteren Symptomen
Ausschau, die dann auch nicht lange auf sich warten lassen und setzt
so einen sich selbst verstaerkenden Prozess in Gang.
Sagt man einem Traurigen und Erschoepften jedoch, dass er sich nicht
zu bekuemmern brauche und dass sein Zustand voruebergehe, dann fasst
er vielleicht Mut und kriegt die Kurve in Richtung Ausgeglichenheit
und Frohsinn.
Man darf nicht vergessen, dass an der Depression viele Menschen viel
Geld verdienen (Therapeuten und Pharmaindustrie). Und was kann es
schoeneres fuer diese Leute geben, als eine Krankheit, mit der sich
der Patient nicht erst irgendwo infizieren muss, sondern die man ihm
einfach einreden kann.
Eine eingeredete Depression ist keine eingebildete, sondern sie ist
real, das weiss ich schon, nur dass ihre Ursache eben teilweise in
der Suggestion lag.
Mir liegt es fern, die Depression herunterzuspielen, aber wie viele
andere psychische Krankheiten laesst sie sich eben relativ leicht
erzeugen. Bei entsprechend disponierten Menschen reicht dazu schon
einen Symptomkatalog zusammenzustellen.
Deshalb ist es keine gute Idee, immer gleich „Depression“ oder „ADS“
zu schreien, wenn jemand Probleme hat, die zum Menschsein einfach
dazugehoeren und die unsere Vorfahren auch ohne Pillen und Therapie
in den Griff bekommen haben.
Natuerlich ist es wichtig, dass jemand, der tatsaechlich eine
Depression hat, rechtzeitig zum Arzt oder Therapeuten geht. Aber
nicht jeden muss man dahinschicken. Aufgrund eines Forumbeitrages ist
das schwer festzustellen und im Zweifelsfall verzichte ich darauf,
jemandem einen Floh ins Ohr zu setzen.
Gruss, Tychi