in letzter Zeit ist mir aufgefallen, daß es durchaus mehrere Gemälde gibt „Die Versuchung des Hl. Antonius“, ich kenne alleine schon um die fünf. Frage: was ist denn da so besonderes dran, daß immer über DIESE dargestellt wird? Andere Leute wurden doch auch „versucht“.
Frage: Womit wurde er denn versucht, lt. Historischer Darstellung? Ich kenne sogar ein Gemälde mit lauter nackten Frauen als Versucherinnen…
War das der Antonius von Padua, der immer die Lilie hat, und das Christusking mit Bibel auf dem Arm? Der war doch eigentlich über alle weltlichen Dinge erhaben, oder? (es gibt ja noch andere „Antoniusse“; in Nürnberg hat man mir mal den „Schweineantonius“ gezeigt).
es ist stets der „Eremit Antonius“ gemeint, der um 251 in Ägypten geboren und 356 gestorben sein soll.
Athanasius, Bischof von Alexandrien, hat sein Leben beschrieben und nach den damaligen Vorstellungen gehörten solche „Versuchungen“ einfach zu einem heiligen Leben.
Darum wird ja auch von Jesus eine Versuchung erzählt.
es könnte sein, dass Wilhlem Busch für die Vermischung der Heiligenviten verantwortlich ist.
Aber in Heiligenviten gibt es schon seit jeher feste Topoi: eine vorgeburtliche Ankündigung, eine nachgeburtliche Gefährdung, eine Berufung oder Offenbarung der Aufgabe, eine erneute Versuchung, Wunder, Verfolgungen etc.
Und so könnte es sein, dass schon vorher Hagiographen bestimmte Szenen in die Biografie eingebaut haben bei Antonius von Padua, die sie vom Eremit Antonius geholt haben.
Ähnliches passierte auch bei den beiden Nikoläusen. Heute ist ja nur noch einer bekannt, hinter dem aber zwei stecken.
zumindest das Schweinchen am Ende hat Wilhelm Busch selber eingebracht.
In den Legenden von Antonius von Padua kommt kein Schwein vor, er predigt vielmehr den Fischen (=> Mahler).
Das Schwein ist dagegen festes Attribut der Einsiedlers Antonius. Wobei auch ihm dies erst später angehängt wurde.
Dazu:
_ Die Schweinchen des heiligen Antonius
Der Stich von Martin Schongauer (auf der vorderen inneren Umschlagseite) zeigt die Hauptattribute des hl. Antonius, die wir auf fast allen Darstellungen des Heiligen wiederfinden: den Kreuzstab, dem Schongauer hier eine originelle Form verleiht, meist in Form eines T dargestellt, das Glöckchen, hier schon eher eine Glocke, das den Beginn der Kollekte ankündigt, schließlich das Schweinchen, das populärste Symbol des Antonius.
Dieses Symbol ist auf ein weiteres Monopol der Antoniter zurückzuführen: die Ferkel, die man sich angewöhnt hatte, den Antonitern als Gabe anzubieten, konnten frei herumlaufen und sich von Abfällen ernähren; gut gemästet wurden sie geschlachtet und verkauft oder in den Hospitälern des Ordens verzehrt.
Um jede Verwechslung auszuschließen, wurden diese Schweine des hl. Antonius mit dem Kreuzzeichen versehen oder trugen ein Glöckchen im Ohr, wie auch auf dem Schongauer-Stich dargestellt. Da hierdurch Eifersucht und Neid jedoch nicht ausgeschaltet waren, verlieh Papst Clemens IV. im Jahre 1265 den Antonitern das absolute Anrecht auf die Schweine, wobei die unerlaubte Aneignung dieser Tiere in regelmäßigen Abständen verboten werden musste._
Dieser Antonius lässt sich festmachen, es ist der Eremit. Er ist u.a. Schutzpatron des Viehs. Davon leitete der Antoniterorden (1059 gegründet) das Recht ab, Stadtschweine zu halten. Städte bekamen durch diese privilegierten heiligen Stinker Probleme mit der Kirche - keine Chance, die Säue vor die Städte zu verbannen.
Antonius Eremita und seine Schweine wurden von Dante, Riccardo Bacchelli und von Hans Sachs literarisch gewürdigt. Die „Säupredig“ von Hans Sachs hat es mir speziell angetan…
Busch scheint den richtigen Antonius „gewürdigt“ zu haben.
Quelle: „Die Sau des Salomo, Fährten des weisszahnichten Schweines in der Weltliteratur“ von Karl August Groskreutz, ISBN 3 8052-0477-9.
Weisst du, was „weisszahnicht“ bedeutet? (Ich habe kein Eszett auf der Tastatur!)
es ist stets der „Eremit Antonius“ gemeint, der um 251 in
Ägypten geboren und 356 gestorben sein soll.
Athanasius, Bischof von Alexandrien, hat sein Leben
beschrieben und nach den damaligen Vorstellungen gehörten
solche „Versuchungen“ einfach zu einem heiligen Leben.
Hallo Fritz, ja schon. Aber, ich hab noch nie was von der Versuchung des Mathäus, Pius, was weiß ich gehört, und schon gar nicht schauerlichst gemalt.
Antal
Darum wird ja auch von Jesus eine Versuchung erzählt.
Ach, ja, ja! - so seufz’ich immer -;
Denn die Zeit wird schlimm und schlimmer
…
Wie du unschwer ersehen kannst, verifiziert und, da heute Aschermittwoch ist, Asche auf mein Haupt. Eine ganze Menge.
„Weißzahnicht“ = weißzahnig = ? keine Idee!
Du hast doch das Buch gelesen. Worum geht es da?
Weder im Buch noch in Nachschlagewerken einen Hinweis gefunden. Der Verfasser stammt aus Ostholstein, vielleicht eine Spur.
naja, natürlich ist nicht jede/r Heilige so exquisit versucht worden wie Antonius. Und manche hatten eben Pech und verpassten dieses Erlebnis.
Da gehören auch viel unspektakulärere Ereignisse dazu; etwa wie Petrus versucht war, aus Rom zu fliehen und ihm dann Jesus begegnete, du weißt schon Quo vadis?
Und es sind schon die „besonderen Heiligen“, denen Versuchungen nachgesagt werden.
Und so könnte es sein, dass schon vorher Hagiographen
bestimmte Szenen in die Biografie eingebaut haben bei Antonius
von Padua, die sie vom Eremit Antonius geholt haben.
Ja, so ähnlich stelle ich mir das auch vor.
Ähnliches passierte auch bei den beiden Nikoläusen. Heute ist
ja nur noch einer bekannt, hinter dem aber zwei stecken.
Das war auch meine Assoziation.
Na schön, nix g’naus woaß ma net!
Danke für deine Mühe und deine Antworten!
m. W. war das mit den Schweinen umgekehrt, d.h. die Antoniter hatten das Privileg der Schweinehaltung, und von dort wanderten die Schweine in die Antoniuslegende und -darstellung. Schweine in der ägyptischen Wüste wären ja auch eher deplatziert.
Die Handwerks-, Handels- und Steuerprivilegien der Ordensgemeinschaften, die ihnen in den heiligen Anfängen von religiös motivierten Obrigkeiten gewährt worden waren und in der Folge zu starken Wettbewerbsverzerrungen führten, waren das ganze Mittelalter über ein brisantes Konfliktfeld und eine der Ursachen für den gewaltigen Erfolg der Reformation.