Hallo,
Findest Du wirklich, daß die Bezeichnung „Zwangsarbeit“ hier
zutrifft? Niemand wird zur Arbeit gezwungen. Es geht vielmehr
darum, daß ein arbeitsfähiges Gemeindemitglied von seiner
Gemeinde den Lebensunterhalt erwartet. Die Gemeinde kommt
dafür auch auf, erwartet aber ihrerseits, daß der Unterstützte
eine Gegenleistung erbringt.
Wenn die Gemeinde unerledigte Arbeit hat, kann sie ja eine Stelle anbieten und die geleistete Arbeit gerecht entlohnen. Die Sozialhilfeempfänger so darzustellen, als hätten sie sich diese Situation ausgesucht und würden es sich auf Kosten der Allgemeinheit gut gehen lassen halte ich einfach für eine Unterstellung, die nicht zu rechtfertigen ist, außer man bietet eine Alternative.
Und das nennst Du Zwangsarbeit ohne Bezahlung?
Ja! Die Notlage der leute auszunutzen um zu billigen Arbeitskräften zu kommen nenne ich Zwangsarbeit.
Es gab schon den Vorschlag, die Leute z.B.: in Krankenhäusern arbeiten zu lassen, … ohne sie zu fragen, so wie Du das ja auch vorschlägst. Das führt dann dazu, daß die bezahlten Jobs weg fallen und die Leute nach ihrer Entlassung ihren alten Job wieder bekommen. Eben nur nicht für das Geld wie früher.
Ich habe ein
großes Problem damit, wenn durchaus leistungsfähige Menschen
auf Kosten ihrer Gemeinde leben, aber nicht bereit sind, dafür
etwas zu geben. Das ist im wahrsten Sinne des Wortes asozial!
Wieso wird ständig unterstellt, daß die Leute nicht arbeiten wollen? Ich muß zugeben, daß ich nur einen einzigen persönlich kenne, aber auf den trifft das in keiner Weise zu.
Ja, er ist arbeitsfähig. Er würde auch arbeiten, wenn man mit 55 noch ne Chance auf nen Job hätte. Er ist Dip. Betriebswirt. Soll der nun den Park fegen, nur weil sein ehemaliger Arbeitgeber ihn entlassen hat?
Der Mangel an bezahlter Arbeit am freien Markt ist gewiß
bedauerlich. Es ist aber eine ganz billige Sozialdekadenz,
dann auf nicht genauer bezeichnete Fehler nicht genauer
bezeichneter Leute zu verweisen, um dies als Begründung für
Untätigkeit zu verwenden.
Die Fehler und Leute könnte ich auch genauer bezeichnen, das würde aber dann ein Buch füllen, weil ich diese Behauptungen dann ja auch untermauern müßte. Ich hoffe doch, daß wir darin übereinstimmen, daß die Sozialhilfeempfänger sich dieses Los nicht ausgesucht haben. Natürlich gibt es auch Ausnahmen, aber wenn man verallgemeinert, muß man schon von der Mehrzahl reden, nicht von den Ausnahmen.
Da sitzen Sozialhilfeempfänger in
einer kleinen Gemeinde. Niemanden in der Gemeinde trifft eine
Schuld für die Lage des Sozialhilfeempfängers. Die Gemeinde
bezahlt also den Lebensunterhalt. Und was ist daran nun
verwerflich, wenn die Gemeinde eine Gegenleistung erwartet?
Sie ist schließlich auch nicht auf Rosen gebettet.
Daran ist doch der Sozialhilfeempfänger nicht schuld. Du machst die Opfer zu Tätern.
Die Gedankenwelt, von der ich hier höre und lese, macht mich
tief betroffen. Es hat absolut nichts mit
Arbeitgebermentalität, nichts mit Ideologie o. ä. zu tun, die
Erwartungshaltung ohne jede Gegenleistung durchgefüttert zu
werden, ist für mich nicht nachvollziehbar und durch nichts zu
begründen. Dabei rede ich nicht von Alten, Kranken oder
Behinderten, ich rede nicht von der alleinerziehenden Mutter,
ich rede ausdrücklich nur von arbeitsfähigen Menschen.
Na ich verstehe immer, daß Du von arbeitsunwilligen Menschen sprichst.
Wenn das stimmen würde, wäre ich ja Deiner Meinung. Aber genau das glaube ich nicht. Ich glaube, daß das Gerüchte sind, die gezielt in die Welt gesetzt werden, um die Bezüge kürzen zu können. Dann kommt noch dazu, daß gelegentlich Jobs angeboten werden, bei denen das Einkommen unter der Sozialhilfe liegt. Werden diese Jobs dann abgelehnt, steht es in der Zeitung. Für mich ist das einfach Betrug.
Sollen die Arbeitgeber die Wirtschaft ankurbeln, dann wird es Vollbeschäftigung geben. Dann darfst Du mit Deinen Argumenten kommen.
Mich interessiert jetzt mal eine Statistik über die Zusammensetzung der Sozialhilfeempfänger. Sicher werde ich mit Google da etwas finden.
Ich finde es aber absolut nicht in Ordnung, jemanden, der unverschuldet in Not geraten ist, zur Strafe auch noch zu niederen Arbeiten zu zwingen. Von einer Differenzierung nach Qualifikation hast Du ja nichts gesagt und vermutlich hast Du das auch nicht gemeint. Daß ‚Park fegen‘ für einen Sozialhilfeempfänger ohne Schulabschluß durchaus eine angemessene Tätigkeit sein kann, steht ja außer Frage. Warum aber soll den Job jemand machen und dann noch seine Bedürftigkeit nachweisen? Arbeit muß so entlohnt werden, daß man davon leben kann. Andern Falls sind wir bald alle Sozialhilfeempfänder und werden für unsere Stütze beschäftigt.
Das Ganze hat schon etwas mit Arbeitgebermentalität zu tun. Die Politik zielt ja immer mehr darauf ab, die finanziellen Belastungen für die Arbeitgeber zu senken. Dazu gehören auch Steuern.
Wenn Sozialhilfeempfänger durch die Gemeinden ‚beschäftigt‘ werden, spart das Steuergelder, mit denen dann z.B.: der Spitzensteuersatz gesenkt werden kann. Andere Wege, die auch beschritten werden, ist die paritätische Finanzierung des Sozialsystems immer weiter abzubauen.
Die Mittel dafür sind die Pflegeversicherung, Medikamentenzuzahlung …
ich will jetzt nicht die Agenda 2010 abschreiben.
Grüße,
Rainer