Hi
Das wundert dich?
Überleg doch mal, wo der Arztberuf herkommt und warum da immer noch ein Eid geschworen wird, der doch heute eigentlich so überflüssig ist.
Ärzte waren früher Heiler und je nach Kultur gleichzeitig Heilige.
Sie hatten die Fähigkeiten anderen Menschen zu helfen, aber auch die Pflicht dazu. Dafür wurden sie honoriert mit einem hohen oder zumindest besonderen Status, wie das heute auch noch ist (der heilige weiße Kittel, HERR DOKTOR hat gesagt…).
Gerade mit unserem christlichen Moralempfinden auf dem unsere heutige Kultur fußt erwarten wir selbstverständlich, dass ein _guter_ Mensch uns hilft, wenn er kann. Und ein Arzt kann nunmal auf Gebietne, wo es kein anderer kann. Von daher ist „guter Samariter“ hier das ganz passende Stichwort.
Heute fällt das sozio-religiöse Gerüst allerdings weg und wurde durch ein rein kapitalistisches ersetzt, es bringt seinem Arzt ja auch selten noch jemand einen Fresskorb mit und wenn, wird dieser bestimmt nicht als Bezahlung angenommen.
Das honorieren ist allerdings immer noch oft da, gerade in Stadtrandgebieten. Zu bestimmten Feiertagen stapeln sich in den besseren Praxen die Geschenke, bei meinem Bochumer Hausarzt so hoch, dass die gar nicht wissen wohin damit und hinter der Theke gar keinen Platz mehr haben.
Das MUSS auch niemand machen, es geschieht aber dennoch aus Dankbarkeit - Dankbarkeit für die hochheiligen Kräfte der „Heiler“, obwohl sie doch schon längst kapitalistisch mit Geld bezahlt worden sind…
uralte Kulturvorstellungen lassen sich so schnell nicht tilgen.
Dementsprechend sehe ich es uch als grausam an, die körperlichen und seelischen Nöte eines Menschen mit einem Haarschnitt zu vergleichen.
Natürlich hast du Recht, das Mädchen brauchte in dem Moment vor allem Beruhigung - aber auch die hat es nicht erfahren, seine Not prallte erstmal am Finanziellen ab und statt ihr zu sagen, warum sie jetzt gerade kein Notfall ist (du wirst es schon überleben…) wurde ihr erstmal klar gemacht, dass ihre Not im Angesicht des Geldes bedeutungslos ist.
Gut, dass sie den Haarschneidekommentar nicht lesen musste, das wäre der Gipfel des „Du bist wertlos“ und zeichnet ein trauriges Bild von dieser Gesellschaft.
Ja, der Arzt muss auch Geld verdienen. Das ist nachvollziehbar, und _dennoch_ wird die Dienstleistung des Heilens nie mit der Dienstleistung des Haareschneidens identisch sein.
Weil Haare totes Gewebe sind, und Menschen nun einmal Gefühle haben. Meistens.
lg
Kate