Vorstellungsgespräch und zugleich Beginn Weiterbil

Hallo,

ich bin Empfänger von ALGII und soll am 2.01. eine Schulung/Weiterbildung (gefördert durch Europäischer Sozialfond) beginnen. Da ich aber am 2.01. ein Vorstellungsgespräch abends um 18.15 Uhr habe, kann ich den ersten Tag in der Schule nicht wahrnehmen. Ich bin kein Prüfungsmensch und für mich bedeutet der 2.01. und die Nacht davor Stress und Auseinandersetzung mit dem anstehenden Vorstellungsgespräch.

Wenn ich also am 2.01. zur Schule gehe, 15.30 Uhr zuhause bin, dann Kind betreue, steht mir der Kopf sonstwo. Bin so schon durch den Wind vor einem Vorstellungsgespräch, aber wenn ich dann noch die überwiegende Zeit in der Schule bin… Ich weiß nicht wie ichs machen soll.

Ich kann doch aber in der Schule nicht sagen, dass ich abends ein Vorstellungsgespräch habe und deswegen nicht kommen kann am ersten Tag. Was mache ich da nur? Ich brauche die Zeit einfach komplett Ruhe.

Bin auch nicht der Typ, der zum Arzt geht und dort irgendwas erfinden kann, weshalb er ne Krankschreibung braucht.

Habe einfach Angst, dass mir dadurch irgendwelche Nachteile entstehen, wenn ich am ersten Tag nicht in der Schule erscheine. Dass ich seitens der Schule dann gar nicht mehr zur Weiterbildung kommen brauche, wenn ich am ersten Tag wegen diesem Grund nicht erscheine… Oder seitens des Arbeitsamtes, Kürzung des Regelsatzes deswegen oder dass ich keine anderen Maßnahmen bewilligt bekomme, wenn ich diese Weiterbildung nicht vernünftig wahrnehme (also den ersten Tag nicht erscheine) …etc pp.

Was kann ich machen. Wisst Ihr da was?

Danke

Hallo!

Was kann ich machen. Wisst Ihr da was?

Mache Dir klar, daß es sich um keine Prüfung handelt. Du hast dabei nämlich gar nichts zu verlieren. Der Zustand kann bleiben wie er ist oder er kann sich verbessern. Damit meine ich, es bleibst vorerst bei der Arbeitslosigkeit oder Du bekommst den Job. Es gibt aber keine Möglichkeit der Verschlechterung. Es ist für Dich eine Gewinnsituation, die keinerlei Angst verdient.

Du wirst sicherlich kein Problem haben, ohne tagelange Aufregung und Planung einem Dir bekannten Menschen zu begegnen, um ein Pläuschchen zu halten und übers Wetter zu reden. Solche Begegnung wird Dir ohne weiteres auch mit einem fremden Menschen gelingen, wenn es um irgendwelche Alltagsbelange geht, beim Einkaufen, an der Tankstelle oder im Einwohnermeldeamt. Betrachte das Vorstellungsgespräch genau so.

Du wirst bei einem Vorstellungsgespräch nicht geprüft. Du wählst Kleidung, in der Du Dich wohl fühlst, die Dich nicht einengt. Du machst Dich rechtzeitig auf den Weg, damit überhaupt kein zeitlicher Streß entsteht. Dann stellst Du Dich vor und wie bei jeder Begegnung zwischen Menschen entscheiden die ersten Momente, ob die Chemie stimmt. Dabei mußt Du keine eingeübten Sätze aufsagen und keine Show abziehen. Abgesehen von einem Ordner mit ein paar Papieren ist jegliche Vorbereitung überflüssig. Sei einfach Du selbst und wenn Du unsicher bist oder meinst, unsicher zu wirken, dann ist das eben so. Akzeptiere Dich selbst!

Ein Vorstellungstermin nach 18 Uhr - ich nehme an, es wird ein kleinerer Betrieb sein. Dir wird ein Mensch wie der örtliche Schreiner oder Edeka-Händler gegenüber sitzen, dem die Ehefrau ein sauberes Hemd bereit gelegt hatte, damit er einen ordentlichen Eindruck bei Dir hinterläßt. Mach Dir klar, es ist ein Mensch wie Du, der den üblichen mitmenschlichen Respekt verdient wie jeder Mensch, mit dem man Umgang pflegt, aber mehr eben auch nicht. Mach Dir klar, daß es bei jedem Frisörbesuch intimer zugeht als beim Vorstellungsgespräch. Dein Gesprächspartner ist nicht Dein Gegner. Er will doch schließlich etwas von Dir, nämlich Deine Arbeitskraft.

Ich will Dir keine Friede-Freude-Eierkuchen-Illusion vormachen. Es kann immerhin sein, daß Du von einem unsympathischen Ekelpaket empfangen wirst. Das wäre zwar nicht schön, aber immer noch eine Situation, der Du mit Gleichmut begegnen kannst. Du kannst gar nichts verlieren. Du gehst in die Situation so unvorbereitet hinein, wie Du unvorbereitet einen Laden betrittst, in dessen Schaufenster Du etwas Interessantes entdeckt hast.

Schluß mit belastenden Gedanken! In ein paar Tagen beginnt ein neues Jahr und Deine Weiterbildung. Um 15 Uhr fällt dort der Griffel, danach kümmerst Du Dich um Dein Kind und hinterher gehst Du mal eben zum Vorstellungsgespräch. Streiche alle Gedanken von Verkomplizierung einer problemlosen Situation mit Arztbesuch oder seltsamen Erklärungen.

Ich weiß nicht mehr, wer mal in diesem Forum den Ausdruck Tütensuppenpsychologie prägte. Sowas will ich jedenfalls nicht betreiben. Dennoch habe ich den Eindruck, daß Du ein kleines Problem mit dem Selbstbewußtsein hast. Ist ja nicht schlimm und schon gar nicht ungewöhnlich, aber es belastet Dich. Sowas läßt sich beheben oder genauer: Du selbst kannst solche Probleme beheben. Es gibt an Volkshochschulen z. B. Kurse in freier Rede. Dabei kann man u. a. lernen, in sich selbst liegende Schranken abzubauen und es hilft zunächst schon das Erleben, daß alle Teilnehmer der Gruppe mit ähnlichen Problemen, Hemmungen, Ängsten und zuweilen hochroten Köpfen dasitzen. Besorge Dir gelegentlich das Programm der VHS, Du kannst dort viel Spaß haben.

Berichte bitte, wie es Dir am ersten Tag der Fortbildung und beim anschließenden Vorstellungstermin ergangen ist.

Gruß
Wolfgang

Hallo Wolfgang,

danke für Deine ausführliche Antwort.

Das Vorstellungsgespräch findet bei einem bekannten Bauunternehmen statt, die auf hohem Niveau Objekte restaurieren und rekonstruieren für hohe Ansprüche an Stil, architektonische Ästhetik, Ausstattung und Qualität.

Die Sekretärin (?) hatte mich am 23.12. angerufen und mit mir den Termin vereinbart. Sie wissen nicht, wer da kommt. Sie kennen nur meine Anzeige.

Bürofachkraft
30J, Ausbildung FA f. Bürokommunikation, attr. gepfl. Erscheinung, gute Umgangsformen, FS, möchte endlich ins Berufsleben einsteigen. Arbeitsort bundesweit, alle Richtungen im Büro/Vewaltung/Sekretariat/Verkauf - Schreibdienst, Bürokraft, Verkaufshilfe, Telefondienst - nur Innendienst, Festgehalt. Kein AD,Versichg., Finanzdienstl.,Amway!

Sie wissen also nicht, dass ich 2,5 Jahre arbeitslos bin, dazu eine Erziehungsphase von knapp 3 Jahren, dass ich also gesamt 5,5 Jahre aus dem Berufsleben raus bin. Sie wissen auch nicht, dass ich ein Kind habe.

Ich muss also viel darlegen und argumentieren, warum ich meine, für den Job zu taugen trotz aller berufsbezogen negativen Umstände (lange Zeit nach der Ausbildung ohne Arbeit, keine richtige Berufserfahrung, Kind…) Ich habe nichts zu verlieren, das ist richtig. Aber wenn das bei mir so weiter geht, passiert gar nichts mehr und ich kann mich aufgeben. Manche sagen, ich komme jetzt schon nicht mehr wieder rein, weil ich einfach zu lange raus bin und mit Kind nicht so flexibel bin was die Arbeitszeit betrifft (nur bis 17 Uhr). Durch die ganze Situation und viele Absagen ist mein Selbstbewusstsein klar nicht das beste. Habe Versagensängste durch die Absagen und ein Prüfungsmensch war ich auch noch nie. Für mich ist das eine Art Prüfung und es ist leicht gesagt, dass ich mir keine Gedanken drum machen soll. Ich weiß, dass es darum geht, wie ich mich verkaufe. Drum will/muss ich mich ausreichend vorbereiten und brauche Ruhe „vor dem Sturm“. Ich weiß auch was für Fragen kommen könnten, und das sind so viele, auf die ich mich einfach vorbereiten muss. Ich möchte da nicht rumstottern (was aber passiert, wenn ich mich nicht in Ruhe vorbereite).

Der Tip mit einem entsprechenden VHS-Kurs ist gut, werde ich wahrscheinlich machen.

Danke Dir, Wolfgang

viele Grüße
Bärchen

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo!

Bürofachkraft 30J, Ausbildung FA f. Bürokommunikation, attr. gepfl. Erscheinung, gute Umgangsformen, FS, :möchte endlich ins Berufsleben einsteigen. Arbeitsort bundesweit, alle Richtungen im :Büro/Vewaltung/Sekretariat/Verkauf - Schreibdienst, Bürokraft, Verkaufshilfe, Telefondienst - nur Innendienst, :Festgehalt. Kein AD,Versichg., Finanzdienstl.,Amway!

Sie wissen also nicht…
Sie wissen auch nicht, dass ich ein Kind habe.

Wer „möchte endlich ins Berufsleben einsteigen“ liest, kann sich den kompletten Lebenslauf an den Fingern abzählen und geht ganz selbstverständlich von einer Frau mit Kind aus. Es gibt nicht den geringsten Rechtfertigungs- und Erklärungsbedarf, denn so oder ähnlich verläuft buchstäblich naturgemäß der Werdegang zahlloser junger Frauen.

Es kann schwieriger werden, wenn sich eine 30-jährige Frau bewirbt, die kein Kind hat. Die allgemeine Erfahrung lehrt, daß der Kinderwunsch so sicher wie das Amen in der Kirche kommt. Dann hat sich die neu eingestellte Kraft gerade eingearbeitet, wird prompt schwanger und der Betrieb hat seine helle (und teure) Freude. Ein Kind zu haben, ist kein Nachteil! Es gibt Leute, die sehen das anders, aber dort bist Du sowieso an der falschen Adresse.

Ich muss also viel darlegen und argumentieren…

Das ist überflüssig! Sobald man am eigenen Werdegang etwas schönen, in entstellender Weise erzählen oder umschiffen möchte, wird das Leben anstrengend. Erspare Dir solche Mühen, dann verläuft das Gespräch unverkrampft. Es ist doch nun wahrlich nicht ehrenrührig, wenn eine junge Frau ein paar Jahre darauf verwendet, für ihr Kind da zu sein. Was willst Du denn dabei verbrämen, in besonderer Weise darstellen? Es ist alles in bester Ordnung, Millionen Frauen sind in der gleichen Situation. Ohne Frauen mit der Bereitschaft, Kinder zu gebären und ihnen Zeit zu widmen, funktioniert unsere Welt nicht.

… warum ich meine, für den Job zu taugen trotz aller :berufsbezogen negativen Umstände (lange Zeit nach der Ausbildung ohne Arbeit, keine richtige :Berufserfahrung, Kind…)

Deinem Stellengesuch ist ohne weiteres zu entnehmen, daß Du über keine längere Berufserfahrung verfügst und Kinder sind kein Negativmerkmal. Du bleibst beim Vorstellungsgespräch ganz einfach bei den Tatsachen wie sie nun einmal sind. Dann erübrigen sich alle sorgenvollen Gedanken. Aussagen, wonach Menschen ohne lange Berufserfahrung mit 30 chancenlos sind, halte ich für Unfug. Es gibt viele Tätigkeiten, die - Zeitgeist hin oder her - von Menschen mit etwas Lebenserfahrung und auch privat in fester Verantwortung stehend, besser auszufüllen sind als von unreifen Küken.

Gruß
Wolfgang

1 „Gefällt mir“

Hallo, geh doch erst mal zur Schule, in der ersten Stunde erfährst du viel über das wie und was dort abläuft. Dann bringe auch an dass du heute noch ein Vorstellungsgespräch hast (sollte bei einer AA-Maßnahme durchaus normal sein) und wie es sich in diesen Situationen verhält (muss man dafür ein besonderes Formular ausfüllen, wo bekommst du es, darfst du fehlen, wie sieht das mit Vorbereitungszeit dafür aus-umziehen, waschen , Anreise, etwas zur ruhe kommen etc. sollte eigentlich drin sein). Ich war in einer AA-Maßnahme bei der FAW und wir durften an solchen Tagen den ganzen Tag freinehmen oder wenn es abends wie bei dir war auch ab einem von uns gewählten Zeitpunkt. Dazu mussten wir einfach nur einen Fehlzeitenzettel ausfüllen mit dem Vermerk Vorstellungsgespräch (dann war auch keine Zeitangabe nötig), dagegen musste bei akutem Unwohlsein angegeben werden ab wann einem schlecht war (meist gut nach dem Mensaessen :wink: glaubhaft).
Viel Glück Susanne

Danke lieber Wolfgang, ich werde mir Deine Zeilen bis zum Gespräch sicher noch ein paar mal zu Herzen nehmen.

Ich werde das schon deichseln.

DANKE

Bärchen

Hallo Susanne,

danke auch Dir. Wahrscheinlich mach ich mir nur zu sehr einen Kopf. Du hast Recht, ich werde da erstmal hingehen und bis mittag aber wieder verschwinden. Das wird schon klappen.

LG
Bärchen

Hallo Baerchen!

Sag doch mal Bescheid, wie’s gelaufen ist! Interessiert Wolfgang bestimmt auch.

Ich drücke Dir die Daumen!
Liza

Liza
Ja Liza, gebe dann mal Bescheid. Danke fürs Daumendrücken :o)

LG
Bärchen

BERICHTerstattung @Wolfgang und die anderen
Hallo Wolfgang und alle andern,

habe mich gestern mehr oder weniger gut geschlagen. Hatte ein Blackout. Das habe ich auch gesagt und zudem dass ich eben kein Prüfungsmensch bin und das für mich eine besondere Situation ist, ich also nicht immer so bin wie ich mich dort gegeben habe.

Bin nun zu einem Assessmentcenter geladen und muss mich da durchboxen. Wird schwer, was ich so gelesen habe, aber die Erfahrung muss man wohl mal machen. Ggf kann man sich dann bei einem evtl nächsten Assessmentcenter besser schlagen.

Also danke nochmal für Eure Antworten, insbesondere auch Wolfgang :smile:

viele Grüße
Bärchen