Hallo!
Was kann ich machen. Wisst Ihr da was?
Mache Dir klar, daß es sich um keine Prüfung handelt. Du hast dabei nämlich gar nichts zu verlieren. Der Zustand kann bleiben wie er ist oder er kann sich verbessern. Damit meine ich, es bleibst vorerst bei der Arbeitslosigkeit oder Du bekommst den Job. Es gibt aber keine Möglichkeit der Verschlechterung. Es ist für Dich eine Gewinnsituation, die keinerlei Angst verdient.
Du wirst sicherlich kein Problem haben, ohne tagelange Aufregung und Planung einem Dir bekannten Menschen zu begegnen, um ein Pläuschchen zu halten und übers Wetter zu reden. Solche Begegnung wird Dir ohne weiteres auch mit einem fremden Menschen gelingen, wenn es um irgendwelche Alltagsbelange geht, beim Einkaufen, an der Tankstelle oder im Einwohnermeldeamt. Betrachte das Vorstellungsgespräch genau so.
Du wirst bei einem Vorstellungsgespräch nicht geprüft. Du wählst Kleidung, in der Du Dich wohl fühlst, die Dich nicht einengt. Du machst Dich rechtzeitig auf den Weg, damit überhaupt kein zeitlicher Streß entsteht. Dann stellst Du Dich vor und wie bei jeder Begegnung zwischen Menschen entscheiden die ersten Momente, ob die Chemie stimmt. Dabei mußt Du keine eingeübten Sätze aufsagen und keine Show abziehen. Abgesehen von einem Ordner mit ein paar Papieren ist jegliche Vorbereitung überflüssig. Sei einfach Du selbst und wenn Du unsicher bist oder meinst, unsicher zu wirken, dann ist das eben so. Akzeptiere Dich selbst!
Ein Vorstellungstermin nach 18 Uhr - ich nehme an, es wird ein kleinerer Betrieb sein. Dir wird ein Mensch wie der örtliche Schreiner oder Edeka-Händler gegenüber sitzen, dem die Ehefrau ein sauberes Hemd bereit gelegt hatte, damit er einen ordentlichen Eindruck bei Dir hinterläßt. Mach Dir klar, es ist ein Mensch wie Du, der den üblichen mitmenschlichen Respekt verdient wie jeder Mensch, mit dem man Umgang pflegt, aber mehr eben auch nicht. Mach Dir klar, daß es bei jedem Frisörbesuch intimer zugeht als beim Vorstellungsgespräch. Dein Gesprächspartner ist nicht Dein Gegner. Er will doch schließlich etwas von Dir, nämlich Deine Arbeitskraft.
Ich will Dir keine Friede-Freude-Eierkuchen-Illusion vormachen. Es kann immerhin sein, daß Du von einem unsympathischen Ekelpaket empfangen wirst. Das wäre zwar nicht schön, aber immer noch eine Situation, der Du mit Gleichmut begegnen kannst. Du kannst gar nichts verlieren. Du gehst in die Situation so unvorbereitet hinein, wie Du unvorbereitet einen Laden betrittst, in dessen Schaufenster Du etwas Interessantes entdeckt hast.
Schluß mit belastenden Gedanken! In ein paar Tagen beginnt ein neues Jahr und Deine Weiterbildung. Um 15 Uhr fällt dort der Griffel, danach kümmerst Du Dich um Dein Kind und hinterher gehst Du mal eben zum Vorstellungsgespräch. Streiche alle Gedanken von Verkomplizierung einer problemlosen Situation mit Arztbesuch oder seltsamen Erklärungen.
Ich weiß nicht mehr, wer mal in diesem Forum den Ausdruck Tütensuppenpsychologie prägte. Sowas will ich jedenfalls nicht betreiben. Dennoch habe ich den Eindruck, daß Du ein kleines Problem mit dem Selbstbewußtsein hast. Ist ja nicht schlimm und schon gar nicht ungewöhnlich, aber es belastet Dich. Sowas läßt sich beheben oder genauer: Du selbst kannst solche Probleme beheben. Es gibt an Volkshochschulen z. B. Kurse in freier Rede. Dabei kann man u. a. lernen, in sich selbst liegende Schranken abzubauen und es hilft zunächst schon das Erleben, daß alle Teilnehmer der Gruppe mit ähnlichen Problemen, Hemmungen, Ängsten und zuweilen hochroten Köpfen dasitzen. Besorge Dir gelegentlich das Programm der VHS, Du kannst dort viel Spaß haben.
Berichte bitte, wie es Dir am ersten Tag der Fortbildung und beim anschließenden Vorstellungstermin ergangen ist.
Gruß
Wolfgang