Vorzeitige Auflösung von Festgeld

Guten Tag,
meine Schwiegermutter hat im März Festgeld für drei Jahre angelegt. Nun muß sie ins Pflegeheim, was bekanntermaßen nicht gerade billig ist.
Die Bank sagt nun es wäre überhaupt gar nicht möglich vor Ablauf ans Festgeld zu kommen. Kann es wirklich sein, dass mein Schwiegervater im schlimmsten Fall einen Kredit aufnehmen muß um die Pflege seiner Frau zu finanzieren? Vielen Dank für Ihre Tipps. sweet66

Hallo sweet66,

das kann man so pauschal nicht sagen. Manchmal ist es möglich, den Vertrag vorzeitig zu beenden, wenn der Zinsausfall der Bank gezahlt wird. Ein Blick ins „Kleingedruckte“ kann da helfen. Am besten einfach mal die Vertragsbedingungen studieren.

In so einem Fall sollte die Bank aber von ihrem Ermessensspielraum Gebrauch machen und das Ding einfach beenden. Tut sie es nicht, trifft folgende Definition mal wieder zu:

Was ist eine Bank?
Eine Bank ist ein Unternehmen, das einem den Schirm reicht, wenn die Sonne scheint und ihn wieder weg nimmt, wenn es anfängt zu regnen.

In diesem Sinne - viel Erfolg!
VG
Stephan Heddinga

Hi

Was ist eine Bank?
Eine Bank ist ein Unternehmen, das einem den Schirm reicht,
wenn die Sonne scheint und ihn wieder weg nimmt, wenn es
anfängt zu regnen.

Ich könnte auch fragen, wer in diesem Fall der Kunde ist…
…z.B. derjenige, der verspricht für einen bestimmten Zeitraum Geld zu verleihen nur um dafür mehr Zinsen zu kassieren und es sich dann doch anders überlegt, weil plötzlich etwas eingetreten ist, das er in der geilheit des abschlusses mit zinsertrags-dollarzeichen in den augen für zu unwahrscheinlich gehalten hat, um es bei der anlagestrukturierung zu berücksichtigen.

im ernst, was kann die bank dafür, dass den kunden jetzt so ein schicksalsschlag trifft?
das ist einzig und allein das problem des kunden.
unter umständen kann die bank aufgrund bilanzieller gründe den vertrag tatsächlich nicht vorzeitig zurückzahlen, das hängt nicht nur vom goodwill ab.

grundsätzlich gebe ich dir allerdings recht. wenn die bank die möglichkeit hat, den vertrag vorzeitig aufzulösen, ist es eine gern gesehene geste, kulanz zu zeigen - dann aber bitte so, dass die kostend hierfür der verursacher trägt - in diesem fall der kunde.

grüße

uwe

Moin Uwe,

was sollst Du da als Sparkassenbetriebswirt auch anderes sagen :wink:

Aber im Ernst, Du hast natürlich Recht. Es gibt immer zwei Seiten zu berücksichtigen. Und aus meiner (Sparkassen-)Erfahrung hier vor Ort kann ich bestätigen, dass es durchaus kulante Lösungen gibt - wenn man die richtigen Leute kennt.

Es geht aber auch anders herum und da hört dann bei mir das Verständnis auf. So will immer noch kaum ein Banker offen zugeben, dass er eigentlich in der Regel Verkäufer und kein Berater ist. Dass er Umsatzvorgaben und Planzahlen zu erfüllen hat und sich selten die optimalen Produkte für den jeweiligen Kunden aussuchen kann, ist auch noch weitgehend unbekannt. Letztendlich wehrt sich der Bankenverband nun auch noch mit Händen und Füßen, die strengen Dokumentations- und Protokollierungspflichten zu erfüllen, die wir als freie Berater zum Teil schon seit Jahren freiwillig führen.

Aber wie gesagt, es gibt auch die berühmten Ausnahmen, wo sich die Bankkaufleute wirklich viel Mühe geben und sehr ordentliche Arbeit machen - leider noch viel zu selten, zumindest was meine Region betrifft.

Viele Grüße
Stephan

P.S. Ich muss allerdings sagen, dass ich darüber nicht ganz unglücklich bin, denn mein Werbebudget ist deutlich kleiner als das des Sparkassenverbandes und so habe ich dann auch mal was davon :wink:

Re-Moin,

So will immer noch kaum ein Banker offen
zugeben, dass er eigentlich in der Regel Verkäufer und kein
Berater ist. Dass er Umsatzvorgaben und Planzahlen zu erfüllen
hat und sich selten die optimalen Produkte für den jeweiligen
Kunden aussuchen kann, ist auch noch weitgehend unbekannt.

Da treffen einfach zwei Philosophien aufeinander, die beide genau gleich viel Recht haben oder eben nicht:smile:

Der Banker verkauft Produkte aus einer grundsätzlich etwas eingeschränkteren Palette heraus, nämlich der seiner Verbundpartner (obwohl das durchaus einige sein können).
Er hat vielleicht nicht für jeden Fall das günstigste Produkt am Markt, dafür ist er relativ provisionsunabhängig; die Zeiten, in denen da nennenswert viel an den Berater ging sind lange vorbei - für viele Produkte kriegt er gar nichts.

Der freie Berater lebt von Honoraren bzw. - was leider häufiger ist -von Provisionen.
In der Regel kann er mehr Produkte anbieten als der Banker, er hat ähnliche Produkte zu unterschiedlichen Preisen, verdient aber an diesen ebenfalls unterschiedlich.

Es gibt sicher Bankkollegen, die auch nach Absatzziel verkaufen, statt nach Kundenbedürfnis, das kann man nicht wegdiskutieren, aber es gibt auch ganz sicher freie Vermittler, die nach Provisionsertrag statt nach Kundenbedürfnis verkaufen.

Und ich kenn leider mehr klamme Makler als Banker, so dass der Leidensdruck (respektive Verkaufsdruck) aus meiner Erfahrung beim Versichrungsmakler leider doch höher ist als beim Banker.

Nichts desto trotz, ich kenne auch gute und anständige Vertreter aus der Maklerbranche, ich bediene mich auch nicht nur Bankdienstleister, sondern auch guter Leute aus dem freien Bereich, aber nicht jeder kann die Qualität seiner Partner in diesem Feld beurteilen.

Letztendlich wehrt sich der Bankenverband nun auch noch mit
Händen und Füßen, die strengen Dokumentations- und
Protokollierungspflichten zu erfüllen, die wir als freie
Berater zum Teil schon seit Jahren freiwillig führen.

Der Spass kostet Zeit und Geld und wäre nicht nötig, wenn alle anständig arbeiten würden, aber ich denke da sind wir uns einigermaßen einig.

Grüße

Uwe

Hi Uwe,

ich denke, dass wir doch recht eng beieinander stehen - wenn auch auf unterschiedlichen Seiten.

Schade, dass Kaiserslautern so weit weg ist, sonst wäre ich sicher mal auf einen Kaffee vorbei gekommen :smile:

Viele Grüße
Stephan

Hallo,

das kann man so pauschal nicht sagen. Manchmal ist es möglich,
den Vertrag vorzeitig zu beenden, wenn der Zinsausfall der
Bank gezahlt wird. Ein Blick ins „Kleingedruckte“ kann da
helfen. Am besten einfach mal die Vertragsbedingungen
studieren.

die Vertragsbedingungen lauten „Kunde überläßt Kreditinstitut einen Betrag X für einen definierten Zeitraum und bekommt dafür einen festgelegten Zinssatz“. Andere Vertragsbedingungen gibt es da genauso wenig wie Kleingedrucktes.

In so einem Fall sollte die Bank aber von ihrem
Ermessensspielraum Gebrauch machen und das Ding einfach
beenden.

Hier wird regelmäßig danach gefragt, wie man aus einem Kredit wieder herauskommt. Nun wird gefragt, wie man aus einem Festgeld wieder herauskommt.

Interessanterweise lautet in beiden Fällen die Antwort regelmäßig, daß das Kreditinstitut den Vertrag kulanterweise vorzeitig beenden sollte. Mir ist nicht ganz einsichtig, warum das gelten soll, wenn es Geld hereingenommen UND wenn es Geld verliehen hat. Die einzige Konstante scheint zu sein, daß ausgerechnet das Kreditinstitut es ist, das Flexibilität zeigen soll. „Ausgerechnet“ deshalb, weil ein Kreditinstitut nicht wie ein Eisverkäufer Geld einnimmt und herausgibt, sondern über ein ausgeklügeltes Refinanzierungs-, Anlage- und Liquiditätsmenagement verfügt. D.h. vorzeitige Vertragsauflösungen (nicht jede einzelne, sondern eine Mehrzahl in Summe) können da durchaus Verwirrung stiften, in dem Sinne, daß da tatsächlich Kosten entstehen.

So oder so möchte ich mal das Geschrei hören, das ausbricht, wenn ein KI vorzeitig Kredite oder Festgelder auflösen möchte, weil man gerade Geld braucht oder die Konditionen sich geändert haben.

Eine Bank ist ein Unternehmen, das einem den Schirm reicht,
wenn die Sonne scheint und ihn wieder weg nimmt, wenn es
anfängt zu regnen.

Ja, Plattitüden über Kreditinstitute gibt es viele und wie praktisch alle Pauschalurteile beruhen sie in der Regel auf verallgemeinerten Einzelfällen gepaart mit tiefgreifender Unkenntnis der Gesamtsituation.

Gruß
Christian

Ja, Plattitüden über Kreditinstitute gibt es viele und wie
praktisch alle Pauschalurteile beruhen sie in der Regel auf
verallgemeinerten Einzelfällen gepaart mit tiefgreifender
Unkenntnis der Gesamtsituation.

Gruß
Christian

Eieiei, jetzt bin ich schon wieder jemandem auf den Schlips getreten, diesmal aus dem Lager der Banker. Sonst sind es immer die Versicherungsleute :wink:

Lieber Christian,
ich mache das ja auch schon ein paar Jahre und habe da manche Erfahrung gesammelt. Das betrifft sowohl die überaus kulante Handhabung von Einzelfällen bei unserer Hausbank am Ort, wie auch die äußerst agressive und wenig kundenfreundliche Behandlung von Mittelständlern, die über lange Jahre für regelmäßigen Umsatz bei der Bank gesorgt haben und denen man nun, wo es eng wird, die Tür vor der Nase zuschlägt. Und das wiederum, ist beileibe kein Einzelfall.

Davon mal abgesehen - nimms doch nicht so persönlich :smiley:
Was muss ich mir als freier Berater nicht alles anhören…
In diesem Sinne…

Viele Grüße aus Südniedersachsen
Stephan Heddinga

Hallo,

ich mache das ja auch schon ein paar Jahre und habe da manche
Erfahrung gesammelt. Das betrifft sowohl die überaus kulante
Handhabung von Einzelfällen bei unserer Hausbank am Ort, wie
auch die äußerst agressive und wenig kundenfreundliche
Behandlung von Mittelständlern, die über lange Jahre für
regelmäßigen Umsatz bei der Bank gesorgt haben und denen man
nun, wo es eng wird, die Tür vor der Nase zuschlägt. Und das
wiederum, ist beileibe kein Einzelfall.

ich habe Kunden gesehen, die kamen zu uns, als es ihrer Ansicht nach eng wurde und das war, nachdem die drei Wochen-Frist schon zu laufen begonnen hatte. Ich hatte auch schon Kunden vor mir sitzen, die meinten, sie bräuchten noch ein bißchen Geld für einen Auftrag, mußten aber einräumen, daß notwendige Mitarbeiter schon mit Konkurrenten Arbeitsverträge abgeschlossen hatten. Es gibt auch Kunden, die das Gespräch mit dem Kreditgeber suchen, wenn sie die bestehenden Kreditlinien für die Produktion auf Halde ausgenutzt haben und nun für den gleichen Zweck und in der Hoffnung auf zukünftig wieder eintreffende Aufträge neue Linien haben wollen.

Lehnt das Kreditinstitut derartige Wünsche ab, sind es wieder die bösen Banken, die dem Mittelstand die Linien verweigern, wenn es eng wird. Tatsächlich aber kommt der Mittelständler kurz vor der Insolvenz zur Bank, verlangt Geld - gerne auch ohne zukunftsfähiges Konzept - zur Verlustfinanzierung oder für weiteren Lageraufbau und wundert sich dann, daß er das Geld nicht bekommt. Wundern würden sich aber auch die Sparer und Kreditgeber eines Kreditinstitutes, wenn es mit ausgefallenen Krediten ihr Geld verbrennen würde. Das genau ist nämlich das Geld, das als Kredit vergeben wird: das Geld von Anlegern, Kreditgebern und Gesellschaftern.

Die Geschichte von den fiesen Banken ist leicht erzählt - nur werden dummerweise oft die Details vergessen, die es möglich machen würden, sie aus beiden Perspektiven betrachten und beurteilen zu können.

Davon mal abgesehen - nimms doch nicht so persönlich :smiley:

Da besteht keine Gefahr. Ich habe mit Finanzierungskonzepten, den richtigen Argumenten bei internen Diskussionen bzw. unter Einsatz der eigenen Kreditkompetenzen schon mehr als ein Unternehmen vor dem vermeintlich sicheren Exitus bewahrt und ziehe mir den Schuh daher ganz sicher nicht an.

Ein Grund für meinen Einwurf ist die aktuelle Diskussion, in der die Politik auf Kosten der Kreditinstitute Wahlkampf betreibt, anstatt mal einen Moment darüber nachzudenken, was man tatsächlich fordert, wenn man eine großzügigere Kreditvergabe seitens der KI verlangt. Wenn heute ein Kredit beantragt wird, wird in der Regel der Jahresabschluß 2008 vorgelegt sowie der Quartalsabschluß 01/2009. Mit ein bißchen Glück gibt es eine Planung für das Gesamt- oder vielleicht sogar das Folgejahr sowie Auftragseingänge, Liquiditätspläne und ein paar andere Unterlagen.

Hast Du eine Vorstellung davon, wie diese Zahlen bei einem Autozulieferer, einem Maschinenbauer oder einem Bauunternehmen aussehen? Wenn es unten aus den Zahlen blutrot herausläuft, keine Aufträge in Sicht sind und der Liquiditätsplan für den Spätherbst riesige Lücken aufweist, sollen die Kreditinstitute noch Geld herausrücken? Auf was soll man vertrauen? Auf die blauen Augen des Unternehmers, auf das Privatvermögen, das im Fall der Fälle bei der werten Gattin liegt, auf die pure Hoffnung, daß alles zum Jahresende besser aussieht?

Die derzeitige Situation ist durch großzügige Investition in nicht risikoadäquat verzinste Geldanlagen entstanden. Es kann doch wohl niemand ernsthaft glauben, daß die Kreditinstitute das Spiel jetzt mit Unternehmenskrediten wiederholen, nur weil es der Politik gerade in den Kram paßt, um sich dann anschließend wieder dafür prügeln zu lassen, daß man fette Verluste eingefahren hat.

Auch wenn Kreditinstitute ein ausgesprochen kurzes Gedächtnis haben: so weit ist es noch nicht gekommen, daß man einen Fehler wiederholt, bevor man ihn ganz ausgebadet hat.

Gruß
Christian

reicht hin…
Hallo Christian,

in vielen Punkten gebe ich Dir Recht, denn Du sitzt ja quasi an der Quelle. Aber lass uns die Diskussion hier beenden, denn die hat mit der Frage nichts mehr zu tun.

Ich tausche mich aber gern in einem anderen Board oder via mail mit Dir aus, wenn Du mal Langeweile hast :wink:, denn was die politische Seite angeht, gebe ich Dir 100%ig Recht.

Viele Grüße
Stephan