Vorzeitige Auflösung von Festgeld

Hallo,

ich mache das ja auch schon ein paar Jahre und habe da manche
Erfahrung gesammelt. Das betrifft sowohl die überaus kulante
Handhabung von Einzelfällen bei unserer Hausbank am Ort, wie
auch die äußerst agressive und wenig kundenfreundliche
Behandlung von Mittelständlern, die über lange Jahre für
regelmäßigen Umsatz bei der Bank gesorgt haben und denen man
nun, wo es eng wird, die Tür vor der Nase zuschlägt. Und das
wiederum, ist beileibe kein Einzelfall.

ich habe Kunden gesehen, die kamen zu uns, als es ihrer Ansicht nach eng wurde und das war, nachdem die drei Wochen-Frist schon zu laufen begonnen hatte. Ich hatte auch schon Kunden vor mir sitzen, die meinten, sie bräuchten noch ein bißchen Geld für einen Auftrag, mußten aber einräumen, daß notwendige Mitarbeiter schon mit Konkurrenten Arbeitsverträge abgeschlossen hatten. Es gibt auch Kunden, die das Gespräch mit dem Kreditgeber suchen, wenn sie die bestehenden Kreditlinien für die Produktion auf Halde ausgenutzt haben und nun für den gleichen Zweck und in der Hoffnung auf zukünftig wieder eintreffende Aufträge neue Linien haben wollen.

Lehnt das Kreditinstitut derartige Wünsche ab, sind es wieder die bösen Banken, die dem Mittelstand die Linien verweigern, wenn es eng wird. Tatsächlich aber kommt der Mittelständler kurz vor der Insolvenz zur Bank, verlangt Geld - gerne auch ohne zukunftsfähiges Konzept - zur Verlustfinanzierung oder für weiteren Lageraufbau und wundert sich dann, daß er das Geld nicht bekommt. Wundern würden sich aber auch die Sparer und Kreditgeber eines Kreditinstitutes, wenn es mit ausgefallenen Krediten ihr Geld verbrennen würde. Das genau ist nämlich das Geld, das als Kredit vergeben wird: das Geld von Anlegern, Kreditgebern und Gesellschaftern.

Die Geschichte von den fiesen Banken ist leicht erzählt - nur werden dummerweise oft die Details vergessen, die es möglich machen würden, sie aus beiden Perspektiven betrachten und beurteilen zu können.

Davon mal abgesehen - nimms doch nicht so persönlich :smiley:

Da besteht keine Gefahr. Ich habe mit Finanzierungskonzepten, den richtigen Argumenten bei internen Diskussionen bzw. unter Einsatz der eigenen Kreditkompetenzen schon mehr als ein Unternehmen vor dem vermeintlich sicheren Exitus bewahrt und ziehe mir den Schuh daher ganz sicher nicht an.

Ein Grund für meinen Einwurf ist die aktuelle Diskussion, in der die Politik auf Kosten der Kreditinstitute Wahlkampf betreibt, anstatt mal einen Moment darüber nachzudenken, was man tatsächlich fordert, wenn man eine großzügigere Kreditvergabe seitens der KI verlangt. Wenn heute ein Kredit beantragt wird, wird in der Regel der Jahresabschluß 2008 vorgelegt sowie der Quartalsabschluß 01/2009. Mit ein bißchen Glück gibt es eine Planung für das Gesamt- oder vielleicht sogar das Folgejahr sowie Auftragseingänge, Liquiditätspläne und ein paar andere Unterlagen.

Hast Du eine Vorstellung davon, wie diese Zahlen bei einem Autozulieferer, einem Maschinenbauer oder einem Bauunternehmen aussehen? Wenn es unten aus den Zahlen blutrot herausläuft, keine Aufträge in Sicht sind und der Liquiditätsplan für den Spätherbst riesige Lücken aufweist, sollen die Kreditinstitute noch Geld herausrücken? Auf was soll man vertrauen? Auf die blauen Augen des Unternehmers, auf das Privatvermögen, das im Fall der Fälle bei der werten Gattin liegt, auf die pure Hoffnung, daß alles zum Jahresende besser aussieht?

Die derzeitige Situation ist durch großzügige Investition in nicht risikoadäquat verzinste Geldanlagen entstanden. Es kann doch wohl niemand ernsthaft glauben, daß die Kreditinstitute das Spiel jetzt mit Unternehmenskrediten wiederholen, nur weil es der Politik gerade in den Kram paßt, um sich dann anschließend wieder dafür prügeln zu lassen, daß man fette Verluste eingefahren hat.

Auch wenn Kreditinstitute ein ausgesprochen kurzes Gedächtnis haben: so weit ist es noch nicht gekommen, daß man einen Fehler wiederholt, bevor man ihn ganz ausgebadet hat.

Gruß
Christian