Liebe Experten,
vielleicht kann mir jemand weiterhelfen, aus eigener Erfahrung oder weil er selbst Patienten betreut.
Ich mache jetzt schon die zweite VT. Nach der ersten Therapie bin ich wieder in eine Klinik gegangen weil ich mit meiner Essstörung, meinem Pessimismus, und dem Alltag nicht mehr klar kam. Die Klinik arbeitet verhaltenstherapeutisch orientiert, und jetzt habe ich mir im Anschluss daran wieder eine VT gesucht, und bin seit Februar in Behandlung.
Nach der Klinik lief für eine Weile wieder alles etwas besser, in ganz kleinen Schritten, aber irgendwie hatte ich Hoffnung es in den Griff zu kriegen.
Mittlerweile frage ich mich warum ich alles weiss und wüsste wie ich es anwenden könnte und wie ich denken könnte, aber ich scheitere immer wieder. Sowohl mein Partner, als auch meine Freundin, fragen sich ob es nicht doch irgendwo einen Grund gibt, und ich vielleicht eine Psychoanalyse in Betracht ziehen sollte.
Ich spüre selbst riesige Blockaden und würde gerne wissen wieso ich mich nicht endlich mit meinem Leben anfreunden kann… Und jetzt bin ich verunsichert und überlege ob ich anstatt VT lieber Psychoanalyse machen sollte…
Vielen Dank für eure Antworten schon im Voraus.
Kathrin.
Liebe Kathrin!
Um den Dingen richtig auf den Grund zu gehen (- vielleicht will Deine Seele von Deinem Leben so wie es ist nichts wissen/ sollst Du Dein Wesen erst ändern um Dich dann mit ihm anzufreunden?), wäre allerdings sinnvoller, sich an die Psychoanalyse zu wenden. Ließ bei Gelegenheit mal den Brief, den ich Dir da hinterlegt habe:
http://cid-fdfff9b244e608a7.office.live.com/browse.a…
Der Brief war ursprünglich für einen Freund gedacht, er hat sich darüber hinaus als gut brauchbar erwiesen, jedem Interessierten zu ermöglichen, einen ersten seiner Träume selbst auf einen Auslegungsversuch durch die Psychoanalyse vorzubreiten. Weitere Kenntnisse als Deine eigenen „Freien Assoziationen“, bräuchtest Du also nicht für den Einstieg, aber wenn Du Fragen haben solltest, schreibe mal zurück;* ich werde mich selbstverständlich gerne weiter mit Dir befassen.
/* vorerst bitte an die unten im Brief genannte Adresse
Hallo Kathrin,
die von Dir geschilderten Überlegungen zielen alle auf das „Warum“.
Das „Warum“ ist die Frage nach der Vergangenheit. Wenn Du wirklich diese Frage beantwortet haben möchtest, ist zweifellos eine Psychoanalyse der richtige Ansatz. Du wüsstest anschließend sicher viel mehr über das „Warum“, konkrete Änderungswege könnten aber evtl. weiter unklar bleiben.
Die VT stellt dagegen die Frage, „wie“ erreiche ich ein bestimmtes Ziel, d.h. die Wege werden eröffnet.
GEHEN musst, darfst, kannst Du die Wege in jedem Fall nur alleine, das kann und darf Dir keine Psychotherapie nehmen, denn es ist Dein Recht, Dir Deine Welt selbst (zurück) zu erobern, auch wenn die Schritte vielleicht zuerst sehr klein sind.
Viel Erfolg dabei
klarinia
Hallo Kathrin,
VT ist geeignet für Menschen, die etwas verändern können - und wollen. Kleine Schritte sind auch Schritte, kleine Ameisen kommen auch ans Ziel, man muss nur dabei bleiben. VT ist harte Arbeit!
Psychoanalyse kann sehr hilfreich sein, wenn vieles noch unklar ist, der „Erfolg“ ist aber sehr vom Therapeuten abhängig, da er/sie das Gesagte in eine Richtung lenken bzw. deuten kann, Ihre Reaktionen darauf müssen nicht „wahr“ sein. Jede Reaktion wird von fast unzähligen Variablen bestimmt, so dass der Irrtum mit einbezogen werden muss. Es kann so sein, muss aber nicht.
Meine Frage an Sie wäre:„Wollen Sie überhaupt etwas verändern“?
Fangen Sie mit der Arbeit an und hören Sie auf, sich zu beklagen und die Lösungen von Anderen zu erhoffen.
Ihre C.F.
Hallo Kathrin,
als Verhaltenstherapeut bin ich natürlich kein neutraler Ratgeber. Die Psychoanalyse glaubt, dass die Erklärung eines Problems schon automatisch die Lösung bedeutet und das ist nicht so. Deswegen verwenden heute viele Analytiker auch Elemente der Verhaltenstherapie, um das erlernte Fehlverhalten konkret zu verändern. PA finde ich gut für Menschen, die - wie Du - nach einer Erklärung forschen; ich finde sie aber gefährlich für Menschen, die ohnehin schon sehr viel über sich nachgrübeln, weil diese Tendenz noch verstärkt wird. Ob du zu dieser Gruppe gehörst, weiß ich nicht. Wichtiger als die Therapierichtung ist aber, wie gut du mit dem Therapeuten oder der Therapeutin klar kommst. Aus Therapiestudien weiß man, dass das der wichtigste Faktor ist.
Nun schreibst du, dass die VT bisher nicht angeschlagen hat. Du schreibst aber auch, dass es nach der Klinik besser ging. Die Frage ist: Wie hast du das hingekriegt? Was war besser? Wie hast du die Besserung erreicht? Was brauchst du, damit du das wieder hinkriegst? Unabhängig kann es natürlich sinnvoll sein, zu überprüfen, wo die Ursachen deiner Probleme liegen. Vielleicht könnte hier auch ein VTler mit einer Zusatzausbildung in Hypnotherapie nützlich sein.
Viele Grüße und alles Gute
Walter
Liebe Kathrin,
ich bin seit 15 Jahren als psychologischer Psychotherapeut niedergelassen (zugelassen für Verhaltenstherapie, außerdem Ausbildungen in Hypnotherapie und klientenzentrierter Gesprächstherapie) Ich würde Deinen Freunden darin zustimmen, dass das, was Du bisher therapeutisch gemacht hast, zu kurz greift. Ich würde Ihnen aber deutlich widersprechen, dass dies eine Indikation für Psychoanalyse bedeutet. Dass Verhaltenstherapie oberflächlich sei, ist ebenso ein Klischee, wie das, dass man sich bei der Psychoanalyse in Abgründeleien verliert. Es kommt weniger auf die Therapieschule an, als viel mehr auf die individuelle Patient-Therapeut-Passung (statistisch erwiesen).
Ich empfehle Dir, vielleicht etwas mehr Zeit zu investieren, um Deinen nächsten Therapeuten auszusuchen. Mach ein paar Erstgespräche mit verschiedenen Therapeuten, unabhängig von deren therapeutischer Ausrichtung, und schildere Deine Situation so, wie hier. Hör Dir an, was ihnen dazu einfällt und schau, ob sie Dir neue Denk-Perspektiven öffnen können.
Schöne Grüße
Christoph Wimmer
Hallo Kathrin.
Ich komme etwas später mit meiner Antwort doch vielleicht grad treffend zu Deiner Zeit.
Durch mein privates Umfeld und meiner Vita habe ich einen vertieften Einblick in verschiedene Therapieformen.
Meine persönliche Meinung ist,daß Du dich einer/eines tiefenpsychologisch fundierten Therapeutin/Therapeuten anvertauen könntest. Warum? Im Gegensatz zur VT (bearbeitet häufig die Symptome ohne der Ursache auf den Grund zu gehen, krazt also nur an der Oberfläche und die Krankheitssymptome verschieben sich) geht die tiefenpsychologisch fundierten Therapie der Ursache auf den Grund und entwickelt hieraus mit der Klientin/ dem Klienten zusammen eine Resourcen-orientierte Lösung. Und dazu gibt es auch die notwendige Zeit, um das in der Sprechstunde Erlernte in Alltag umzusetzen. Einer Psychoanalyse fehlt m. E. der Teil des konstruktiven Resourcen -orientierten Lösung.
Ich wünsche Dir viel Erfolg für eine glückliche Zukunft!
Wolfgang Bernhard