Hallo stucki,
erst einmal grundsätzlich: Ich finde es schon erstaunlich, daß wir hier, von denen niemand die Betroffenen kennt geschweige denn die Krankengeschichte, alle so genau zu wissen meinen, was denn nun richtig ist. Ja, wir wissen sogar ganz genau, wo gut und wo böse ist. Böse sind die, die gegen das „Sterbenlassen“ sind, weil selbstverständlich kann es sich da nur um fundamentalistische Christen handeln. Gut sind die, die dafür sind, weil sie einer „Kategorie“ Menschen angehören, die vernünftig und sachlich mit der Fage umzugehen bereit sind…
Insbesondere die strenggläubigen Christen
protestieren gegen das Sterbenlassen. Irgendwie finde ich das
bizarr: Da protestieren ausgerechnet die Leute (nicht
persönlich, die Kategorie von Leuten), die seit Jahrhunderten
den wissenschaftlichen Fortschritt kritisiert, behindert
haben, der der Frau jetzt das Überleben ermöglicht.
Das Argument dürfte ja wohl sein, dass der Mensch nicht das
Leben nehmen darf, das Gott gegeben hat. Hat Gott das Leben
der Frau nicht schon längst als für beendet erklärt?
Wenn es sich also um Christen handelt, dann darf man sie kategorisieren??? Strenggläubige Christen haben also den Fortschritt kritisiert und behindert?? Welchen Fortschritt? namen? Ich verlange Beweise:
Zu beweisen wäre, daß sämtliche Forscher also nicht-Christen sind, natürlich vorher bitte eine Definition eines „strenggläubigen“ Christen. Oder ist halt der ein „strenggläubiger“ Christ, der gegen den wissenschaftlichen Fortschritt ist?
Weiter würde ich gerne wissen, warum es - trotz des wissenschaftlichen Fortschritt in der Soziologie, die sich ja undifferenziertem Kategoriesieren zu enthalten versucht - es legitim ist, die bei Gläubigen zu tun.
Zu welchen anderen Kategorien gehörst DU dann: zu den Ketzern?? Welchen? Bist du vielleicht ein Valentinianer, der der Überzeugung ist, nur der, der seine Ansichten teilt, ist erleuchtet und damit all den anderen überlegen?
Als Christin habe ich aus der Geschichte gelernt (oder darf man das vielleicht in meiner Kategorie nicht?), daß das Plädoyer für das Leben erst einmal das zunächst richtige ist. Alle anderen Entscheidungen müssen davor bestehen können.
Als politisch denkender Mensch, dem eine europäische Medienberichterstattung nach dem Motto: Wir die Guten, dort die Irren zutiefst mißtrauisch stimmt, weiß ich, daß ich überhaupt nicht über ausreichend Informationen verfüge.
Und als Zweifelnder bin ich erleichtert, keine Entscheidung treffen zu müssen.
Grüße,
Taju