Wachkoma von Frau Terry ... ketzerische Meinung

Hallo,

die Nachrichten sind voll von dem Fall der seit 15 Jahren im Koma liegenden Frau. Insbesondere die strenggläubigen Christen protestieren gegen das Sterbenlassen. Irgendwie finde ich das bizarr: Da protestieren ausgerechnet die Leute (nicht persönlich, die Kategorie von Leuten), die seit Jahrhunderten den wissenschaftlichen Fortschritt kritisiert, behindert haben, der der Frau jetzt das Überleben ermöglicht.
Das Argument dürfte ja wohl sein, dass der Mensch nicht das Leben nehmen darf, das Gott gegeben hat. Hat Gott das Leben der Frau nicht schon längst als für beendet erklärt?

Das fragt sich Stucki

Hallo Stucki

meine Frage ist dann, noch ketzterischer gesagt, was würde der Mensch da überhaupt nehmen…nichts, ausser Maschinen vom Stromnetz.

Liegt nicht immer alles in Gottes Hand, meine jetzt für Menschen die streng glauben. Würde sie dann überhaupt sterben. Oder wären die „menschlichen“ Maschinen nicht da… würde sie noch leben???

Abgesehen davon, dass das Ganze jetzt mehr politisch missbraucht wird (auch religionspolitisch in meinen Augen), als dass sich irgendwer ernsthaft Gedanken drüber macht, betrachte ich persönlich die Massnahmen nicht als Lebenserhaltung oder Lebensverlängerung. Für mich ist sowas „das Sterben verlängern“.

Drum ist man gut beraten, zu Lebzeiten, kerngesund, schriftlich darüber zu verfügen, dass man solche Massnahmen nicht will.

Ahnt jemand durch welche Hölle ihr Mann seit 15 Jahren geht???
Wie können Eltern diesen Zustand als „leben“ bezeichnen???

Schlimme Geschichten hat das Leben für uns bereit…
Gruss
Cabochon

Hallo,

Das Argument dürfte ja wohl sein, dass der Mensch nicht das
Leben nehmen darf, das Gott gegeben hat. Hat Gott das Leben
der Frau nicht schon längst als für beendet erklärt?

gott hat uns auch die die Medizin gegeben, also sind auch diese lebenserhaltenden Maßnahmen gottes Plan. gott hat uns aber auch die Gerichtsbarkeit gegeben, also ist auch die richterliche Entscheidung gottes Plan. Also ist alles in Ordnung und die sollen sich nicht so anstellen.

Gruß,

Malte.

Hallo Stucki,

auch wenn es Entrüstung hervorruft. Ich geh mal einen Schritt weiter. Warum wehren sich die Christen gegen das Sterbenlassen? Haben sie Angst das ihr Gott sie doch nicht zu sich nimmt? Oder ist es doch nur ein Hinweis darauf, das die Angst vor dem Sterben sich zu Lebzeiten in einem verklärenden Glauben äußert und wenn es dann soweit ist man merkt das der Glaube doch nicht hilft?

Das frage ich mich

Off Topic:

Das Wort „Entrüstung“ ist ja nett. Man ereifert sich, aber das Wort beschreibt ein Ablegen einer Rüstung. Die Barriere die man sonst um sich trägt um nicht mit dem Leben konfrontiert zu werden? Doch dann „platzt einem der Kragen“? Noch ein Ausbrechen. Wir lassen uns wohl zuviel Grenzen anlegen.

Oliver

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Hallo stucki,

erst einmal grundsätzlich: Ich finde es schon erstaunlich, daß wir hier, von denen niemand die Betroffenen kennt geschweige denn die Krankengeschichte, alle so genau zu wissen meinen, was denn nun richtig ist. Ja, wir wissen sogar ganz genau, wo gut und wo böse ist. Böse sind die, die gegen das „Sterbenlassen“ sind, weil selbstverständlich kann es sich da nur um fundamentalistische Christen handeln. Gut sind die, die dafür sind, weil sie einer „Kategorie“ Menschen angehören, die vernünftig und sachlich mit der Fage umzugehen bereit sind…

Insbesondere die strenggläubigen Christen
protestieren gegen das Sterbenlassen. Irgendwie finde ich das
bizarr: Da protestieren ausgerechnet die Leute (nicht
persönlich, die Kategorie von Leuten), die seit Jahrhunderten
den wissenschaftlichen Fortschritt kritisiert, behindert
haben, der der Frau jetzt das Überleben ermöglicht.
Das Argument dürfte ja wohl sein, dass der Mensch nicht das
Leben nehmen darf, das Gott gegeben hat. Hat Gott das Leben
der Frau nicht schon längst als für beendet erklärt?

Wenn es sich also um Christen handelt, dann darf man sie kategorisieren??? Strenggläubige Christen haben also den Fortschritt kritisiert und behindert?? Welchen Fortschritt? namen? Ich verlange Beweise:
Zu beweisen wäre, daß sämtliche Forscher also nicht-Christen sind, natürlich vorher bitte eine Definition eines „strenggläubigen“ Christen. Oder ist halt der ein „strenggläubiger“ Christ, der gegen den wissenschaftlichen Fortschritt ist?
Weiter würde ich gerne wissen, warum es - trotz des wissenschaftlichen Fortschritt in der Soziologie, die sich ja undifferenziertem Kategoriesieren zu enthalten versucht - es legitim ist, die bei Gläubigen zu tun.
Zu welchen anderen Kategorien gehörst DU dann: zu den Ketzern?? Welchen? Bist du vielleicht ein Valentinianer, der der Überzeugung ist, nur der, der seine Ansichten teilt, ist erleuchtet und damit all den anderen überlegen?

Als Christin habe ich aus der Geschichte gelernt (oder darf man das vielleicht in meiner Kategorie nicht?), daß das Plädoyer für das Leben erst einmal das zunächst richtige ist. Alle anderen Entscheidungen müssen davor bestehen können.
Als politisch denkender Mensch, dem eine europäische Medienberichterstattung nach dem Motto: Wir die Guten, dort die Irren zutiefst mißtrauisch stimmt, weiß ich, daß ich überhaupt nicht über ausreichend Informationen verfüge.
Und als Zweifelnder bin ich erleichtert, keine Entscheidung treffen zu müssen.

Grüße,
Taju

Hallo,

gott hat uns auch die die Medizin gegeben, also sind auch
diese lebenserhaltenden Maßnahmen gottes Plan. gott hat uns
aber auch die Gerichtsbarkeit gegeben, also ist auch die
richterliche Entscheidung gottes Plan. Also ist alles in
Ordnung und die sollen sich nicht so anstellen.

Hmm, ich finde, das wäre zu einfach, alles als „Gottes Plan“ anzusehen. Gott hat
uns einen freien Willen gegeben, was wir daraus machen, ist unsere Entscheidung!
Ich denke mal, Du hättest erhebliche Bedenken gegen die These „Gott hat uns die
Kernspaltung gegeben (Sonne!), also war die Atombombe Gottes Plan“…
Nein, ich denke, Gott hat uns die Fähigkeit gegeben, Medizin zu nutzen - wie wir
das machen, liegt in unserer Verantwortung.

Gruß
Christian

Hallo,

auch wenn es Entrüstung hervorruft. Ich geh mal einen Schritt
weiter. Warum wehren sich die Christen gegen das
Sterbenlassen? Haben sie Angst das ihr Gott sie doch nicht zu
sich nimmt? Oder ist es doch nur ein Hinweis darauf, das die
Angst vor dem Sterben sich zu Lebzeiten in einem verklärenden
Glauben äußert und wenn es dann soweit ist man merkt das der
Glaube doch nicht hilft?

Nein, ich entrüste mich nicht, ich schüttel nur ungläubig den Kopf. Denkst Du,
wir Christen wissen nicht, dass wir früher oder später sterben müssen, Maschine
hin oder her? Sorry, aber Deine These ist wirklich albern…

Christian

Hallo,

gott hat uns auch die die Medizin gegeben, also sind auch
diese lebenserhaltenden Maßnahmen gottes Plan. gott hat uns
aber auch die Gerichtsbarkeit gegeben, also ist auch die
richterliche Entscheidung gottes Plan. Also ist alles in
Ordnung und die sollen sich nicht so anstellen.

Hmm, ich finde, das wäre zu einfach, alles als „Gottes Plan“
anzusehen. Gott hat
uns einen freien Willen gegeben, was wir daraus machen, ist
unsere Entscheidung!

DAS finde ich „zu einfach“.

Ich denke mal, Du hättest erhebliche Bedenken gegen die These
„Gott hat uns die
Kernspaltung gegeben (Sonne!), also war die Atombombe Gottes
Plan“…

Nein, gar nicht. Oder doch, insofern, als daß ich das Konzept eines gottes ablehne. Aber wenn schon, denn schon.

Nein, ich denke, Gott hat uns die Fähigkeit gegeben, Medizin
zu nutzen - wie wir das machen, liegt in unserer Verantwortung.

Ahja, immer grad so, wie’s passt? Glaube ist ne schöne Sache, solang er persönlich bleibt. In dem Moment, in dem Versucht wird, aus eigenem Glauben auf das Schicksal anderer Einfluß zu nehmen, wird’s pervers und ist imho zu bekämpfen, da die angelegten Maßstäbe jeglicher ernstzunehmenden Grundlage entbehren.

Ich versteh diesen ganzen dualistischen Mist von „Gut vs. Böse“ aber ohnehin nicht. Da erscheint mir ein gewisser Fatalismus doch erheblich schlüssiger.

Gruß,

Malte.

hi,

stimmt. dieser widerspruch ergibt sich in einem weltbild, das generell gegen jedes eingreifen in den natürlichen lauf der dinge ist. afaik gibt es eine solche christliche ausrichtung - und die muß sich diese kritik gefallen lassen.

e gibt aber auch die einstellung, daß der menschliche verstand, der die medizin und wissenschaft erschaffen hat, ebenfalls von gott kamen.

gruß
dataf0x

Hallo,

Hmm, ich finde, das wäre zu einfach, alles als „Gottes Plan“
anzusehen. Gott hat
uns einen freien Willen gegeben, was wir daraus machen, ist
unsere Entscheidung!

DAS finde ich „zu einfach“.

Was soll denn daran einfach sein?

Nein, ich denke, Gott hat uns die Fähigkeit gegeben, Medizin
zu nutzen - wie wir das machen, liegt in unserer Verantwortung.

Ahja, immer grad so, wie’s passt? Glaube ist ne schöne Sache,
solang er persönlich bleibt. In dem Moment, in dem Versucht
wird, aus eigenem Glauben auf das Schicksal anderer Einfluß zu
nehmen, wird’s pervers und ist imho zu bekämpfen, da die
angelegten Maßstäbe jeglicher ernstzunehmenden Grundlage
entbehren.

Gut, aber das gilt doch dann für beide Seiten, oder? Diejenigen, die für das Sterben-Lassen plädieren, nehmen ja auch Einfluß auf das Schicksal anderer. Und wie verhinderst Du dann, daß jemand, der „Ohne Glauben“ (wie immer das in solchen Fällen gehen soll) in der Sterbehilfefrage argumentiert, nicht „grad so, wie’s ihm passt“ argumentiert?

Ich versteh diesen ganzen dualistischen Mist von „Gut vs.
Böse“ aber ohnehin nicht. Da erscheint mir ein gewisser
Fatalismus doch erheblich schlüssiger.

Müßte dann nicht Dein Fatalismus dann bedeuten, daß Du grundsätzlich jede medizinische Hilfe ablehnst? Nur dann, wenn also die Ärzte dieser Patientin nicht in dem Moment geholfen hätten, als sie nicht iwssen konnten, daß ein Wachkoma eintreten würde, würden jetzt nicht andere Menschen in das Schicksal anderer eingreifen - und das tun nun mal beide Seiten.

Die Sterbehilfefrage ist m.E. einer der SChlüsselfragen, wie wir unsere Gesellschaft gestalten wollen. Sie tritt auf im Zusammenhang mit der Frage nach der Würde des Menschen - damit ist die entscheidende Frage, worin diese Würde begründet ist.
Wollen wir hier zu einer sachlichen Diskussion zurückkehren, dann sollten wir uns um Definitionen darum bemühen.
Es sei dann darauf hingewiesen, daß ich nicht nachvollziehen kann, warum ein christlicher Standpunkt, der die Würde des Menschen in seiner Gottesebenbildlichkeit sieht, hier dann immer gleich in die Fundiecke gestellt wird - oft von eben denen, die gleichzeitig jedem Christen sämtliche Untaten von Christen in der Geschichte vorhalten, in denen diese gerade diese Definition von Menschenwürde mißachtet haben.

Grüße,
Taju

Gruß,

Malte.

Hallo,

Hmm, ich finde, das wäre zu einfach, alles als „Gottes Plan“
anzusehen. Gott hat
uns einen freien Willen gegeben, was wir daraus machen, ist
unsere Entscheidung!

DAS finde ich „zu einfach“.

Siehst Du, das finde ich unheimlich schwierig. Immer wieder, bei jeder großen
Entscheidung, muss ich mich mit dem Entschluss auseinandersetzen, in allen
Facetten, muss selber Argumente pro und kontra finden und mich schließlich dann
für etwas entscheiden und dafür geradestehen, eben weil ich es aus freiem Willen
heraus gemacht habe. Das ist wirklich nicht einfach! Eine Entscheidungshilfe ist
für mich dabei der Glaube, aber der ist auch für einen Christen eben lange nicht
so eindeutig, wie es oft gerne gesagt wird, eben weil Gott den freien Willen
ermöglicht hat.
Mal an diesem speziellen Fall aufgezogen: Ich habe mir noch immer kein festes
Urteil bilden können, ob man die Frau jetzt sterben lassen sollte oder nicht -
erstens kenne ich die Hintergründe nicht genau genug, zweitens gibt es für beide
Alternativen unzählige, sehr gute Argumente, die ich auch mit meinem Glauben
vereinbaren kann. Bin ich ein schlechter Christ, weil ich der Sterbehilfe nicht
nur ablehnend gegenüberstehe? Bin ich ein fundamentaler Christ, weil ich nicht
sofort „ja“ zur Sterbehilfe sage?

so long
Christian

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Hallo Stucki,

du hast Recht! Die Menschen klammern sich heute an das Leben, egal wie „lebhaft“ dieses noch ist, um ja nicht den ach so schrecklichen Tod zu ereilen.
Mittlerweile glaube ich, dass viele Menschen (auch viele Pseudochristen) angst vor dem Tod haben, weil sie sich wohl fühlen in ihrer materiellen Gefangenschaft. Was ist den Menschen denn noch wichtig? Alles das, was ihnen nützt - die Menschen sind Egoisten. Und weil sie Egoisten sind, möchten sie entscheiden, wer wann aus ihrem Leben geht. Dass es vielleicht auch eine Erleichterung sein kann nicht mehr zu leben, ist für viele kaum noch vorstellbar. Und selbst wenn: „dann soll er doch leiden… hauptsache ich muss es nicht“

Gruß,
vastitas

Hi Stucki,

Da protestieren ausgerechnet die Leute (nicht
persönlich, die Kategorie von Leuten), die seit Jahrhunderten
den wissenschaftlichen Fortschritt kritisiert, behindert
haben, der der Frau jetzt das Überleben ermöglicht.

Was glaubst Du, wer Abtreibungskliniken in die Luft sprengt oder in Irland Protestanten wegballert? Na??? Genau! Katholiken! Alle Welt regt sich über Jihad auf, dabei sind die Katholen keinen Deut besser.

Aber um auf das eigentliche Thema zurückzukommen… Nicht Gott sondern die Natur hat Mrs. Terry das Leben gegeben. Das Schlimmste - bzw. in meinen Augen: Entwürdigende - an der ganzen Geschichte ist, daß sich nun aus Prestige- respektive Image-Gründen Leute (=Politiker) einmischen, die bisland nicht einmal von Mrs. Terry’s Existenz wußten. Es ist soooooo typisch! Kaum kann man in Umfrangen ein paar Punkte gut machen, kriechen von allen Seiten die ‚Experten‘ aus ihren Löchern und geben ungefragt ihren Senf dazu.

Selbstverständlich ist es für die Eltern eine tragische Situation, aber Fachärzte sind sich dahingehend einig, daß sie - selbst wenn sie aufwachen sollte - kein normales Leben führen kann. Mir könnte so etwas nicht passieren: abgesehen davon, daß ich schon vor Monden eine Patientenverfügung verfaßt habe; meine Family und meine Freunde wissen, daß ich keine Reanimationsmaßnahmen wünsche -daß man mich im Falle eines Falles einfach nur in Ruhe sterben lassen soll. Wäre eine Patientenverfügun schon vor 15 Jahren üblich, wäre Mrs. Terry dieses höchst peinliche Tauziehen erspart geblieben.

Gruß

Renee

Hallo,

Hmm, ich finde, das wäre zu einfach, alles als „Gottes Plan“
anzusehen. Gott hat
uns einen freien Willen gegeben, was wir daraus machen, ist
unsere Entscheidung!

DAS finde ich „zu einfach“.

Siehst Du, das finde ich unheimlich schwierig. Immer wieder, bei jeder großen
Entscheidung, muss ich mich mit dem Entschluss auseinandersetzen, in allen
Facetten, muss selber Argumente pro und kontra finden und mich schließlich dann
für etwas entscheiden und dafür geradestehen, eben weil ich es aus freiem Willen
heraus gemacht habe. Das ist wirklich nicht einfach! Eine Entscheidungshilfe ist
für mich dabei der Glaube, aber der ist auch für einen Christen eben lange nicht
so eindeutig, wie es oft gerne gesagt wird, eben weil Gott den freien Willen
ermöglicht hat.

Es ist bezogen auf den Glauben einfach, weil man damit sehr leicht rechtfertigen kann, warum gott sich eben nicht regulierend einmischt oder sonstwie seinen Willen kundtut.

Mal an diesem speziellen Fall aufgezogen: Ich habe mir noch
immer kein festes Urteil bilden können, ob man die Frau jetzt sterben lassen
sollte oder nicht - erstens kenne ich die Hintergründe nicht genau genug, zweitens
gibt es für beide Alternativen unzählige, sehr gute Argumente, die ich auch mit
meinem Glauben vereinbaren kann. Bin ich ein schlechter Christ, weil ich der
Sterbehilfe nicht nur ablehnend gegenüberstehe? Bin ich ein fundamentaler
Christ, weil ich nicht sofort „ja“ zur Sterbehilfe sage?

Der „Fall“ ist ja auch schwierig. Mit meinem Verständnis von „Christ sein“ hat er aber nur wenig zu tun, ebenso wie der Rummel darum nur wenig christliches an sich hat. In meine Augen ist das Problem ganz einfach darauf zu reduzieren, daß man herausfinden muß, was der Wille der Patientin war.

Das Problem dabei ist, daß keine Patientenverfügung vorliegt, nur die widersprüchlichen Aussagen von ihrem Mann und zwei Freunden sowie den Eltern und dem Bruder. Es gibt übrigens kein Motiv für den Mann, ihren Tod aus irgendwelchen eigennützigen Gründen heraus zu wünschen. Neue Heirat ginge per Scheidung auch so, und das „Es geht um Kohle“-Argument wurde auch schon erfolgreich widerlegt (ihm wurde mehr Geld für die Magensonde angeboten, als er aus der Lebensversicherung erhalten wird).

Mit Glaube hat das also nichts zu tun, es sei denn, mal stellt das Recht auf Selbstbestimmung in Frage. Ebenso ist es daher vollkommen uninteressant, was für Gründe es für oder gegen die Magensonde gäbe, weil die nicht zur Debatte stehen.

Gruß,

Malte.

Hallo,

Ich versteh diesen ganzen dualistischen Mist von „Gut vs.
Böse“ aber ohnehin nicht. Da erscheint mir ein gewisser
Fatalismus doch erheblich schlüssiger.

Müßte dann nicht Dein Fatalismus dann bedeuten, daß Du
grundsätzlich jede medizinische Hilfe ablehnst?

Keineswegs. Ich lehne lediglich ab, wenn mit irgendwelchen Gut-Böse-Kategorien oder irgendeiner Göttlichkeit argumentiert wird. Außerdem bin ich der Meinung, daß es sowas wie „Gut“ und „Böse“ nicht gibt, die Schubladen schlicht keinen Sinn machen, wenn man das zu Ende denkt. Es ist schon alles okay so wie es ist. Das muß und soll nicht in Gleichgültigkeit münden, soll aber weg von Argumentatione wie „das ist Böse“, „das ist nicht gottes Wille“, „das tut man einfach nicht“ führen und hin zu Fragen wie „Was ist der sinnvollere Weg für jeden Einzelnen?“, also zu etwas mehr Pragmatismus und fort von dubiosem Bibel-Schmanismus.

Die Sterbehilfefrage ist m.E. einer der SChlüsselfragen, wie
wir unsere Gesellschaft gestalten wollen.

Für mich ist diese Frage ziemlich leicht zu beantworten: Jedem sei es vergönnt, über sein Schicksal selbst zu entscheiden. Das macht aktive Sterbehilfe in fast allen Fällen indiskutabel (jedenfalls in allen, in denen der Patient noch in der Lage wäre, den Knopf selbst zu drücken), die passive jedoch legitim.

Es sei dann darauf hingewiesen, daß ich nicht nachvollziehen
kann, warum ein christlicher Standpunkt, der die Würde des
Menschen in seiner Gottesebenbildlichkeit sieht, hier dann
immer gleich in die Fundiecke gestellt wird - oft von eben
denen, die gleichzeitig jedem Christen sämtliche Untaten von
Christen in der Geschichte vorhalten, in denen diese gerade
diese Definition von Menschenwürde mißachtet haben.

Das hat etwas mit Bigotterie zu tun, was ja auch schon in Bezg auf die us-amerikanische Regierung im Nachrichtenbrett diskutiert wurde, also mit einem eklatanten Mangel an Konsequenz. Was die Vorwürfe angeht, versuche ich zumindest immer, zwischen „die Christen“ und „die Kirche(n)“ zu unterscheiden. Am Christsein stört mich per se erstmal nichts, an den Kirchen hingegen eine ganze Menge - soviel, daß ich zumindest die katholische für einen völlig indiskutablen Verein halte. Als Christ ist man erstmal nur einer bestimmten, groben Richtung eines persönlichen Glaubens anhägig, als Mitglied der katholischen Kirche hingegen trägt man eine verdammt große Menge heftiger Schweinereien mit.

Gruß,

Malte.

Hallo Christian,

Nein, ich entrüste mich nicht, ich schüttel nur ungläubig den
Kopf. Denkst Du,
wir Christen wissen nicht, dass wir früher oder später sterben
müssen, Maschine
hin oder her? Sorry, aber Deine These ist wirklich albern…

Es ist keine These sondern eine Frage gewesen.

Ich danke Dir für Dein Statement

Oliver

Nun denn,

das ist klassisch Theodizee. Schon Epikur (~300vC) und später G.W.Leibniz haben sich damit beschäftigt und sich die Köpfe zerbrochen.

Mehr hier:
G.Streminger: Gottes Güte und die Übel der Welt. Das Theodizee-Problem - Tübingen 1992

Nicht verzweifeln ! :smile:
Lars

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Nicht alle Katholiken sind Terroristen!
Hallo,

Was glaubst Du, wer Abtreibungskliniken in die Luft sprengt
oder in Irland Protestanten wegballert? Na??? Genau!
Katholiken! Alle Welt regt sich über Jihad auf, dabei sind die
Katholen keinen Deut besser.

Hey, das nenn ich mal Sippenhaft. Genauso wie ich viele Moslems kenne, die nichts mit militanten Islamisten zu tun haben sind nicht alle Katholiken Terroristen!

Ich bitte Dich, Renee, aber das ist einfach nur unfair, wie Du jetzt verallgemeinerst. Idioten und Terroristen gibt es in jeder Gemeinschaft - es gibt idiotische Deutsche, die Nazis sind - ich bin Deutscher und kein Nazi. Es gibt idiotische Veganer, die Metzger umbringen wollen (ok, ich gehör den Fleischessern an). Es gibt idiotische Menschen, die sich Moslems nennen und Menschen ermorden. Es gibt idiotische Menschen, die sich Katholiken (oder Christen - in Irland gibt es auch militante Protestanten) nennen und Menschen ermorden. Ich verurteile alle diese Leute gleichermaßen, egal, warum sie Terroristisch agieren!

Eigentlich finde ich es schade, dass man sich in einer aufgeklärten, demokratischen und offenen Gesellschaft so verteidigen muss…

Christian

Hallo nochmal,

Es ist keine These sondern eine Frage gewesen.
Ich danke Dir für Dein Statement

Ok, wenn Deine Fragen wirklich ernst gemeint waren (die Fragen schienen mehr polemisch/rethorisch zu sein), antworte ich Dir nochmal - wobei ich wie immer sagen kann, dass ich nur für mich als Christ sprechen kann…

Ich weiss, dass ich früher oder später sterben werde (und ja, ich habe Angst vor dem Sterben, nicht aber vor dem Tod - ok, natürlich freu ich mich nicht drauf und hoffe, dass es noch was hin ist bis da, aber grundsätzlich). Mehr noch, ich habe sogar einen Organspenderausweis in meiner Tasche. Wenn mein Leben hier um ist, ist es um - ob ich noch künstlich am Leben gehalten werde oder nicht spielt für mich, was das Leben nach dem Tod angeht, keine Rolle. Und wenn es soweit ist und ich hätte auf einmal Angst, dass ich mein Leben lang doch was „falsches“ geglaubt habe und dann endgültig Ende ist, dann kann ich da doch eh nix mehr dran ändern. Insofern beantworte ich Deine Frage für mich: „Nein, jemanden nicht sterben zu lassen hat nichts damit zu tun, Angst zu haben, dass man sich geirrt hat. Es hat wohl was damit zu tun, dass man selber nicht damit zurecht kommt, jemanden zu verlieren und damit weiterleben zu müssen“.

Sorry nochmal, wenn ich Dich falsch verstanden habe
Christian

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*missverständnisseausräum*
Hallo Christian,

falls ich mich mißverständlich ausgedrückt habe: sorry! Selbstverständlich liegt es mir fern, alle Katholiken über einen Kamm zu scheren. Genausowenig wie alle Moslems Terroristen sind, sind alle Deutschen Nazis…

Eigentlich finde ich es schade, dass man sich in einer
aufgeklärten, demokratischen und offenen Gesellschaft so
verteidigen muss…

Wie meinen? Einen Verteidigungsfall sehe ich nicht… Aber - um meinen Ex-Chef zu zitieren - gut, daß wir darüber gesprochen haben. :wink:

Kann ich das Mißverständnis als aus der Welt geschafft ansehen?

Grüße

Renee