Nie
Hallo Carlos
vor kurzem hat Klaus den Gedanken den Gedanken der aktiven
Sterbehilfe aufgegriffen mit den Hinweis auf die
vernachlässigten Menschen in Alters- und Pflegeheime.
Er sprach nicht davon den Stecker bei Todkranken Menschen zu
ziehen (passive Sterbehilfe), sondern Menschen zu töten, die
ansonsten nicht so schnell sterben.
Die Frage, ob diese Menschen das auch wollen kam irgendwie
nicht auf.
Ich hab den anderen Thread leider nicht mit verfolgen können, auch meien Zeit ist begrenzt *g*, aber an dieser Stelle möchte ich gerne einhaken:
Ich finde, hier wird die falsche Diskussion geführt. In unserer Zeit ist es „üblich“, die Pflege von kranken, alten oder behinderten Menschen professionellen Pflegekräften zu übertragen. Alter, Krankheit oder Behinderungen führen zu Angst bei den Menschen, je mehr sie aus dem Alltagsleben verbannt werden. Glück wird oft mit Funktionstüchtigkeit gleichgesetzt und die Angst, nicht mehr richtig zu „funktionieren“ führt dann zu meiner Meinung nach übersteigerten Reaktionen wie: Dann will ich auch nicht mehr leben.
Der Mensch wird jedoch nie in der Lage sein, diese „Zerfallsprozesse“ zu verhindern. Die Frage lautet also, wenn man sie nicht verhindern kann, wie geht man dann damit um ? Sicher sollte es einem jeden Menschen freistehen, freiwillig aus dem Leben zu scheiden. Jedoch: wie ist solch ein freiwilliges Abtreten motiviert ? Ein Mensch, der vereinsamt und „abgeschoben“ in einem Alters- oder Pflegeheim sitzt und über Selbstmord nachdenkt, würde vielleicht gerne noch leben wollen, wenn er dieses Leben in einer liebevollen Umgebung führen könnte unter Menschen, die seine Person an sich und seine vielleicht extrem eingeschränkten Fähigkeiten dennoch zu schätzen wissen. Kann ein solcher Mensch in der „richtigen“ Umgebung noch Glück und Zufriedenheit empfinden ? Ich denke ja.
Die Gewissheit, dass es solch eine Umgebung für jeden gibt, kann dazu beitragen, den Menschen die Angst vor Alter, Krankheit oder Behinderung zu nehmen und das Thema Selbstmord in diesem Zusammenhang in den Hintergrund rücken zu lassen.
Die Aufgabe der Gesellschaft sollte es also sein, ein menschenwürdiges Umfeld zur Verfügung zu stellen, in dem auch Menschen, mit (mehr oder weniger extremen) Einschränkungen ein erfülltes Dasein führen können. Selbstmord ist etwas absolutes, nicht rückgängig zu machendes und manch ein Mensch, der bei einem Selbstmordversuch dem Tod vielleicht gerade noch von der Schippe gesprungen ist, war anschließen mit ein bisschen Hilfe in der Lage, ein erfülltes Leben zu führen und froh, dass es „damals“ nicht geklappt hat.
Es gibt den allgemeinen Konsens, daß die Todesstrafe abgelehnt
wird. Wie wäre es in euren Augen ethisch zu sehen, wenn man
eine alternative Strafe hätte?
Lebenslange Haft ohne Aussicht jemals freizukommen oder den
sofortigen Vollzug der Todesstrafe mit einer Giftspritze.
Der Gefangene kann selber entscheiden.
Gemäß der obigen Aussage wäre sie dann in Ordnung.
Das Recht, Leben zu nehmen, steht meiner Meinung nach keinem Menschen zu. Dies ist den meisten Menschen auch bewußt und daher kommt in so einem Fall immer die Frage der „Schuld“ auf. Was du oben beschreibst ist IMHO ein illegitimer Versuch, die „Schuld“ von sich abzuwälzen, also sein eigenes Gewissen dadurch zu beruhigen, dass jemand ja „freiwillig“ in den Tod gegangen ist, man also direkt an dem Tod dieses Menschen nicht „schuld“ ist. Aber die Frage bleibt bestehen: Ist man es nicht dennoch ursächlich ?
Mich erinnert das zusehr an den „Schierlingsbecher“. Ich sage einem Menschen: „Ich habe vor, dir ganz viele fiese Dinge anzutun. Du hast nur die Möglichkeit, dich diesem zu entziehen, wenn du deinem Leben ganz schnell selbst ein (halbwegs angenehmes) Ende setzt. Und sei dir sicher, dieses Ende wird angenehmer sein als alles, was ich ansonsten noch mit dir vorhabe.“ So eine Einstellung kann ich persönlich nicht als „ethisch“ akzeptieren.
Gruss
Marion