Warum fliehen so viele Menschen aus der Ukraine?

Hallo,

das ist schon meine Frage. Dass ein Land von einem anderen überfallen und dann besetzt wird, ist allein doch noch kein Grund zu fliehen. Es werden doch nicht so viele Menschen, die oft mit ganzer Familie einschließlich Kindern fliehen, sich vorher lautstark antirussisch verhalten haben, dass man sie schnell ausfindig machen und dafür bestrafen will.

Grüße
Carsten

Vielleicht, weil Bomben und Raketen nicht unterscheiden, wer sich zuvor lautstark antirussisch verhalten hat? Vielleicht, weil man nicht weiß wie lange der Krieg dauern wird und es nicht auch zu Belagerungen großer Städte kommen könnte? Vielleicht, weil Eltern nicht wollen, dass ihre Kinder Todesängste ausstehen:

Geh mal tief in dich und dann fallen dir sicher noch ein paar Gründe ein, wieso man als Zivilist nicht in einem Kriegsgebiet stecken möchte. Du schaffst das!

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Hallo warum wohl fliehen die Menschen aus der Ukraine. Ganz einfache Antwort ,weil sie diesen Mist überleben wollen.
Viele Grüße noro

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Gut, wenn man sich die Bilder ansieht, so scheint es tatsächlich so, als bemühe sich Russland die zivile Bevölkerung zu schonen. Tatsächlich gibt es bisher nur Meldungen von einem Wohnhaus, dass schwer beschädigt wurde (und seit heute morgen ein Video von einer fehlgegangenen Luftabwehr-Rakete, die in einen Häuserblock einschlug - die war aber vermutlich eh Ukrainisch).

Aber es gibt trotzdem keine Sicherheit, keine Garantien und vor allem keine Möglichkeit vorher zu sehen, wie sich die Versorgungslage ändern wird. Wenn Deutschland angegriffen wird, schnappe ich mir meine Kinder und mach mich auf den Weg - und ich bin ziemlich sicher, dass es den meisten Eltern so geht.

Ich liebe meine Familie deutlich mehr als mein Land.

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Hallo,

man soll es nicht für möglich halten, aber es soll tatsächlich Menschen geben, die sich nicht so gern beschießen und bombardieren lassen. Und einige wissen es auch sehr zu schätzen, wenn sie z.B. Grundnahrungsmittel kaufen können.

Aber wen das nicht schreckt: In Kiew sind die Mieten gerade sehr günstig.

Schönste Grüße
Ann da Cava

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Wir können natürlich nur vermuten. Wollten wir es besser wissen, müssten ein paar Journalisten möglichst viele Flüchtlinge befragen. Aber momentan traut sich da wohl niemand hin. Von anderen Kriegen haben wir meist schon von Anfang an mehr Details erfahren.

Die bis jetzt genannten Fluchtgründe sind mir zu vage. Ob die auf jemanden persönlich eintreffen, weiß man ja nicht. Andererseits gibt man viel, sehr viel auf: Die Wohnung, die gesamte Einrichtung, Kleidung und vieles mehr. Auch den Arbeitsplatz.

Die erwähnten „Grundnahrungsmittel“ bekommt man in der Heimat, wo man sich auskennt sicher als in einem fremden Lan, wo man zunächst mal ohne Gels und alles da steht.

Das Leben im besetzten; Land, Besatzung hin oder her, muss ja weitergehen. Und da fehlen vielleicht gerade viele wichtige Arbeitskräfte, die sich unter den Flüchtlingen befinden.

Aus meiner Sicht unterliegst Du da einem wichtigen Irrtum. Die Ukraine ist (noch) nicht besetzt. Sie befindet sich gerade im Krieg und soll besetzt werden und wehrt sich dagegen. Dieser „Widerspruch“ der Interessen führt zu Krieg und Tod. Diesem Tod wollen die Menschen entgehen.

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Hi @Carsten,

hier haben ein paar Journalisten Bilder direkt aus Kiew bereitgestellt vom heutigen Tag. Auch von Vitali Klitschko wurden Aufnahmen gemacht und gepostet.
Mir würde das, was ich da sehe, wirklich als Begründung zur Flucht aus der Stadt reichen. Dir nicht?

Schöne Grüße
Stefanie

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… es stehen sogar viele Wohnungen leer, habe ich aus gewöhnlich gut informierten Kreisen gehört

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…und sterben!

Alleine die Frage Warum fliehen so viele Menschen aus der Ukraine?

ist doch völlig absurd und zeugt von totaler dekadenter Ignoranz!

Ich werde jedenfalls mein Obergeschoss herrichten und ukrainische Flüchtlinge aufnehmen.

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Andere Quellen sagen, es handele sich um eine fehlgeleitete AA-Rakete der ukrainischen Luftabwehr. Das ergibt eigentlich mehr Sinn.

Ach so, verstehe. Eine ukrainische Rakete ist dann natürlich keine gute Begründung für eine Flucht. Wenn man von der getroffen wird, gilt das nicht. Mein Fehler. :wink:

.

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Wie @Stefanie_e95fa1 schon richtig schrub, ist es irrelevant, woher die Rakete stammt. In jedem Krieg kommt es zu Kollateralschäden und für die Betroffenen ist es in der Regel egal, welche Seite dafür verantwortlich war.

Selbst wenn das eine russische Rakete gewesen wäre, bezweifle ich stark, dass es Absicht gewesen ist. Die russische Armee hat offensichtlich den Befehl, die zivile Bevölkerung möglichst zu schonen. Das zeigt sich auch daran, dass nur ein Bruchteil der verfügbaren Einheiten eingesetzt werden und erklärt auch den langsamen Vormarsch. Ziel war wohl, Kiew schnell und mit minimalen Verlusten einzunehmen und dann die Mär zu spinnen, dass man von der ukrainischen Bevölkerung als Befreier von den Nazis empfangen wurde.

Umso mehr schmerzen jetzt die Verluste, denn in der Hauptsache werden Eliteverbände eingesetzt: Speznas, Luftlandetruppen, BTGs und Teile der tschetschenischen Rosgvardiya unter dem Kommando des unlängst verblichenen Generals Tushayev.

Wie es aussieht hat Putin hoch (und riskant) gepokert und verloren. Ohne Kiew kann sich Putin nicht zum Sieger erklären, daher bleiben im Grunde drei Möglichkeiten:

  1. Er beendet den Krieg und beginnt mit Verhandlungen.
  2. Er lässt Kiew belagern.
  3. Er lässt Kiew stürmen.

Wäre ich ein Zivilist in Kiew würde ich mich nicht darauf verlassen, dass Punkt 1) eintrifft und daher schauen, dass ich rauskomme, solange es noch geht.

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Was ist denn in Kiew passiert? Ich kann mir das alles nicht vorstellen.
Sind da genügend starke ukrainische Einheiten, die die Russen in nördlichen Vororten aufgehalten haben? Die die Übernahme des Flugplatzes durch Gefechte verhindern konnten?
Kämpfen eigentlich in den in der Karte bezeichneten Stellen jeweils Teile der ukrainischen Armee gegen Russen? Die Ukraine kann ja kaum eine riesige Frontlinie von Belarus bis zur Krim aufgebaut haben oder?
Wie gesagt, als absoluter Nicht-Militär fehlt mir da komplett die Vorstellungskraft.

Der russische Plan scheint gewesen zu sein, Kiew innerhalb kürzester Zeit zu erobern und damit die ukrainische Regierung auszuschalten. Man ging wohl davon aus, dass danach der ukrainische Widerstand zusammenrechnen würde und gleichzeitig hätte man dem Westen seine Stärke gezeigt und ihn vor vollendete Tatsachen gestellt.

Das Problem dabei ist, dass so ein schneller Vorstoß nur mit leichten Waffen möglich ist. Laien unterschätzen, wie unglaublich wartungsintensiv Kampfpanzer sind und was da für eine Logistik dahintersteckt. Die russischen Truppen in Kiew verfügen also nur über Fahrzeuge, die auch mit relativ leichten Waffen zu bekämpfen sind. Und den ukrainischen Truppen stehen deutlich mehr als nur „leichte Waffen“ zur Verfügung .
Ein Teil der russischen Strategie, der völlig nach hinten losging, waren besagte Flughäfen. Die wollte man im Handstreich erobern und dann Luftlandetruppen einfliegen. Nur waren erstens die Bodentrupppen viel zu schwach, die Flugplätze zu halten und zweitens wurde die ukrainische Luftabwehr trotz gegenteiliger Meldung aus Moskau nicht ausgeschaltet. In dieser Phase wurden mindestens 2 Il-76 mit jeweils bis zu 150 Fallschirmjägern abgeschossen.
Davon abgesehen gibt’s kaum eine militärische Herausforderung, die schwieriger ist, als die Einnahme einer Großstadt. Vor allem wenn die Bevölkerung allem Anschein nach zum Widerstand entschlossen ist. So lange sich die russische Armee zurückhält (und das tut sie), wird es in Kiew keine schnelle Entscheidung geben.

Die ukrainischen Truppen versuchen nicht die gesamte Frontlinie zu halten, sonder konzentriert sich auf wichtige Punkte wie Städte, Flughäfen und Straßen. Moderne Armeen sind sehr abhängig von Nachschub und der kann nicht einfach querfeldein erfolgen. Die Ukraine hatte Jahre, um sich auf eine russische Invasion vorzubereiten und die Zeit wurde offensichtlich gut genutzt. Im Netz ist logischerweise wenig über konkrete Abwehrmaßnahmen zu lesen, aber die Tatsache, dass die russische Invasion so langsam vorankommt, spricht Bände.

Allerdings kann sich das jederzeit ändern, wenn Russland seine Zurückhaltung aufgibt. Die Zeit läuft für die Ukraine, da jeden Tag nicht nur Waffen sondern auch Greiwillige eintreffen. Es gibt soon Bilder von russischen TOS-1, die in Stellung gebracht werden. Sollten die zum Einsatz kommen, sind alle Dämme gebrochen…

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Ah. Ein sogenanntes „Strawmen-Argument“ - eine Diskussionstaktik von ganz unten aus der Kiste der unehrlichen Diskussionsmethoden.

Ich bin ziemlich sicher, dass Russland auch nicht erwartet hat, wie viel Widerstand es international gibt - und wie viel logistische und moralische Unterstützung es von allen Nachbarn für die Ukraine gibt. Putin muss sich der Erkenntnis stellen, dass sein Husaren-Stück komplett nach hinten losgegangen ist, fast egal, was er in der Ukraine noch erreicht.

Seine Aktivierung der Abschreckungstruppen ist das letzte Zeichen dafür, dass er mit dem Rücken zur Wand steht.

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Danke Penegrin und Zerschmetterling. Dass große Teile der ukrainischen Armee eingekreist werden (oder ist das eine veraltete Vorstellung von Kriegsstrategie?) oder die ukrainische Armee durch russische Intervention vom wichtigen Nachschub oder so abgeschnitten ist, ist im Moment jedenfalls kein Thema?

Wie ihr das schildert ist also die Frage, ob Putin

  • versucht, irgend wie elegant aus der Nummer rauzukommen (durch “großzügige“ Verhandlungsangebote)
  • auf Zeit setzt (aber ihr sagt, die Zeit ist gegen ihn)
  • oder mit heftigeren Waffensystem richtiges Blutvergießen anrichtet (man kann nur hoffen, dass er wegen der Weltgemeinschaft, die da hinguckt, doch davor zurückschreckt…)

Auch heute können Truppen eingekreist und vom Nachschub abgeschnitten werden. Und wenn das gelingt, ist das sogar noch fataler als zu früheren Zeiten, da moderne Armeen Unmengen an Nachschub brauchen. Ein T-80 Kampfpanzer (wie ihn beide Seiten verwenden) kommt mit einer Tankfüllung von 1100l maximal 330 km weit. Das ist nicht viel, vor allem wenn man bedenkt, dass man im Kampf ja auch manövrieren muss.

Aktuell ist es unwahrscheinlich, dass ukrainische Truppen eingekesselt werden können:

Im Nordosten könnte es dazu kommen, aber ich bezweifle, dass sich dort starke urkainische Verbände befinden. Es war klar, dass man die Front dort nicht halten kann. Die zweite Möglichkeit könnte sich im Osten ergeben. Aber auch das wird noch einige Zeit dauern. Was wir aber schon sehen, sind einzelne Städte, die eingeschlossen wurden.

Wie man sieht, gibt es zwei Hauptrichtungen bei der Invasion. Im Norden will man Kiew möglichst schnell umschließen/einnehme und im Süden eine Verbindung zwischen der Krim und den Separatistengebieten herstellen. Dass das gelingt, ist nur eine Frage der Zeit.

Möglich wäre auch der Einsatz taktischer Atombomben. Entweder als Demonstration über dem schwarzen Meer oder wenn Putin meint, er habe gar nichts mehr zu verlieren, auch in der Ukraine.

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Und wie unfassbar untauglich so ein Panzer ist, um Städte zu erobern. Panzer sind weitgehend blinde Dosen mit einem Periskop bzw. einem Ausguck auf dem Dach. Ich sah, wie Guerillatipps auf Twitter ausgetauscht bzw. übermittelt (u.a. von Mitgliedern des US-Militärs) wurden (Farbe auf Periskop, Decken überwerfen usw. ). Die ukrainische Armee scheint sich auf auf Tankfahrzeuge spezialisiert zu haben. Man sieht Bilder und Videos von russischen Panzern, die ohne Sprit liegengeblieben sind. Die türkischen Drohnen scheinen in dem Kontext sehr hilfreich zu sein.

Dass Anonymous ganz massiv in die Kommunikation und Logistik eingreift, spielt inzwischen wohl auch eine Rolle. Mal ganz abgesehen von dem genialen Schachzug, das russische Staatsfernsehen zu hacken und darüber Bilder aus der Ukraine zu verbreiten.

Der Videokrieg 1991 war etwas völlig neues. Der Krieg über das Internet 2022 ist das auch.

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