Hallo,
zunächst mal der unromantische Teil:
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Massive Vorteile im Ehegattenerbrecht, wie z.B. gesetzliches Erbrecht auch ohne Testament und erhebliche Vorteile in der Erbschaftsteuer, was viele „moderne“ Frauen in klassischer Kindererziehungsrolle mit voll finanziertem Eigenheim aber ohne spießigen Trauschein im Falle des Falles ganz, ganz bitter erfahren müssen, als ob es nicht genug wäre, den Partner zu verlieren.
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Steuerliche Vorteile je nach Regierung
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Ein rundum-sorglos-Paket für alle rechtlichen Fragen. Seit über 100 Jahren erprobt und ständig den aktuellen Gegebenheiten angepasst. Insbesondere auch klare Regelungen für den Fall des Scheiterns (und wer meint, dass eine streitige Scheidung ein teueres und übles Thema sei, der soll sich mal eine streitige Trennung ohne Trauschein aber mit Kind, Hund und Haus ansehen).
Selbst mit Testament, Vorsorgevollmacht, GbR für den Hausbau, und 1001 untauglichen Versuchen die rechtlichen Vorteile einer Ehe irgendwie nachzubauen, kommt man nicht ansatzweise dahin, wo einen der einfache Gang zum Standesamt hin bringt.
Es kommt übrigens nicht von ungefähr, dass viele Paare diesen Gang dann antreten, wenn sie um Haaresbreite an der ein oder anderen Katastrophe vorbei geschlittert sind, und sich anlässlich dieses Ereignisses erstmals bewusst geworden sind, welche Folgen die Geschichte ohne und mit Trauschein gehabt hätte.
Und dann wäre da noch der andere Teil: Es mag nicht mehr für jeden vorstellbar sein, aber es gibt tatsächlich noch Menschen die sich zu 100% aufeinander verlassen können, und zwar in jeder Situation. Bei denen es ein Geben und Nehmen ohne Aufrechnung aber im Vertrauen darauf gibt, als Gebender selbst jederzeit zum Nehmenden werden zu können, ohne dafür ein schlechtes Gewissen haben zu müssen, die wirklich gemeinsam für sich als Paar/Familie Entscheidungen treffen, gemeinsam alle daraus entstehenden Konsequenzen tragen, und nicht als zwei Individuen, sondern gemeinsam und auf Dauer als Paar/Familie leben können und auch wollen, und dieses Vertrauen und die damit verbundene Sicherheit wahnsinnig genießen.
Und es gibt auch genug Menschen, die in solchen Strukturen unglaublich schwere Situationen, wie Pflegebedürftigkeit und Tod der Eltern, Arbeitslosigkeit, … und auch längerfristige Belastungen meistern, und sich ganz bewusst aus der Beliebigkeit einer halbgaren „wasch mich, aber mach mich nicht Nass“-Beziehung, in der es nur um Spaß geht, und die man einfach beendet, wenn sie mal aufgrund Krankheit, Behinderung, Alter, sozialer und wirtschaftlicher Probleme des Partners nicht mehr „Spaß macht“ verabschiedet haben, und sogar in ihrer Liebe und ihrem gegenseitigen Vertrauen in gerade solchen Situationen noch wachsen, und die dies gerne auch öffentlich bekunden wollen.
Und was deine mittelalterlichen Vorstellungen von Familie und Kindern und die dadurch bedingte Abhängigkeit, sowie den Ausschluss von Karriere angeht: Es gibt Menschen, die immer nur meckern, die immer nur tönen, was sie alles könnten und tun würden, wenn nur die Verhältnisse besser wären, … Und dann gibt es Menschen, die aus den gegebenen Umständen und Rahmenbedingungen einfach das beste machen.
Dazu gehört eben auch, als Paar und Familie gemeinsam Lösungen zu entwickeln, Kinderwunsch und Karriere von beiden Partnern unter einen Hut zu bringen. Wenn man dies will, und nicht mit dem Kopf durch die Wand möchte, bereit ist Kompromisse einzugehen, und sich nicht immer fragt, was man noch alles hätte erreichen können, wenn man keine Kinder gehabt hätte (und damals nicht die eine Abiklausur versemmelt, im Examen das richtige Thema gelernt, und im Vorstellungstermin anders angezogen gewesen wäre, …), dann kann man damit sehr erfolgreich und glücklich sein.
Natürlich gibt es weder mit noch ohne Trauschein irgendwelche Garantien. Und genau so wie heute viele Beziehungen ohne Trauschein keine Chance auf längeren Bestand haben, gilt dies natürlich auch für viele Ehen. Der heute nicht mehr so gegebene wirtschaftliche und gesellschaftliche Zwang zur Ehe könnte auch längerfristig dazu führen, dass wirklich nur noch diejenigen heiraten, die es damit wirklich ernst meinen. Aktuell scheint es aber wohl noch eher so zu sein, dass einfach viele nicht funktionierende Beziehungen einfach nur nach einem gewissen Zeitablauf meinen, jetzt auch als gute Ehe funktionieren zu können und zu müssen, und das ist dann oft schon der Anfang vom Ende.
Gruß vom Wiz, erfolgreicher Unternehmensjurist, der in den nächsten Monaten fast nur vom heimischen Schreibtisch arbeiten wird, weil er gerade mal wieder Papa geworden ist, und dessen Frau Ende der Woche nach einigen Jahren anwaltlicher Selbständigkeit und überwiegender Übernahme der Familienführung die Leitung eines Anbieters im sozialen Bereich übernimmt.