Hallo Gert,
Und weil das so ist, verfällt man eben sehr leicht in die falsche
Schlußfolgerung, dies würde etwas „Unerklärbares“ sein. Das
ist aber schlecht, weil sich daraus wieder die Einstellung
ergibt, man könne und müsse die Erklärung für den Grund des
eigenen Daseins in dieser „Welt“ durch die „wissenschaftliche“
Erforschung von deren Aspekten bewirken.
Und die Unannehmlichkeiten, welche wir dieser Vorgangsweise
bereits verdanken, wird langsam etwas bedenklich, meine ich.
mir fällt auf, dass gerade heutzutage immer öfters Philosophen um ihre Meinung gefragt werden. Ich nehme an, weil Forschung und Statistiken für bestimmte Erkenntnisse nicht ausreichen.
Nicht, daß ich jetzt meinerseits irgend was hier erklären
will, ohne gefragt worden zu sein. Ich wollte nur darauf
aufmerksam machen, daß hier bei dieser Logik ein gravierender
Denkfehler auf allen Seiten vorliegt, der den subjektiven
Erfahrungen jedes Menschen völlig widerspricht. Als Beispiel
dafür habe ich eben auf diese Erfahrung hingewiesen, die jeder
authentisch macht, nämlich: ich bleibe immer ich, egal,
wieviel Zeit vergeht oder bereits vergangen ist.
Ich glaube, wir haben ein paar Deffinitionsprobleme. Was ist Ich? Das was andere an einem wahrnehmen, ist an erster Stelle der Körper. Bei genauerer Betrachtung hat der besagte Körper Eigenheiten, wie sie kein anderer hat: Mimik, Gestik, Temperament, Emotionen. Aber auch diese Eigenheiten unterliegen Veränderungen, die vom Lebenslauf abhängig sind, allerdings nicht so gravierend wie der Körper.
„ich bleibe immer ich, egal, wieviel Zeit vergeht oder bereits vergangen ist“?
Was genau bleibt außer die dazugehörige Materie, ohne die das (Er)Leben nicht möglich ist?
Und noch ein Wort zu den Philosophen: natürlich wissen wir,
daß sich seit immer schon Menschen mit den Erklärungsversuchen
für dieses authetische Erfahrungsfaktum beschäftigt haben. Man
neigt dann allerdings sehr leicht dazu, aus der Tatsache, daß
von dieser Seite trotzdem noch immer keine verstehbare
Erklärung gekommen ist, erst recht wieder den falschen Schluß
zu ziehen, es wäre eben nicht erklärbar.
Ich bin vielmehr von der schier unerschöpflichen Phantasie und der Formulierkunst der Philosophen beeindruckt. Und dann darf man nicht das Zeitalter und ihre Herkunft der Denker außer acht lassen, was ihre Denkweise beeinflußte. Allerdings habe ich bei den paar Philosophen, über die ich gelesen habe, keine Resignation festgestellt. Eher unterlagen deren Gedankengebäuden Veränderungen, wurden teilweise abgebaut, um neue Ideen zu konstruieren. Die Erklärung für das menschliche Ich ist nicht aufgegeben, sondern noch nicht beendet.
Daher meine ich, man sollte diese philosophischen Denkprozesse
zwar nicht im negativen Sinne abwerten, aber auch nicht im
resignativen Sinne überbewerten.
Denkprozesse solcher Profis sind für mich wichtig, um aus meinem kleinen Gedankenkreis, in dem ich gelegentlich herumeiere, herauszufinden und daran anzuknüpfen.
Weder Erklärungen geben, noch Antworten erwarten wollte ich
damit bezwecken. Sondern wieder daran erinnern, daß man
überall auf den allerwichtigsten Aspekt zu vergessen scheint.
Denn wenn man darauf vergißt, glaubt man vielleicht noch
hundert Jahre, es würde dafür keine Erklärung geben, hört auf
danach zu suchen und fährt mit der „wissenschaftlichen“
Erforschung danach fort, bis endlich alles kaputt ist.
Wenn du dir von deinem Umfeld wünschst, dass es wie du sich dem Wesen seiner Existenz besser bewußt wird, kommst du nicht um konkrete Beschreibungen herum, um was man sich kümmern soll. Denn das „Ich-Verständnis“ ist von Mensch zu Mensch verschieden.
Manche Kinder denken gerne über ihr Ich nach. Wer sich von Klein auf an dafür interessiert, wird diese Gedanken immer wieder hervorkramen, seine Lebenserfahrung in die Wagschale werfen und weiter nach Erklärungen suchen. Wie bereits geschrieben, das ist eine Lebensaufgabe.
viele Grüße
claren
