Führt nicht das Verbannen des Privaten aus der öffentlichen
Welt zu mehr Vereinsamung, Unmenschlichkeit und Kälte?
Suggestivfragen sind keine wirklichen Fragen.
ok, aber wozu soll es dann führen, wenn nicht dazu?
Abgesehen davon, erlebe ich eher, daß distanzlose Menschen,
die ihre Privatsphäre ungefragt aufdrängen, zunehmend isoliert
werden, weil andere das eben nicht so schätzen.
Davon reden wir hier nicht. Es geht stattdessen darum, ein menschliches Klima zu erzeugen, in dem der Einzelne mit seiner PRIVATHEIT (Individualität sowieso) Teil des Öffentlichen ist und daß „die Öffentlichkeit“ das Öffentlich-Private als etwas völlig natürliches und normales begreift, so daß der Einzelne sich mit seiner Privatheit willkommen fühlen kann in einer Öffentlichkeit, die diese Privatheit nicht ächtet.
Und Deine Frage bezog sich ja nicht auf das Verbannen
des Privaten aus dem öffentlichen Leben,
Doch, ich glaube, das kann man so nicht trennen!
sondern
eine sehr spezielle Form, nämlich die Sexualität, also ein
Bereich, in dem Menschen auch besonders verletzlich sind.
Meine These: so verletzlich sind sie da nur durch die „Verklemmungssprägungen“. Es wäre m. E. ein großer Schritt zu mehr sexueller Freiheit und Gesundung der individuell-menschlichen und auch der „gesellschaftlichen Seele“.
Wenn
das Individuum mit seiner Privatheit nicht willkommen ist in
der öffentlichen Welt, wenn diese gar mit Ablehnung,
Widerwillen, Haß, Ekel, Diskriminierung und realen legalen
Sanktionen auf jene Privatheit reagiert, wie wird, bitteschön,
das Individuum darauf reagieren?
Das wäre eine andere Fragestellung. Wobei erst einmal zu
begründen wäre - und zwar Dir als Fragestellung, daß das so
ist. Denn von öffentlich gelebter Sexualität auf „Individuum
mit seiner Privatheit nicht willkommen“ (vermutlich meinst Du
„Individualität“)
Nein, ich meine, wie gesagt, Privatheit.
finde ich als nicht zulässig.
Ich vermute: mit Abschottung, Sichzurückziehen,
Verklemmtheiten, Ängsten, Neurosen, Komplexen, Psychosen etc.
Was meinst Du?
Erst mal gar nichts, weil mir da zu viel, was erst einmal
nichts miteinander zu tun hat, zusammengeschüttet und
durchgerührt wird.
Da bin ich ganz anderer Meinung. Die angesprochenen Phänomene Abschottung, Sichzurückziehen, Verklemmtheiten, Ängsten, Neurosen, Komplexen, Psychosen etc. resultieren m. E. direkt aus jenen Prägungen, die man schon seinen Kindern aufdrückt, indem man ihnen das Ausleben ihrer kindlichen Sexualität verbot und wahrscheinlich heute noch verbietet. Das Verbot des Praktizierens von Sexualität in der Öffentlichkeit hat zwar vordergründig damit nichts zu tun, blickt man aber hinter die Wände, eben doch!
Gruß, Uwe