Warum ist öffentlicher Sex öffentliches Ärgernis?

Voyeurismus müßte auch erlaubt sein. Und
wer gerade solo ist, dürfte auch - durchs Zuschauen erregt
oder unabhängig davon - onanieren, und es wäre ihm mit einem
Lächeln zuzugestehen.

Selbstverständlich. Ganz locker und easy. Man stelle sich vor: „die Mauer ist weg“. Ich glaube, dann gäbe es automatisch auch weniger Voyeure, denn der öffentliche Sex (auch der „an und für sich“) wäre normal und allgegenwärtig.

Intimität kann (und sollte) es natürlich auch weiterhin geben. Der lockere öffentliche Umgang mit öffentlichem Sex schließt Intimität ja auch ganz und gar nicht aus!

Von Schwulen und Lesben ganz zu schweigen.

Für die gilt das Gleiche. Gibts da ein Problem?

Ich glaube, Tabus wie dieses schützen uns vor einer zu harten
Konfrontation mit einer sehr elementaren Tatsache: der
Ungleichheit der Menschen. Man tut alles, um diese Tatsache zu
verschleiern.

Warum eigentlich?

Die Chancen-Ungleichheit wird nirgends so elementar sichtbar wie
bei der sexuellen Attraktivität.

Mag sein. Meinst Du DAS ist der Grund für die Tabuisierung des Sexuellen in der Öffentlichkeit?

Gruß, Uwe

Hallo Uwe,

Für die gilt das Gleiche. Gibts da ein Problem?

Mit solchen Vorstellungen habe ich überhaupt kein Problem.

Ich glaube, Tabus wie dieses schützen uns vor einer zu harten
Konfrontation mit einer sehr elementaren Tatsache: der
Ungleichheit der Menschen. Man tut alles, um diese Tatsache zu
verschleiern.

Warum eigentlich?

Damit die Leute sich nicht auflehnen, die bestehenden Ordnungen der Gesellschaft stabil bleiben.

Die Chancen-Ungleichheit wird nirgends so elementar sichtbar wie
bei der sexuellen Attraktivität.

Mag sein. Meinst Du DAS ist der Grund für die Tabuisierung des
Sexuellen in der Öffentlichkeit?

Ich glaube, der Grund ist vor allem, es soll ein halbwegs friktionsfreies Funktionieren der Gesellschaft gewährleistet sein. Man hat im Neoliberalismus auch Tabus aufgehoben, die Märkte „befreit“, mit dem Effekt, daß ein kleinerer Teil der Menschen gewonnen hat, aber ein viel größerer Teil hat verloren. Die Reibungen in der Gesellschaft, die Unzufriedenheit vieler, das hat offensichtlich zugenommen. Und man kann das gar nicht so ohne weiteres ansprechen, man bekommt sehr schnell die „Neiddebatte“ um die Ohren geschlagen.

Wenn wir ebenso unbedacht ein elemtares sexuelles Tabu aufheben, wären da nicht ähnliche Effekte zu befürchten? Einige „Alpha-Tiere“ würden enorm gewinnen und alle anderen wären frustrierter als bisher.

Es gibt andere Tabus in der Sexualität, wo es mir wichtiger erscheint, daß diese aufgebrochen werden. Sexualität unter alten Menschen. Sexualität unter oder mit Behinderten. Es ist heute noch schwierig, das etwa künstlerisch zu thematisieren.

Hier in diesem Thread wünscht sich jemand öffentlichen Sex nur von schönen Menschen ausgeführt. Genügend Leute sind der Meinung, nur hübsche schlanke Menschen sollten in Freibäder oder an den Strand gelassen werden, fette und häßliche hätten dort nichts verloren. Auch eine Art von Verklemmtheit.

Solange solches Denken noch ziemlich verbreitet ist, sind wir wohl nicht „reif“ für öffentlichen Sex.

Grüße,

I.

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Schöne neue Welt
Hallo Uwe,

Ich stimme Dir zu, dass Sex etwas Wunderschönes und Natürliches ist, aber ich glaube Du zäumst das Pferd verkehrt rum auf. Erst muss sich in der Bevölkerung ein einfacherer Gedanke etablieren, nämlich die Natürlichkeit der Nacktheit. Auf den Straßen wird das in unseren Breiten nicht das ganze Jahr über praktizierbar sein, aber man kann zumindest die Rolle der Bekleidung auf das reduzieren, was sie nützlich macht: Schutz vor der Witterung.

Zuhause, bei Freunden, in einem gut beheizten Bürokomplex wäre es dann auch im Winter ein leichtes, die Natürlichkeit der Nacktheit auszuleben. Man stelle sich vor wie befreit Sitzungen in einem FKK-Rahmen abgehalten werden könnten, bis hin zu Aufsichtsratsitzungen und Pressekonferenzen von Vorständen. Um so weit zu kommen müsste selbstverständlich die politische Elite aller Länder mit gutem Beispiel vorangehen. Dazu wäre der G20 Gipfel ja wie geschaffen gewesen, aber da hat man die Chance auf diese fundamentale, befreiende Bewusstseinserweiterung zugunsten der Finanzkrise vertan. (Ich kann aber nicht umhin daran zu denken, wie erlösend ein Bild von G. W. Bush neben A. Merkel im Adams- und Evakostüm für die verklemmte westliche Welt gewesen wäre).

Nichtsdestotrotz, ist dieser Schritt einmal etabliert, steht einem weiteren Vorankommen zum eigentlichen Ziel nichts mehr im Wege, natürlich wieder mit Hilfe der Medien. Man stelle sich vor wie die Idole unserer Generation und jene der Jugend über weltweites TV dazu beitragen, den Weg in eine weniger verklemmte Welt zu ebnen. Dazu würde ich prominente Pärchen zum „Paar-Interview“ laden, und … nein ein Beispiel sagt mehr als tausend Worte: Man stelle sich vor wie David Beckham mit seiner Victoria das Interview mit einer heißen Nummer eröffnet, der selbstverständlich aufgeklärt-verklemmungsfreie Interviewer sich dieser Natürlichkeit nicht entziehen kann, und ganz unter der Wirkung der Erotik der Szene, sich selbst beglückt. Anschießend kann – in nun völlig entspannter Atmosphäre – David Beckham ja zu seinen Fußballplänen für das folgende Jahr Auskunft geben, sowie Victoria zu ihren Vorhaben mit den Spice Girls.

Solcherart würden mehr und mehr in der Öffentlichkeit stehende Paare Zeugnis für eine neue Welt ablegen, und die Zuseher nicht zuletzt erfahren wer sich gern fesseln oder auspeitschen lässt, wer auf Abgefahreneres (Natursekt, Windeln, etc. etc.) steht, wer unter Umständen ganz uncoolen Hausfrauensex bevorzugt und nicht zuletzt wer partout keinen hochkriegt. Letztere dürfen sich weltweiter Solidarität sicher sein, nämlich dass das ja jedem mal passieren kann, und es nicht so schlimm ist.

Die Auswirkungen auf unsere Kinder und die Jugend können nur von Vorteil sein, denn anstatt über nahezu zwei Jahrzehnte Lebensweg spielerisch und altersstufengerecht seine eigene Sexualität (mühsam) zu entdecken, sieht das Kind ja praktisch seit seinem ersten Kinderwagenausflug worum es bei der Geschichte geht. Spaziergänge im Park geben jedem Menschen die Möglichkeit seinen Horizont zu erweitern, sei es durch aufmerksame Beobachtung, oder Beeinflussung der Szene durch konstruktive Verbesserungsvorschläge (so lässt sich auch leicht das Repertoire der Praktizierenden erweitern).

Wirtschaftliche Auswirkungen sind nur für die Pornoindustrie denkbar, die wahrscheinlich pleite gehen wird, allerdings könnte diese mit dem Bewusstsein abtreten, dass Sex endlich nicht mehr der Zensur unterliegt. Die USK für Filme, Videospiele und dergleichen könnte das Thema Sex aus der Altersbeschränkung ausklammern, oder besser noch: Durch eine Punktewertung ersetzen, die angibt wie aufklärend und verklemmungslösend sich die einzelnen Szenen des zu beurteilenden Werkes auf unsere Jugend auswirken.

Für diejenigen, die partout nicht davon ablassen, Sex ausschließlich in den eigenen vier Wänden abzuhalten, ließen sich ehemalige Swingerclubs gut zu Selbsthilfegruppen umfunktionieren, damit alle Menschen dieses neue Lebensgefühl aufnehmen können.

In diesem Sinne: Mach weiter Uwe – kämpfe für Deine Träume – Du weißt ja: Change, we can do it.

Morrighan.

Herrlich! Danke! owT
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