Hallo,
Fangen wir mal ganz vorne an: Bei Geburt des Kindes wird
Nabelschnurblut entnommen und die pluripotenten Zellen werden
bei minus 80° C eingefroren. Kostet nach meinem derzeitigen
Wissen rund 5000 € auf dem privaten Markt, wenn man es in
Polen machen lässt deutlich weniger, etwa 1500 €.
Abgesehen davon, dass ich mich frage, wieso diese Prozedur
5000,- EUR kosten soll halte ich das nicht für medizinisch
notwendig.
Nun, das wird als Prevention verkauft: wenn der Patient mal später eine bösartige Erkrankung hat, kann man das Knochenmark total tot machen und nachher die eingefrorenen Zellen wieder nutzen, um die Blutbildung wieder in Gang zu bringen. Und daß Prevetion zu den Aufgaben der Krankenversicherung zählt, das wird kaum jemand abstreiten…
Damit wir uns richtig verstehen: ich halte dieses Konzept für vollkommen idiotisch, aber es gibt erstaunlicherweise genug Leute, die das für gut halten. Und Du wirst problemlos Ärzte finden, die das für sinnvoll halten.
Wenn hingegen jemand – egal in welchem Alter und
egal wie versichert – erkrankt, dann hat er gefälligst ein
Anrecht auf das maximal mögliche.
Als nächstes wird das komplette Genom durchsequenziert um
genetisch erkennbare Erkrankungen zu erkennen.
Ja und? Wo ist das Problem? Das wird heute schon gemacht, wenn
man z.B. die Ursache für eine urplötzlich auftretende schwere
Erkrankung herausfinden möchte.
Nein, es wird eben nicht das komplette Genom durchseqeenziert sondern das der Fragestellung entsprechende Gen.
Es ist auch nicht besonders
aufwändig
In Euro ausgedrückt ist das eine vergleichsweise teure Untersuchung. Un wenn man sie auf die gesamte Bevöklerung ausschüttet um alle Erkrankungen zu finden (wir wollen ja auch preventive Maximalmedizin, nicht wahr?) wird es schlicht unbezahlbar.
und für den Patienten erheblich schonender, als eine
Behandlung auf Verdacht.
Nun, im konkreten Verdachtsfall gebe ich Dir da komplett recht.
Wir verstehen unter „Maximalmedizin“ offensichtlich
verschiedene Dinge.
Ich vermute, wir verstehen unter „Medizin“ etwas anderes. Ich schließe den Bereich der Preventivmedizin mit ein.
Das diese Medizin finanzierbar ist, sieht
man daran, dass private Krankenkassen sie i.d.R. klaglos
übernehmen und durchaus bezahlbare Beiträge anbieten.
Nun, zu glauben, private Krankenkassen böten alles an, was geht ist auch ein Irrglaube. Sie bezahlen in der Regel aber in der Tat mehr als die gesetzlichen Krankenkassen.
Nur darfst Du auch nicht vergessen, daß da bereits eine Risikoselektion stattgefunden hat. Wer jung und gesund ist, ist in den privaten Krankenkassen willkommen.
In
meinem Fall ca. 100,- EUR unter meinem derzeitigen
Zwangskrankenkassenbeitrag.
„man Risikoselektion“. Ja, ich würde auch tonnenweise weniger Geld bezahlen wäre ich privat versichert.
Denkst Du, der Katalog wäre besser geworden, wenn man ihn
durch Piloten oder Friseurinnen hätte zusammenstellen lassen?
Ich denke es wäre am besten, man überließe die Entscheidung
über Sinnvoll oder nicht dem einzelnen Arzt.
Sondern wem? Der Krankenversicherun?
Du hast offenbar den Satzbau nicht verstanden.
Jaja, in der Tat.
Ich will
gerade, dass man die Entscheidung dem einzelnen Arzt
überlässt. Nicht irgendeinem Verband, der Pharmalobby oder gar
irgendwelchen Gesundheitsbürokraten.
Na, dann wollen wir mal hoffen, daß der einzelne Arzt nicht gerade eine nette Fortbildung im netten Wintersportort finanziert bekommen hat …
Ich sehe den Verzicht auf Listen nicht als Lösung des Abhängigkeitsproblemes (die Werbeindustrie dürfte es aber freuen, wenn alle möglichen Firmen für irgendwelche krautigen Therapien anfanhen Werbung zu machen).
Nein. Alles, was der Arzt für sinnvoll hält, wird gemacht und
bezahlt.
Das wäre schön, wenn es funktioniert.
So sind dann Fälle, in denen z.B. ein erfahrener Arzt
einem Zungenkrebspatienten ein hochwirksames Schmerzpräparat
verschreibt, das diesem z.B. erst das Essen und Trinken wieder
ermöglicht, dafür aber von der Krankenkasse mit 70.000,- EUR
Strafgeldern belegt wird, weil dieses Mittel offiziell nur bei
AIDS-Patienten verschrieben werden darf, nicht mehr möglich.
Ja, das ist ein schönes Beispiel, wie scheiße etwas laufen kann und nicht sollte.
Ich halte Listen dnnoch grundsätzlich für eine gute Idee. Es ist schon eine gute Idee, einen Konsens über anerkannte Therapien zu haben und keinen Kokolores zu finanzieren. Manche fahren total auf Homöopathie ab, Du eher nicht… Wie dies Listen zustandekommen, ist dann in der Tat ein anderes Thema und ich will garnicht bestreten, daß die Begehrlichkeiten bei der Erstellung solcher Listen milliardenschwer sind und entsprechend eine Einflußnahme versucht wird (und eben nicht immer erfolglos). Nur - wie gesagt - das Problem der möglichen Abhängigkeit von der $PHARMAINDUSTRIE löst man eben nicht durch Abschaffung der Listen. Man verteilt es allenfalls in die Breite.
Hmm … vielleicht sollten wir diese Diskussion aber in das
Medizin-Brett verlegen?
Ja, meinetwegen. Ich weiß nicht, wie man Threads am gescheitesten umzieht ohne daß allzuviel verlorengeht.
Es wird hier off topic
In der Tat.
Gruß,
Sebastian