Hallo!
Warum gibt es das nicht entsprechend bei den Juristen? Da wird
nach wie vor noch jeder Student zum Richteramt ausgebildet.
Die wenigsten allerdings werden das hinterher auch.
Zum ersten: Warum sind dir die Fachanwaltsbezeichnungen, die man nach a) Lehrgang b) Prüfung c) Gewisser Anzahl von Mandaten in eben diesem Bereich führen darf, entgangen? Natürlich gibt es Fachanwälte. Die dürfen sich sogar so nennen.
Über die Juristenausbildung kann man streiten. Allerdings ist zum Beispiel NRW nun auch so weit, dass man im Referendariat bei der Anwaltsstation mehr Zeit verbringt als in anderen Stationen. Die Notwendigkeit, anwaltlich auszubilden, hat sich also herumgesprochen. Natürlich gibt es immer wieder Fälle, in denen sich Referendare in den 10 Monaten, die sie sich beim Anwalt aufhalten, nur einmal dort sehen zu lassen, um die Note auszuhandeln und einen Nichtangriffspakt zu schließen und sich dann nicht mehr dort blicken lassen…
gibt es tausende kleiner
Anwaltsbüros, die bar jeder Kenntnis oder auch mangels Zeit,
haufenweise Fälle in den Sand setzen.
Wenn ein Anwalt, der wirklich um jedes Mandat kämpfen muss, eins hat, dann ist das Zeit. Ganz abgesehen davon bin ich schon immer der Meinung gewesen, dass sich grade der junge Berufsanfänger Fehler nicht leisten kann und sich auch um kleinere Mandate vielleicht engagierter kümmert als so mancher alter Haudegen, der die Mandanten mit ihren Sorgen allein lässt, weil er eh schon weiß, wie alles läuft.
Die Tatsache, dass ein junger Anwalt irgendwann seine erste Sorgerechtssache machen wird, ist doch kein Beinbruch. Dafür ist er ausgebildet worden und wenn er sich engagiert, dann kann er einen Anspruch aus Kaufvertrag ebenso gut vertreten wie alles andere auch. In der Praxis kann sicher selbst ein fortgeschrittener Student 80 % aller Fragen auf anhieb beantworten. Hast Du Dich schonmal in eine Sprechstunde beim Anwalt reingesetzt und zugehört? Natürlich nicht
Ich kann Dir versichern, dass man den Menschen, die da zu einem kommen, oft schon mit sehr einfachen Antworten eine riesen Hilfestellung geben kann.
Abgesehen davon hat auch der beginnende Architekt schonmal Fehler gemacht und wir sind alle nur Menschen. Ein Architekt, dessen Häuser aber reihenweise einbrechen, wird ebenso kurz als Architekt arbeiten, wie ein Anwalt, der reihenweise Fälle in den Sand setzt. Als Berufsanfänger ist man auf zufriedene Mandanten angewiesen, weil sonst niemand mehr kommt. Es gibt sicher keinen Anwalt in Deutschland, der nur Fehler produziert und trotzdem noch Mandate hat. Es geht doch auch keiner in die Werkstatt, aus der er sein Auto nachher noch schadhafter herausbekommt als er es hingebracht hat.
Warum es ausgerechnet bei den Juristen verwerflich sein soll,
das zu tun, was überall sonst selbstverständlich ist, das kann
ich beim besten Willen nicht verstehen.
Diese Hilfen werden doch hier auch gegeben - nur halt in einer etwas seltsamen Form. Ich kann aber auch nicht genug betonen, dass jemand sich auf die Antworten, die er hier bekommt, nicht verlassen sollte und auch oft nicht verlassen kann.
Niemand wird auf die Idee kommen, sich mit einer Krebserkrankung an ein Forum zu wenden und sonst nichts zu tun. Die Menschen meinen aber, Jura sei so einfach, dass man aus der Ferne einfach mal eine taugliche Antwort geben könne, selbst wenn es sich um komplizierte Fragen handelt. Wieso wendet man sich also mit gesundheitlichen Problemen an den Fachmann, will sich aber bei komplizierten Rechtsfragen das Geld für eine qualifizierte Antwort sparen? Weil man eine Krankenversicherung hat, aber keine Rechtsschutzversicherung wahrscheinlich.
Rechtsberatung gehört in die Hand der Anwälte, darüber braucht man meiner Meinung nach nicht streiten. Seltsam. Es regt sich niemand darüber auf, dass ich nicht gewerbsmäßig die Steurerklärungen meiner Nachbarn machen darf. Wieso denn nicht? Ich hole mir die aktuellen Steurgesetze, einmal „1000 ganz legale Steuertricks“ und schon geht’s los…Ach nein, da gibt’s ja ein Steuerberatergesetz. Ich denke, die Diskussion führt nicht weiter…
Gruß,
Florian.
