Hallo!
auch wenn’s nicht ernst gemeint war: Das muss mal geschrieben werden (genauso ernst):
Versuche ja nichts anderes in den letzten über 1,5 Jahren 
- Du vielleicht mehr als 345 Euro im Monat Kohle zur Verfügung
haben willst
345 Euro wären schonmal was…
- Du Dein Wissen und Können anwenden möchtest
Siehe „weil… Du einen Job willst“
- Du Dein Wissen erweitern willst
dito
- Du Deinen Beitrag zum Gemeinwohl durch Steuern zahlen
leisten willst
dito
- nix tun auf Dauer einfach ätzend ist
tue ja schon was…
- sich manche „Freunde“ sehr merkwürdig verhalten, wenn man
arbeitslos ist
lese die Anführungszeichen und kann mit Stolz sagen, dass ich diese schon lange vor dieser Situation „aussortiert“ hatte.
- Du die Arbeitsmarktstatistik echt nicht versauen willst
Das kann man mir nicht vorwerfen.
- Du einfach noch zu jung bist um „die paar Jahre“ bis zur
Rente abzusitzen
Manchmal zweifle ich 
nein, obige Auflistung ist nicht ernst gemeint. Die jetzt
folgenden Punkte sind viel ernsthafter gemeint: nach 15
Monaten und quasi (Werk)täglich einer Bewerbung, ist es Zeit
Bilanz zu ziehen. Achja, alle diese Fragen sollst Du bitte
nicht hier im Forum beantworten, sondern ehrlich für Dich im
stillen Kämmerlein.
- Was willst Du wirklich? Ist ein Job in Deinen
Ausbildungsberuf das was Du möchtest? Oder hast Du diese
Ausbildung seinerzeit mehr aus Verlegenheit oder praktischen
Gesichtspunkten gewählt? Falls ja - was würdest Du gerne
machen? Wie wäre der Weg dorthin? Du bist jung genug, um ein
Studium oder eine andere Ausbildung zu machen!
Die Ausbildung habe ich nach den folgenden Gesichtspunkten ausgesucht:
- bin eher der „Controller“-Typ
- hab viel Interesse am Rechtswesen allgemein, insbesondere wenn es in den Bereich „Geldströme/Transaktionen/M&A“ geht
- die praktische Komponente: ich wollte meiner Family nicht auf der Tasche liegen, daher kein normales Studium
- Gibt es Alternativen in Deinem Ausbildungsberuf? Könnte es
statt dem Finanzamt auch ein Steuerberater sein? Oder winken
vielleicht in der freien Wirtschaft die passenden Jobs? Wäre
eine Selbstständigkeit eine Alternative?
Das Finanzamt ist für mich mit dem Zeitpunkt meines Ausscheidens „gestorben“. War mir von vorneherein klar. Daher meine Alternativen: Steuerberater- und Wirtschaftsprüferkanzleien (100%), Steuerabteilungen bei Unternehmen in der freien Wirtschaft (100%), Controlling (qualifikationsbedingt noch 75%) und andere Positionen, wo ich (u.a.) meiner Meinung nach passen könnte.
- Gibt es Alternativen Deinen Arbeitsort betreffend? Muss es
also 3 km Umkreis von Klein-Posemuckl sein, oder ist auch das
Ausland eine Alternative? Was wäre mit anderen Bundesländern?
Bewerbe mich europaweit, von Anfang an, plus ein wenig im Raum Nahost (da gibt’s das Namensproblem halt nicht).
- Sind Deine Bewerbungen so okay? Ich schliesse mich hier
meinen Vorrednern an: 1 Bewerbung pro Tag erscheint mir sehr
viel zu sein, um wirklich individuelle Schreiben zu
produzieren. Hat die mal ein objektiver Mensch (eventuell
bietet Dein Arbeitsamt sowas an?) durchgeschaut? Ansonsten
gucke auch ich mir Deine Unterlagen gerne mal durch.
Gerne. Meine Bewerbungsmappen werden regelmäßig durch 4-8 (kompetente) Augen quergelesen.
- Ist Dein Auftreten in Vorstellungsgesprächen okay? Hast Du
jeweils ein Feedback bekommen, woran es lag, dass Du nicht
Nummer 1 wurdest? Hier würde ich eventuell auf ein
professionelles Bewerbertraining verweisen. Das unter der
Voraussetzung, dass Du die „üblichen“ Regeln bezüglich
Wortwahl, Kleidung, Information über die Firma etc. befolgst.
Professionelle Bewerbertrainings habe ich schon hinter mir. Drei Lehrgänge, um genau zu sein. Davon einer über die AA, zwei, die ich privat gebucht hatte.
Nimm’s bitte nicht persönlich, aber wenn Du mir das da
[…]
im Vorstellungsgespräch erzählen würdest, höbe sich zumindest
meine linke Augenbraue. Aber die Sache mit der
Prüfungsordnung würde ich mit einem diplomatischen „durch eine
Änderung in der Prüfungsordnung und deshalb etwas anderen
Schwerpunkten“ erklären.
Und selbst wenn es wirklich und ehrlich so war, dass Du den
Termin erst 2 Wochen vorher erfahren hast - ich als Personaler
würde Dir kein Wort glauben
Normalerweise stehen doch
solche Termine (zumindest der grobe Zeitraum) schon ewig
vorher weg. Also einfach rauslassen, auch wenn’s wahr ist.
Das erzähle ich hier im Forum, aber nicht im Vorstellungsgespräch. Dort sage ich meist noch nicht mal etwas über die anderen Schwerpunkte. Zumal: wer (zu Anfang) den selben Weg wie ich gegangen ist (und das sind nicht allzu wenige im Bereich Steuerberatung/Wirtschaftsprüfung) und auch mal den eingehenden Blick über den Tellerrand „Bundesland“ gewagt hat, der weiß, dass die Systeme miteinander inkompatibel sind.
Noch eine andere Idee zu den Vorstellungsgesprächen: Hast Du
vielleicht eine Videokamera daheim? Dann stell die auf, setz
Dich davor und sprich frei zu folgenden Fragen:
- Erzähle Deine Werdegang?
- Warum dieser Beruf?
- Warum Bewerbung bei uns (=imaginäre Firma)
- Warum hat das Studium so lange gedauert?
- Warum ist Dein Notenschnitt so „schlecht“?
- Warum sollen wir Dich „trotzdem“ einstellen?
- Was hast Du in der Zwischenzeit gemacht und warum?
- Was sind Deine Stärken und Schwächen?
Dieses Band guckst Du Dir dann 2 Tage später mal an. Versuch
das so zu bewerten, als ob ein Fremder zu sehen wäre. Und
versuch so ehrlich wie möglich zu sein. „Einfach ätzend, die
lila Kravatte“ oder „Um Himmels willen, der popelt ja in der
Nase!“ oder „Sagt der jetzt echt „Ex-Scheffe war ein
Arschloch?““ oder auch weniger drastische Dinge wie Stimmlage
(ich piepse gerne, wenn ich aufgeregt bin) Wortwahl
(vielleicht sagst Du in jedem Satz fünfmal ne oder sehr-sehr?)
oder denkst „Mist, das hätte ich aber anders ausdrücken
können!“ oder „waow, hier hab ich aber echt dummes Zeug
geschwafelt“.
Schon getan und „verfeinert“ in Bewerberseminar „Nummer 2“, welches da war vor inzwischen einem Jahr - bevor „die Masse“ der VG’e begann.
Klar, das ist ätzend, aber sowas hilft ungemein
Alternativ
kannst Du natürlich die Videokamera und Selbstanalyse durch
einen Menschen Deines Vertrauens ersetzen. Lieber nicht die
Freundin, in dem Fall scheint mir der ältere Bruder (oder was
Du halt so hast!) besser geeignet.
…frage ich mich langsam, ob „bewerben“ wirklich die Lösung
sein soll.
Naja, was willste denn sonst tun? Angenommen, Dein Daddy ist
nicht Rockefeller und Du willst auch nicht bis an Dein
Lebensende Sozialhilfe kriegen, muss ein Job her. Das geht
entweder über Beziehungen (die Du sicher ausschöpfst!), über
Zufall (würde ich mich aber nicht drauf verlassen) oder eben
über Bewerbungen aus Eigeninitiative bzw. auf Anzeigen
bezogen.
Das „warum bewerben“ sollte mehr eine rhetorische Frage sein. Es war eine Mischung aus:
- „gehts Euch genauso?“
- „was führte bei Euch zum Erfolg?“
- „habt Ihr auch das Namensproblem?“
und so weiter.
Und dass ich Daddy („Rockefeller“) oder der Allgemeinheit („Sozialhilfe“) auf der Tasche liegen würde, stimmt nicht.
- es kommt *doch* auf den Namen, bzw. dessen Herkunft an (auch
wenn es keiner zugeben mag - ich habe da mal eine kleine aber
recht repräsentative Recherche gestartet. Das Ergebnis bis
jetzt ist „aufschlussreich“ bis verheerend).
Das würde mich interessieren.
Das habe ich in einem anderen Thread bereits konkretisiert:
Manche Stellenanbieter reagieren auf meine Nachfrage mit dem Satz „Stelle vergeben“ - und das am auf die Stellenanzeige folgenden Montag. Und weil ich in manchen Fällen nicht glauben will, dass die Stelle übers Wochenende besetzt wurde, lasse ich einen „guten Freund und ehemaligen Studienkollegen“, der exakt den selben Lebenslauf hat, dort abermals anrufen, meist Tage später. Er bekommt in allen Fällen die Information auf die Frage (bei wortwörtlich gleichem Fragestil) und teilweise sogar Einladungen vom Telefon weg. Das macht mich nunmal stutzig, da der einzige Unterschied bei mehreren Versuchen nur noch im Namen begründet sein kann (andere Faktoren wie Wortwahl, Stimmlage und Auftreten wurden stets abgestimmt und variiert, von daher kann man diese, denke ich, ausblenden).
- solange man keine ALG-mäßigen Leistungen erhält, kommen auch
*gar keine* Vorschläge, Lösungen oder auch nur irgendetwas
gutes von der Arbeitsagentur - nur der Satz „um Sie muss ich
mir ja keine Sorgen machen…“
Sieh es positiv: auch wenn Du ALG in irgendeiner Form kriegst,
prasseln die Vorschläge nicht wirklich auf Dich nieder 
Naja, wenn ich wenigstens ALG bekäme, egal mit welcher Nummer… *lach*
Das alles sagt mir: Bewerben scheint nichts zu bringen. Zähle
ich meine gesamten Bewerbungskosten zusammen, komme ich nur
zum Schluss: Allein von diesem Geld könnte ich locker zwei
Jahre bescheiden leben.
Uuups. Gehen wir mal vom Existenzminimum für einen Single aus.
Das sind irgendewas um die 600 Euro im Monat. 15 Monate (die 5
vor der Prüfung nicht mitgerechnet) lang mal 600 Euro sind
9000 Euro. Durch 350 Bewerbungen (eher weniger, weil ja ein
paar ebenfalls schon vorher waren). Dann bist Du bei 25 Euro
pro Bewerbung. Bist Du ganz sicher, dass die so derart teuer
sind? Siehst Du eventuell Chancen, ohne Verlust am „Eindruck“
die Werke zu verbilligen? Denn grad wenn man kein bis nicht
viel Einkommen hat, schlägt sowas natürlich massiv zu Buche.
Rechnen wir auch mal sämtliche Gemeinkosten hinzu: Anteilige Kosten Internet, Telefonkosten, Zeitungen (bis vor kurzem jedes Wochenende ein ganzer Stapel), Bewerberkurse, Fahrten zu Vorstellungsgesprächen und ggf. Übernachtung, Fahrten zu Kontaktmessen und Networking-Veranstaltungen - da kommt (zusammen mit Papier/Druckkosten, gutem Foto und Anschaffung der Mappen/Umschläge/Porti) etwas zusammen. Zumal die Mappe entweder nie zurückkommt oder durch die Post derart geknickt wird (wozu habe ich so einen großen Briefkasten?!), dass man da eh nichts mehr verwenden kann.
Dann macht man aus dem „bescheiden“ ein „wirklich bescheiden“ - et voilà: es kommen etwa zwei Jahre heraus.
PS: Ich hab mir das Posting eben nochmal durchgelesen: manches
klingt so, als ob ich Dir da persönlich irgendwas unterstellen
wollte. Das ist nicht der Fall. Ich habe nur das
wiedergegeben, was ich als Dir kritisch gegenüberstehender
Personaler so denken würde 
Habe es nie so verstanden, keine Sorge. Und ich habe als mein privates Ich geantwortet.
Gruß
GM