Warum setzt Fett bei gleicher Joule-Zahl mehr an?

Hallo!

Angenommen ich nehme 100 Joule Fett zu mir;
Laut Volksmund nehme ich ja mehr zu als wenn ich 100 Joule Kohlenhydrate zunehmen.

Aber warum? Scheide ich bei Kohlenhydratzufuhr unverbrauchte energie wieder aus? Oder geht die energie Bei der Umwandlung von Kohlenhydraten in Fett zur abspeicherung in Form von Wärmeenergie verloren?

(Hintergrund der Frage ist, warum ich beim Abnehmen nicht nur auf die Kalorien, sondern auch auf den Fettgehalt schauen muss)

Gruß Kastenfrosch

Auch Hallo,

Angenommen ich nehme 100 Joule Fett zu mir;
Laut Volksmund nehme ich ja mehr zu als wenn ich 100 Joule
Kohlenhydrate zunehmen.

Kalorien sind zunächst Kalorien, egal, wo sie herkommen. Aber es gibt im Körper durchaus unterschiedliche Reaktionen auf das, was ich zu mir nehme. Außer auf Fett möglichst zu verzichten, hilft es auch, darauf zu achten, womit ich Fett kombiniere.

Zitat:

"In wissenschaftlichen Untersuchungen wurde als wesentliches Problem für die Gewichtszunahme die übermässige Ausschüttung an Insulin ausgemacht. Insulin hat einen wesentlichen Anteil an der Fettanlagerung. Ist dagegen der Insulin-Spiegel niedrig, kann Fett abgebaut werden.

Das Problem bei den typischen Ernährungsgewohnheiten in den Industrieländern ist, dass viele Lebensmittel den Blutzuckerspiegel schnell und stark erhöhen. Das wiederum führt zu einer raschen Ausschüttung von Insulin.

Grund dafür ist u.a., dass die viele Lebensmittel-Produkte teilweise recht große Mengen Zucker (vor allem Glukose und Saccharose) enthalten. Außerdem wurden im Laufe der Landwirtschaftlichen Industrialisierung viele Lebensmittel, mit dem Ziel des höheren Ertrags und des einfacheren Anbaus, genetisch so verändert, das sich ihr Ernährungs-Wert verschlechtert hat. So erhöhen neben Zucker auch eine Reihe anderer Lebensmittel den Blutzuckerspiegel so stark und schnell (was wiederum zur starken Ausschüttung von Insulin führ), dass man sie zu schlechten Kohlenhydraten zählt."

aus: http://www.med-kolleg.de/medizin-lexikon/M/Montignac…

Aber warum? Scheide ich bei Kohlenhydratzufuhr unverbrauchte
energie wieder aus? Oder geht die energie Bei der Umwandlung
von Kohlenhydraten in Fett zur abspeicherung in Form von
Wärmeenergie verloren?

Zumindest einige Kohlehydrate bieten (teilweise) das Potenial, Ballaststoffe zu haben und die sind ja unverdaulich und kommen wieder raus. Vielleicht trägt das zu einer anderen Gesamtbilanz bei.

Ich warte gespannt mit Dir auf weitere Antworten zu Deiner Frage

LG

Avera

Hi,

alle Kalorien bzw Joule, also die Energie, die Du in Form von Essen zu viel zu Dir nimmst (also was Du mehr isst, als Du verbrauchst), speichert der Körper. Fett kann er direkt speichern, Kohlehydrate muss er erst in Fett umwandeln. Für diesen Umwandlungsprozess braucht er Energie. Deswegen nimmt man von Fett mehr zu als von Kohlehydraten. Allerdings hat Fett auch wesentlich mehr Energie als die gleiche Masse an Kohlehydraten, was der wesentlichere Unterschied sein dürfte beim Reduzieren der Kalorien.

Die Franzi

Hallo,

geh mal zu
http://lf30.de/
unter „Infos“ findest du ziemlich genau ausführlich erklärt, welche Gedanken hinter LowFat stehen.
100 Kilokalorien sind 100 Kilokalorien, egal ob sie aus Fett oder aus Protein oder Sonstwas oder aus einem Gemisch bestehen.
Das gleiche gilt natürlich für 100 Joule.
Aber: Mengenmäßig sind 100 Joule Fett wesentlich weniger als 100 Joule Protein, d.h. du kannst von der Menge her viel mehr Fettarmes mehr essen als Fettreiches.
Und abgesehen davon, dass ausgeglichenes Essen gesünder ist, ist Fettzählen nur wesentlich einfacher als Kilojoule oder ~kalorienzählen.

Gruß
Elke

Hallo

Laut Volksmund nehme ich ja mehr zu als wenn ich 100 Joule
Kohlenhydrate zunehmen.

Du sagst es: laut Volksmund!
Die Energiebilanz ist ein Parameter von vielen, wenn es um dick, schlank, gesund, ungesund, wohlfühlen, unzufrieden sein… geht.

Die meisten Leute denken, wenn ich mehr Energie zu mir nehme als ich benötige werde ich dick. Unabhängig davon was ich esse. Das hat zur Folge, dass man behaupten könnte, wenn ich täglich nur 1200 kcal in Form von Vollmilchschokolade esse, nehme ich ab. An diesem Extrembeispiel kann man natürlich die Unsinnigkeit für diese Behauptung zeigen. Es geht also nicht nur um die Energiebilanz!

Viel wichtiger ist, dass der Körper Nährstoffe benötigt, um seine Arbeit zu erledigen. Bekommt er diese nicht, dann kann man auch bei einer unterkalorischen Ernährung dick werden.

Also vergiss diese Fixierung auf die Energiebilanz und iss einfach ausgewogen und natürlich. Gib Deinem Körper alle Nähr- und Vitalstoffe, die er benötigt. Iss nur so lange bis Du satt bist. Wenn Du Dich an solch einfache Regeln hältst, wirst Du sicher kein Figurproblem bekommen.

Beste Grüße
Lothar

Hallo Kastenfrosch,

Angenommen ich nehme 100 Joule Fett zu mir;
Laut Volksmund nehme ich ja mehr zu als wenn ich 100 Joule
Kohlenhydrate zunehmen.

hier hat der Volksmund mal recht.
Wie schon geschrieben wurde, setzt Fett mehr an als KH und Proteine.

Fette werden im Darm hydrolysiert, die Fettsäuren und das Glycerin permeiert durch den Darm, das Fett wird rekombiniert und gespeichert.

Da KH nicht permanent gespeichert werden, das bischen Glycogen in der Leber wird auch dynamisch umgeschichtet, müssen die KH erst umgesetzt werden.
Also Glycolyse bis zum Acetyl-CoA, dann Fettsäuresynthese aus dem Acetyl-CoA. All diese Schritte laufen natürlich nicht ohne Energieverluste ab und daher sind 100 kJ aus Fett ansetzender als 100 kJ aus KH.

Zudem werden kilojoule aus KH eher verstoffwechselt als solche aus Fett. Nimmt man also gleichzeitig je 100 kJ Fett und KH zu sich, und verbraucht 140 kJ, werden erst die 100 aus den KH verbraucht dann 40 aus dem Fett und der Rest gespeichert.

Gandalf

Hallo

Unabhängig davon was ich
esse. Das hat zur Folge, dass man behaupten könnte, wenn ich
täglich nur 1200 kcal in Form von Vollmilchschokolade esse,
nehme ich ab. An diesem Extrembeispiel kann man natürlich die
Unsinnigkeit für diese Behauptung zeigen.

als Beispiel esse ich also 1200kcal als Schokolade, arbeite / treibe Sport für 2000 kcal und nehme zu, ist es das, was du damit sagen willst? Frage: wo kommen die fehlenden 800 kcal her?

Gruß, Niels

Hallo Niels.

als Beispiel esse ich also 1200kcal als Schokolade, arbeite /
treibe Sport für 2000 kcal und nehme zu, ist es das, was du
damit sagen willst?

Nein, das ist nicht das, was ich sagen will. Ich sagte, dass man ggf. nicht abnimmt und trotzdem dick wird bzw. bleibt. Ganz abgesehen davon, dass Du wahrscheinlich nicht in der Lage sein wirst bei dieser Ernährung 2000 kcal in Form von Sport zu „verbrennen“.

Für mich heißt „dick sein“ nicht automatisch übergewichtig zu sein. „Dick sein“ ist häufig nur ein ungesundes Verhältnis von Körperfett und Muskelmasse. Bei gleicher Größe und gleichem Gewicht (meinetwegen dem sogenannten Idealgewicht) kann die eine Person dick sein und die andere nicht. Derjenige, der jetzt seine 1200 kcal in Form von Schokolade zu sich nimmt, wird auf Grund der fehlenden Nährstoffe sicher nicht in der Lage sein das Verhältnis von Körperfett und Muskelmasse zu seinen Gunsten zu verändern. Vielleicht nimmt er ab, aber er bleibt dennoch dick.

Beste Grüße
Lothar

Frage: wo kommen die fehlenden 800 kcal

her?

Gruß, Niels

Hallo,

hier hat der Volksmund mal recht.
Wie schon geschrieben wurde, setzt Fett mehr an als KH und
Proteine.

Das ist medizinisch schlicht falsch.

Fette werden im Darm hydrolysiert, die Fettsäuren und das
Glycerin permeiert durch den Darm, das Fett wird rekombiniert
und gespeichert.

Soweit halb richtig. Selbstverständlich werden auch die Fettsäuren weiter zu Energie (ATP) verarbeitet. Der nicht benötigte Teil wird gespeichert.

Da KH nicht permanent gespeichert werden, das bischen Glycogen
in der Leber wird auch dynamisch umgeschichtet, müssen die KH
erst umgesetzt werden.

Richtig.

Also Glycolyse bis zum Acetyl-CoA, dann Fettsäuresynthese aus
dem Acetyl-CoA. All diese Schritte laufen natürlich nicht ohne
Energieverluste ab und daher sind 100 kJ aus Fett ansetzender
als 100 kJ aus KH.

Man kann einfach den Wirkungsgrad des Citratzyklus und der Fettsäuresynthese berechnen. Der ist enorm hoch und besser als bei einem jeden Kraftwerk, das Menschen bauen können. Der Energieverlust ist relativ gering. In der Praxis fällt er nicht ins Gewicht.

Zudem werden kilojoule aus KH eher verstoffwechselt als solche
aus Fett. Nimmt man also gleichzeitig je 100 kJ Fett und KH zu
sich, und verbraucht 140 kJ, werden erst die 100 aus den KH
verbraucht dann 40 aus dem Fett und der Rest gespeichert.

Auch das stimmt so nicht. Alle Stoffwechselprozesse (jedenfalls diese) laufen gleichzeitig ab. Fett bleibt nicht einfach im Blut liegen, bis keine Glukose mehr vorhanden ist. Beide Nährstoffe werden gleichzeitig verarbeitet. Und was Du hier vergißt: KH werden durch Insulin in den Zellen zu Fett umgewandelt und müssen hinterher entsprechend wieder zurück zu Glukose werden, wenn ich Energie verbrauche - also nicht anders als bei Fetten. Gespeichert werden Eiweiß, Fett und KH immer in Form von Körperfett. Dessen Abbau ist dann logischerweise immer gleich.

Der einzige Unterschied zwischen Fetten und KH: KH, insbesondere die weniger komplexen, sind rasant schnell in Glukose umgesetzt und erhöhen dann massiv den Blutzuckerspiegel. Der Körper schüttet Insulin aus und sorgt dafür, daß aus Glukose Körperfett wird, welches dann ggf. bei Bedarf wieder abgebaut wird. Eiweiß und Fette erhöhen nur sehr gering den Blutzuckerspiegel und werden über andere Schritte irgendwann einmal zu Körperfett.

Unter dem Strich besteht der einzige Unterschied also nur in der Verlustenergie bei der Umwandlung in Glukose bzw. Körperfett. Diese ist aber sehr gering und fällt in der Praxis nicht ins Gewicht, wie jeder mit Übergewicht täglich feststellen kann.

Wichtig ist es beim Abnehmen mehr Energie zu verbrauchen, als man ißt oder weniger zu essen, als man verbraucht. Dann ist die Energiequelle relativ egal. Allerdings ist es natürlich empfehlenswert, seinen Blutzuckerspiegel möglichst konstant (und nicht zu hoch) zu halten. KH lassen den Blutzuckerspiegel stark schwanken, Fette und Eiweiße nicht. Dafür sorgen aber KH erst für das richtige Sättigungsgefühl (Blutzuckerspiegel steigt). Wenn man das alles weiß, kann man sich seine eigene Strategie zurechtlegen.

Benni

1 „Gefällt mir“

Hallo Benni,

hier hat der Volksmund mal recht.
Wie schon geschrieben wurde, setzt Fett mehr an als KH und
Proteine.

Das ist medizinisch schlicht falsch.

aha!
Vielleicht rechnet ihr Mediziner anders als Naturwissenschaftler.

Selbstverständlich werden auch die
Fettsäuren weiter zu Energie (ATP) verarbeitet. Der nicht
benötigte Teil wird gespeichert.

Sagen wir es mal so. Fette werden zum größten Teil erst mal gespeichert (um die 80 %) und zur Energiegewinnung bei Bedarf aktiviert.

Man kann einfach den Wirkungsgrad des Citratzyklus und der
Fettsäuresynthese berechnen. Der ist enorm hoch und besser als
bei einem jeden Kraftwerk, das Menschen bauen können. Der
Energieverlust ist relativ gering. In der Praxis fällt er
nicht ins Gewicht.

Sagen wir es mal so. Der energetische Wirkungsgrad der meisten biochemischen Reaktionen liegt bei etwa 40 %. Oder anders herum gesagt, 60 % Verlust.
Meines Erachtens nach durchaus erwähnenswert.
Zum Nachlesen und Nachrechnen http://www.daphne-dahl.de/referat_ak.pdf

Man kann sich das auch phänomenologisch vor Augen halten.

Kohlenhydrate sind teiloxidierte Substanzen, Fette sind kaum oxidiert.
Mithin haben Fette eine weit höhere Energiedichte.
Um KH in Fette zu verwandeln, muß man die Energie ‚hochpumpen‘ und da jede Pumpe, auch biologische, mit einem endlichen Wikungsgrad arbeiten, sind Verluste unausweichlich.
Aber vielleicht haben die Mediziner völlig unbemerkt das Perpetuum Mobile erfunden :wink:

Gandalf

1 „Gefällt mir“