Hi,
ich möchte gerne wissen, warum alle heute großen Religionen so
fürchterlich statisch und unflexibel sind.
Diese Aussge möchte ich grundsätzlich in Frage stellen:wink:
Wann wurde denn der Kanon der Bibel das letzte Mal geändert? Wann wurde das letzte Mal was weggestrichen?
„Dogma“ ist ein Begriff, dem man mit dem Christentum verbindet.
Als Christ vielleicht. Ich verwende den religionsübergreifend.
Kritische Geister können auch eine Religion für akzeptabel
halten. Übrigens gibt es in den Kirchen durchaus Strömungen,
die für ein Christentum light plädieren. Ich sehe dahinter in
erster Linie Versuche, durch Anpassung gesellschaftliche
Relevanz zu erhalten (es gibt im übrigen auch
„Antitrinitarier“).
Das ist ziemlich abfällig, wenngleich nett durch die Blume formuliert 
Tatsächlich aber gab es
insbesondere Ende des 19.Jh. eine (protestantische) Richtung,
die für die Abschaffung des ATs plädierten, der sogenannte
„Liberalprotestantismus“, der letztlich wollte, was DU
forderst: Anpassung an die gesellschaftliche Mehrheitsmeinung.
Oh, spannend! Da werd ich mal weiter recherchieren.
Ein Grund, warum man sich heute so sehr dagegen wehrt (auf
protestantischer theologischer Seite): Die Folgen. Es waren
die liberalen Theologen, die in der guten Überzeugung, über
einen „gesunden Menschenverstand“ zu verfügen, die Politik
Wilhelms II. unterstützten und auch den WK I.
Ob das so haltbar ist… Es waren btw. die konservativen Katholiken, die Franco, Mussolini, Hitler et al. unterstützen. Und nun?
Im übrigen gehört es zum Wesen christlicher Religion (bei den
anderen kenne ich nicht so aus), die grundlegenden Texte zu
interpretieren.
Nunja, wenn gesagt wird „So jemand A tut, hat mit ihm B zu geschehen“ lässt ziemlich wenig Spielraum für Interpretationen oder?
Du kannst nicht
Modernitität fordern, gleichzeitig aber Dich einer auch mit
gesunden MEnschenverstand nachvollziehbaren Erkenntnis
verweigern (oder sie anderen verweigern), daß die
grundlegenden Texte in einer anderen Zeit zu anderen Menschen
geschrieben wurden.
Das ist mir schon klar. Genau das ist ja der Grund, warum ich der Meinung bin, daß sie einer dringenden Überarbeitung bedürfen, anstatt eines „sich mit halbseidenen Interpretationen, die nahezu willkürlich und beliebig anwendbar sind herauswinden“. Das versteht der „Wald- und Wiesengläubige“ sowieso nicht. Es soll doch Religion für die Menschen sein, nicht für Religionstheoretiker.
Jüngstes Beispiel: Die Rheinische Landeskirche, die beim
Abendmahl nicht mehr die „Kirchendisziplin“ walten läßt -
aufgrund einer anderen, modernen Einstellung zum (theologisch
gesagt) fehlbaren Menschen.
Ich bestreite nicht, daß es einzelne oder kleinere Gruppen gibt, die ihren Religionsalltag diskret etwas moderner und pragmatischer gestalten, aber wirklich weltbewegend sidnn diese Veränderungen nicht.
Gruß,
Malte.