glaube und emotionen
Ich bezog mich hier eher auf die 50 Millionen Katholiken und
Protestanten, die die absolute Mehrzahl der Christen stellen.
Ansonsten habe ich eben nur mit den Zeugen Jehovas persönliche
Erfahrungen gemacht.
wer bin ich, dich missionieren zu wollen:wink: - ich denke, bei so vielen Menschen wirst du immer eine relativ konstante Menge Blödmänner finden - natürlich gibt es die unter Christen genauso wie unter anderen Menschen - gläubig oder nicht. wenn man natürlich eine bestimmte gruppe mit argusaugen misstrauisch betrachtet, wird man vielleicht eher das negative sehen. these:smile:.
das ist ja
auch erstmal „normal“. so wie es normal ist, dass du dir mehr
gedanken machen „musstest“ als andere.
Nun, dass man unreflektiert so etwas wichtiges wie die
Religion übernimmt, finde ich eben nicht normal. Ich finde da
sollte man sich eben schon Gedanken machen.
das ist eine bloße unterstellung von dir, dass das immer unreflekiert ist. ich find es erstrebenswert, meine kinder in meinem „glauben“ zu erziehen und ihm die werte mitzugeben, die man selber für wichtig hält. wenn man mit kirche aufwächst, heißt das nicht unbedingt, dass man auch als erwachsener weiter „am ball“ bleibt. wenn das aber der fall ist, hat es auch was von „familie“ und von „zu hause“. d.h. man findet sicher nicht alles gut und tante erna nervt:smile:, aber es ist eben die familie: ich kenne z.B. sehr viele katholiken, die eine menge an ihrer kirche nicht gut finden, die aber eben auch so viel positives mitnehmen und erleben - und diese erfahrung hast du eben nicht gemacht. religion und glaube ist eben keine sache, die man über den kopf entscheidet, sondern das hat sehr viel mit emotionen zu tun. wenn dir dieser zugang verwehrt ist, finde ich es auf jedenfall ziemlich daneben, alle, die diesen zugang durch ihre biographie haben als unreflekiert zu bezeichnen.
mir fällt auch immer auf, dass z.B. konvertiten oft viel überzeugter alle regeln einhalten, viel missionarischer sind, viel „extremer“ als es menschen sind, die mit einem glauben aufgewachsen sind. frühere nachbarn von mir waren z.B. baptisten, die haben einen sehr selbstverständlichen, unaufgeregten umgang mit ihrem glauben gepflegt. als eine freundin von mir zu den baptisten übergetreten ist, war sie erstmal einige jahre nicht zu gebrauchen, weil man ständig gezwungen war alle glaubenssätze durchzudiskutieren. ein anderes thema war eine ganz zeit kaum möglich. (und zwar nicht, weil ich so lust hatte, über abtreibung= mord und schwule = sünder zu diskutieren)
Und das ist eben die Krux (no pun intended). Die Kirche greift
sich die Kinder in einem Alter, in dem sie noch geformt werden
und trichtert ihnen dabei pro-kirchliche Propaganda ein. Dies
also von „greifen“ kann keine rede sein - das ist ja wohl job der eltern:smile:. und die entscheiden, wie ihre kinder erzogen werden. ich kann mich auch nicht erinnern, prokirchlicher propaganda ausgesetzt gewesen zu sein
(da hätten meine eltern auch nicht mitgemacht, mein vater ist nämlich anfang der 60er aus der katholischen kirche ausgetreten (was damals keineswegs so selbstverständlich war wie heute!) und erst mitte der 80er jahre aus überzeugung in die evangelische eingetreten) - meine brüder waren z.B. auch nicht in dem ganzen kinder- und jugendprogramm:smile: - ich wollte von alleine hin (übrigens hat mein einer bruder kirchlich geheiratet und ich nicht:smile:). - mein pfarrer, der mich konfirmiert hat, war ein sehr kritischer, aufgeklärter und politischer mann, der immer wieder auch in der kirche angeeckt ist. er war in der bekennenden kirche, im dritten reich im widerstand, auch im gefängnis als ganz junger spund - und hat später immer für gerechtigkeit gekämpft - und nicht immer verloren. er hat mich und meine sicht auf christ-sein sehr geprägt.
auch wenn
es heidnische elemente in sich hat. wichtig ist doch, was die
menschen daraus machen. ob das das gemeinsame plätzchen backen
mit mutter ist, oder ostereier bemahlen, die vater vorher
ausgeblasen hat, Osterfeuer entzünden, die Nacht durchmachen
im schlafsack mit Freunden uswusf, natürlich singen:smile:.
Klar, bin ich sofort dabei. Nur was hat das mit der Kirche zu
tun? Bzw. wozu braucht man da die Kirche?
„man“ bzw. du offensichtlich nicht:smile:, ich will dich ja gar nicht überzeugen in eine kirche einzutreten, damit du in ruhe ostereier bemalen kannst *gg*. aber diese dinge sind für mich teil der tradition um meine kirche und ihr brauchtum herum. das gehört zusammen. ich überlege z.B. auch, ob ich mit meinem kind jeden abend beten soll. mal sehen, wenn es soweit ist…
Nun, die schlimmsten Exzesse der Menschheitsgeschichte wurden
nun mal im Namen des Glaubens begangen, wobei der christliche
Glauben dabei nochmal besonders hervorsticht. Es stimmt also,
Intoleranz und Aggressivität sind menschlich, aber Religionen
bieten dafür einen unheilvollen Katalysator.
naja, der muslimische glaube hat sich diesbezüglich ja erstaunlich negativ gemausert - wobei man gerade hier gut sieht, dass der glaube ja oft vorgeschoben wird. mir fallen spontan mehrere angeblich im namen gottes durchgeführte kriege bzw. kreuzzüge ein, die meist nur eins im sinn hat: machterweiterung eines königs oder machterhalt, ressourcenerweiterung u.ä… dass die kirche hier unheilvoll unterstützt und mitgemacht hat, bestreite ich gar nicht. da gibt es nichts zu beschönigen.
egal. halloween in seiner heutigen form, und ich denke mal,
das wurde kritisiert, ist eine ziemlich amerikanische sache
(mit irischem ursprung) und das als ursprüngliches fest zu
legitimieren halte ich für ziemlich weit hergeholt.
Mehr Propaganda, toll. Halloween ist ursprünglich eine
keltisches Fest, kein ausschließlich irisches. Die
Kelten auf Irland zu reduzieren ist ungefähr so, als würde man
sagen Chinesen sind Ostasiaten.
also, ich bleibe dabei, das fest in seiner heutigen form, und darum ging es, beruht auf irischen bräuchen und kam hierher allein, weil es ein paar mal zu oft in amerikanischen serien zu sehen war. da jetzt eine ur-keltische besinnung zu sehen halte ich für ziemlich gewagt:smile:)). ein anderes thema ist, dass diese zeit in anderen regionen und völkern (auch keltischen) sicher auch feierlich begangen wurde. ich reduziere also die kelten nicht auf die iren. (aber ich diskutiere mit dir jetzt nicht die siedlungsräume von kelten und germanen, da kannst du gerne in geschichte gehen…)
wenn dich übrigens diese ur-formen und ursprünge von kulten, feiern und märchen interessieren, empfehle ich dir heiß:
http://www.buecher.de/verteiler.asp?site=/artikel.as…
kommt jetzt auch neu raus!
Du könntest Dir allerdings überlegen, warum ich diese
schlechten Erfahrungen gemacht habe und die Augen aufhalten,
ob diese sich bei anderen Personen in Deiner Gemeinde
wiederholen könnte. Das ist der Grund warum ich schreibe.
ich bin ja keine Psychologin, wieso du welche Erfahrungen gemacht hast und wie verarbeitet hast, steht mir nicht zu zu beurteilen. interessant finde ich, dass dich das so geprägt hat, dass du eben nicht einfach gleichgültig bist, wie andere, die mit einer bestimmten religion halt nix zu tun haben. zu deiner letzten benerkung habe ich ja schon zu anfang was geschrieben, natürlich kenne ich auch intolerante Menschen in der Kirche - aber solchen Menschen begegne ich eben genauso außerhalb der Kirche. Und wenn ich mir hier den „heidnischen“ Osten anschaue, kann ich auch nicht feststellen, dass eine völlige Kirchenferne die Menschen zu besseren und toleranteren Menschen macht - im gegenteil.
grüße,
barbara