Ich schiebe es nicht auf die KI, sondern ich merkte an, dass die KI Quellen ausgewertet hat, die nicht objektiv bzw. ausgewogen sind. Natürlich hat sich der Umgangston hier verändert (was übrigens für alle Plattformen gilt, auf denen Leute ihre Meinung äußern können), aber auch das hat Gründe, die viel relevanter für die Entwicklung der Mitgliederzahlen sind als der Umgangston an sich.
Natürlich gibt es hier eine (zum Glück) sehr geringe Zahl von Mitgliedern, die meinen, sie müssten Neueinsteiger als erstes mal in ihre Schranken weisen, ihre Rechtschreibung und Grammatik kritisieren und die Art der Fragestellung. Die gleichen Personen sind es dann, die - wenn man sie auf diesen Tonfall hinweist bzw. die fraglichen Artikel löscht - stundenlange Diskussionen mit dem jeweiligen Moderator vom Zaun brechen, bis der sich im Zweifel dreimal überlegt, ob er sich das noch einmal antut.
Zum Tonfallproblem gehört aber auch, dass es durchaus nicht wenige aktive Mitglieder gibt, die hier ständig so auftreten, wie man es in einer Mensch-zu-Mensch-Diskussion niemals akzeptieren würde. Sie hören nicht zu, was der andere sagt, sie lügen, geben Sachverhalte falsch wieder, weichen aus, wenn man ihnen das erklärt oder entern einfach jedes Gespräch, indem sie irgendwas vor sich hinplappern, was mit dem Gesprächsverlauf nicht das geringste zu tun hat.
Leute, die sich so verhalten, gibt es hier im Grunde von Anfang an und das heißt seit 1999 als das Forum eingeführt wurde (www selber ist noch knapp drei Jahre älter), nur sind sie lange Jahre aus mehreren Gründen nie ins Gewicht gefallen.
Grund 1 ist ganz banal: die Zahl der aktiven Mitglieder ist zurückgegangen und das aus ganz anderen Gründen als dem Umgangston. Diese Gründe liegen vor allem (aber nicht nur) im Verhalten der damaligen Betreiber bzw. deren Wechsel begründet. Dazu habe ich schon oft und viel geschrieben, weswegen ich mir das jetzt mal spare. Dieser Rückgang führte wiederum zu ganz einfachen Effekten:
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Die wenigen, die sich schlecht benehmen, fallen viel stärker auf, weil sich ihr Anteil an den Antworten erhöht hat.
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Wenn sich die Zahl der Fragen bzw. Beiträge insgesamt reduziert, dann gewinnen diese an Aufmerksamkeit. Früher gab es täglich teilweise 20 Fragen und ein neues Mitglied am Tag. Heute gibt es vielleicht 2 Fragen am Tag und ein neues Mitglied pro Woche. So bleibt für diejenigen, die gerne neue Mitglieder zurechtweisen oder Fragen auseinanderpflücken, viel weniger Material, so dass sich die immer gleichen Leute, die sich an neuen Mitgliedern oder Fragen abarbeiten müssen, auf viel weniger Fragen und neue Mitglieder stürzen, was den Eindruck natürlich verstärkt, hier ginge es primär um das Verbeißen neuer Mitglieder und das Kritisieren von Fragestellungen.
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Durch den Weggang vieler Experten, die den Namen verdienten, hat sich die Qualität der Antworten verschlechtert. Gleichzeitig hat die Entwicklung der 2000er Jahre, als sich das Internet nicht nur für alle öffnete, sondern man auch an jeder Ecke dazu eingeladen wurde, seine Meinung zu äußern, dazu geführt, dass viele Menschen ihre Meinung zu Themen äußern, von denen sie keine Ahnung haben. Bei Amazon oder Facebook ist das nervig, aber in einem Expertenforum absolut störend und kontraproduktiv. Das hat dazu geführt, dass sich der Umgangston zwischen denen, die Ahnung haben und denen, die planlos rumschwafeln, rauer wurde. Und da sind wir bei einem Problem, das auch außerhalb des Internets auftritt: wer keine Ahnung hat, merkt das oftmals nicht und fühlt sich bei Korrekturen zu Unrecht angegriffen, was dann zu langen Diskussionen und einer gewissen Grundgereiztheit bei denen führt, die sich hier eigentlich vor allem mit Fragen befassen wollten und sich nun in der Rolle sahen, ständig falsche Antworten zu korrigieren. Das wiederum führte erneut zu Mitgliederschwund und damit in eine Art Kreislauf.
Grund 2 ist noch banaler: die Umstellung der Software - weg von der Baumstruktur, hin zu der linearen Darstellung, die Du nun siehst. Sie hat unmittelbar Mitglieder aus mehreren Gründen vergrault - auch dazu habe ich schon viel geschrieben (wie etliche andere auch, nebenbei bemerkt). Es gibt aber auch einen indirekten Effekt und der betrifft auch wieder die Moderation, allerdings technisch und nicht menschlich: früher konnte man Zweige von Unterhaltungen sperren. Das geht heute nicht mehr. Heute wird entweder die ganze Diskussion gesperrt oder gar nicht und da wird sich viel zu oft für „gar nicht“ entschieden.
Und dann gibt es noch Grund 3, der wieder mit Betreiber und Moderation zu tun hat. Seit etwa 2019 gibt es hier faktisch kein Community Management mehr - also quasi die Instanz über den Moderatoren. FutureTV hatte kein Geld mehr, Happy Story wollte keines ausgeben und der neue Betreiber hat anscheinend das Interesse am Forum verloren oder kümmert sich im Hintergrund um technische oder kaufmännische Aspekte. Keine Ahnung. Die Antwort vom Oktober ist m.W. eines der letzten Lebenszeichen gewesen. Der Wegfall des Community Managements hat wiederum auch mehrere Folgen:
- Moderatoren können keine Zeitsperren oder dauerhaften Sperren verhängen. Das führt dazu, dass Mitglieder, die das - zum Beispiel für ihren Umgangston - eigentlich verdient hätten, nicht ernsthaft gemaßregelt werden können.
- Die Voraussetzung für Moderation hier war vor allem häufige Präsenz und ein einigermaßen gesittetes Auftreten, aber nie der Nachweis von fundierten Fähigkeiten im kommunikativen Bereich bzw. im Konfliktmanagement. Wer sich diese nicht im beruflichen Kontext oder freiwillig privat angeeignet hat, hat dann in dem Bereich dann naturgemäß Schwächen. Dies wurde bis 2019 durch das Community Management ausgeglichen, was heute nicht mehr der Fall ist. Auch das hat Folgen für die Kommunikationskultur im Forum gehabt.
- Es fehlt die Eskalationsinstanz in den Fällen, in denen es Konflikten zwischen Mitgliedern und Moderatoren bzw. zwischen Moderatoren gibt. Auch das hat verschiedene Folgen für die Forumskultur (gehabt).
Der langen Rede kurzer Sinn: es gibt eine ganze Reihe von Ursachen dafür, warum hier weniger Betrieb herrscht als noch vor 20 oder 25 Jahren und die sind vielfältig und komplex und selbst wenn man es sich so einfach machen will und das auf den Umgangston schiebt: auch der hat eine Vielzahl von Ursachen. Ganz sicher sollte man aber nicht den Fehler machen, das, was man selber gerade doof findet, als die allgemeingültige Ursache auszumachen.
Gruß
C.