Hi!
Mit meinem Artikel meinte ich eine von jedem selbst in die
Hand genommene RV.
Kannst du das mal konkretisieren, wie das aussehen soll?
Ich spiel einfach mal ein paar Ideen durch (ohne Anspruch auf Vollständigkeit, Sinn oder Verstand):
Auslöser:
Die Gesetzliche Rentenversicherung wird aufgelöst, jeder ist für seine Rente selbst verantwortlich.
Folgen:
Den Bürgern werden unterschiedliche Ersatzmöglichkeiten angeboten.
So gibt es die private Rentenversicherung (monatliche Einzahlung während der Lebensarbeitszeit und monatliche Rückzahlung nach Renteneintritt). Je nach Wunsch und Bedarf sind die Beiträge unterschiedlich hoch. Problematisch ist die Beitragsleistung des Arbeitgebers, wenn seine 200 Mitarbeiter 50 verschiedene PRVs haben. Zahlt der AG immer die Hälfte? Oder einen konstanten Betrag? Oder gar nichts? Oder bewegen sich die AG-Beteiligungen in einem definierten Bereich (Min-Wert/Max-Wert)?
Und: Darf der AG Druck auf seine AN ausüben, kostengünstigere PRVs abzuschließen bzw. den monatlichen Beitrag vom AN senken zu lassen, weil die Lohnnebenkosten sonst zu hoch wären? Außerdem: Wie flexibel muss eine PRV reagieren, wenn z.B. der AN arbeitslos wird, auf Halbtagsjob wechselt oder Lohneinbußen durch Arbeitszeitkürzungen oder schlechter Geschäftslage des AG (Stichwort Haustarif) hinnehmen muss?
Zweite Möglichkeit: Statt einer PRV schließt der AN eine kapitalbildende Lebensversicherung ab. Hat den Vorteil, dass im Todesfalle seine Familie Geld bekommt (ist bei einer PRV nicht zwingend der Fall). Außerdem hat er die Wahl zwischen verschiedenen Rückzahlungsmodellen (in einer Summe, in mehreren Teilbeträgen, auf Monatsbasis).
Probleme hier: Wie beteiligt sich der AG an den Beiträgen zur LV? Was geschieht in Zeiten ohne Einkommen? Wie variabel muss die Versicherungsgesellschaft auf die schwankende Zahlungsfähigkeit des Versicherten reagieren?
Dritte Möglichkeit: Einzahlung in Pensionsfonds nach amerikanischem Modell. Das eingezahlte Geld wird angelegt, Ansprüche der Rentenbezieher aus den Einzahlungen und erwirtschafteten Gewinnen bedient. Problematisch ist, dass Pensionsfonds gezwungen sind, ein gewisses Risiko zu gehen, um die Forderungen abdecken zu können. Die beiden größten Pensionsfonds in den USA stecken derzeit in Problemen, da sie das Kreditgeschäft überdehnt haben und evtl. daran Pleite gehen.
Varianten 1 bis 3 haben alle einen gemeinsamen Schwachpunkt: Sie sind privatwirtschaftlich orientiert und daher auf Gewinn aus. Das bedeutet, dass ein nicht unbeträchtlicher Anteil des Kapitals, das zur Verfügung steht, nicht an die Einleger zurückfließt, sondern in die Taschen von Vorstände, Fondsverwalter usw., ohne dass jemand auf die Höhe dieser Beträge Einfluss hat.
Vierte Möglichkeit: Der AN erwirtschaftet auf eigenes Risiko und in eigener Verantwortung das Kapital für sein Alter. Das bedeutet, er spart, legt es gewinnversprechend an, investiert sein Geld an der Börse usw. Der AG zahlt nichts hinzu, dafür wird der AN von jeglicher Steuer auf seine Kapitalerträge (Zinsabschläge, Kapitalertragssteuer, Spekulationssteuer) befreit.
All diese Vorschläge basieren darauf, dass es sich um Arbeitnehmer handelt, die ein Einkommen aufweisen können. Prpblematisch wird es für jene, die arbeiten, aber kein Einkommen haben - die berühmten Ausfallzeiten. Was ist mit Schülern, die mit 18 oder 19 oder 20 Abitur machen, während andere mit 16 bereits für ihre Rente arbeiten? Wie soll mit Studenten umgegangen werden, die vier, fünf oder sechs Jahre an der Uni verbringen und mangels Geld nichts einzahlen können? Wie verfährt das System der privaten Rentenvorsorge mit Eltern, die bis zu vier Jahren aus dem Beruf aussteigen, um sich um die angeblich dringend benötigten Kinder zu kümmern? Wer trägt die Beitragszahlungen zur privaten Altersvorsorge, wenn dauerhaft Arbeitslosigkeit droht? Sprngt hier jeweils der Staat ein? Wenn ja, nach welchem der o.g. Muster (trägt der Staat dann das Risiko der Aktienspekulation)? Was ist mit jenen Arbeitnehmern, deren Einkommen so niedrig liegt, dass die spätere Rente eindeutig unter dem Sozialhilfesatz liegt?
Wie gesagt: Konkretisier einfach mal die Forderung nach Abschaffung der gesetzlichen Rentenversicherung!
Grüße
Heinrich