Was bedeutet Bildungshoheit der Länder?

hallo Pädagogen ,
während ich die Ergebnisse der Einigung im Föderalismus-Streit genieße, wandeln mich denn doch so diese und jene Fragen an.
Als ich 1.Semester in Würzburg Medizin studierte, wars Sommer und ich hatte u.a. organische Chemie-Vorlesung. Anorganische im Winter „dran“. Zoologie - Biologie im Winter dran. Als ich im 2.Semester nach Berlin kam, oh Schreck: hier wars umgedreht. Ergebnis: ich konnte erst 1 Semester später Vorphysikum machen. Kostete mich also ein zusätzliches Semester, diese Länderspezialitäten.
Wie mag es nun,frage ich mich, im Weiteren gehen: den Studenten, den Schülern? wenn die Bildungs"hoheit"(ach welch schöner Name …) bei den Ländern verbleibt? Und, wenn jetzt Studiengebühren fällig werden, sollte in solchen Fällen eine Schadensersatzforderung nicht möglich sein? Oder sollte man als Student in Zukunft brav im gleichen Bundesland bleiben? Und als Schüler die Eltern zu Standorttreue verpflichten? Falls man Schulzeit verlöre, wenn Vater in anderes Bundesland versetzt wird…Was sagen die Bildungsbeauftragten? Neugierig, I.

Hallo!
Ich bin schon lange eine Verfechterin von bundesweit einheitlichem Schulsystem mit einheitlichen Lehrplänen und vor allem mit bundeseinheitlichem Zentralabitur. Diese Kleinstaaterei im Bildungswesen dient lediglich der Profilierungssucht der Poltiker, Leidtragende sind Schüler und Studenten.
Gruß Orchidee

Hallo.

Wie mag es nun, frage ich mich, im Weiteren gehen: den
Studenten, den Schülern? wenn die Bildungs"hoheit"(ach welch
schöner Name …) bei den Ländern verbleibt?

Beispiele, wie es jetzt schon drunter und drüber geht, gibt es wahrlich genug.

Bspw. ist es bis jetzt in Bayern noch nicht geregelt möglich, von der Realschule kommend, das Abitur zu erlangen. Sehr stark einschränkende Schlupflöcher sind nur vorhanden, wenn man das sprachliche Profil wählt oder versucht, an eine der paar Modellversuchsschulen „FOS13“ zu kommen. Eine echte Katastrophe an Durchlässigkeit dort.

Weiterhin sind für Realschüler quer über die Republik die Abschlußregelungen höchst verschieden. Die einen müssen Spielzeugprüfungen schreiben, die anderen ausgewachsene, fordernde Klausuren; andere müssen gar keine Prüfung in der 10. Klasse ablegen (zumindest bis „vor kurzem“).

Aktuell habe ich einen Schüler in der Mathenachhilfe, der jetzt wahrscheinlich die 7. Klasse nicht erreicht - nicht weil er total blöde ist, sondern weil er aus NRW kommt und im Vgl. zur Schule hier deutlich hinterherhängt, sozusagen einfach nicht mitkommt.

Kurz: Deutschland macht sich vor der ganzen Welt mit dieser Kleinstaaterei im Stile eines Deutschen Bundes einfach nur lächerlich, mehr als lächerlich.

Eine zentralstaatlich orientierte Bildungspolitik auf Bundesebene müßte als erstes her, sonst kann man stundenlang über Einheitsschule, Ganztagsbetreuung etc. reden - alles brotlose Künste ohne eine Vereinheitlichung der regionalen Systeme.

Aktuell sieht es ja sogar so aus, daß die Kompetenzen der Länder sogar nocht weiter gestärkt werden, anstatt solchen geistigen Flachwurzlern wie Stoiber endlich das Heft aus der Hand zu nehmen.

Und, wenn jetzt
Studiengebühren fällig werden, sollte in solchen Fällen eine
Schadensersatzforderung nicht möglich sein?

Wofür?

Naheliegende Reaktionen der entsprechenden Länder:

„Was können wir denn dafür, wenn die Idioten dort und dort ein anderes System haben als wir hier.“

„Was müssen Sie denn auch in ein anderes Bundesland? Selbst schuld …“

„Mit solchen Verzögerungen muß man in jedem Studium rechnen, sie übertreiben - so eine kleine Verzögerung ist doch kein Beinbruch …“

„Warum regen Sie sich denn eigentlich auf - den Stoff hätten Sie doch im Selbststudium nachholen können, anstatt hier einen Sturm im Wasserglas loszutreten…“

„Tja, wenn Sie nicht bei uns bleiben, sollen Sie auch gehörig bluten dafür …“

:wink:

Der omnipräsente Zyniker kommt durch, verzeih. :smile:

Oder sollte man als Student in Zukunft brav im gleichen Bundesland
bleiben? Und als Schüler die Eltern zu Standorttreue verpflichten?

Weißt Du es noch nicht?

Deutschland geht es doch so verdammt gut, daß die Arbeit den Eltern hinterhergetragen wird - alles Quatsch mit Mobilität; Bundeslandwechsel, wozu denn bitte? :wink:

Was sagen die Bildungsbeauftragten? Neugierig,

Gar nichts. Oder sie sülzen nur sinnlos herum (auf jeder Ebene, je weiter oben, desto mehr).

Ich hatte einmal „vor Jahren“ eine hübsche kleine Unterhaltung mit der Ex-Bundesbildungsministerin. Um es auf den Punkt zu bringen: kein brauchbares Konzept für eine fundamentale Reform des Bildungssektors, kein Wille zur zentralistischen Bildung, Ablehnung von modernen Ideen wie bspw. die JAP, allgemeines Geschwafel immer um den heißen Brei herum, ständig die Ausrede mit dem lieben Geld, …

Ich kann jeden Pessimisten irgendwie verstehen, wenn man angesichts solcher Personen an den Hebeln der Macht resigniert.

MfG

Zentralismus?
Landeshoheit bei der Bildung beduetet, dass wir ein zwar strengeres, aber dafür besseres Bildungssystem haben dürfen, als z.B. Hessen.

Eine Einheits-Ganztages-Spielschule ist für die Schüler sicher angenehmer, und wenn alle gleich blöd gemacht werden, hat das innerhalb Deutschlands wenig Auswirkungen. Jetzt ist es sehr einfach, von Süddeutschland nach Norddeutschland zu wechseln, aber wer will schon jeden Tag nur Fisch und Kartoffeln futtern?

Da eine Gleichmacherei normalerweise die Schlechten mit viel Glück etwas verbessert, die Guten aber sehr stark bremst, bin ich gegen den Zentralismus. Global gesehen ist eine Verblödung der Schüler sehr schlimm, weil außer den Menschen und deren Fähigkeiten und deren Bildung Deutschland nichts zu bieten hat. Deutschland hat kaum Bodenschätze, die Landwirschaft ist nicht mit Afrika oder Amerika konkurrenzfähig…

Im Zuge der Globalisierung wäre eine Verblödung der Schüler echt schlimm.

Kurz: Deutschland macht sich vor der ganzen Welt mit dieser
Kleinstaaterei im Stile eines Deutschen Bundes einfach nur
lächerlich, mehr als lächerlich.

Besser ein paar gute und ein paar schlechte Bildungssysteme nebeneinander, als ein zentralistisches glattgebügeltes Einheitsbreisystem.

Nick

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+++
Ich stimme dir voll und ganz zu!

Es sind meist nur diejenigen, die nach einem einheitlichen System verlangen, welche meinen, das System ihres Bundeslandes hätte Nachteile gegenüber anderen Bundesländern. Dabei wird gerne übersehen, daß bei einer Vereinheitlichung durchaus das „nachteilige“ System gewählt werden kann und dann bundesweit gilt.

Als ich im 2.Semester nach Berlin kam, oh Schreck: hier wars
umgedreht.

Das ist wirklich ärgerlich, aber warum muß deshalb eine bundesweite Vereinheitlichung stattfinden? Warum sollte der Lehrplan an den Unis einheitlich geregelt werden? Viel besser ist es doch, wenn jede einzelne Uni eigenständig über den Studienverlauf entscheiden könnte, da man nur so auf die jeweiligen Besonderheiten und Erfordernisse eingehen kann. In erster Linie soll den Studenten ja ein möglichst geradlinieger Studienverlauf an der Uni gewährleistet werden, an der sie eingeschrieben sind.
Das Ziel besteht darin, bestmöglichst und ohne Zeitverlust auf den Abschluß vorzubereiten und nicht, durch vereinfachte Studienplatzwechselmöglichkeiten, eine Möglichkeit zu eröffnen, Deutschlands Städte kennenzulernen!

Stundenplan an der Uni?
Habe doch glatt überlesen, das sich Deine Frage auf die Uni bezog, weil „Stundenplan an der Uni“ etwas echt krankes ist.

Wo lernt man denn da eigentständiges Handeln, wenn man an der Uni genauso weitermacht, wie in der Schule? Genauso verhätscheln, genauso unselbstständig, genauso „verschult“.

Nick

Dieser nicht zuendegedachte Einwand kommt immer wieder.

Einher damit geht sofort die Unterstellung, man fordere dies deshalb, weil man selbst von einem schlechten System betroffen ist/wahr.
So gesehen, ist das also grober Unfug und ein Aufbauschen eines Problems, daß man im Griff haben kann.

Eine zehnklassige, mit ordentlichem Niveau veranschlagte allgemeinbildende Standardschule schlägt jeden Bildungsföderalismus und jede Frühselektion an Breitenbildung in Grund und Boden.

Die Vorteile einheitlicher Systeme zeigt sich gegenwärtig an den skandinavischen Ländern (Schweden, Finnland), wurde eindrucksvoll durch die DDR gezeigt, und gegenwärtig auch zunehmend in anderen Ländern dieser Erde zelebriert.

Sicher ist es richtig, daß ins Gedächtnis gerufen wird, das einheitliche System könne auch im Niveau sacken - dem Problem wird man aber sofort gewahr, wenn man sich an den Standards der drei leistungsstarken südlichen Ländern orientiert (BaWü, Bayern, Sachsen).

Somit ist diese Befürchtung sofort ausgeräumt und man ist wieder nur bei Hirngespinsten und Schreckgespenstern à la „Bildungsförderalismus muß sein, damit es noch Bildungsföderalismus gibt“.

MfG

Eine zehnklassige, mit ordentlichem Niveau veranschlagte
allgemeinbildende Standardschule schlägt jeden
Bildungsföderalismus und jede Frühselektion an Breitenbildung
in Grund und Boden.

Daran merkt man, daß du gar nicht begriffen hast, was Föderalismus bedeutet. Unser zwischen Haupt-/Realschule und Gymnasium getrenntes Schulsystem hat überhaupt nichts mit der kulturellen Länderhoheit zu tun. Die Trennung würde auch bestehen, wenn es ein Bundesschulgesetz gäbe.
Um die Einheitsschule (die du ganz offensichtlich meinst) zu schaffen, muß die Bildungshoheit aber nicht beim Bund liegen. Wer eine Änderung des Schulsystems will, muß sich eben an die Landesregierung wenden.

Die Vorteile einheitlicher Systeme zeigt sich gegenwärtig an
den skandinavischen Ländern (Schweden, Finnland), wurde
eindrucksvoll durch die DDR gezeigt, und gegenwärtig auch
zunehmend in anderen Ländern dieser Erde zelebriert.

Hier geht es aber vor allem um die Einheitsschule und nicht um eine zentralisierte Bildungshoheit!

Sicher ist es richtig, daß ins Gedächtnis gerufen wird, das
einheitliche System könne auch im Niveau sacken - dem Problem
wird man aber sofort gewahr, wenn man sich an den Standards
der drei leistungsstarken südlichen Ländern orientiert (BaWü,
Bayern, Sachsen).

Aha! Du setzt automatisch voraus, daß ein bundeseinheitliches System sich an Bayern orientieren würde. Es zeigt sich aber im Leistungsvergleich, daß die leistungsstarken Bundesländer eben in der Minderheit sind. Eine Minderheit würde sich im Gesetzgebungsverfahren aber gerade nicht durchsetzen können, so daß es automatisch zu einem mittleren Leistungsniveau kommen würde.
Und genau da liegt die Stärke des Föderalismus! Eine Landesregierung kann selbst Einfluß auf das Niveau nehmen. Wenn du als Bürger der Meinung bist, deine Kinder hätten durch ein niedrigeres Niveau Nachteile, hast du die Wahl, ob du sie nicht einem fordernderem Bundesland anvertraust. Diese Wahl hast du mit einem zentralisiertem System nicht. Wenn du jetzt der Meinung bist, etwas müsse in deinem Bundesland geändert werden, kannst du dich an die Landesregierung wenden. Wo ist der Unterschied, ob deine Verbesserungsvorschläge ungehört in Schwerin (zB) oder in Berlin verhallen?

Somit ist diese Befürchtung sofort ausgeräumt und man ist
wieder nur bei Hirngespinsten und Schreckgespenstern à la
„Bildungsförderalismus muß sein, damit es noch
Bildungsföderalismus gibt“.

(Das macht ehrlich gesagt überhaupt keinen Sinn!?)

hallo Alex,
also das hätt ich jetz nich gedacht - das also ist das Ziel! So ne Überraschung…

Das Ziel besteht darin, bestmöglichst und ohne
Zeitverlust auf den Abschluß vorzubereiten und nicht, durch
vereinfachte Studienplatzwechselmöglichkeiten, eine
Möglichkeit zu eröffnen, Deutschlands Städte
kennenzulernen!

Da muß ichs ja doppelt bedauern, daß die Studiengänge „gegenläufig“ angeordnet waren! (und der Steuerzahler auch)…noch trauriger als zuvor, Irmtraut

Hi!

Habe doch glatt überlesen, das sich Deine Frage auf die Uni
bezog, weil „Stundenplan an der Uni“ etwas echt krankes ist.

Ist aber „normal“ wenn man Medizin studieren will (Ich weiß nicht, ob es nicht auch andere Fächer gibt, bei denen es auch so ist).

Beim Medizinstudium ist es so, daß einige Kurse erst ab bestimmten Semestern besucht werden dürfen und meist muß man dieses oder jenes Fach vorher machen, sonst wird man zu den anderen Kursen nicht zugelassen. Zudem werden nicht alle Kurse sowohl im Winter- wie auch im Sommensemester angeboten.
Außerdem ist alle ein bis zwei Jahre ein Examen (zumindest nach alter Studienordnung) und auch dies schränkt die Auswahl der Kurse sehr ein.

Da damit die Reihenfolge, welcher Kurs in welchem Semester gemacht werden kann und muß, praktisch vorgegeben ist und nicht viel Spielraum bleibt, gibt es eine Art „Stundenplan“.

Wo lernt man denn da eigentständiges Handeln, wenn man an der
Uni genauso weitermacht, wie in der Schule? Genauso
verhätscheln, genauso unselbstständig, genauso „verschult“.

Da das Medizinstudium weitgehends aus Pflichtkursen besteht (abgesehen von den Vorlesungen natürlich), bleibt nicht viel an eigenständigem Handeln, außer dem Lernen zu Hause :wink:

Gruß,
Sharon

Eine zehnklassige, mit ordentlichem Niveau veranschlagte
allgemeinbildende Standardschule schlägt jeden
Bildungsföderalismus und jede Frühselektion an Breitenbildung
in Grund und Boden.

Daran merkt man, daß du gar nicht begriffen hast, was
Föderalismus bedeutet.

Mal gaaaaanz langsam.
Ich habe einfach zwei wichtige Punkte, die einfach ineinandergreifen müssen, zusammen erwähnt.

Eine Einheitsschule bringt national nur etwas, wenn sie auch national umgesetzt wird, und nicht nur in zwei oder drei Bundesländern.

Hier sieht man eher, daß Du erneut nicht zuendegedacht hast: Man kann sehr gut eine Angleichung der Bildungssysteme im Sinne einer zentralistischen ORganisation fordern, ohne die Frühselektion abzuschaffen. Das ist richtig - aber nicht das Optimum. Der Umkehrschluß dagegen ist nicht gegeben: Eine Einheitsschule ohne nationale zentralistische Organisation beseitigt das Problem überhaupt nicht, sondenr bringt nur dem ausführenden Lande weiteren Vorschub.
Das kann aber nicht Sinn einer bundesweiten Bildungsdiskussion sein.

Unser zwischen Haupt-/Realschule und
Gymnasium getrenntes Schulsystem hat überhaupt nichts mit der
kulturellen Länderhoheit zu tun. Die Trennung würde auch
bestehen, wenn es ein Bundesschulgesetz gäbe.

Das habe ich auch zu keinem Zeitpunkt anders gesagt, also hänge Dich bitte nicht an Deinen Mißverständnissen auf.

Um die Einheitsschule (die du ganz offensichtlich meinst) zu
schaffen, muß die Bildungshoheit aber nicht beim Bund liegen.
Wer eine Änderung des Schulsystems will, muß sich eben an die
Landesregierung wenden.

Siehe oben - regionale Einheitsschule bringt beim nationalen Bildungsporblem nicht weiter; und das größte nationale Bildungsproblem ist die ZERSPLITTERUNG DES LANDES in bis zu 16 verschiedene Systeme.

Die Vorteile einheitlicher Systeme zeigt sich gegenwärtig an
den skandinavischen Ländern (Schweden, Finnland), wurde
eindrucksvoll durch die DDR gezeigt, und gegenwärtig auch
zunehmend in anderen Ländern dieser Erde zelebriert.

Hier geht es aber vor allem um die Einheitsschule und nicht um
eine zentralisierte Bildungshoheit!

Nein, hier geht es um beides - das ist ja der Clou.

Das Optimum wird nur erreicht, wenn man beide Gedanken zusammenbringt. Defacto brächte aber erst einmal das Brechen der Länderhoheit den größten Gewinn.

Sicher ist es richtig, daß ins Gedächtnis gerufen wird, das
einheitliche System könne auch im Niveau sacken - dem Problem
wird man aber sofort gewahr, wenn man sich an den Standards
der drei leistungsstarken südlichen Ländern orientiert (BaWü,
Bayern, Sachsen).

Aha! Du setzt automatisch voraus, daß ein bundeseinheitliches
System sich an Bayern orientieren würde.

So? Komisch, daß ich das gar nicht geschrieben habe.

Es zeigt sich aber im
Leistungsvergleich, daß die leistungsstarken Bundesländer eben
in der Minderheit sind. Eine Minderheit würde sich im
Gesetzgebungsverfahren aber gerade nicht durchsetzen können,
so daß es automatisch zu einem mittleren Leistungsniveau
kommen würde.

Das unterstellt jedoch etwas kühn, daß der Ausschlag von den Ländern ausgehen würde und daß das Verfahren im Bundesrat entschieden würde.
Staatstheoretisch betrachtet, ist hier aber ein weiterer Hund begraben: Der Bundesrat geht vornehmlich auf die Intention einer Blockade zurück. Es stellt sich also ernsthaft die Frage (seit inzwischen 50 Jahren), wie brauchbar dieser Weg der Gesetzesgebung überhaupt ist.

Und genau da liegt die Stärke des Föderalismus! Eine
Landesregierung kann selbst Einfluß auf das Niveau nehmen.
Wenn du als Bürger der Meinung bist, deine Kinder hätten durch
ein niedrigeres Niveau Nachteile, hast du die Wahl, ob du sie
nicht einem fordernderem Bundesland anvertraust.

Das hat den deutlichen Beigeschmack von „Wem es nicht paßt, der soll doch bitte abhauen…“ - eine fatale Methode demokratische Selbstbestimmung zugänglich zu machen.
Übrigens werden gerade die Stärken des Föderalismus in Deutschland absolut nicht ausgespielt. Politik betrachtet, ist es sogar so, daß Deutschland momentan das ganze Paket Föderalismus auszuhalten hat, mit sämtlichen Nachteilen, ohne auch nur einen Vorteil darauszuschlagen. DAS ist die staatstheoretische Realität momenten. Diese zeigt sich dann auch in solchen schwachsinnigen Veranstaltungen wie „Förderalismuskonferenzen“, die zur reinen Farce verkommen, weil die Länder sich benehmen wie „Kindergarten, kleinste Gruppe“.

Diese Wahl hast du mit einem zentralisiertem System nicht.

Und? Diese WAHL will ich auch gar nicht haben, und die braucht man auch gar nicht haben und die muß man gar nicht haben und die sollte man gar nicht haben.
Wenn das zentralistische System stimmt, sind diese verlotterten Diskussionen überflüssig. Einem bei dieser Bildungszersplitterung mit pathetischen Floskeln wie „die Wahl haben“ zu kommen, tritt der Demokratie ins Gesicht - siehe oben. Es ist einfach eine fatale Art und Weise, einen Mangel in eine Tugend *umzubenennen*.
Zudem: Viele Leute haben nicht einmal diese Wahl - oder zieht jemand nur wegen der Kinder meinetwegen aus dem Zentrum eines Bundeslandes in ein anderes? Das ist ein weiterer Tritt ins Gesicht der vielen Familien und Existenzen, die dies eben nicht können, oder auch nicht wollen.

Siehe meine Eingangsfeststellung: In letzter Konsequenz denkst Du nicht zuende.

Wenn du jetzt
der Meinung bist, etwas müsse in deinem Bundesland geändert
werden, kannst du dich an die Landesregierung wenden. Wo ist
der Unterschied, ob deine Verbesserungsvorschläge ungehört in
Schwerin oder in Berlin verhallen?

Jetzt wird es aber ziemlich grotesk.

Erstens, ich möchte nichts regional ändern, sondern NATIONAL.
Ich bin entschieden, aus tiefstem Herzen, gegen diese Art von föderalistischer Kleinstaaterei, wenn keine Vorteile des Föderalismus ausgenutzt werden - und das geschieht seit Anbeginn der BRD nicht. Wie erwähnt: Man hat 1948/49 das ganze Paket der Nachteile gekauft (kaufen müssen).
Zweitens, was ist denn das für ein Demokratieverständnis? „Ist doch egal, wo über Deinen politischen Willen hinwegentschieden wird …“ -
die schlimmste Mentalität, die man der Demokratie entgegenbringen kann, ist das. Resignation und Verzweiflung pur, das erkannte schon Tolkien literarisch und auch logisch als großen Fehler.

Du mischst hier eine ziemlich explosive Mischung an bedenklichen Elementen aneinander - zuerst am Textbeispiel widerlegte Unterstellungen, dann bedienst Du Dich einer fragwürdigen Rhetorik, indem Du das Zersplitterungsproblem als „Option“, sogar als „Wahlmöglichkeit“, titulierst und abschließend wendest Du Dich beinahe fundamental von der Demokratie ab.
Findest Du das nicht bedenklich?

Somit ist diese Befürchtung sofort ausgeräumt und man ist
wieder nur bei Hirngespinsten und Schreckgespenstern à la
„Bildungsförderalismus muß sein, damit es noch
Bildungsföderalismus gibt“.

Das macht ehrlich gesagt überhaupt keinen Sinn!?

Das ergibt gerade Sinn - der Föderalismus wird offenkundig nur noch am Leben erhalten, damit es ihn gibt.
Wichtig wäre es, ihn nicht ganz abzuschaffen, jedoch soweit umzustrukturieren oder zu beschneiden, daß daraus wieder entscheidende Vorteile auf Bundesebene entstehen.

Doch was passiert?
Jedes Bundesland ist auf seine Kleinstaaterei erpicht, Edelgard Buhlmahn wendet sich aus reinem Prinzip ab und versucht mit Schreckgespenstern wie dem Nationalsozialismus ein Argument zu konstruieren et cetera, et cetera.

MfG

Ich bemerke hier den kleinen Zynikerteufel… :wink:

Nicht die gegenläufigen Stundenpläne haben das System durcheinandergebracht, sondern dein Wechsel! Wie gesagt das ist nicht vorgesehen, wenn du es trotzdem machst, bist du selbst für daraus entstehende Nachteile verantwortlich. Dem Steuerzahler ist das übrigens egal.

Ich sehe ja, daß deine Ideen einen Versuch wert, und vorausgesetzt, sie würden auch 100% so umgesetzt, wahrscheinlich auch sehr gut für unser Bildungssystem wären. Für mich stellt sich aber die Frage, ob man das aktuelle System denn unbedingt ändern muß, um das Beste herauszuholen. Diese zwingende Notwendigkeit besteht einfach nicht. Man kann den Schülern aus jedem Bundesland heraus die bestmögliche Schullaufbahn eröffnen, ohne die Länderhoheit aufzugeben. Da der Föderalismus ein staatstragendes Prinzip des GG ist, wundert es mich doch, daß ich als Antidemokrat bezeichnet werde, weil ich die Fahne hochhalte. (Davon abgesehen habe ich zum Demokratieprinzip kein Wort verloren, so daß du deine Unterstellung wohl kaum belegen kannst!)

Ich will jetzt nicht noch einmal auf alle Punkte eingehen, weil ich die Diskussion dann auch beenden möchte, aber ein Punkt ist mir wichtig, weil daran deutlich wird, wo die Umsetzung deines Systems zur Zeit jedenfalls sicher scheitert:

Es zeigt sich aber im
Leistungsvergleich, daß die leistungsstarken Bundesländer eben
in der Minderheit sind. Eine Minderheit würde sich im

Gesetzgebungsverfahren aber gerade nicht durchsetzen können,
so daß es automatisch zu einem mittleren Leistungsniveau
kommen würde.

Das unterstellt jedoch etwas kühn, daß der Ausschlag von den
Ländern ausgehen würde und daß das Verfahren im Bundesrat
entschieden würde.

Genau das ist falsch. Das Gesetz wird in Bundestag und Bundesrat entschieden. Der Bundestag besteht aber doch nicht aus Bundesvertretern, sondern aus den Wahlkreiskandidaten der einzelnen Bundesländer. Dabei ist das Verhältnis Einwohnerzahl des Landes/Abgeordnetenanzahl noch viel genauer als im Bundesrat. Wenn nach diesem Verhältnis abgestimmt wird, werden sich einzelne Bundesländer mit ihrem System nicht durchsetzten können, so daß es zu einem durchschnittlichem Ergebnis kommt.

Eins noch:

Das hat den deutlichen Beigeschmack von „Wem es nicht paßt,
der soll doch bitte abhauen…“ - eine fatale Methode
demokratische Selbstbestimmung zugänglich zu machen.

Wenn du das Wort „soll“ durch „kann“ ersetzt, dann trifft das meine Überzeugung. Ich möchte mir die Freiheit der Wahl, die ich jetzt noch habe, nicht nehmen lassen. Es geht nicht darum, daß ich etwa umziehen müßte, sondern daß ich umziehen könnte und dadurch Vorteile hätte.
Das Ganze hat übrigens mit dem Begriff Demokratie absolut nichts zu tun…

Hauptschul/Gymnasium Mischmasch ist besser?
Wenn wirklich die Zusammenlegung von Hauptschule und Gymnasium besser wäre, wie du behauptest, warum sind dann die Länder mit dem besten Pisa-Test nicht zusammengelegt?

Wer Bildung(-spolitik) auf Grund von Ideologieen macht und Zahlen, Daten Fakten ignoriert, soll das in seinem eigenen Bundesland tun. Nicht da, wo meine Kinder zur Schule müssen!

Deshalb bin ich ganz klar *für* Landeshoheit im Bildungswesen!

Nick

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Uuups.

Hi!

Habe doch glatt überlesen, das sich Deine Frage auf die Uni
bezog, weil „Stundenplan an der Uni“ etwas echt krankes ist.

Ist aber „normal“ wenn man Medizin studieren will (Ich weiß
nicht, ob es nicht auch andere Fächer gibt, bei denen es auch
so ist).

Beim Medizinstudium ist es so, daß einige Kurse erst ab
bestimmten Semestern besucht werden dürfen und meist muß man
dieses oder jenes Fach vorher machen, sonst wird man zu den
anderen Kursen nicht zugelassen. Zudem werden nicht alle Kurse
sowohl im Winter- wie auch im Sommensemester angeboten.
Außerdem ist alle ein bis zwei Jahre ein Examen (zumindest
nach alter Studienordnung) und auch dies schränkt die Auswahl
der Kurse sehr ein.

Da damit die Reihenfolge, welcher Kurs in welchem Semester
gemacht werden kann und muß, praktisch vorgegeben ist und
nicht viel Spielraum bleibt, gibt es eine Art „Stundenplan“.

Uuups… ich wollte nicht Mediziner oder irgendeine Studiengruppe abwerten!!!
Wenn das so angekommen sein sollte, bitte ich um Verzeihung.

Ich spreche für Mathematik, wo es zumindest vor einigen Jahren noch sehr frei war, wo aber im Zuge des Bachelor ond Master-Krampfes alles verstundenplant wird.

Nick

Hi!

Uuups… ich wollte nicht Mediziner oder irgendeine
Studiengruppe abwerten!!!
Wenn das so angekommen sein sollte, bitte ich um Verzeihung.

Nein, don’t panic - ich hab das nicht als abwertend oder anders negativ empfunden :wink:
Ich wollte nur erklären, _warum_ Medizin einen schulähnlichen Stundenplan hat, da ich weiß, daß man normalerweise selber seine Kurse wählt. Nur in Medizin ist das anders, und auf Medizin bezog sich die Ursprungsposterin :wink:

Gruß,
Sharon

hallo Alex,

Ich bemerke hier den kleinen Zynikerteufel… :wink:

peinlich peinlich, daß Du mich ertappt hast…

Aber wenn man soo alt ist wie ich, dann kennt mans noch: daß einem vor Jahrtausenden mal geraten wurde, den Studienort möglichst ein paar mal zu wechseln … weniger eigentlich aus sightseeing-Gründen, eher, um geistig etwas weitere Horizonte aufzuspannen…
Ich muß auch sagen, ich habs oft brauchen können. Mich mehr um das wirkliche reale Leben meiner Patienten mit seinen konkreten Lasten kümmern zu können, mehr davon zu verstehen, nicht engstirnig im Medizinerlatein und weißkitteliger Hoheit verharrt zu haben … bin, aber ohne Verluste für mein stringentes Weiterstudieren, später noch einmal woanders hingegangen - weil ich dort bedside-teaching erhoffte, was da versprochen wurde … (Lübeck).
Der Steuerzahler als fiktive Person würde meinen Semester-Verlust aber jedenfalls doch bedauert haben. Denn damals kostete ihn jedes Semester Medizinstudium ca. 30 000,-DM. Wer weiß, was das heute in Euro wäre … womit man dann wieder inmitten der Bildungshoheit der Länder gelandet ist. Aber heute wird sowas wahrscheinlich durch Studiengebühren kompensiert … Portokasse … Gruß, I.

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halloo Nick

  • was hast Du an der Uni gemacht? Trotz - oder wegen - völlig verschulten Medizinstudiums hab ich kräftig gearbeitet dort, und an Zahl der Prüfungen, die sowas kontrollieren, steht das Medizinstudium anderen in nichts nach, eher sehr deutlich im Gegenteil.

Die grauenhafte Verhätschelung des Mediziners aber geht im Beruf dann weiter. Du brauchst einfach nicht mehr so viel zu schlafen! Du darfst persönliche, familiäre und Freundschaftskontakte, kräftig ausdünnen - Du hast 5x Nachtdienst (und bist, weil das 36-Stundendienste sind, am Abend drauf zu kaum noch was imstande) - das heißt, für alles entfallen schon mal 10 Tage im Monat, auch für Haushalt, Du preßt es eben in die Restzeit. Und Wochenenden? und Feiertage? Heiligabend Dienst? Himmelfahrt Dienst? Ja, da lebt die pure Verwöhnung. So sieht sie aus. Dazu kommt, was jeder einsehen muß, die lebenslange Pflicht zur Weiterbildung - allgemeinmedizinisch muß man im Wesentlichen auf dem Laufenden bleiben, im eigenen Fach erst recht - nicht nur Kenntnisse, sondern auch Können lebenslang und in oft teuren mehrtägigen Kursen hinzuerwerben … kleiner Ausschnitt aus einem grandiosen Verwöhn-Programmm…

Dein posting macht mich doch etwas unfroh, muß ich sagen. Wünsche Dir allzeit gute Ärzte. I.

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Hi Nick,

Wenn wirklich die Zusammenlegung von Hauptschule und Gymnasium
besser wäre, wie du behauptest, warum sind dann die Länder mit
dem besten Pisa-Test nicht zusammengelegt?

Naja, erstens sind die „besten“ Pisa-Bundes-Länder im Vergleich zu anderen Nationen immer noch schlecht, der soziale Hintergrund spielt hier eine große Rolle bei den schulischen Leistungen der Kinder. Und zweitens…

Wer Bildung(-spolitik) auf Grund von Ideologieen macht und
Zahlen, Daten Fakten ignoriert, soll das in seinem eigenen
Bundesland tun. Nicht da, wo meine Kinder zur Schule müssen!

…ist doch das dreigliedrige Schulsystem genau DIE ideologische Eigenheit seit etwa 50 Jahren in Deutschland. Gegen dieses sprechen die Pisa-Ergebnisse und andere aktuellen Studien von UNO et al. sowie diereale Chancen der jeweiligen Abgänger, besonders mit Hinblick auf den fortwährenden Trend zur Überqualifizierung in fast allen Berufen. Oder nenne mir doch mal knallharte Zahlen und Argumente FÜR die Frühselektierung!

Das einzige, was das dreigliedrige Schulsystem wirklich fördert, ist die frühzeitige „Ghettoisierung“ schwächerer Schüler und die damit verbundene soziale Abgrenzung.

Deshalb bin ich ganz klar *für* Landeshoheit im Bildungswesen!

Ich nicht, aber das wird wohl in Zukunft kein Diskussionsgegenstand mehr sein, wenn ich es recht sehe. Besser, sich damit abzufinden. Im übrigen sind natürlich Landeshoheit im Bildungswesen und dreigliedriges Schulsystem zunächst zwei verschiedene Dinge.

Viele Grüße

OT

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