Hai, Bell,
Hier irren Sie Sybille.
Huch - wieso werd ich denn plötzlich gesiezt?
Eine Gewohnheit aus anderen Foren … aber wenn Sie gerne geduzt werden möchetn …
Es gibt Wahrheit,
*giggel* schreib das mal ins Philosophie-Brett - Du wirst
staunen…
man kann nur nie
sicher sein, dass man die Wahrheit auch erkannt hat, in den
Händen hält. Der Unterschied mag marginal erscheinen, aber er
hat große Konsequenzen. Gäbe es keine Wahrheit, könnte man
sich ihr auch nicht annähern beispielsweise.
Nähert sich denn irgendwer der „Wahrheit“???
Ja, natürlich … es würden sonst keine Flugzeuge fliegen … Compis nicht funktionieren … lägen die Theorien fernab von der Wahrheit/Realität.
Alle
Gerichtsurteile müßte man im Nachhinein aufheben … denn es
gibt ja keine Wahrheit.
Nanana, keinen Obstsalat anrichten hier: das Rechtswesen hat
einen anderen „Wahrheits“-Begriff, als Religion.
Inwiefern ?
Auch Gerichte
befinden nicht über Wahrheit - nur darüber, ob Taten
nachgewiesen sind und ob sie gegen aktuell geltendes Gesetz
verstoßen…
Aber das genau ist es doch ‚der Nachweis der Tat‘ … Dass Herr A Frau B umgebracht habe … ist zunächst ja auch nur eine Theorie.
Jedes Gericht versucht doch den Tathergang nachzuvollziehen. Gibt es für diesen Tathergang Belege einerseits … andererseits keine Belege dafür díe dem Tathergang widersprechen … so wird die Theorie Herr A habe FRau B umgebracht als wahr angeséhen und Herr A verurteilt.
Auch diese Theorie ist natürlich nur eine vorläufige Wahrheit … es kann durch entsprechendes Alibi jederzeit die Unschuld des Herrn A nachgewiesen werden.
Verleugnet man die Wahrheit …
verleugnet man die Realität.
Ist Wahrheit eine Realität? Gibt es überhaupt irgendeine
Aussage, die zu jeder Zeit und an jedem Ort zutrifft, also die
Wahrheit ist?
Ja natürlich. Frau B wurde ermordet, das ist die traurige Realität, die zu jeder Zeit an jedem Ort zutrifft. Es gibt also einen Mörder.
Ob wir je erfahren wer der Mörder wirklich war, steht auf einem anderem Blatt Papier. Können wir aber eines Tages ausschließen, daß Herr A der Mörder war, hätten wir uns der Wahrheit wieder angenähert.
Oder ist die Wahrheit doch nur ein Konstrukt,
weil der menschliche Verstand mit der Unsicherheit, die mit
der Aussage „Es gibt keine Wahrheit“ verbunden ist, nicht klar
kommt?
Dann gäbe es ja keine Realität … keinen Tathergang. Dann könnte man sich nicht mal mehr einig werden ob Frau B nun lebt oder nicht.
Siehe oben … auch die Naturwissenschaften haben bezüglich
der Wahrheit den gleichen Absolutheitsanspruch : Es gibt die
Wahrheit.
Nöö, die meisten Wissenschaftler hoffen, daß da irgendwo eine
Wahrheit ist, manche glauben auch daran und ebenso hoffen sie
darauf und glauben daran, daß sie sich der Wahrheit nähern -
sobald aber ein Wissenschaftler sich dazu hinreißen lässt, zu
behaupten, daß Wahrheit existiert, postuliert er einen
Glauben…
Nein … Naturwissenschaftler wissen ja, dass Ihnen die Realität auf die gleiche Frage immer die gleiche Antwort liefert … ob diese Antwort denen nun ins Konzept (Theorie) passt oder nicht.
Die Welt war bereits vollständig erklärt (Newtonweltbild) … es gab nur eine Kleinigkeit, die nicht ins Weltbild passte … wie oft man auch das Licht befragte, mit welcher Geschwindigkeit es denn flöge … es kam immer die gleiche Antwort … mit Lichtgeschwindigkeit … dies aber passte nicht ins damalige Weltbild … dass Licht hätte nämlich, je nachdem von wem es kam … eine andere Geschwindigkeit haben müssen.
Will sagen : Es gibt eine Realität, die uns immer gleiche Antworten gibt … so verworren die auch erscheinen mögen. Diese Realität ist, wenn Sie wollen die Wahrheit, die zu erkennen Naturwissenschaftler bestrebt sind … gäbe es diese nicht (würden wir auf unsere Fragen imer andere Antworten erhalten) … könnten wir keine Weltbilder/Theorien bauen.
Das kann nicht sein … das darf nicht sein … damit hätte
ein jeder das Recht alles zu tun um … was er für richtig
hält, denn er wäre ja im Besitz der Wahrheit.
Nee, nee, genau das ist ja der Punkt, wo wir das Mittelalter
hinter uns gelassen haben (naja, versuchen, das Mittelalter
hinter uns zu lassen) - „die Wahrheit zu kennen“ gibt
niemanden das Recht, jemand anderen diese Wahrheit
aufzuzwingen - darum urteilen ja unsere Gerichte nach Gesetzen
und nicht nach Wahrheit.
Gerichte müßen einen Tathergang doch als wahr erkannt haben … hätte ein Gericht Zweifel an der Wahrheit/der Theorie des Tathergangs … dürfte es nicht verurteilen.
Und Wahrheit gehört schon ans Licht und ist nicht beliebig. Es steht beispielsweise unter Strafe den Holocaust zu leugnen.
Was für Verrücktheiten dabei rauskommen … ist (auch aus
diversen Kriegen) hinlänglich bekannt … es sei nur dran
erinnert, dass ein ganzes Volk die Aussage ‚Juden seien
Untermenschen‘ für wahr hielt.
„„die Wahrheit zu kennen“ gibt niemanden das Recht…“
Wahrheit ist eine ganz persönliche Glaubensangelegenheit und
das kann und darf nicht auf andere übertragen werden -
andererseits kann sich aber kein Mensch von seinem
persönlichen Wahrheitsbegriff vollständig lösen, darum ist es
ja so schwer, gerechte Gesetze zu machen, darum werden sie
geändert, darum postulieren Gesetze keine Wahrheiten, sondern
Spielregeln des Zusammenlebens.´
Juristische Gesetze haben ja nun auch nichts mit Wahrheit zu tun … sie definieren, wie Sie ja selber sagen, die Regeln des Zusammenlebens. Wenn überhaupt haben sie etwas mit Gerechtigkeit zu tun …das aber ist doch ein völlig anderer Begriff.
Wenn wir aber einen Weg haben Unwahrheit zu erkennen … und
den haben wir seit der Philosoph Popper den kritischen
Rationalismus formulierte, können wir natürlich, auch über die
Naturwissenschaften hinaus, vorläufig Wahres von Unwahrem
trennen.
(Hervorhebung durch mich)
Vorläufig Wahres - „die Wahrheit“ impliziert aber den
Anspruch, überall und zu allen Zeiten gleich wahr zu sein…
Ja, sicher … das Blöde ist eben nur : wir können nie sicher sein die Wahrheit zu kennen. Von daher müßen wir jede Theorie und zwar selbst dann, wenn diese Theorie mit der Wirklichkeit übereinstimmte, als vorläufige Wahrheit betrachten.
Auch der kritische Rationalismus kann doch, so verstanden, nur
ein Weg sein, den eigenen Glauben, die eigene Wahrheit mit
einem logischen Konstrukt zu untermauern.
Nein … es geht nicht darum Theorien zu beweisen, sondern darum Theorien zu widerlegen … darin liegt der Weg des kritischen Rationalismus, der Annäherung an die Wahrheit (an die Realität) bzw. ein Weltbild mit der Welt in Einklang zu bringen.
Ist ein Mensch der
Meinung, er könne mit kritischem Rationalismus die Wahrheit
finden, dann glaubt er -
Wieso das denn ? … es ist in diesem Falle eine Frage der Logik … nicht des Glaubens.
glaubt er nicht, dann liegt die
Betonung auf dem „vorläufig“, er wird eher von richtig und
falsch sprechen und den Wahrheitsbegriff möglichst vermeiden.
Und da kann ich überhaupt nicht sehen, sofern muß ich
Hicham Bekouri teilweise Recht geben, dass man Religionen
davon ausnimmt.
Was ja an sich richtig ist - auch der kritische Rationalismus
bietet kein taugliches Werkzeug, um über die Wahrheit zu
befinden.
Die Wahrheit nicht … aber die Unwahrheit kann doch heraus gefunden werden. Weiß man aber was unwahr ist … ist man der Wahrheit doch näher als vorher.
Wissenschaft und Religion stehen nebeneinander
Religion hat doch in Ihrem Ursprung doch aber die Funktion, den Menschen ein Bild von der Welt zu vermitteln.
Keine andere Aufgabe hat die Wissenschaft.
- die
Wissenschaft bietet keine Instrumente, um Begriffe des
Glaubens zu beurteilen,
Sobald eine Religion Aussagen über die Wirklichkeit macht, bietet Wissenschaft doch aber sehr wohl die Möglichkeit diese Aussagen zu überprüfen und ggf. zu falsifizieren.
die Religion bietet keine Instrumente,
die Begriffe der Wissenschaft zu beurteilen und da Wahrheit
den Anspruch der Zeit- und Orts-unabhängigkeit hat, ist es ein
Glaubens-Begriff, der mit wissenschaftlichen Aussagen, die ja
immer die Einschränkung des „es ist hier und jetzt so“ haben,
nicht fassbar ist.
Seit wann haben die denn so eine Einschränkung? ‚Frau B wurde geboren‘ ist eine Aussage, die auch in 100.000 Jahren noch gültig ist.
Man glaubt ja nicht nur an Gott … zu einem Glauben, einer
Religion gehören viele ganz konkrete und nachprüfbare Angaben
über die Wirklichkeit dazu. Nach jüdischen Kalender schreiben
wir beispielsweise heuer das Jahr 5768 … weil im Jahre 0
Gott die Welt erschuf … Christen und Muslime glauben das
Gleiche.
Dazu hat sich Harald schon geäußert. Man kann nur Beweisen,
daß bestimmte Behauptungen falsch sind - damit kann man aber
weder einen Glauben, noch Gott widerlegen…
Das die Welt 5765 Jahre alt ist, ist sehr wohl widerlegbar …m.A. damit auch die Grundlage aller drei Religionen (Judentum,Christentum, Islam)
So gibt es unglaublich viele Fakten die im völligen
Widerspruch zu den Religionen stehen. Sieht man mal vom lieben
Gott ab, ist doch damit der eigentliche Religionsinhalt aber
eindeutig falsifiziert worden … denn was bleibt von einer
Religion schon noch übrig … striche man eiligst all die
Aussagen heraus, die im eklatanten Widerspruch zur
Wirklichkeit stehen.
Es bleibt ganz offensichtlich genug übrig, um weiter zu
glauben. Denn die zentralen Aussagen der Religionen sind weder
beweis- noch widerlegbar…
Was sind denn die zentralen Aussagen ?
Das es einen Gott gibt ? … worin unterscheiden sich dann die Religionen noch voneinander ?
Reduziert man aber Gott auf ein Wesen … welches den Urknall
bewirkte und alles so wunderbar berechnete, dass auf einem
Staubkörnchen 13 Milliarden Jahre später der Mensch
schließlich aus dem Affen enstand … was bleibt dann von der
Religion … vom Gott des alten Testaments noch übrig ? Nichts
… denn der war ein sehr persönlicher, ein sehr
menschenzugewandter Gott … der dauernd zu den Menschen
sprach.
Kannst Du beweisen, daß der Urknall, das Universum und der
ganze Rest nicht ausschließlich von Gott dazu geschaffen
wurden, damit der Mensch hier auf dem Staubkörnchen
rumlatschen kann? Kannst Du beweisen, daß niemals irgendein
Gott persönlich mit irgendeinem Menschen gesprochen hat? Ich
nicht.
Warum Gott so ein riesiges Universum erschaffen haben soll, um
in irgendeiner „gottverlassenen“ *SCNR* Ecke eine
verschwindend kleine Menge Zweibeiner anzusiedeln und dann
auch noch mit einer Handvoll dieser Wesen in direkte
Konversation zu treten, weiß ich nicht - das ist eine Frage,
die Gläubige mit sich, ihrem Gott und ihrem Glauben alleine
klären müssen…
All das ist möglich und vielleicht auch nicht widerkegbar.
Das Gott aber die Erde vor exact 5765 Jahren erschaffen haben soll … das ist wiederlegbar.
Steht irgendwas davon in der Bibel das Gott vor 13 Milliarden Jahren den Urkanll machte ? … Nein, es geht aus ihr hervor, dass er vor 5765 Jahren die Welt erschuf und Adam und Eva hineinsetzte.
Dass im Gegensatz zu den Juden die Christen Ihren Gott (bzw. die Bibel) vorsichtshalber leugnen … in dem sie erklären, dass sei in der Bibel alles gar nicht so gemeint, wie es da geschrieben steht … in Wirklichkeit habe der liebe Gott den Urknall gemacht … zeugt nicht unbedingt von der Glaubenstiefe des Christentums