Was genau ist ein Credit Default Swap?

Hallo,

man hört in letzter Zeit so viel über CDS und Spreads und so weiter… aber die Begriffe werden dann nie erläutert oder hinterfragt, als ob jeder die Begriffe kennen muss.

Bei CDS weiß ich nun schon, dass sie ähnlich wie eine Kreditausfall Versicherung funktionieren, allerdings habe ich nicht so ganz verstehen können, in wie fern man damit Spekuliert, bzw. weshalb man Kreditausfälle versichern sollte. Geschweige denn, wie man damit handelt?

Neulich sagt unsere Kanzlerin ganz angeberisch in die Kamera „…der Spread hat das deutlich gemacht…“ wobei ich wette, dass sie den Terminus „Spread“ auch nur in der vorangehenden Konferenz aufgeschnappt hat. Was genau ist das? Ich kenne Spreadbetting, bin mir aber nicht ganz sicher, ob ich von da direkt auf die Definition des Spreads schließen kann.

Danke schonmal.

Guten morgen,

man hört in letzter Zeit so viel über CDS und Spreads und so
weiter… aber die Begriffe werden dann nie erläutert oder
hinterfragt, als ob jeder die Begriffe kennen muss.

ein Swap ist einer der drei Typen von Derivaten, die ich hier gerade erklärt habe:
/t/derivate-bildlich-formuliert-stimmt-das-so/5867392/2

Das ganze ist hier recht gut und verständlich erklärt:
http://de.wikipedia.org/wiki/Credit_Default_Swap

Solltest Du danach noch Fragen haben, nur raus damit.

Neulich sagt unsere Kanzlerin ganz angeberisch in die Kamera
„…der Spread hat das deutlich gemacht…“ wobei ich wette,
dass sie den Terminus „Spread“ auch nur in der vorangehenden
Konferenz aufgeschnappt hat. Was genau ist das?

Unter Spread versteht man normalerweise den Renditeaufschlag eines Papiers auf ein Referenzprodukt. Bei Staatsanleihen sind deutsche Staatsanleihen in der Regel das Referenzprodukt; der Spread wird in Basispunkten ausgedrückt, also in hundertstel Prozentpunkten.

Gruß
Christian

Hi
Wikipedia hilft schon mal.
http://de.wikipedia.org/wiki/Credit_Default_Swap

Spread: damit ist der Aufschlag auf bestimmt Sätze gemeint.
Z.B.: Darlehensaufnahme variabel - Referenzzinsatz der EURIBOR - dann ist der Spread der Aufschlag, den der Kreditnehmer auf den EURIBOR zahlen muss (je „besser“ der Schuldner, desto geringer)

Gruß
HaWeThie

Hallo,

Bei CDS weiß ich nun schon, dass sie ähnlich wie eine
Kreditausfall Versicherung funktionieren, allerdings habe ich
nicht so ganz verstehen können, in wie fern man damit
Spekuliert, bzw. weshalb man Kreditausfälle versichern sollte.
Geschweige denn, wie man damit handelt?

Hier schonmal geguckt?
http://de.wikipedia.org/wiki/Credit_Default_Swap

Neulich sagt unsere Kanzlerin ganz angeberisch in die Kamera
„…der Spread hat das deutlich gemacht…“ wobei ich wette,
dass sie den Terminus „Spread“ auch nur in der vorangehenden
Konferenz aufgeschnappt hat. Was genau ist das? Ich kenne
Spreadbetting, bin mir aber nicht ganz sicher, ob ich von da
direkt auf die Definition des Spreads schließen kann.

Der Spread ist in diesem Fall, einfach ausgedrückt, die Differenz zwischen zwei Zinssätzen. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird hiermit der Renditeunterschied zwischen einer als sicher geltenden Anleihe (z.B. deutsche Staatsanleihe) und einer riskanteren, also z.B. aus Griechenland.

Beispiel:

Hier eine deutsche Staatsanleihe mit Lauftzeitende Sommer 2013:
http://anleihen.onvista.de/snapshot.html?ID_INSTRUME…
Rendite: 0,63% p.a.

Und hier eine griechische Anleihe mit Restlaufzeit bis Sommer 2013:
http://anleihen.onvista.de/snapshot.html?ID_INSTRUME…
Rendite: 12,78% !

Spread: 12,78 - 0,63 = 12,15%

Wenn man sich anschaut, wie die Kurse griechischer Anleihen in den letzten Wochen gefallen (=Rendite gestiegen) und gleichzeiig die deutscher Anleihen gestiegen (=Rendite gefallen) sind, dann kann man wohl der Kanzlerin schon zutrauen, dass sie als studierte Physikerin diesen sehr einfachen Zusammenhang erfassen kann.
Dass sie im Rahmen einer Pressekonferenz kein Grundlagenseminar zum Thema „Bewertung von Renten“ abhält, halte ich für verzeihbar.

Gruß Money-Schorsch

P.S.: Wer Rechtschreibfehler findet, kann sie behalten.

Der Beitrag zu den Derivaten, ist dir gut gelungen. Wahrscheinlich wurde das schon irgendwo hier im Forum behandelt, aber wie kann man dann gegen ganze Länder Spekulieren? Schließe ich dann eine „Versicherung“ gegen Kreditausfälle ab? Wenn ja, wieso sollte ein Sicherungsgeber so etwas hoch riskantes Versichern? Denn bei jeder Wette gibt es eine Gewinner wie Verlierer Seite. (50% Gewinner, 50% Verlierer)

Danke für die Antworten

Der Beitrag zu den Derivaten, ist dir gut gelungen.
Wahrscheinlich wurde das schon irgendwo hier im Forum
behandelt, aber wie kann man dann gegen ganze Länder
Spekulieren?

Daß es Spekulationen gibt, ist eine Spekulation. Der Wirkungskreis ist - ohne Spekulation - der folgende gewesen: die Inhaber von griechischen Anleihen bekamen Sorge um die Sicherheit ihrer Investition und CDS gekauft. Dadurch stiegen die Preise dafür. Gleichzeitig haben auch Anleger ihre Anleihen verkauft, was zu fallenden Preisen und damit zu steigenden Renditen geführt hat.

Bei der nächsten Emission mußte Griechenland entsprechende Zinssätze/Renditen bieten, um die neuen Anleihen unter die Anleger zu bringen (schließlich konnten die Anleger Anleihen ja auch am Markt kaufen, wo sie die ansonsten höheren Renditen hätten bekommen können).

Der Vorwurf der Spekulation setzt nun bei den CDS an. Angeblich hätten Spekulanten bewußt CDS gekauft, UM die Preise hochzutreiben und damit Griechenland zu zwingen, höhere Zinsen zu zahlen/Renditen zu bieten.

Erstens kann das aber niemand nachweisen und zweitens muß der Markt derartigen Bewegungen folgen, damit das funktioniert. Derartige Spekulationen führen letztlich nur dazu, daß der richtige Preis eher erreicht wird. Wenn der Markt hingegen Griechenland weiterhin für einen guten Schuldner gehalten hätte, hätten die Marktteilnehmer die höheren Preise genutzt, um CDS zu verkaufen, um so einen Gewinn zu machen. Das ist offfensichtlich nicht passiert, also herrschte im Markt schon die latente Einschätzung vor, daß es um die Bonität Griechenlands nicht zum besten gestellt ist. Daß dem so ist, pfiffen die Spatzen schon vor über einem Jahr von den Dächern.

Durch das Sicherungspaket, das die EU auf den Weg gebracht hat, hat man tatsächlich die Spekulation nur beflügelt. Nun kann man nämlich die hoch rentierenden Anleihen Griechenlands kaufen und darauf spekulieren, daß die EU und IWF das Land im Notfall schon raushauen werden.

Schließe ich dann eine „Versicherung“ gegen
Kreditausfälle ab? Wenn ja, wieso sollte ein Sicherungsgeber
so etwas hoch riskantes Versichern? Denn bei jeder Wette gibt
es eine Gewinner wie Verlierer Seite. (50% Gewinner, 50%
Verlierer)

Nun, das ist eine Frage der Einschätzung. Anscheinend waren noch Marktteilnehmer zu den erhöhten Preisen bereit, Kreditabsicherungen zu verkaufen. Wenn man so will, waren das dann auch Spekulanten, die auf Rettungsmaßnahmen spekulierten oder auf ein Wunder oder darauf, daß schon kein A-Land zahlungsunfähig werden würde.

Gruß
Christian

Hallo,

vielleicht sollte man zu dem ganzen Heckmeck um die griechischen Anleihen noch ergänzen, dass die Kurse angeblich mit zum Teil sehr niedrigen Umsätzen gebildet wurden.
Ich kann das nicht selbst nachprüfen, weil ich keinen Zugang zu den entsprechenden Daten habe.

Es würde aber zu den heftigen Kursausschlägen passen, die erfahrungsgemäß in weniger liquiden Märkten deutlich leichter zu Stande konmmen.
Man erinnere sich an den Kurs der VW Aktie vor einiger Zeit… .

Dann würde sich das mit „Angriff der Spekulanten“ auf Griechenland auch sehr relativieren.

Ich habe den Eindruck, dass es sich hierbei eher um einen Angriff der Journalisten und der Politik auf unsere Nerven handelt. Aber ich schweife ab…

Schönen Vadderdach wünscht der Money-Schorsch.

Die Tatsache, dass die Spekulation nicht bewiesen werden kann, bedeutet nicht zwangsläufig, dass es keine gab. Die Frage ist, hat jeder, der CDS gekauft hat, auch Papiere im Depot ?

Und was ist mit den puren Leerverkäufern ?

Ganz toll finde ich immer diese Marktgläubigkeit. Der Markt hat immer den richtigen Preis. Es gibt keine Verzerrungen durch ungleiche Informationen, Manipulationen , Panik oder sonstige psychologischen Faktoren. Ich schmeiß mich weg.

Grüße

Eric

Die Tatsache, dass die Spekulation nicht bewiesen werden kann,
bedeutet nicht zwangsläufig, dass es keine gab. Die Frage ist,
hat jeder, der CDS gekauft hat, auch Papiere im Depot ?

Weiß ich nicht. Weißt Du es?

Und was ist mit den puren Leerverkäufern ?

Gab es die bei griechischen Staatsanleihen?

Ganz toll finde ich immer diese Marktgläubigkeit. Der Markt
hat immer den richtigen Preis. Es gibt keine Verzerrungen
durch ungleiche Informationen, Manipulationen , Panik oder
sonstige psychologischen Faktoren. Ich schmeiß mich weg.

Viel Spaß dabei. Du wirst verstehen, daß ich Dich dabei nicht mit Informationen oder Erklärungen langweilen will.

Hallo Christian,

2 Fragen hätte ich noch. Renomierte deutsche Banken bekommen z.B. gute Zinsen für ihre Gr.Anleihen (weil hohes Risiko). Jetzt kommt das Rettungspaket, u.A. auch aus Angst vor der Pleite dieser Banken.

a) ist das nicht die eigentliche Marktverzerrung (anstelle der diffus bleibenden Spekulaten, gegen die sich die Politiker pauschal wenden). Wird hier nicht ein großteil des Rahms legal abgeschöpft?

b) wie sollte oder kann in einer idealen Marktwirtschaft die „formbare“ Politik überhaupt kalkulierbar bleiben? Oder anders herum, wie kann man verhindern, dass explizit auf „Risikoverzerrung durch Politik“ spekuliert wird? Meines Erachtens ist ein Kernpunkt von Finanzgeschäften doch gerade genau diese Abschätzung der zugehörigen Risiken, oder liege ich da falsch?

Gruß
achim

Risiken als solche
Hallo Achim,

2 Fragen hätte ich noch. Renomierte deutsche Banken bekommen
z.B. gute Zinsen für ihre Gr.Anleihen (weil hohes Risiko).
Jetzt kommt das Rettungspaket, u.A. auch aus Angst vor der
Pleite dieser Banken.

a) ist das nicht die eigentliche Marktverzerrung (anstelle der
diffus bleibenden Spekulaten, gegen die sich die Politiker
pauschal wenden). Wird hier nicht ein großteil des Rahms legal
abgeschöpft?

generell werden die Anleihegläubiger geschützt. Daß darunter auch deutsche Kreditinstitute sind, liegt in der Natur der Sache, aber ein sehr großer Teil der Anleihen liegt bei griechischen Kreditinstituten. Ein Ziel der Veranstaltung war immer, das griechische Bankensystem zu stabilisieren. Neben dem eigentlichen Paket dienten diesem Zweck auch diverse Maßnahmen der EZB (u.a. die Lockerung der Ankaufsbedingungen für Anleihen).

Ein Mißverständnis will ich auch gleich noch aufklären: hohe Zinsen werden nur auf die jüngst begebenen Anleihen gezahlt. Wer vor den Turbulenzen griechische Anleihen kaufte, bekam und bekommt nur die früher gezahlten, deutlich niedrigeren Zinsen. Die in den Medien genannten hohen Renditen ergaben sich nur aus zuletzt niedrigen Kursen der Anleihen (immer unter der Annahme, daß diese zu 100% zurückgezahlt werden).

Allerdings profitieren die Inhaber der Papiere auch vom Paket, wenn sich die Kurse stabilisieren sollten: sie müssen die Verluste nicht in ihren Gewinn- und Verlustrechnungen verarbeiten. Allerdings gibt es auch andere Möglichkeiten, dies zu vermeiden (bspw. Umbuchung in den Anlagebestand).

b) wie sollte oder kann in einer idealen Marktwirtschaft die
„formbare“ Politik überhaupt kalkulierbar bleiben? Oder anders
herum, wie kann man verhindern, dass explizit auf
„Risikoverzerrung durch Politik“ spekuliert wird? Meines
Erachtens ist ein Kernpunkt von Finanzgeschäften doch gerade
genau diese Abschätzung der zugehörigen Risiken, oder liege
ich da falsch?

Auslöser der Krise waren letzten Endes Marktverzerrungen: einerseits die implizite Staatsgarantie für große Kreditinstitute, die zumindest in den USA seit gut 30 Jahren existiert, andererseits die massenweise und billig unter die Kreditinstitute gebrachte Liquidät der FED.

Erst dadurch gab es überhaupt die Kredite, die verbrieft wurden und erst dadurch wurden die anschließend aufgelegten Transaktionen überhaupt erst rentabel. Verbriefung heißt ja auch, daß an den von den eigentlichen Kreditnehmern gezahlten Zinsen noch mehr Parteien mitverdienten (Vermittler, Arrangeure, Anwälte usw.). Da hätte nicht funktioniert, wenn das Geld nicht so schweinebillig gewesen wäre.

Insofern ist es auch ein Witz, wenn die Politik schreit, daß die Märkte und der Kapitalismus versagt hätten. Das Gegenteil ist der Fall: nur durch die politisch gewollten Marktverzerrungen war es überhaupt möglich, daß es so weit kommen konnte.

Nun setzt sich das Spiel fort: AIG, Freddie Mac & Konsorten droht die Insolvenz, also greift man ein. IK,; WestLB, HRE droht die Insolvenz, also greift man ein. Die KI leihen sich untereinander kein Geld mehr, also greift man ein. Die Märkte entziehen Griechenland das Vertrauen, also greift man ein.

Gleichzeitig macht man die Märkte für die Geschehnisse verantwortlich. Anstatt den Märkten mal ihren Lauf, schwache Akteure vom Markt verschwinden und die Luft aus dem System zu lassen, bläst man es um der vermeintlichen Stabilität Willen immer weiter auf. Genauer: die früheren Fehler werden nicht korrigiert, sondern sie werden wieder und wieder gemacht. Es wird noch mehr noch billigeres Geld in das System gepumpt und aus der impliziten Staatsgarantie wird eine explizite.

Meines
Erachtens ist ein Kernpunkt von Finanzgeschäften doch gerade
genau diese Abschätzung der zugehörigen Risiken, oder liege
ich da falsch?

Ganz und gar nicht. Anstatt daß die Markteilnehmer die Geschäfte mit ihren tatsächlichen Risiken bewerten (müssen), gibt die Politik das Risiko vor: egal wie riskant Euer Geschäft ist, Euer Risiko liegt bei null.

Wer würde da nicht auch zocken?

Gruß
Christian

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