Risiken als solche
Hallo Achim,
2 Fragen hätte ich noch. Renomierte deutsche Banken bekommen
z.B. gute Zinsen für ihre Gr.Anleihen (weil hohes Risiko).
Jetzt kommt das Rettungspaket, u.A. auch aus Angst vor der
Pleite dieser Banken.
a) ist das nicht die eigentliche Marktverzerrung (anstelle der
diffus bleibenden Spekulaten, gegen die sich die Politiker
pauschal wenden). Wird hier nicht ein großteil des Rahms legal
abgeschöpft?
generell werden die Anleihegläubiger geschützt. Daß darunter auch deutsche Kreditinstitute sind, liegt in der Natur der Sache, aber ein sehr großer Teil der Anleihen liegt bei griechischen Kreditinstituten. Ein Ziel der Veranstaltung war immer, das griechische Bankensystem zu stabilisieren. Neben dem eigentlichen Paket dienten diesem Zweck auch diverse Maßnahmen der EZB (u.a. die Lockerung der Ankaufsbedingungen für Anleihen).
Ein Mißverständnis will ich auch gleich noch aufklären: hohe Zinsen werden nur auf die jüngst begebenen Anleihen gezahlt. Wer vor den Turbulenzen griechische Anleihen kaufte, bekam und bekommt nur die früher gezahlten, deutlich niedrigeren Zinsen. Die in den Medien genannten hohen Renditen ergaben sich nur aus zuletzt niedrigen Kursen der Anleihen (immer unter der Annahme, daß diese zu 100% zurückgezahlt werden).
Allerdings profitieren die Inhaber der Papiere auch vom Paket, wenn sich die Kurse stabilisieren sollten: sie müssen die Verluste nicht in ihren Gewinn- und Verlustrechnungen verarbeiten. Allerdings gibt es auch andere Möglichkeiten, dies zu vermeiden (bspw. Umbuchung in den Anlagebestand).
b) wie sollte oder kann in einer idealen Marktwirtschaft die
„formbare“ Politik überhaupt kalkulierbar bleiben? Oder anders
herum, wie kann man verhindern, dass explizit auf
„Risikoverzerrung durch Politik“ spekuliert wird? Meines
Erachtens ist ein Kernpunkt von Finanzgeschäften doch gerade
genau diese Abschätzung der zugehörigen Risiken, oder liege
ich da falsch?
Auslöser der Krise waren letzten Endes Marktverzerrungen: einerseits die implizite Staatsgarantie für große Kreditinstitute, die zumindest in den USA seit gut 30 Jahren existiert, andererseits die massenweise und billig unter die Kreditinstitute gebrachte Liquidät der FED.
Erst dadurch gab es überhaupt die Kredite, die verbrieft wurden und erst dadurch wurden die anschließend aufgelegten Transaktionen überhaupt erst rentabel. Verbriefung heißt ja auch, daß an den von den eigentlichen Kreditnehmern gezahlten Zinsen noch mehr Parteien mitverdienten (Vermittler, Arrangeure, Anwälte usw.). Da hätte nicht funktioniert, wenn das Geld nicht so schweinebillig gewesen wäre.
Insofern ist es auch ein Witz, wenn die Politik schreit, daß die Märkte und der Kapitalismus versagt hätten. Das Gegenteil ist der Fall: nur durch die politisch gewollten Marktverzerrungen war es überhaupt möglich, daß es so weit kommen konnte.
Nun setzt sich das Spiel fort: AIG, Freddie Mac & Konsorten droht die Insolvenz, also greift man ein. IK,; WestLB, HRE droht die Insolvenz, also greift man ein. Die KI leihen sich untereinander kein Geld mehr, also greift man ein. Die Märkte entziehen Griechenland das Vertrauen, also greift man ein.
Gleichzeitig macht man die Märkte für die Geschehnisse verantwortlich. Anstatt den Märkten mal ihren Lauf, schwache Akteure vom Markt verschwinden und die Luft aus dem System zu lassen, bläst man es um der vermeintlichen Stabilität Willen immer weiter auf. Genauer: die früheren Fehler werden nicht korrigiert, sondern sie werden wieder und wieder gemacht. Es wird noch mehr noch billigeres Geld in das System gepumpt und aus der impliziten Staatsgarantie wird eine explizite.
Meines
Erachtens ist ein Kernpunkt von Finanzgeschäften doch gerade
genau diese Abschätzung der zugehörigen Risiken, oder liege
ich da falsch?
Ganz und gar nicht. Anstatt daß die Markteilnehmer die Geschäfte mit ihren tatsächlichen Risiken bewerten (müssen), gibt die Politik das Risiko vor: egal wie riskant Euer Geschäft ist, Euer Risiko liegt bei null.
Wer würde da nicht auch zocken?
Gruß
Christian