Was ist Antisemitismus bzw. Rassismus?

hallo

Aber dies entspricht sehr
stark dem kritischen Abgrenzungsprofil aller möglichen
religiösen Neuentwicklungen einschließlich der katholischen
Kirche, deren Ziel es ist, die Unzulänglichkeiten archaischer
Glaubensrichtungen zu überwinden und die Menschen zur Erlösung
zu führen.

habe ich das richtig verstanden: die katholische kirche als überwinderin der jüdischen archaischen glaubensrichtung? das reformjudentum könnte ich diesem satz ja noch verstehen, aber ausgerechnit die katholische kirche?

In allen judenkritischen kulturellen
Umfeldern wird eine solche Auseinandersetzung irgendwie
geführt,

was sind „judenkritische kulturelle umfelder“? was geht es andere an, wie andere religionen sich definieren?! wie gesagt, es gibt innerjüdische kritik an der „archaischen lebensform“, sprich orthodoxie, aber was soll „judenkritisch“ denn sein? wer kritisiert hier?

grüße
lehitraot.

nachfragen

hallo

Aber dies entspricht sehr
stark dem kritischen Abgrenzungsprofil aller möglichen
religiösen Neuentwicklungen einschließlich der katholischen
Kirche, deren Ziel es ist, die Unzulänglichkeiten archaischer
Glaubensrichtungen zu überwinden und die Menschen zur Erlösung
zu führen.

habe ich das richtig verstanden: die katholische kirche als
überwinderin der jüdischen archaischen glaubensrichtung? das
reformjudentum könnte ich diesem satz ja noch verstehen, aber
ausgerechnit die katholische kirche?

Man kann große Zweifel darüber anbringen, wie weit dies gelungen ist und wie tauglich die heutige Kirchenpraxis hierzu ist. Aber es war ja gerade die Entstehungsgeschichte des Christentums, sich über viele alte Gewohnheiten hinwegzusetzen und in vieler Hinsicht etwas praktischer und verantwortungsvoller zu denken als in den zuvor üblichen oft sehr engen Bahnen, was viele auf verständliche Weise frustriert und enttäuscht hat.

In allen judenkritischen kulturellen
Umfeldern wird eine solche Auseinandersetzung irgendwie
geführt,

was sind „judenkritische kulturelle umfelder“? was geht es
andere an, wie andere religionen sich definieren?! wie gesagt,
es gibt innerjüdische kritik an der „archaischen lebensform“,
sprich orthodoxie, aber was soll „judenkritisch“ denn sein?
wer kritisiert hier?

Dies ist überall, wo die Unterschiede eine gewisse Rolle spielen, auch dort, wo man relativ friedlich zusammenlebt, ohne dass es größere Spannungen gibt. Es geht jeden etwas an, wie sich Religionen definieren, jedenfalls alle verantwortungsvolle Menschen. Dies gilt auch gegenüber dem Judentum, das nicht eine kleine isolierte Splittergruppe darstellt, sondern einen bedeutenden Faktor für die soziale Entwicklung der Welt mit auch allen möglichen bedeutsamen Wechselwirkungen mit dem sonstigen Umfeld. Eine Diskretisierung könnte hier nur sehr künstlich erfolgen. Soweit sich Religionen strikt auf die Bibel beziehen wie etwa auf das alte Testament ohne nennenwerte Weiterentwicklung, muss man immer den Vorwurf eines gewissen sorglosen Umgangs mit neueren sozialen Entwicklungen machen, was genauso auch viele christliche Tendenzen betrifft. Kritisieren kann hier jeder, der sich dazu berufen fühlt oder es für angemessen hält, wobei natürlich sehr unterschiedliches mehr oder weniger nützliches herauskommen kann, besonders dann, wenn die Thematik sehr komplex ist.

Grüße
Gerald

hallo

Man kann große Zweifel darüber anbringen, wie weit dies
gelungen ist und wie tauglich die heutige Kirchenpraxis hierzu
ist.

okay dazu sage ich besser nichts, sondern artet das in einer antikatholischen tirade aus. das wollen wir nicht hier!

Es geht jeden etwas an,
wie sich Religionen definieren, jedenfalls alle
verantwortungsvolle Menschen.

da bin ich eben anderer meinung. jeder soll seine religion ausüben, die er will, solange er keinen anderen damit schädigt. das ist der grundsatz der religionsfreiheit. dabei ist es sicher interessant, wie ein buddhist buddhismus definiert, aber es steht mir nicht zu, das irgendwie zu kritisieren.

Soweit sich Religionen strikt auf die Bibel beziehen wie etwa
auf das alte Testament ohne nennenwerte Weiterentwicklung,
muss man immer den Vorwurf eines gewissen sorglosen Umgangs
mit neueren sozialen Entwicklungen machen, was genauso auch
viele christliche Tendenzen betrifft.

mir sind nur kleine sekten bekannt, die sich ausschließlich auf das „alte testament“ (hier ist schon eine christliche wertung vollzogen) beziehen. das klassische judentum bezieht sich auf weit mehr als die hebräischen schriften.

Kritisieren kann hier
jeder, der sich dazu berufen fühlt oder es für angemessen
hält, wobei natürlich sehr unterschiedliches mehr oder weniger
nützliches herauskommen kann, besonders dann, wenn die
Thematik sehr komplex ist.

kritik am judentum ist schon disqualifiziert, wenn sie mit begriffen wie „altes testament“ jongliert.

grüße
lehitraot.

Hallo Michael,

„Der Antisemitismus ist aus unseren Köpfen nicht wegzudenken.
Wohl nicht zu Unrecht ist er als Grundkonstante zivilisierter
Gesellschaften beschrieben worden.“

Hm… alle Gesellschaften, die Zivilisiert sind, sind
antisemitisch…
AUA.

alle nicht, aber viele! Es gibt ja das merkwürdige Phänomen, daß es Judenfeindschaft in Regionen gibt, in denen niemals Juden gelebt haben.

(Scherzfrage: ist die Israelische Gesellschaft zivilisiert???

-))))

schlechter Scherz

„Dieser Wahrnehmungsmodus eines diffusen Antisemitismus ist
kaum zu vermitteln, denn nicht nur den anderen, sondern auch
einem selbst erscheint er oft als unbegründet.“

Ah ja… Irgendwie beisst sich da was. Ich nehme etwas wahr,
welches als Antisemitismus interpretiert wird, obwohl es bei
längeren oder kürzerem Betrachten als unbegründet erscheint.
das bedeutet: es ist eine Gefühlsentscheidung, verursacht
durch die Projektion eigener Gedanken und Ängste!
Das heisst: Eine an sich harmolse Aussage wird plötzlich in
den Augen eines Kommunikationspartners latent antisemitisch.

Ich finde nicht, daß sich da etwas beißt.
Jemand nimmt erst einmal auf einer diffusen aber wirklich nur ERST EINMAL Befremdliches wahr und geht den dahinter liegenden Mustern nach und kommt dann zu dem Schluß, daß ein antisemitisches Stereotyp vorliegt oder nicht.
Am Anfang weißt Du eben noch nicht, ob es begründet oder unbegründet ist.

Ein konkretes Beispiel:
Bei einem Stadtrundgang in Berlin-Mitte fragt ein Ehepaar Anfang 60 beim Anblick der zahlreichen renovierten Häuser:
„Was gehört denn hier alles den Juden - wieviel Prozent von den Häusern?“

Ich merke erst einmal, daß mir bei dieser Art der Fragestellung hochgradig unwohl ist und auch der Tonfall, in dem die Frage gestellt wird gefällt mir ganz und gar nicht.
Außerdem habe ich noch nie erlebt, daß jemals gefragt würde, wieviel hier denn Katholiken, Protestanten, Italienern oder was auch immer für Gruppen gehört. Ich vermute also, es könnte hinter dieser Äußerung „diffuser Antisemitismus“ weiß es aber noch nicht sicher.

Ein paar Minuten später kommt vom gleichen Ehepaar dann Folgendes:
„Da hat man nach dem Krieg gedacht, jetzt ist endlich mit den Juden Schluß. Aber da sind sie alle wieder aus ihren Löchern gekrochen. Schauen Sie sich doch mal um in Berlin: Gehört alles wieder dem Juden“.

Hat mich mein Unbehagen nun getrogen oder nicht?

Das führt dann in der weiteren Kommunikation zu einer sich
verstärkenden Spirale des Mißverstehens. Aus eigenen Gefühlen
wird auf real existierende Meinungen (bewusst oder unbewusst)
des anderen geschlossen. Das ist wirklich ein Thema für´s
Esoterikbrett.

Nein! Ich fand die Äußerungen besagten Ehepaares nun überhaupt nicht eine sich verstärkende Spirale des Mißverstehens.

Das Hauptproblem für mich liegt in folgendem Absatz:
„Ist ein antisemitischer Prozess erst einmal in Gang gekommen,
wird bald relativ gleichgültig, wer sich wann zu Wort meldet,
wer wen kritisiert, korrigiert, ob das Gesagte wirklich
gemeint oder scheinbar zurückgenommen wird. Im Sinne der
„Gleichschaltung“ entstehen antisemitische Stimmungen, die,
sind sie einmal losgetreten, kaum noch zu bändigen sind.
Antisemitismus steckt an.“

Grünberg hat es doch sehr anschaulich an der Möllemann-Karsli-Debatte bzw. Walser illustriert. Die Dynamik war doch sehr deutlich.

das bedeutet schlicht und ergreifend: Egal was man gegen eine
Aufkommende Antisemitische (oder andere Antihaltung)
unternimmt, es ist Zwecklos.

Nein! Aber ich denke, daß noch nicht genügend über die Dynamiken des Verfertigens von Antisemitismus nachgedacht wurde und wir folglich erst am Anfang sind, Gegenstrategien zu entwickeln.

Übrigens hat Welzer in seinen Forschungsarbeiten über die intergenerationalle Weitergabe in Familien über das Thema Nationalsozialismus ganz ähnliche Verfertigungsmechanismen beschrieben.

Gehe ich dagegen an, heize ich die Diskussion an usw usw
Schweige ich, werde ich mitschuldig.

So wie Du es beschreibst, klingt es wie ein double-bind:
Wie man es macht, ist es falsch.

Da diese Dynamiken aber sehr komplex sind, müssen die Gegenstrategien eben diese Komplexität miteinbeziehen.

Imho ist diese Aussage ziemlicher Quatsch, da falsch.

Wie, wenn nicht durch Aufklärung und durch Klarstellungen kann
man gegen derartige, dumpfe Antihaltungen vorgehen?

Indem man auf die Meta-Ebene geht und auch die Art, wie Dinge gesagt werden, auf welches Vorverständnis sie stossen, auf was sie sich beziehen etc. miteinbezieht.

Im übrigen ist gerade die Karsli-Möllemann Debatte als
Illustration für die Thesen des Autors denkbar ungeeignet.
Denn die Aussagen Karslis waren klar und deutlich
Antisemitisch.

darüber bestand nicht der Konsens, den Du hier anscheinend voraussetzt.

Oder: Ich schreibe einen Roman oder ein Sachbuch über den
Holocaust. Dies bedingt zwingend, dass ich in diesem Werk
Antisemitische Vorurteile mit einarbeiten muß in die tragenden
Figuren, ansonsten wird die Handlung surreal.

Man kann aber auch literarisch mit Formen der Distanzierung einarbeiten - gerade die Vielfältigkeit der Perspektiven macht gute Literatur aus. Klaus Kordon finde ich ein gutes Beispiel für Jugendbücher.

Und jetzt ist es
nach der meinung von Kurt Grünberg egal, ob ich diese
Vorurteile verdamme oder nicht, dieses Werk wird den
Antisemitismus zwangsläufig fördern.

so habe ich Grünberg nicht verstanden

Für Grünberg scheint Antisemitismus etwas „G´ttgegebenes“ zu
sein.

„G-ttgegeben“ ist keine für die Psychoanalyse relevante Kategorie.

Viele Grüsse

Iris

Hallo Thomas,

egal ob im Brett Inlandspolitik oder hier, Deine Beiträge zum Thema Antisemitismus laufen immer darauf hinaus, daß Antisemitismus eine Kommunikationsstörung ist, die Wahrnehmung von Antisemitismus auf Überempfindlichkeit von Juden beruht etc.

Ich sehe daher keine Diskussionsgrundlage mit Dir

Iris

Moin Gerald,

Dies ist keineswegs meine Meinung. Aber dies entspricht sehr
stark dem kritischen Abgrenzungsprofil aller möglichen
religiösen Neuentwicklungen einschließlich der katholischen
Kirche, deren Ziel es ist, die Unzulänglichkeiten archaischer
Glaubensrichtungen zu überwinden und die Menschen zur Erlösung
zu führen.

Nun ja, ich denke immer, wer ein gutes Produkt hat, der hat es eigentlich nicht nötig das Produkt der Konkurrenz schlecht zu machen.

Wie überall kann man auch hier die Unterschiede

sehr stark hochspielen, was dann zu mehr oder minder starren
Vorurteilen führt.

Klar, wer Unterschiede sucht, der findet sie auch. Von außen betrachtet wirken diese Abgrenzungsversuche der drei großen monotheistischen Religionen jedoch manchmal etwas verkrampft und eigentümlich.

Auch innerhalb jeder Gruppierung gibt es wohl solche Tendenzen zur Findung vermeintlicher Identität oder doch zumindest (eigener) Aufwertung bzw. Abwertung (des „anderen“).

In allen judenkritischen kulturellen

Umfeldern wird eine solche Auseinandersetzung irgendwie
geführt, mal mehr und mal weniger konstruktiv oder, auch oft
mit nur schwer lösbaren Spannungen und groben
Kurzschlussfolgerungen.

Ich schätze, dafür muss ein Umfeld nicht mal „judenkritisch“ sein, sowas gibt es schon, sobald 3 Personen zusammenkommen. Einer ist immer „the odd one out“, wenn auch nur temporär.

Gruss
Marion

religiöse Profilierung
Hallo

Dies ist keineswegs meine Meinung. Aber dies entspricht sehr
stark dem kritischen Abgrenzungsprofil aller möglichen
religiösen Neuentwicklungen einschließlich der katholischen
Kirche, deren Ziel es ist, die Unzulänglichkeiten archaischer
Glaubensrichtungen zu überwinden und die Menschen zur Erlösung
zu führen.

Nun ja, ich denke immer, wer ein gutes Produkt hat, der hat es
eigentlich nicht nötig das Produkt der Konkurrenz schlecht zu
machen.

Eine Religion kann man in der Regel nicht gerade als Produkt betrachten, das irgendwo verkauft wird. Da sind die Verhältnisse viel komplexer. Es handelt sich hier um teilweise sehr tief verwurzelte kulturelle Tradition und Selbstverständnis. Dem entsprechend verlaufen auch die Gräben und Meinungsverschiedenheiten nicht nach einer geordneten Marktstruktur, sondern so chaotisch und komplex wie man es sich nur vorstellen kann, nämlich auf allen möglichen Ebenen geistiger Wahrnehmung und Selbstdefinition wie auch sozialer Wertepflege.

Wie überall kann man auch hier die Unterschiede

sehr stark hochspielen, was dann zu mehr oder minder starren
Vorurteilen führt.

Klar, wer Unterschiede sucht, der findet sie auch. Von außen
betrachtet wirken diese Abgrenzungsversuche der drei großen
monotheistischen Religionen jedoch manchmal etwas verkrampft
und eigentümlich.

Ja, und dies spiegelt auch die sonstige Praxis und Tendenzen innerhalb größerer Religionen wie der Kirche wieder, wo auch vieles höchst fragwürdige und widersprüchliches sich entwickelt hat, was eine sehr fundierte Profilierungsdiskussion herausfordert, um zu allen möglichen Fragen einen substanziellen rechtfertigbaren Standpunkt einnehmen zu können. Dies ist nötig auch gerade in Anbetracht der meist sehr groben und rohen Werteaussagen eigentlich aller Religionen, die für kritische und technisch wie ökonomisch komplexe Fragen nur grobe Eckpunkte bieten, die jeder mehr oder weniger stark selbst in den Feinheiten differenzieren und in Bezug zu anderen relativieren muss. Andererseits ist aufgrund der starken Allgemeinheit und Auslegbarkeit der Aussagen der großen Religionen bei entsprechendem Willen durchaus vorstellbar und heute auch in weiten Bereichen gängige Politik, sich anzunähern und in Grundfragen eine gemeinsame Basis zu finden, während kleinkarierte Reglementierungen von Ritualen usw. an Bedeutung verlieren.

Grüsse
Gerald

verzeihung
hallo gerald,

verzeihung,

aeh aber hallo!

das judentum bezieht sich mitnichten allein auf die schriften des sogenannten von der kirche genannten alten testamentes, vielmehr gibt es eine fuelle von mindestens dem zehnfachen an schriften, die die schriften des tenach auslegen. den fehler, dem die kirche unterliegt, die tora zum beispiel respektive den ganzen tenach wortwoertlich zu lesen, noch dazu nach einer miserablen uebersetzung, ist ein problem der kirche, dem du auch unterliegst. ich glaube, du sprichst hier wie ein blinder ueber die farbenpracht der bluehten. das angeblich ach so schlechte pharisaerertum, welches hier gerne und immer und immer wieder angeprangert wird, existiert seit jahrtausenden nicht mehr, seit jahrtausenden.

der talmud wurde im 6. jhd. abgeschlossen, wenn ich nicht irre, 6000 folioseiten. und das judentum warnt davor, die tora ohne kommentar zu lesen. oder liest du das BGB ohne BGB-kommentar?

beste gruesse, sehr verwundert, lego

Moin Gerald

Dies ist keineswegs meine Meinung. Aber dies entspricht sehr
stark dem kritischen Abgrenzungsprofil aller möglichen
religiösen Neuentwicklungen einschließlich der katholischen
Kirche, deren Ziel es ist, die Unzulänglichkeiten archaischer
Glaubensrichtungen zu überwinden und die Menschen zur Erlösung
zu führen.

Nun ja, ich denke immer, wer ein gutes Produkt hat, der hat es
eigentlich nicht nötig das Produkt der Konkurrenz schlecht zu
machen.

Eine Religion kann man in der Regel nicht gerade als Produkt
betrachten, das irgendwo verkauft wird. Da sind die
Verhältnisse viel komplexer. Es handelt sich hier um teilweise
sehr tief verwurzelte kulturelle Tradition und
Selbstverständnis. Dem entsprechend verlaufen auch die Gräben
und Meinungsverschiedenheiten nicht nach einer geordneten
Marktstruktur, sondern so chaotisch und komplex wie man es
sich nur vorstellen kann, nämlich auf allen möglichen Ebenen
geistiger Wahrnehmung und Selbstdefinition wie auch sozialer
Wertepflege.

Ganz recht, darüber brauchen wir nicht diskutieren. Nur sind vielerorts die Zeiten, in denen Religion als starres Sozialkorsett verpasst wurden, und „Abweichler“ automatisch zu gesellschaftlich Außenstehenden wurden, in den meisten Gesellschaften (zum Glück) vorbei.

Bestandteil der von dir oben angesprochenen Komplexität ist in vielen Fällen eben auch die menschliche Fähigkeit zum eigentständigen Denken, sofern es denn erlaubt ist.

Ich wollte mich mit meinem Eiwurf auch keinesfalls für ein „shopping for religion“ einsetzen, obwohl dies vielleicht auch ein Merkmal der heutigen, durch Menschen auf „Sinnsuche“ geprägten Gesellschaft ist, sondern ich wollte eher den von dir verwendeten Begriff „Unzulänglichkeit“ hinterfragen, der selbstverständlich eine Wertung darstellt, obwohl er doch allenfalls subjektiv ausgefüllt werden kann. Was jemand als „unzulänglich“ oder nicht ansieht, kann jeder nur für sich selbst entscheiden. Das gilt auch für den Bereich der Religionen. Wer Unzulänglichkeit empfindet, macht sich schon auf den Weg, sofern er nicht gehindert wird. Nur kann niemand jemand anderem eine Art Handlungsbedarf aufzeigen, der diese Unzulänglichkeit nicht selbst erfährt.

Ja, und dies spiegelt auch die sonstige Praxis und Tendenzen
innerhalb größerer Religionen wie der Kirche wieder, wo auch
vieles höchst fragwürdige und widersprüchliches sich
entwickelt hat, was eine sehr fundierte
Profilierungsdiskussion herausfordert, um zu allen möglichen
Fragen einen substanziellen rechtfertigbaren Standpunkt
einnehmen zu können. Dies ist nötig auch gerade in Anbetracht
der meist sehr groben und rohen Werteaussagen eigentlich aller
Religionen, die für kritische und technisch wie ökonomisch
komplexe Fragen nur grobe Eckpunkte bieten, die jeder mehr
oder weniger stark selbst in den Feinheiten differenzieren
und in Bezug zu anderen relativieren muss. Andererseits ist
aufgrund der starken Allgemeinheit und Auslegbarkeit der
Aussagen der großen Religionen bei entsprechendem Willen
durchaus vorstellbar und heute auch in weiten Bereichen
gängige Politik, sich anzunähern und in Grundfragen eine
gemeinsame Basis zu finden, während kleinkarierte
Reglementierungen von Ritualen usw. an Bedeutung verlieren.

Hier stimme ich dir größtenteil zu, wobei ich jedoch anfügen möchte, dass ein gewisser Wertekonsens sich in jeder Gesellschaft in der Gesetzgebung widerspiegelt und somit das von den größten Teilen der Bevölkerung als „unethisch“ empfundene Verhalten sanktioniert.

Ob dieser „etisch/moralische Wertekanon“ nun zustande kommt, indem sich zwischen Angehörigen unterschiedlicher Religionen ein (minimaler ?) Gesamtkonsens findet oder gar eine ganz andere Basis die Grundlage für diesen Gesamtkonsens bildet sei jetzt mal dahingestellt.

Die von dir angesprochene „Profilierungsfrage“ ist davon unabhängig allenfalls für die jeweilige religiöse Gruppierung von Bedeutung, die befürchten muss, dass ihr sonst die Schäfchen davonrennen. Je mehr das „andere“ auch als solches zu erkennen ist, desto weniger rüttelt es an den Grundfesten des eigenen Weltbildes. Gefährlicher wird es, wenn man wiedererkennt.

Gruss
Marion

Hallo

das judentum bezieht sich mitnichten allein auf die schriften
des sogenannten von der kirche genannten alten testamentes,
vielmehr gibt es eine fuelle von mindestens dem zehnfachen an
schriften, die die schriften des tenach auslegen. den fehler,
dem die kirche unterliegt, die tora zum beispiel respektive
den ganzen tenach wortwoertlich zu lesen, noch dazu nach einer
miserablen uebersetzung, ist ein problem der kirche, dem du
auch unterliegst. ich glaube, du sprichst hier wie ein blinder
ueber die farbenpracht der bluehten. das angeblich ach so
schlechte pharisaerertum, welches hier gerne und immer und
immer wieder angeprangert wird, existiert seit jahrtausenden
nicht mehr, seit jahrtausenden.

Das ist schon klar, dass das Judentum sich auch geistig stark weiterentwickelt hat. Dennoch ergibt sich gerade aus christlicher Sicht der Eindruck, dass sich an vielem trotz allem nichts fundamental geändert hat. So ist weder allgemein noch mir bekannt, dass sich irgendwelche grundlegenden Neuerkenntnisse wie auch vorbildliche ethische Normen herausgebildet haben.

Verantwortungsloses Pharisäertum wird polemischerweise auch heute gerne solchen Kräften unterstellt, die altklug profilierungssüchtig gerne viel reden und auch Fortschritt zerreden, ohne dass hierbei etwas nützliches herauskommt, so wie früher die Schriftgelehrten viel philosophiert haben und eine Lösung sozialer oder technischer Probleme eher blockiert als gefördert haben. Dies kann gerade auch auf Juristen zutreffen, die verbohrt sich auf alte Gesetze beziehen, aber damit nichts gutes bewirken. Natürlich ist dieser Vergleich an den Haaren herbeigezogen und unter dem Aspekt des Antisemitismus problematisch.

der talmud wurde im 6. jhd. abgeschlossen, wenn ich nicht
irre, 6000 folioseiten. und das judentum warnt davor, die tora
ohne kommentar zu lesen. oder liest du das BGB ohne
BGB-kommentar?

Dies ist aber kritikwürdig. Kommentare kann es viel geben und es ist unklar, welcher wieviel Gültigkeit hat. Es ist zu fragen, warum es hierfür keine bessere Überarbeitung gibt. Auch das BGB ist in diesem Sinne massiv zu kritisieren. Auch dieses ist ein Relikt aus einer früheren Zeit, wo vieles aus unserer heutigen Sicht zu verzerrt gesehen wurde. Manche werfen auch vor, dass selbst das BGB zu sehr in der Tradition jüdischer und christlicher Rechtspflege stehe und entsprechend rückständig sei.

Gruß
Gerald

ok :wink:
hallo,

ok, ich war etwas verwundert und meine dich jetzt verstanden zu haben. moechte noch wenig anmerken:

Das ist schon klar, dass das Judentum sich auch geistig stark

weiterentwickelt hat. Dennoch ergibt sich gerade aus
christlicher Sicht der Eindruck, dass sich an vielem trotz
allem nichts fundamental geändert hat. So ist weder allgemein

aeh ja das ist aber eine christliche sichtweise, und da fehlt einfach wissen ueber das judentum. um mein lustiges beispiel zu nehmen.von suedamerika aus beurteilt sich schlecht die fauna/flora in afrika (oder so aehnlich :wink: da hat sich naemlich sehr sehr viel veraendert. wirklich viel.

noch mir bekannt, dass sich irgendwelche grundlegenden
Neuerkenntnisse wie auch vorbildliche ethische Normen
herausgebildet haben.

wie oben und:

oh die normen sind sehr vorbildlich und ethisch meines wissens, ohne sie jetzt zu irgendwas relativ setzen zu wollen :wink:
das ist naemlich im bereich der religionen irgendwo per se daneben.

ok beste gruesse, lego