Hallo Iris,
Was ihnen aber oft mehr negativ ausgelegt wird als positiv.
Die Bezugnahme auf die die Auslegung als eine "oft mehr
negativ"e ist die konstruktivistische Fehlleistung.nö - das stellst Du nur fest mehr nicht!
In der Tat, das ist mein Deutungsangebot.
Niemand
kann die Auslegungen alle Durchzählen, vielleicht waren sie
„überwiegend“ negativ.wirklich nur vielleicht? Ich empfehle Dir das Archiv vom
Institut für Antisemitismusforschung in Berlin - da gibt es
eine Abteilung über alltagskulturelle Äußerungen
Die Abteilung habe ich leider im Internet nicht gefunden. Du meinst doch das ZfA an der TU-Berlin, oder?
Das Entscheidende ist, die
Geldschneiderei hat sich international als erstrebenswerte
Eingenschaft druchgesetzt.Das muß deswegen noch nicht heißen, daß es - inzwischen - auch
bei Juden als positiv angesehen wird.
Juden haben kein Problem mit Geld verdienen - warum auch-
Das muß nicht heißen, daß andere kein Problem damit haben -
zumindest in speziellen Fällen.
Eine Haltung, wonach Kohle machen ok ist, nur für Juden nicht, ist nicht antisemitisch sondern bigott, eine Karikatur auf Antisemitismus. Antisemitismus muss doch, um politisch gefährlich werden zu können versuchen, einen Eindruck von „höherwertiger Gemeinschaft“ mit dem Publikum zu suggerieren, die dann durch Geldgier oder sonstwas von Juden „gestört“ werde. Wenn das, was den Juden „angelastet“ wird erkennbar etwas ist, was alle machen (wollen) bzw. was als Wert zumindest in einer Gesellschaft hegemonial ist, dann ist der ganze Antisemitismus doch pointless. Dann könnten Antisemiten auch behaupten, Juden würden durch ihre Atemtätigkeit Sauerstoff vernichten und ohne sie wäre die Luft besser. Wenn das Publikum für so blöd eingeschätzt wird, dass es für jede Bigotterie (ich hoffe jetzt, dass dieser Begriff unbelastet ist) einen Räsonszboden abgibt, der auch die Absurdeste Banalität zum antisemitischen Angiff hochkatapultiert, dann läuft was schief.
Wir leben nicht in Stalins
Sowjetunion, wo man wegen „Spekulantentum“ an die Wand
gestellt wurde. In der SU wäre der Witz eine gefährliche
antisemitische Denunziation (oder „Provokation“) gewesen.Schon mal was von den sogenannten Ärzte-Prozessen 1953 gehört?
Das berühmte „Ärtze Komplott“ die kleinbürgerlich - kosmopolitische Verschwörung; selbstverständlich. Nur ist auch die Altersparanoia des Herrn Stalin doch nicht mehr unser Problem, oder?
Nur
in der globalisierten Welt von 2002 ist Kohle machen
Leitkultur. Und es wirkt beleidigend, wenn ein Hinweis auf
kommerzielle Traditionen im Judentum als Versuch einer
Einschmuggelung antijüdischer Stimmungen gewertet wird.muss man von Fall zu Fall sehen was es ist. Warum denn gleich
Beleidigung?
Weil mir dann ein Niveau unterstellt wird, von dem ich nicht der Meinung bin, es zu rechtfertigen, dieses bei mir zu vermuten. Auch dem Verdachte nach nicht. Wenn ich gegen irgendwen Stimmung machen wollte (was zu vermuten, ich übrigens nicht als beleidigend ansehen würde) dann würde ich mich bei einem solchen Versuch bestimmt nicht auf die Spekulation bauen, mein Zielpublikum könnte Handel und Kommerz so frei von jeder Umfeldkenntnis beargwöhnen, dass ich nur jemanden der Neigung zu Handel und Kommerz zu verdächtigen bräuchte und schon hätte ich Stimmung gegen den betreffenden gemacht. Unter was für Leuten lebst du denn, das du dir vorstellen kannst, dass solch eine Gefahr sich zusammenbrauen könnte.
Was es allerdings gibt, ist ein gewisses, völlig geistlos herumvagabundierendes Verlierergejammer. Wenn ich jetzt jede Kommunikation auf die Möglichkeit hin untersuchen wollte, ob das nicht irgendwo bedient wird, das würde ich als Zumutung zurückweisen.
Wenn ich gegen einen X-Länder im Schach gewinne und der schmeißt das Schachbrett durch die Gegend und schimpft auf Deutschland, dann würde ich den nicht als deutschfeindlich durchgehen lassen, sondern nur als schlechten Verlierer.
…
und dann gleich der Versuch kommt runterzuhandeln, weil man
sich meint so schön darauf verlassen können, daß das jüdische
Gegenüber jetzt beweisen muss, dass Juden wirklich nicht
geldgeil sind.Aber Iris, warum lässt du denn da die Stimmung immer zur
falschen Seite der Kante herunter kippen?Meine Empfehlung: Du liest einfach mal die gesamten Kontexte
und nimmst sie zur Kenntnis auch wenn sie Dir nicht gefallen
ohne zu Unterstellungen zu greifen. Das würde die Diskussion
erheblich erleichtern.
Du meinst die von dem Berliner Institut? Bin sehr gespannt auf die Kontexte.
Wenn jemand sagt,
„Sie sind doch Jüdin“, vielleicht meint er auch, du seist von
zu Hause aus reich und bräuchtest das Honorar gar nicht?Und selbst wenn es so gemeint wäre, würde es das um nichts
besser machen, weil wir dann wieder beim Bild vom reichen
Juden sind.
Das es „besser“ werde, war nicht meine Rede.
Auf
„den Juden als Honorarwucherer“ wäre ich gar nicht so schnell
gekommen, wie auf den „Juden, der gar nicht arbeiten muss,
wegen der reichen Verwandten in den USA“. Das ist es was ich
meine, wenn ich sage, dass die Stereotype inzwischen alles
überlagern. Warum sagst Du nicht (soweit du dich überhaupt
dazu verhalten willst): „Ich brauche das Geld leider
trotzdem?“Wieso sollte ich mich auf eine solche Ebene begeben.
Meine Dienstleistung ist mit einem bestimmten Beitrag zu
honorieren oder er läßt es bleiben.
Manchmal reizt es mich allerdings schon und ich frage dann
nach: „Darf ich fragen, warum bei Ihnen gerade wenn es um das
Honorar geht, die Frage aufkommt, ob ich Jüdin bin?“Die Reaktionen sind allerschönst
Wenn sie wenigstens charmant wären, die Antisemiten, die dein Dasein mit solchen Fragen behelligen, dann würden sie vielleicht sagen, dass sie das selbstverständlich bereits an der Eloquenz deiner Artikel gemerkt haben und dass sie dann plötzlich die bange Frage gespürt haben, ob sie sich dein Schaffen überhaupt leisten können.
Natürlich musst du genervt sein, wenn du jede Thematisierung
der Judeneigenschaft einer Person als „manipulativ“
wahrnimmst.Tue ich das? Sicher nicht! Aber da Dich Dein Profil als jemand
ausweist, der beruflich viel mit Kommunikation zu tun hat,
wirst Du wissen, daß sich Kommunikation auf sehr
unterschiedlichen Ebenen abspielt und man da mit der Zeit
durchaus seine Wahrnehmung erweitern kann sodaß man
Manipulationen durchaus mitbekommt.
Es gibt Störungen und Angriffe, auf die muss man sich beziehen, es gibt aber auch „Fehdehandschuhe“ die kann man getrost liegen lassen. Merken zu können, was ein Angriff ist, kann man nicht dadurch unter Beweis stellen, dass man alles zu einem Angriff erklärt. Viele „Manipulationen“ werden erst zu dem, was sie später sind, durch die Art wie man sie aufgegriffen hat, lange bevor sie es waren. Für die DDR war z.B. immer und alles grundsätzlich eine „antikommunistische Provokation“. Am Ende hat sie recht behalten. Wenn man sich ins abseits stellt, dann sieht alles so aus, als wollte es einem in Frage stellen. Darüber, ob das zutrifft, darf man mitbestimmen, durch die Wahl des „Herangehens“, wie Mielke es treffend nannte.
Behandle sie als Ausdruck von Unsicherheit und du
wirst es zu einer 99% igen Erfolgsquote beim Verhindern der
Entfaltnug einer antisemitischen Einstellung bringen (in den
kommerziellen Fällen wenigstens).Ja klar, Du hast ja im Inlandsbrett ausführlich deutlich
gemacht, daß Antisemitismus Deiner Ansicht nach ein
semantisches Problem, Kommunikationsproblem u.ä. ist.
Darauf habe ich dort schon geantwortet.
Darauf werde ich auch noch spezieller eingehen.
Kennst du ein Problem zwischen Menschen, das nicht mindestens auch ein Kommunikationsproblem ist? (Ich meine Probleme, nicht Verbrechen, ein Überfall ist natürlich kein Kommunikationsproblem)
Ich habe mal eine oberpeinliche Szene mit durchmachen müssen,
wo ein nichtjüdischer Bankdirektor einem jüdsischen
Geschäftskunden ein Konditionszugeständnis gemacht hat und
hinterher fürchterlich losgewettert hat, wie „erpresst“ er
sich durch die Judeneigenschaft des Geschäftspartners gefühlt
hat. Er hatte Bammel, als diskriminierend dazustehen, wenn er
das Zugeständnis nicht gemacht hätte. Ich finde, wenn es das
Gefühl einer Befangenheit, also eine regelrechte „Störung“
gibt, sollte man das ansprechen und nicht zu umschiffen
versuchen.Kann man ihm nur wünschen, daß er Wege in seiner beruflichen
Praxis findet, adäquater damit umzugehen.Umgekehrt, wenn angesprochen wird „Sie sind doch
Jüdin“, sollte man auch fragen, ob das nun stört, oder ob man
sich dennoch normal verhalten kann.Eigentlich geht es ihn gar nichts an, wenn ich es nicht von
mir aus thematisiere.
Wenn er sich normal verhalten könnte, wäre es für ihn in
diesem Kontext kein Thema.
Wenn er ein Problem hat, hat er ein Recht auf eine Chance, es zu klären. Man kann Probleme nicht verbieten oder abschaffen; man muss halt Formen schaffen, mit ihnen adäquat umzugehen. Er hat natürlich kein Recht, es unbedingt in seinem Sinne zu klären, er muss auch bereit sein, für das Risiko sich lächerlich zu machen.
Aber wenn er ein Problem hat, dann hat das, wie die berühmte „Störung“ im Seminar, Vorrang. Freundlichkeiten, Maskierungen und Bemäntelungen machen alles nur noch schlimmer.
Wenn ich z.B. mit einer tief verschleierten Frau über irgendetwas anspruchsvolles Weltliches spreche, dann könnte es sein, dass ich mit der Tiefverscheierung ein Problem hätte. Ich müsste das sagen, weil ich sie sonst in ihrer Wirkung auf mich nicht für voll nehmen würde. Dann könnte sie mir deutlich machen, dass mein Problem auf eine Fehlwahrnehmung oder falschen Verallgemeinerung beruht (was ich sehr peinlich finden würde, aber das ist mein Risiko) oder sie würde meine Vorbehalte bestärken. Und dazu würde ich mich dann verhalten. So oder so.
Wieso sind wir jetzt auf einmal bei „sektiererisch“, wenn es
um sehr unterschiedliche Kommunikationszusammenhänge geht.
Sektiererisch kann man immer so schön abwerten und sagt erst
mal gar nichts.
Ich nehme zur Kenntnis, dass es vorherrschende Anschauungen von vielen Dingen gibt und weniger vorherrschende Anschauungen (ntürlich noch mal wieder von Kontext zu Kontext von Milieu zu Milieu unterschiedlich) Mit dem Wort „sektiererisch“ kommt es mir nicht darauf an, irgendjemanden in die Ecke zu stellen, sondern ich möchte zum Ausdruck bringen, dass ich eine wahl treffen muss, was ich für wie relevant halten möchte. Alles für gleich relevant halten zu können ist illusorisch anzunehmen. Wenn jemand PR-Geschick und Finanzkompetenz für anlastbar im Wege der Klischeebedienung hält, dann gehört das nicht zu den Auffassungen, die ich bereit bin, zu berücksichtigen. Pech mit mir hat dann der, der das halt meint, auch aber der der meint, man müsse das für wichtig halten und klischeetechnisch gefälligst umschiffen.
Für mich ist Sprache in erster Linie ein Instrument des Denkens und erst in zweiter Linie eines der Kommunikation. Die Neigung zu Verdächtigungen, haarsträubenden Verallgemeinerungen zur Postulierung der jeweils schlimmsten Fälle und zu hermetischen Absicherungen im Sprechen lastet schon schlimm genug auf unserem Denken. Meine Neigung, mich mit Rundumabdichtnugen meiner sprachlichen Äusserungen wegen der letzten absurden Missverständnismöglichkeit zu beschäftigen tritt zurück gegenüber meinem Interesse an neuen Ideen, interessanteren Werten, besseren Gründen und schöneren Wegen. Die Sprache ist als „frozen ignorance of past perception“ oft schon sperrig genug. Meine Neigung, meine Kreativität unter dem Signum von „Sensibilität“, auf Überschneidungen mit Klischeefeldern oder grosszügig konservierten Tabuzonen hin, zurückzuschneiden ist wirklich sehr begrenzt.
Bei mancher Art von „Sensibilitätsforderung“ drängt sich mir der Eindruck einer Gehirn-Burka auf, der Eindruck einer geistigen Vollverschleierung. Soviel, wie ich manchmal den Eindruck habe, berücksichtigen zu sollen, kann unmöglich jemand empfinden. Deswegen wäre ich an eine Übersicht über die inkrimierten (?) Alltagsklischees von dem Institut sehr interessiert. Ich würde mich freuen, wenn ich zu einem besseren Eindruck käme, als zu dem, den ich im Augenblick habe.
Was
allerdings zugleich auch in Richtung Lösung verweist, nämlich
dahin, einfach die sektiererischen und sonstigen jämmerlichen
Kontexte dortselbst auch zu belassen und nicht als
„feindlichen“ einen Anschein von Relevanz zu vermitteln, den
sie nicht verdienen.Was für wen Relevanz hat, muß jeder selber entscheiden.
Völlig d’accord!
Ich brauche mich dafür weder zu entschuldigen noch zu
rechtfertigen, wenn meine Prioritäten andere sind als meine.
Die Qualität von Prioritäten werden nur lebensgeschichtlich bewertet, und zwar einzeln und getrennt; da bin ich mit meinen eigenen auch völlig ausgelastet. Sinnvoll strittig können allerdings Geltungsansprüche sein und Sprachspielkonventionen.
Im Gegensatz zu Dir begründe ich, warum ich was in welchem
Zusammenhang einschätze.
Und ich versuche zu zeigen, dass deine Gründe, nicht das begründen, was du mit ihnen begründen möchtest. Ich leugne nicht eine Tatsache, sondern halte halt viele Zusammenhänge für anders. (Wobei ich zwischen Tatsachen und Dingen nach Wittgenstens Tractatusdictum unterscheide, braucht niemand mitmachen, oder auch nur nachzuvollziehen nur als reine Quellenangabe)
Du agierst eher mit Zuschreibungen „feindlich“,
„sektiererisch“, „Antisemitismus als semantisches Problem“,
die zwar sehr eloquent klingen, aber wenig sagen bis
Worthülsen sind.
Ich werds noch ausführen.
Sensibilität ist ok. Und Humor ist kein Pflichprogramm.
Dann aber bitte auch für mich nicht. Denn in diesem Thread
wurde doch immer wieder direkt oder indirekt damit
argumentiert, ich hätte nicht genug Humor, Souveränität etc.
Eine Verständigung sollte auch über Humoristenkreise hinaus möglich sein. (Ausserdem gibt es sehr unterschiedliche Stile von Humor, einen Vorwurf von „Humorlosigkeit“ kann man daher immer damit kontern, dass man ihn halt nur nicht im Gegensatz zu Geschmack sieht.)
„Souveränität“ wäre noch wieder ein anderes Stichwort.
Aber
zu spüren gibt es nicht nur die Dimension
freundlich/unfreundlich, sondern auch relevant/ irrelevant.
Wer allem Unfreundlichen Relevanz zuerkennt, (über das übliche
Mass hinaus) handelt nicht „überempfindlich“ sondern unklug.und das Mass legst Du fest und den Grad an Relevanz auch ?
Merkwürdig!
Also Iris, wirklich. Ich weise lediglich darauf hin, dass es mehrere Dimensionen gibt, für die auch andere Messeinheiten und Maßstäbe in Betracht kommen können. Und gelegentlich erlaube ich mir auf Analogien Aufmerksam zu machen, wenn ich das für sinnvoll halte. Dabei scheue ich mich auch nicht, meine Voraussetzungen offen zu legen. Ich und festlegen wollen! Mir reicht es völlig, wenn jemand etwas findet, von dem er es auch als wertvoll (vielleicht sogar als noch wertvoller) ansieht, nachzudenken, als über das worüber er bisher (nur oder hauptsächlich) nachgedacht hat.
Ich lege nicht fest, sondern nahe.
Dieses Bonmot ist doch eine schöne Frucht der Korrespondenz mit dir. Braucht aber nur mir zu geefallen.
Gruß
Thomas
P.S.
Ich empfehle Dir das Archiv vom
Institut für Antisemitismusforschung in Berlin - da gibt es
eine Abteilung über alltagskulturelle Äußerungen
Also wenn du da einen link hättest über die alltagskulturellen Äußerungen; die würde ich dann auch ordentlich incl. Gründe abarbeiten.

