Was ist mit den Chinesen los?

hallo, Jürgen,
was wolltest Du sagen?
War kein text von Dir drin!
Grüße
Raimund

Scharfe Ablehnung des Postings!!!

Nein, ich zeige nicht auf andere Völker! Auch bei uns
kommt schreckliches vor: denk an die serbischen
Gefangenenlager, denk an die serbischen „Soldaten“,
was die mit dem Alten, Frauen und Kindern der Moslem
gemacht haben… Von der etwas weiteren Vergangenheit
Europas will ich gar nicht reden. Wie gesagt, ich
bewundere die kulturellen und technischen Leistungen
der Chinesen. Ich bin ein Fan der chinesischen Küche.
Und ich mag alle die Chinesen, die ich bisher kennengelernt
habe.

So sagst Du in einem Deiner Antwortpostings.
Was um Himmels Willen bezweckst Du nun mit Deinem polemischen Anfangsposting? Du bezichtigst die Chinesen der schlimmsten Sachen und relativierst es wieder in den Antworten, sagst „ich kann es auch nicht glauben“. Was Du da machst ist nichts anderes als Stimmungsmache im Stile der Boulevardpresse nach dem Motto „Es bleibt schon was hängen!“ Die Gesinnung, die dahinter steckt ist keinen Deut anders als die des deutschen Kaisers in seiner berüchtigten „Hunnenrede“ vor 100 Jahren!
Ich lehne die Absicht und den Geist Deines Postings aufs Schärfste ab! Viele Antworten trösten mich, ich sehe, dass die Mehrheit hier ganz vernünftig denkt!
Stucki

soll also jeder, der nicht so denkt, wie Du es haben möchtest seinen Mund halten?
Jede Frage, die nicht politisch korrekt ist, soll gefälligst nicht gestellt werden?
So hat´s 1933 angefangen!
Ich weiß, dass Denk- und Sprechverbote eine lange Tradition in Deutschland haben und noch nie so umfangreich wie gerade heute sind.
Doch es soll noch Menschen geben, die versuchen, selbständig zu denken und sich nicht von formatierten Mitmenschen noch vom Staat vorschreiben lassen, was sie zu denken haben.
Grüße
Raimund

Hallo Raimund,

gleich eines vorweg: ich halte die Chinesen für eines der für
die Entwickling des Menschen wichtigtes Volk. Wobei allein
schon dieses Wort Volk schon wieder falsch ist: „die“ Chinesen
bestehen aus sehr , sehr vielen Volksgruppen.

Stimmt. Und „für die Entwicklung der Menschheit“ sind alle Völker gleich wichtig - oder unwichtig, besser gesagt. Die Menschheit entwickelt sich und bringt dabei vewrschiedene Völker hervor. Punkt.

Nein, mit Sicherheit nicht! Dass aber in weiten Teilen Chinas
weibliche Föten abgetrieben werden, ist eine Tatsache.

Dann verrate ich Dir jetzt ein Geheimnis: In weiten Teilen Europas ebenso. Und höre und staune: Auch in Deutschland werden jedes Jahr etliche Babys abgetrieben. In China sind es vielleicht mehr weibliche, bedingt durch die Kultur, aber das ändert nichts am Vorgang an sich.

Sagt wer? Ich kann mich auch an Polizeiaussagen erinnern, die
die Russen oder Albaner oder Rumänen so betitelten. Gibt es
dazu stichhaltige Statistiken?

Nein, habe cih nicht. Auch hier bin ich auf Aussagen
angewiesen. Doch das, was ich bisher darüber lesen konnte,
reicht um den eindruck zu erwecken, dass die Rusen und …
Waisenknaben dagegen sind.

Wie gesagt, den Eindruck hatte ich bisher nicht. Davon ab: die verschiedenen Mafia-Gruppen zu vergleichen sagt nicht unbedingt etwas über die allgemeinen Leute aus…

Richtig, so harmlos sind wir Europäer auch nicht. Die
Wasertropfenfolter kommt übrigens aus China, die Glockenfolter
ebenfalls,…

Stimmt. Aber die eiserne Jungfrau ist ebenso einheimisch wie das umgekehrt aufgehängt zersägen…

In der Form nur in China. Frage mal den Tierchutzbund

Ja, tu das mal. Und frag ihn nach Massentierhaltung und Labortieren.

Wie gesagt, ich halte sehr viel von den Chinesen. Ich kenne
auch einige und halte sie für höflich und anständig.

Warum dann das Eingangsposting? Das klang nicht danach.

Gruß, Kubi

Hm. ABER…
Hallo Wolfgang,

ist ja jetzt schon fast ein Frevel nach 9 Bewertungsternchen ein großes ABER anzufügen:wink:, ich hoffe, du nimmst es mir nicht krumm.

Was die Tierquälereien und den Umgang mit der Natur angeht, gebe ich dir 100prozentig Recht, ob hier Tiere zu Tode gequält werden, weil irgendwelche Tussis sich die neusten Lippenstifte und Antifaltencremes ins Gesicht schmieren wollen oder ob Chinesen Tiere für Potenzmittelchen quälen ist gehupst wie gedupst.

Weggeworfene Kinder, verbrannte

Mädchen, verstümmelte junge Frauen- Bilder, die uns zeigen,
wie ekelhaft es anderweitig zugeht.

(…)

Doch, einen Unterschied entdecke ich beim Lesen Deines
Schlußsatzes. Da sprichst Du von den früher ethisch so
hochstehenden Völkern. Speziell in der deutschen Geschichte
ist ja auch so viel ethisch Hochstehendes zu entdecken.

Aber diese Verbrechen, meine ich, sind nicht so einfach zu vergleichen mit Zuständen in Europa. Das wir ja auch nicht nur hochstehend ethisches getan hätten, ist m.E. ein Todschlagargument. Darf ich denn menschenverachtendes Verhalten woanders nicht mehr kritisieren nur weil Europäer sich nun wirklich in ihrer Geschichte nicht gerade mir Ruhm bekleckert haben?

Wie sieht es aus mit der Anerkennung der Grund- und Menschenrechte? Und reden wir mal nicht wieder vom Krieg. Das ein Menschenleben da nicht viel wert ist, weiß ich auch. Sondern reden wir vom Alltag in einem Land. Vom „normalen“ Umgang und dem Wert eines Menschenlebens.

Hm. ich gehe mal anders ran. Worauf es mir bei meinem ABER ankommt.

Stellen wir uns konkret die Frage, wo dieser weibliche Säugling auf dem Foto die größeren Überlebenschancen gehabt hätte…?

In China offensichtlich nicht, da ist es so wenig wert, dass es nichtmal für einen Sarg reicht.

In Indien werden Schwiegertöchter, die nicht genug Mitgift mitgebracht hatten, verbrannt und ermordet. Wenn sie überhaupt bis ins hohe ALter von 16-20 Jahren schaffen…uswusf. Mädchen bekommen weniger zu essen und die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mädchen schon in Kinderjahren stirbt ist um einiges grösser als bei einem Jungen.

Übrigends beides Länder, die mittlerweile demographisch einen unnormalen männlichen Überhang haben.

Das Argument einiger Länder der dritten Welt ist ja, dass unsere Grund- und Menschenrechte etwas kulturelles sind und für sie nicht gelten.

Ich sehe natürlich, dass die M+GR auch bei uns keineswegs überall und immer durchgesetzt sind. Ich glaube aber doch, dass sie als Grundlage unserer Gesellschaft anerkannt sind und Grundlage unserer Gesetze und unseres politischen Systems sind. Wer dagegen verstößt, muss mit Missachtung durch den Rest der Gesellschaft rechnen. Es gibt Meinungsfreiheit ( China macht ja z.B. einen Riesentanz um das Internet, weil es den totalen Dammbruch seiner restriktiven Informationspolitik vermutet).
Kindstötung, Körperverletzung werden bei uns auch verfolgt, wenn es sich „nur“ um ein weibliches Opfer handelt! Ich sage das jetzt mal ganz polemisch.

Die größeren Überlebenschancen und die Möglichkeit, ein halbwegs selbstbestimmtes Leben zu führen, hätte der weibliche Säugling doch wohl in Europa gehabt. Oder siehst du das anders?

Wenn es dann später mit seinem Leben nichts besseres anzufangen weiß, als bei Bigbrother einzusteigen. Na Gut.

Beste Grüße,

Barbara

Das musste ja kommen! Wenn Du aber meine Antwort genau anguckst, wirst Du sehen, dass ich nicht die Veröffentlichung, sondern den Inhalt deines Postings ablehne.
Ja, ich bin sogar ausdrücklich für Veröffentlichung, damit man sieht, was für Einstellungen es gibt …
Gruss, Stucki

hallo, barbara,
… was ich sagen wollte!
Selbstverständlich können wir Euopäer un nicht brüsten, die Menschenrechte immer einzuhalten. Auch ist unsere Vergangenheit nicht gerade glänzend (bis vielleicht auf die militärischen, die ja auch eine Verachtung der Menschenrechte sind).
Hier geht es um die Straflosigkeit, die Gleichgültigkeit, …
eigentlich sollte ich noch den Bericht anfügen: in Shanghai leben sehr viele Menschen in einem Käfig zum Schlafen, der so klein ist, dass in Europa die Gefänfniszellen Luxussuiten sind. kein Mensch regt sich auf. Dem Staat (kommunistisch) ist das gänzlich gleichgültig. Hauptsacche die Partei wird reich und reicher (und kann ihre Interkontinentalraketen und ihr Raumfahrtprogramm damit finanzieren).
Dass bei uns noch viel, nein: sehr viel zu tun ist, weiß ich auch.
Ich weiß auch, wenn es gesetzlich erlaubt wäre, die Fernsehanstalten würden eine öffentliche Show (wie Big Brother) daraus machen, wie jemand hingerichtet wird. Mit Interview bis zur letzten Sekunde und Nahaufnahme des Agonie. Und weißt Du wieviel Menschen hier zusehen würden? Um 300% mehr, als bei Big Brother!
Doch dass so etwas möglich ist, heißt nicht, dass man es akzeptieren soll. Oder, wie Du es so richtig sagst, weil wir es in Europa hinter uns haben, kann man uns doch nicht verbieten jemanden zu kritisieren. China ist schließlich keine „Primitivnation“, also ein Volk, das in der Entwicklung noch hinter uns um Jahrhunderte zurück ist: das Gegenteil ist der Fall! Unsere europäische Kultur ist gerade mal ein drittel so alt!
Grüße
Raimund

hallo, Stucki,
ich verweise auf Barbaras Posting, meine antwort und das Posting von H. Klaus.
Sind das alles Bildzeitungsäusserungen? Oder Regenbogenpresseß
Grüße
Raimund

Hallo Barbara,

genau das ist es, was ich an uns Europäern so sehr mag: Wir definieren, was Menschrechte sind und was gut und was schlecht zu sein hat. Und daran, was die paar Hundert Millionen Eurpäer sagen, haben sich die übrigen paar Milliarden Menschen gefälligst zu halten.

Das ganze Elend auf der Welt wäre nicht halb so groß, wenn wir darauf vberzichtet hätten, anderen Kulturen unsere Vorstellung aufzuzwingen. Erst haben wir dort das soziale Gefüge kaputt gemacht, und nun heulen wir scheinheilig, weil es nicht mehr funktioniert.

Ich habe nicht das Recht, mich über andere zu erheben. Das tote Mädchen in China ist nämlich nichts anderes, als das was rauskommt, wenn man ein Volk unter Mißachtung seiner Traditionen zu zivilliesieren versucht. In China war früher (und ist teilweise heute noch) eine möglichst große Anzahl von Söhnen die beste Altersvorsorge, da die ihre Eltern im Alter erhalten müssen. Deshalb wollen Chinesen möglichst viele Söhne und daraus entsand das rasante Bevölkerungswaxhstum. Die Kommunisten haben genau das gemacht, was unsere moderne Zivillisation in solchen Fällen vorschreibt: Sie haben die Ein-Kind-Ehe propagiert. Und weil sich die Menschen nicht daran gehalten haben, haben sie die ökonomischen Daumenschrauben angesetzt: Wer sich nicht daran hält, bekommt keine Arbeit, keine Wohnung etc. Wir machen doch hier in Deutschland nichts anderes, wer viele Kinder hat, wird ökonomisch bestraft. Der findet nur schwer einen Vermieter, hat Probleme mit der Arbeit, wenn er wegen kranker Kinder ausfällt und das Kindergeld reicht für die Kosten sowieso nicht. Wir sind nur reicher als die Chinesen, für Sozialhilfe reicht es im Notfall allemal.
Nun liegen die toten Kinder im Dreck. Aber außer moralischer Entrüstung haben wir auch nichts zu bieten. Es ist nämlich völlig gleich, ob sie verhungern oder ob sie vorher umgebracht werden. Von der Deklartion der Menschenrechte wird leider keiner satt.

Gernot Geyer

Hallo Gernot,

genau das ist es, was ich an uns Europäern so sehr mag: Wir
definieren, was Menschrechte sind und was gut und was schlecht
zu sein hat. Und daran, was die paar Hundert Millionen Eurpäer
sagen, haben sich die übrigen paar Milliarden Menschen
gefälligst zu halten.

Klar, so sehen das die chinesischen Machthaber und andere Diktatoren auch! Du bist also nicht der Meinung, dass auf einer grundsätzlichen Ebene jeder Mensch das Recht auf körperliche Unversehrtheit hat? Du glaubst nicht, dass prinzipiell alle Menschen gleich viel Wert sind, egal welche Hautfarbe sie haben, welcher Religion und welches Geschlecht? Diese grundsätzlichen Menschenrechte sind also nur für uns zu propagieren und haben nicht für Afrikaner, Chinesen und andere zu gelten? Gut, auch ne Meinung und nichtmal eine seltene.

Das ganze Elend auf der Welt wäre nicht halb so groß, wenn wir
darauf vberzichtet hätten, anderen Kulturen unsere Vorstellung
aufzuzwingen.

So’ n Quatsch und pure Polemik. Können wir wirklich für die nächsten 1000 Jahre keine Diktatur mehr kritisieren, kein Menschenrechtsverletzungen in der Welt, weil unsere Vorfahren in den Ländern vieles auf den Kopf gestellt haben? Na dann…

Erst haben wir dort das soziale Gefüge kaputt

gemacht, und nun heulen wir scheinheilig, weil es nicht mehr
funktioniert.

Also in China haben die Euorpäer mal ausnahmsweise nicht allzuviel kaputtgemacht. Das haben die Chinesen auch ganz gut allein hingekriegt.

Ich habe nicht das Recht, mich über andere zu erheben.

Nee, aber ich habe das Recht Ungerechtigkeiten und Misstände anzuprangern.

Das

tote Mädchen in China ist nämlich nichts anderes, als das was
rauskommt, wenn man ein Volk unter Mißachtung seiner
Traditionen zu zivilliesieren versucht.

Ich vermute zivilisieren wolltest du in Anführungszeichen stellen…sonst wäre es purer Chauvinismus.

Die

Kommunisten haben genau das gemacht, was unsere moderne
Zivillisation in solchen Fällen vorschreibt: Sie haben die
Ein-Kind-Ehe propagiert. Und weil sich die Menschen nicht
daran gehalten haben, haben sie die ökonomischen
Daumenschrauben angesetzt: Wer sich nicht daran hält, bekommt
keine Arbeit, keine Wohnung etc.

… die chinesische Variante des Kommunismus prangere ich genauso an wie du. Ich zieh mir aber nicht den Schuh an und behaupte, dass wir den verbrochen haben.

Wir machen doch hier in

Deutschland nichts anderes, wer viele Kinder hat, wird
ökonomisch bestraft. Der findet nur schwer einen Vermieter,
hat Probleme mit der Arbeit, wenn er wegen kranker Kinder
ausfällt und das Kindergeld reicht für die Kosten sowieso
nicht. Wir sind nur reicher als die Chinesen, für Sozialhilfe
reicht es im Notfall allemal.

Es wird in Deutschland keiner gezwungen, viele Kinder in die Welt zu setzen, aber das ist ein anderes Thema. Ich habe mich schon in anderen Foren hier für eine familienfreundlichere Politik eingesetzt.

Nun liegen die toten Kinder im Dreck. Aber außer moralischer
Entrüstung haben wir auch nichts zu bieten. Es ist nämlich
völlig gleich, ob sie verhungern oder ob sie vorher umgebracht
werden. Von der Deklartion der Menschenrechte wird leider
keiner satt.

Ich finde, du machst es dir mit deinem Posting zu einfach. 1. habe ich mich nicht entrüstet. Entrüstet bist du. 2. Kann ich sehr wohl daraufhinweisen, dass in anderen Ländern z.B. Frauen wie Menschen zweiter Klasse behandelt werden. 3. Ist es ein Unterschied, ob jemand verhungert oder aufgrund seines Geschlechts!!! getötet wird!!! Für mich als Frau zumindest ist das ein Unterschied. 4. Von der Deklaration der Menschenrechte wird keiner satt. Stimmt nicht ganz. Es gibt ökonomische Untersuchungen, die verdeutlichen, dass Demokratie zu mehr Wohlstand führt. Sehr vereinfacht jetzt gesagt. Ich finde das durchaus nachvollziehbar. Wäre einen eigenen Thread wert.

Beste Grüße,

Barbara

Hallo Barbara,

klar bin ich der Meinung, daß jeder ein Recht zu Leben hat. Das ist übrigens kein Recht auf körperliche Unversehrtheit, sonst könnte ich die einklagen. Das wäre aber Quatsch, weil ich keinen für meine Behinderung haftbar machen und schon gar nicht deren Beseitigung fordern kann. Vom wem auch, das geht medizinisch einfach nicht. Man redet eben schnell mal sinnloses Zeug, nur weil es gut klingt.

Nur müßte man dieses Recht auch dursetzen können. Und wo nichts zu essen ist, da ist nichts. Wobei mir ehrlich gesagt egal ist, ob ich verhungere oder erschlagen werde. Erschlagen geht nur schmerzloser. Tot ist tot, da kann ich nun wirklich keinen Unterschied entdecken. Ansonsten: Klar haben in China alle fremden Mächte mitgemischt. Zum Beispiel war da im Boxeraufstand mal ein kaiserlich deutscher General „Gefangene werden keine gemacht.“ hat der in dem Zusammenhang gesagt. Das war Anfang der 20. Jahrhunderts, als alle, aber auch alle westlichen Mächte die Öffnung Chinas erzwangen, um es besser ausbeuten zu können. Im übrigen waren die Kommunisten genau so europäisch geprägt wie alle anderen auch. Die nehmen am wenigsten Rücksicht auf irgendwelche Traditionen, ganz egal wo.

Es geht letztlich um die grundsätzlichen Fehler europäischer Überheblichkeit. Seit Kolumbus zerstören Europäer fremde Kulturen. Die hatten nie die Chance, sich selber weiter zu entwickeln. Und heute zeigen wir mit den Fingern auf die Trümmer und entrüsten uns.

Gernot Geyer

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Hallo Gernot,

klar bin ich der Meinung, daß jeder ein Recht zu Leben hat.
Das ist übrigens kein Recht auf körperliche Unversehrtheit,
sonst könnte ich die einklagen. Das wäre aber Quatsch, weil
ich keinen für meine Behinderung haftbar machen und schon gar
nicht deren Beseitigung fordern kann.

…und wenn mir dir Behinderung durch andere zugeführt wird? Man kann andere auch absichtlich falsch verstehen. Wenn Frauen an ihren Geschlechtsorganen verstümmelt werden (übrigends langlanglaaaaaang vor der Kolonialzeit, komme mir also nicht wieder mit dieser Argumentation. )
Wenn Frauen- China- die Füße verkrüpelt werden??? Auch eine Sache, die nicht durch irgendwelche bösen Europäer verschuldet wurde… DAS meine ich z.B. mit Recht auf Unversehrtheit. Oder im Iran, wo man Frauen während den ersten Jahren nach der islamistischen Revolution mit Reissnägeln das Kopftuch in die Stirn geschlagen hat, wenn ein bisschen Pony rausgeguckt hat…keine Greuelmärchen!

Nur müßte man dieses Recht auch dursetzen können. Und wo
nichts zu essen ist, da ist nichts. Wobei mir ehrlich gesagt
egal ist, ob ich verhungere oder erschlagen werde. Erschlagen
geht nur schmerzloser. Tot ist tot, da kann ich nun wirklich
keinen Unterschied entdecken.

Für dich ist es kein Unterschied- moralisch gesehen- ob ich einen Menschen erschlage oder nicht fähig bin ihn mit genug Nahrung am Leben zu erhalten? Für mich ist das ein Unterschied. China ist sicher nicht superreich. Aber es ist auch eine Frage der Prioritäten, wofür man als Staat Geld ausgibt und eine Frage der Politik. Und es ist auch eine Frage der Politik, was mir Menschenleben wert sind. China hat nicht wenig Geld. Was denkst du denn, warum sich die westlichen Länder gerade bei China so bedeckt halten, was die Menschenrechte angeht? Weil man Geschäfte machen will und sich nicht mit einem der wichtigsten Handelspartner verderben will!

Ansonsten: Klar haben in China

alle fremden Mächte mitgemischt. Zum Beispiel war da im
Boxeraufstand mal ein kaiserlich deutscher General „Gefangene
werden keine gemacht.“ hat der in dem Zusammenhang gesagt. Das
war Anfang der 20. Jahrhunderts, als alle, aber auch alle
westlichen Mächte die Öffnung Chinas erzwangen, um es besser
ausbeuten zu können. Im übrigen waren die Kommunisten genau so
europäisch geprägt wie alle anderen auch. Die nehmen am
wenigsten Rücksicht auf irgendwelche Traditionen, ganz egal
wo.

Und die Chinesen waren in Vietnam und die Japaner in China und im Prinzip waren ne Menge Leute da, wo sie nicht hingehörten.

Der chinesische Kommunismus hat immer sein sehr eigenes Süppchen gekocht und war sich mit der UdSSR nie besonders grün deswegen. Nur weil ein Europäer/Deutscher (Marx) das Kapital geschrieben hat, kann ich nicht Millionen Chinesen aus der Verantwortung nehmen, was sie aus ihren Land gemacht haben. Und wir können uns auch gerne darauf einigen, dass die meisten keinen Bock auf den Kommunismus hatten und die Verantwortung halt nur bei ein paar tausend Chinesen lag. Ist ja nicht so, als könnten die nicht selber handeln und denken.

Es geht letztlich um die grundsätzlichen Fehler europäischer
Überheblichkeit. Seit Kolumbus zerstören Europäer fremde
Kulturen. Die hatten nie die Chance, sich selber weiter zu
entwickeln. Und heute zeigen wir mit den Fingern auf die
Trümmer und entrüsten uns.

Im Prinzip bist du auf eine gewisse Weise genauso chauvinistisch, wie du es anderen vowirfst. Bevor die Europäer kamen war alles eine heile Welt und friedlich und prima und die bösen Europäer haben dann alles positive zerstört. So ein Quatsch. Man kann den Kolonialismus nicht in drei Sätzen differenziert behandeln, ich will auch nicht zu polemisch werden. Es gibt verschiedene Arten von Kolonialismus, die sich strukturell sehr unterscheiden. Der Kolonialismus in Nordamerika hat ganz andere Ziele verfolgt und ist mit der indigenen Bevölkerung ganz anders umgesprungen als die Kolonialmächte in Indien oder in der Karibik. Oft waren z.B. einheimische Machthaber nicht abgeneigt, sich korrumpieren zu lassen…Sklaverei und Sklavenhandel gab es z.B. in Afrika lange bevor die Weißen kamen. Aber wie gesagt, dass ist eigentlich ein zu grosses Thema, um es hier mal kurz abzuhandeln. Da wird man schnell missverstanden. Du vereinfachst sehr, wenn du jede negative Entwicklung in diesen Ländern, den Euopäern anlastest und daraus gleich noch ableitest, das man sich jetzt tunlichst aus allem rauszuhalten habe. Das Bild, das m.E. nach dahinter steckt, ist das des „edlen Wilden“, der erst durch die westliche Zivilisation verdorben wurde. Das ist so alt, wie der Kolonialismus selbst.

Beste Grüße, Barbara

Liebe Barbara,
bei aller Hochachtung vor Deinen ethischen Prinzipien, wer - außer einem Gott, an den nur einige von uns glauben - gibt uns die Legimtimation zu definieren, was ethisches Handeln sei?
Wir betrachten das doch fast ausschließlich vor dem Hintergrund unserer abendländisch-christlichen Grundlagen.
Wohin hat uns dieses geführt? Anderen Kulturen haben wir die Möglichkeit der Weiterentwicklung genommen, ihnen nolens volens unsere Sicht der Welt übergestülpt - wenn auch mehr als fadenscheinig, denn überall schauen unter der dünnen „zivilisatorischen“ Tünche die alten ethischen Konzepte dieser Völker durch.
Was wir wenigstens geschafft haben ist eine Weltbevölkerung von beinahe 6 Milliarden, eine Ausplünderung der Ressourcen des Planeten innerhalb weniger Jahrzehnte. Mit unserer - sehr scharf formuliert, ich weiß - Humanitätsduselei gepaart mit unersättlicher Gier haben wir innerhalb weniger Jahrhunderte diesen Planeten zugrunde gerichtet - und Du magst dieser Ethik immer noch das Wort reden?
Ich glaube, wir sind vollkommen auf dem falschen Trip! Zum Umkehren ist es natürlich längst zu spät.
Gruß
Eckard.

Lieber Eckard,

also, irgendwie will mir ja keiner richtig zuhören bzw. lesen *piins*:wink:. Außerdem kullern hier ständig ganz verschiedene Argumentationsebenen durcheinander. 1. Entstehung, grundsätzliche Geltung der Menschenrecht Ja/Nein? 2. Auswirkungen und Folgen des Kolonialismus-Konsequenzen für unsere Politik/Einstellung gegenüber diesen Ländern heute undundund.

bei aller Hochachtung vor Deinen ethischen Prinzipien, wer -
außer einem Gott, an den nur einige von uns glauben - gibt uns
die Legimtimation zu definieren, was ethisches Handeln sei?

Die Diskussion und Forderungen nach den Grund- und Menschenrechten im klassischen Sinn (MRErkärung) sind- das stimmt- in Europa entstanden (Grotius, Hobbes, Locke, frz. Menschenrechtserklärung uswusf).

Grund- und Menschenrechte als Forderung! Ich behaupte ja nicht das sie durchgesetzt sind oder gar nur bei uns durchgesetzt wären! Ich behaupte- das kann ich im Detail nicht beweisen, weil ich mich nicht gut genug in z.B. fernöstlichen Philosohien auskenne- dass du in jeder Kultur und jeder Religion eine Grundlage hast, die auf der Weisheit beruht „Behandle jeden so, wie du auch behandelt werden willst“ oder ähnliches. Das findest du sicher auch bei den Chinesen, im Koran und in anderen Religionen. Das ist die Grundlage des Zusammenlebens. Die G+MR wollen das Recht des Stärkeren beseitigen- sehr vereinfachend gesagt. Ich glaube das war es, was Raimund in seinem ersten Posting sagen wollte: Denn sie wissen was sie tun in China! Die Dissidenten und andere Kritiker werden halt mundtot gemacht.

Das Elend auf der Welt gibt es deshalb, weil die G+MR im Zweifelsfall auch im Westen nur gelten, wenn es gerade in die Politik passt. Die Welt sieht aus, wie sie aussieht, weil dieseethische Prinzipien missachtet werden! Und das darf ich ja wohl kritisieren.

Welche Politik dann dazu führen könnte, diese Prinzipien durchzusetzen, steht auf einem anderen Papier. Ich muss aber doch erstmal feststellen, das etwas nicht in Ordnung ist und im zweiten Schritt mir überlegen, ob und was man tun kann.

Mich stört, dass Deine Konsequenz und die von Gernot offensichtlich die ist, sich ganz aus der Verantwortung zu ziehen. Nenn meine Haltung „Humantitätsduselei“, ich finde es zynisch zu sagen, es wäre egal, ob der Säugling an Hunger gestorben sei oder ob es erschlagen wurde. Ich finde deine Haltung- bei allem Respekt- zynisch und resignativ. Du hast die Welt und die Menschen, die auf ihr leben aufgegeben. Ich nicht.

Beste Grüße,

Barbara

Nachtrag Amnesty International
Hallo Eckhard,

hier noch ein Linknachtrag, für die, die vielleicht doch was tun wollen. (Amnesty kritisiert z.B. auch die Todesstrafe und den Umgang damit in den USA):

http://www.amnesty.at/index2.html
http://www.amnesty.de/de/
http://www.amnesty.ch/

"Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren" (Art. 1 Allgemeine Erklärung der Menschenrechte)

Beste Grüße,

Barbara

Einspruch…
Hi Eckard

bei aller Hochachtung vor Deinen ethischen Prinzipien, wer -
außer einem Gott, an den nur einige von uns glauben - gibt uns
die Legimtimation zu definieren, was ethisches Handeln sei?

Wir legitimiern uns selber… und unsere ethischen Prinzipien sind darauf ausgerichtet, ein möglichst reibungsloses Zusammenleben zu ermöglichen.

Wir betrachten das doch fast ausschließlich vor dem
Hintergrund unserer abendländisch-christlichen Grundlagen.
Wohin hat uns dieses geführt?

Uns hat dies zu einem zivilisatorischen Höhepunkt geführt wir leben in einem Standard, den keine andere Kultur erreicht hat…

Anderen Kulturen haben wir die
Möglichkeit der Weiterentwicklung genommen,

Das kling jetzt vieleicht etwas zynisch, aber „unsere“ Kultur war zum damaligen zeitpunkt einfach effektiver.
Mir gehen diese Scheinheiligen Ethnologen derartig auf den wecker, wenn sie bedauern, das ander Kulturen „verlorengehen“. es wird sich immer die Kultur durchsetzten, die das zusammenleben der menschen besser regelt. Auch „Urvölker“ haben durchaus ein interesse daran, in einem weichen bett zu schlafen und älter als 35 zu werden.

ihnen nolens
volens unsere Sicht der Welt übergestülpt - wenn auch mehr als
fadenscheinig, denn überall schauen unter der dünnen
„zivilisatorischen“ Tünche die alten ethischen Konzepte dieser
Völker durch.

Diesen Prozess nennt man „Synthese“ und ist vollkommen normal

Was wir wenigstens geschafft haben ist eine Weltbevölkerung
von beinahe 6 Milliarden,

Die Bevölkerungsexplosion ist meines Wissens in Afrika und Asien, nicht gerade Kerngebiete der westlichen Zivilisation.
Gerade die Bevölkerungsexplosion ist ja auf Relikte der „alten Sitten“ zurückzuführen. Nur eine grosse Familie garantiert eine gute Altersversorgung z.B…

eine Ausplünderung der Ressourcen
des Planeten innerhalb weniger Jahrzehnte.

Bitte nicht die Leier… Alle nicht nachwachsenden Resourcen reichen noch für viele Jahrzehnte… wenn nicht Jahrhunderte.
im übrigen gab es Resourcenmangel während der gesamten menschheitsgeschichte. So z.B. Wende Mittel- Jungsteinzeit. Da wurde in vielen Gegenden der Erde wg, der angestiegenen Population so langsam die Nahrung knapp. Man begann dann Ackerbau…
In Griechenland wurden wegen der Aufrüstung zur See ganze Inseln abgeholzt… das Ergebniss kannst du heute besichtigen.
Intensive Landwirtschaft in China der frühen Mittelalters führte zur Bodenerosion, man ging zum Terassenanbau über usw usw usw

Mit unserer - sehr
scharf formuliert, ich weiß - Humanitätsduselei gepaart mit
unersättlicher Gier haben wir innerhalb weniger Jahrhunderte
diesen Planeten zugrunde gerichtet -

Ach was wären wir für tolle Hechte, wenn wir diesen Planeten zugrunde richten könnten? Wir richten höchstens uns selbst zugrunde, in der Erdgeschichte werden wir nur als Episode eingehen… die hat schon ganz andere Sachen überstanden.

und Du magst dieser Ethik
immer noch das Wort reden?

Welche hättest DU denn gerne? Alle überschüssigen Menschen ausrotten…(ganz überspitzt formuliert)

Ich glaube, wir sind vollkommen auf dem falschen Trip! Zum
Umkehren ist es natürlich längst zu spät.

Zurück in die Steinzeit… vergiss es!

Jetzt mal im Ernst:
Irgendwie erinnert mich deine Argumentation an das Konzept des „edlen Wilden“, das aber bereits vor längerem in die Kläranlage der Ideen gespült worden ist.
Jetzt mal im Ernst: Nahezu jedes ethische System verbietet gefährliche Verstümmelungen, es verbietet das „einfache ermorden“! (Ausnahme: Strafvollzug) Also werden diejenigen, die verstümmelt/getötet werden, „entmenschlicht“, bzw dieses vorgehen als „nicht so schlimm“ hingestellt.
So kann man dann Sklaverei, Beschneidung von Frauen, Rituelle Ermordungen und Menschenopfer wunderbar als „ethische Besonderheiten“ hinstellen. Es erspart einem das Denken.

Sobald ich jeden Mitmenschen als solchen anerkenne, bin ich an gewisse grundlegende ethische Normen gebunden.
(Kurzfassung: was Du nicht willst, das man dir tut…)
Es geht hier nicht darum, das Frauen andere Rechte als Männer haben, und auch nicht um die Ungleichbeandlung verschiedener Gruppen. Es geht darum, das ein Mensch ein Mensch ist.

Gruss
Mike

2 „Gefällt mir“

Hallo, Barbara und Michael,
dank für Euere Antworten und besonders Barbara für die Links.

Uns hat dies zu einem zivilisatorischen Höhepunkt geführt wir
leben in einem Standard, den keine andere Kultur erreicht
hat…

auf wessen Kosten und sicher nicht durch strikte Beachtung der so hochstehenden ethischen Grundsätze unserer abendländisch/christlichen Kultur.

Das kling jetzt vieleicht etwas zynisch, aber „unsere“ Kultur
war zum damaligen zeitpunkt einfach effektiver.

Ich stimme Dir zu - der pure Darwinismus (ohne Wertung).

Die Bevölkerungsexplosion ist meines Wissens in Afrika und
Asien, nicht gerade Kerngebiete der westlichen Zivilisation.
Gerade die Bevölkerungsexplosion ist ja auf Relikte der „alten
Sitten“ zurückzuführen.

Nicht auf die Relikte der alten Sitten - die funktionierten ja vor dem Eingreifen - sie wurden ausgehebelt, als wir den Heiden beibrachten, das „nackt“=„pfui“ ist (u.v.a.m.)

eine Ausplünderung der Ressourcen
des Planeten innerhalb weniger Jahrzehnte.

Bitte nicht die Leier…

Die wollte ich auch gar nicht spielen, aber der Verbrauch findet nun einmal weitaus überwiegend in Europa und Nordamerika statt. Und nun sag nicht, dass der Rest der Menschheit eh nichts damit anfangen könnte.

und Du magst dieser Ethik
immer noch das Wort reden?

Welche hättest DU denn gerne? Alle überschüssigen Menschen
ausrotten…(ganz überspitzt formuliert)

Nein, aber mal diese Überlegenheitheitspose, diesen missionarischen Eifer ablegen, mit dem wir (Du siehst, ich beziehe mich immer noch ein) den Rest der Welt unsere Form der Glückseligkeit aufdrängen.

Ich glaube, wir sind vollkommen auf dem falschen Trip! Zum
Umkehren ist es natürlich längst zu spät.

Zurück in die Steinzeit… vergiss es!

sage ich ja.

Jetzt mal im Ernst: Nahezu jedes ethische System verbietet …

Ehe wir uns zum Schulmeister der Welt aufspielen, sollten wir jedoch erst einmal dafür sorgen, dass wir den von uns aufgestellten ethischen und moralischen Prinzipien selbst genügen. Ehe wir uns über andere erregen, gäbe es im eigenen Hause noch genügend Ärgernisse zu beseitigen. Wenn wir das erledigt haben, dürfen wir anfangen Steine zu werfen.

Sobald ich jeden Mitmenschen als solchen anerkenne, bin ich an
gewisse grundlegende ethische Normen gebunden.

Du sagst es. Wir sind an diese Normen gebunden. Es ist jedoch nicht an uns, bei anderen einzufordern, was wir selbst nur höchst unvollkommen umsetzen.

„Lieber Gott, ich danke Dir, dass ich kein Pharisäer bin!“

Gruß
Eckard

An Barbara, Gernot, Raimund usw.
Hallo Barbara, Gernot, Raimund,
wenn ich die Antworten in diesem Teilzweig sehe, reizt es mich. Ich packe es mal zusammenfassend hier an den Anfang.
Mord ist Mord und bleibt Mord! Da hilft auch kein Verweis auf „andere Mentalitäten“, man beachte dazu nur die Menschenrechts- und Freiheitsbewegungen in all den diktatorisch regierten Ländern, die sicher nicht (nur) vom Westen gesteuert/beeinflusst werden.
Barbara sagt: „Darf ich denn menschenverachtendes Verhalten woanders nicht mehr kritisieren nur weil Europäer sich nun wirklich in ihrer Geschichte nicht gerade mir Ruhm bekleckert haben?“ Alfred Grosser, der hochgerühmte französische Politologe, der mit seinen Eltern vor den Nazis fliehen musste, sagte: „Wir MÜSSEN es kritisieren, gerade weil wir diese bittere Erfahrung ‚Ausschwitz‘ gemacht haben!“ (er meinte das übrigens u.a. im Zusammenhang mit der Politik Israels!!). Dem stimme ich vorbehaltlos zu!
Wogegen ich mich nur wende (siehe meine Antwort „Ich lehne die Absicht und den Geist Deines (Raimunds) Postings aufs Schärfste ab!“ weiter oben), ist die Aufstellung von unbewiesenen Behauptungen und Verbreitung von Halbwahrheiten, die ich mit dem Stil der Boulevardpresse verglichen habe - worüber mir Raimund natürlich böse war :wink:, wozu ich aber nach wie vor stehe! Er verteidigt das mehrfach auch noch, obwohl er weiss, dass Mord in China so wie in Europa unter Strafe steht, auch Mord an Kindern! Dass dort viele Menschen wegsehen, ist sicher schlimm, wesentlich häufiger als bei uns der Fall, aber - Hand aufs Herz! - wieviele Leute sehen bei uns weg, wenn Menschen auf offener Strasse oder in der Strassenbahn angepöbelt, verprügelt werden. Wenn dann jemand ermordet wird, ist zwar das Geschrei gross, aber ändern tut sich nichts, für die Verantwortlichen werden alle möglichen mildernden Umstände (zu jung, schlechtes Elternhaus, im Suff gewesen, nicht das weitere Leben verbauen usw. usw.) heran gezogen. Sticht jemand eine Tennisspielerin nieder, darf er nach dem Prozess wieder nach Hause gehen (schon vergessen?). Ich stelle mir vor, die chinesische Presse würde die Behandlung insbesondere von Ausländern bei uns ständig widerkäuend darstellen - das Bild von Deutschland dort wäre verheerend!
Ich wiederhole: Es gibt da nichts zu beschönigen! Wir MÜSSEN etwas dazu sagen! Aber nicht, indem man wie Raimund pauschal ein ganzes Volk als „ethisch ganz tief stehend“ bezeichnet und ihm pauschal „ausgeklügelste Foltermethoden“ unterstellt, und diese auch noch ständig wider besseres Wissen halb wahr wiederholt.

Natürlich hat Barbara recht, wenn sie meint, dass " … diese Verbrechen … nicht so einfach zu vergleichen sind mit Zuständen in Europa"! Aber das ist natürlich nur ein quantitativer, nicht ein qualitativer Unterschied.

Noch ein Wort zu Barbaras Aussage " … in China haben die Euorpäer mal ausnahmsweise nicht allzuviel kaputtgemacht." Das sehe ich ein bisschen anders: Informiere Dich mal über die ersten „Kontakte“ Chinas mit den europäischen Seemächten (Frankreich, England) beginnend im 17. Jhdt. und deren Politik gegenüber China, gipfelnd im Opiumkrieg Mitte des 19. Jhdts., der von den Europäern ausschliesslich um des Profits willen geschürt/geführt wurde, und in dessen Rahmen sich die Engländer Hongkong unter den Nagel gerissen haben, und dem Boxeraufstand vor genau 100 Jahren, für den alle europäischen Mächte „Strafexpeditionen“ entsandt hatten und wo dann die von mir schon zitierte berüchtigte Hunnenrede unseres „grossartigen“ Wilhelm 2 gehalten wurde. Wie tief war damals das einstige „Volk der Dichter und Denker“ gesunken!

"Dem Staat (kommunistisch) ist das gänzlich gleichgültig. Hauptsacche die Partei wird reich und reicher … " Schlicht falsch, meine liebe Barbara. Ich sagte schon: Mord steht auch in China unter Strafe! Korruption gibt es wie überall auch in China (Li Peng, den Altstalinisten, versucht man deswegen jetzt ans Leder zu gehen und ihn loszuwerden). Verglichen mit anderen Staaten (Japan!) ist das eher wenig, von Russland wollen wir mal lieber nicht reden!
Überhaupt ist der Vergleich mit Russland interessant: Was wäre, wenn Chinas Regierung plötzlich alles freigeben würde, Parteien beliebig zulassen, völlig freie Wirtschaft usw.? Ich fürchte, wir hätten ein Mega-Russland, was die internen Probleme angeht.

Gruss, Stucki
Einem, der es für den fatalsten Fehler des Westens halten würde, China als neues Feindbild aufzubauen, und dem wir mit aller Macht entgegen wirken müssen!

Hallo Stucki,

erstmal freut mich, dass du überhaupt der erste bist, der wenigstens ansatzweise versucht hat, auch mal wirklich darauf einzugehen, was ich geschrieben habe.

Mord ist Mord und bleibt Mord! Da hilft auch kein Verweis auf
„andere Mentalitäten“, man beachte dazu nur die
Menschenrechts- und Freiheitsbewegungen in all den
diktatorisch regierten Ländern, die sicher nicht (nur) vom
Westen gesteuert/beeinflusst werden.

…das war der Punkt, der mir wichtig ist, wenn wir einfach sagen, wir dürfen MRVerletzungen in anderen Ländern nicht kritisieren, lassen wir diese Bewegungen im Stich! (Ich verweise auf Amnesty International)

Barbara sagt: „Darf ich denn menschenverachtendes Verhalten
woanders nicht mehr kritisieren nur weil Europäer sich nun
wirklich in ihrer Geschichte nicht gerade mir Ruhm bekleckert
haben?“ Alfred Grosser, der hochgerühmte französische
Politologe, der mit seinen Eltern vor den Nazis fliehen
musste, sagte: „Wir MÜSSEN es kritisieren, gerade weil wir
diese bittere Erfahrung ‚Ausschwitz‘ gemacht haben!“ (er
meinte das übrigens u.a. im Zusammenhang mit der Politik
Israels!!). Dem stimme ich vorbehaltlos zu!

Genau.

Natürlich hat Barbara recht, wenn sie meint, dass " … diese
Verbrechen … nicht so einfach zu vergleichen sind mit
Zuständen in Europa"! Aber das ist natürlich nur ein
quantitativer, nicht ein qualitativer Unterschied.

Wenn du dir die Menschenrechtsverletzungen an Frauen (vgl. österreichische AI-Link unten in meinem Posting und meine Anmerkungen zu Folterungen und Verstümmelungen) anschaust, sehe ich da sehr wohl einen sehr grossen qualitativen Unterschied. Sorry, dass ich schon wieder mit der Frauenkeule komme:wink:), aber und jetzt mal ganz europäisch chauvinistisch: ich danke Gott, dass ich in Westeuropa geboren wurde - und nicht in Afghanistan, Iran, einigen afrikanischen Ländern, Indien uswusf.
Und das sind keine Halbwahrheiten und Greuelmärchen!!!

Noch ein Wort zu Barbaras Aussage " … in China haben die
Euorpäer mal ausnahmsweise nicht allzuviel kaputtgemacht."
Das sehe ich ein bisschen anders: Informiere Dich mal über die
ersten „Kontakte“ Chinas mit den europäischen Seemächten
(Frankreich, England) beginnend im 17. Jhdt. und deren Politik
gegenüber China, gipfelnd im Opiumkrieg Mitte des 19. Jhdts.,
der von den Europäern ausschliesslich um des Profits willen
geschürt/geführt wurde, und in dessen Rahmen sich die
Engländer Hongkong unter den Nagel gerissen haben, und dem
Boxeraufstand vor genau 100 Jahren, für den alle europäischen
Mächte „Strafexpeditionen“ entsandt hatten und wo dann die von
mir schon zitierte berüchtigte Hunnenrede unseres
„grossartigen“ Wilhelm 2 gehalten wurde. Wie tief war damals
das einstige „Volk der Dichter und Denker“ gesunken!

Yep, aber China ist gross und wurde nie vollständig von Europäern kolonialisiert und besetzt, wenn ich nicht völlig falsch informiert bin. HongKong ist klein im Gegensatz zu Restchina und gerade das Beispiel HongKong zeigt ja eigentlich eine Erfolgsgeschichte. Ein Vergleich des Lebensstandards in HongKong und China wäre ja eher ein Argument für den Kolonialismus!

Fakt ist, dass es sehr verschiedene Arten des Kolonialismus in der Welt gab- einige haben sehr eng mit den einheimischen Eliten zusammengearbeitet, die „Schuld“, wenn du so willst, liegt also nicht nur bei den Europäern, wo ja auch lang nicht alle von den Ausbeutungen profitiert haben. Die Kolonialisten in Frankreich haben im Zuge der Abolitionsdebatte (Sklavenbefreiungsbewegung in F bis 1848) den Abolitionsten spöttisch vorgeworfen, dass die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Arbeiter in Europa schlechter als die der Sklaven in der Karibik wären. Mal vom Zynismus dieser Sklavenhalter abgesehen, hatten sie durchaus Recht.

Mir ging es auch nur darum, Gernots romantische Vorstellung der „edlen Wilden“, die ganzheitlich und mit der Natur und sich selbst im reinen friedlich vor sich hin gelebt haben, bis die bösen, technisierten Europäer kamen und mit ihren Werten und unterdrückerischen Methoden das Paradies zerstörten, zu hinterfragen.

"Dem Staat (kommunistisch) ist das gänzlich gleichgültig.
Hauptsacche die Partei wird reich und reicher … " Schlicht
falsch, meine liebe Barbara.

Wo soll ich das bitte gesagt haben??

Ich sagte schon: Mord steht auch

in China unter Strafe! Korruption gibt es wie überall auch in
China (Li Peng, den Altstalinisten, versucht man deswegen
jetzt ans Leder zu gehen und ihn loszuwerden). Verglichen mit
anderen Staaten (Japan!) ist das eher wenig, von Russland
wollen wir mal lieber nicht reden!

Vorweg, ich will hier keine gelbe Gefahr an die Wand malen :wink:, mir geht es bei meiner ganzen Diskussion eher um die grundsätzliche Frage der G+MR und für wen sie gelten und wer was zu kritisieren hat!

Überhaupt ist der Vergleich mit Russland interessant: Was
wäre, wenn Chinas Regierung plötzlich alles freigeben würde,
Parteien beliebig zulassen, völlig freie Wirtschaft usw.? Ich
fürchte, wir hätten ein Mega-Russland, was die internen
Probleme angeht.

Gute Güte! Das Problem Russland ist wohl ein bisschen differenzierter zu betrachten! Aber das ist nun wirklich ein anderes Thema. Da können wir gerne ein Thread in der Außenpolitik aufmachen, Thema: Auflösung der UdSSR, Folgen, Auflösung der Staatsmacht, Machtvakuum, Prätorianerregime uswusf…)
Ein kommunistischer Bekannter von mir fand übrigends auch, dass das Gemetzel am Platz des himmlischen Friedens eine legitime Beseitigung der Konterrevolution gewesen wäre. Na servus!

beste Grüße, Barbara

hi Eckard
Deine Argumentation läuft m. E. in zwei Richtungen:
1. Dependenztheorie: Wir beuten die Entwicklungsländer aus, und darauf beruht unser Reichtum.
das ist nicht korrekt:
der grösste Teil des Handels wird zwischen den Industrienationen abgewickelt. Der grösste Teil der Rohstoffe wird in Industrie- und Schwellenländern gefördert (kein Witz). Hauptkupferproduzente sind beispielsweise in Europa Spanien, Schweden, und Rumänien.
Weltweit gesehen Kanada und USA und Chile (nicht gerade die klassischen Entwicklungsländer.

Vor 500 Jahren standen weite Teile der wlt auf einer zivilisatorisch ähnlichen Stufe. Der „Aufstieg“ des Westens wurde aus eigener kraft durchgeführt, nicht durch die Ausbeutung anderer Völker.
Der Kolonialismus war in dieser Hinsicht meist sehr schädlich, da er Resourcen band, die anderweitig fehlten. (Ausnahme: Grossbritannien)

Reichtum entsteht nicht in erster Linie durch eine Breite Rohstoffbasis, sondern durch eine ausgefeilte Veredelungsindustrie. Diese Veredelungsindustrie setzt ihre Produkte im wesentlichen in den industrienationen ab. Die „Hauptmasse“ der Reichtums wird sowieso reginalintern produziert und verbraucht. Für unsere Wirtschaft wäre es relativ bedeutungslos, wenn Afrika einfach im Meer versinken würde.
Unsere Wirtschaft würde auch kaum Schaden nehmen, wenn Entwicklungsländer eine eigene Konsumgüterindustrie aufbauen würden. es würde zwar mehr produziert, aber auch mehr verbraucht werden. 8Siehe VW in Brasilien … da wackelte kein einziger deutscher Arbeitsplatz)

2. Solange wir uns nicht an unsere Eigenen Moralischen Werte halten, können wir andere nicht dafür kritisieren.
Ja und nein.
Im Hinblick auf spezifische Menschenrechtsfragen (Frauenrechte, Todesstrafe, Justizsystem, Religionsfreiheit…) kann man sich da sicher bis in die endlosigkeuot streiten.
Aber generell angewandt ist diese Argumentation ein umgekehrter Lumpenbeweis (Lumpenbeweis = Ich bin auch nicht schlechter als andere!)
Verfolgung ganzer Volksgruppen, Rituelle Verstümmelungen, Ritualmorde und Kannibalismus, ideologischer Massenmord usw. usw. stehen ausserhalb der derzeit geltenden menschlichen Ethik. Sie sind WELTWEIT VERBOTEN. Die Einhaltung dieser Gesetzte ist natürlich eine andere Geschichte.
Diejenigen, die sich hierbei auf „geheiligte Traditionen“ berufen, sind meistens die leute, die davon handfest profitieren! Aber sie brechen ihre eigenen Gesetze!.
Die Opfer frägt natürlich keiner.

In diesen Fällen ist es unsere PFLICHT, dagegen unsere Stimme zu erheben. … In diesen Fällen kommt dann oft „Ihr habt die Juden…“ … Gegenantwort: „Und was lernen wir daraus…“

Hier zu schweigen und zu sagen, „Mei, so ist es halt“, ist ein sehr bequemer Ausweg. Man resigniert einfach und betreibt Business as Usual. Mit dieser Einstellung hätte man heute noch die Sklaverei in den Südstaaten! (Sklaverei ist heute weltweit verboten… aber in einigen Staaten wird sie noch inoffiziell geduldet).

Es ist mir natürlich klar, das Wirklichkeit und moralischer Anspruch häufig auseinanderklaffen. Aber davor einfach zu kapitulieren?
Wenn jeder ein bisschen was tut, dann kommt da auch was zusammen. Wenn viele Menschen etwas wirklich durchsetzten wollen, dann können auch Privatleute etwas bewegen.
Aber es ist anscheinen einfacher, eine langfristige Kampange gegen Walfang und Delphintöten zu organisieren, als eine Aktion gegen Kindersklaverei in indischen Teppichknüpfereien…

leicht deprimierte
Grüsse
Mike

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