Hallo Barbara,
manche Threads haben’s so an sich, lang zu werden und dabei auszuufern, immer neue und angrenzende (Teil-) Themen aufzugreifen. Trotzdem noch 'ne Antwort.
aber und jetzt mal ganz europäisch chauvinistisch:
ich danke Gott, dass ich in Westeuropa geboren wurde …
Das ist gar nicht „europäisch chauvinistisch“, ich bin auch sehr froh darüber. Ich bin auch froh über die „Gnade der späten Geburt“! Im Ernst!
Yep, aber China ist gross und wurde nie vollständig von
Europäern kolonialisiert und besetzt, …
Richtig, China ist gross: ?? % der Fläche sind fast nicht nutzbar (Gebirge, Wüste u.ä.). Die wirtschaftlich interessanten Gebiete sind an den Küsten - eben da, wo sich die Europäer gütlich getan haben.
und gerade das Beispiel HongKong zeigt ja eigentlich eine
Erfolgsgeschichte. Ein Vergleich des Lebensstandards in
HongKong und China wäre ja eher ein Argument für den
Kolonialismus!
Na, na! Wie lange war die „Erfolgsgeschichte“ von Hongkong ausschliesslich eine der Kolonialherren!? Erst in der zweiten Hälfte des 20. Jhdts., als überall die Kolonialherrschaft zusammenbrach, hatte auch ein wesentlicher Teil der Chinesen Anteil daran. Abgesehen davon ist Hongkong da eine der ganz, ganz wenigen Ausnahmen auf der Welt. Was allerdings, so sage ich mal, unmittelbar für die Chinesen spricht! Gerd Ruge hat in einem seiner (hervorragenden!) Filme über Ost-Russland und das angrenzende China mal die „politisch unkorrekte“ Frage gestellt: „Ob das wirklich nur an 70 Jahren Kommunismus liegt?“, als er den Unterschied im Hochkommen der Regionen beiderseits der Grenze am Amur zeigte. Auf der chinesischen Seite war deutlich mehr Wohlstand und Leben!
Die Kolonialisten in Frankreich haben … den Abolitionsten
spöttisch vorgeworfen, dass die Lebens- und
Arbeitsbedingungen der Arbeiter in Europa schlechter als
die der Sklaven in der Karibik wären.
Nicht nur die: Der selbe Vergleich wurde bezüglich der amerikanischen Baumwollsklaven in den Südstaaten und der Arbeiter in den Fabriken der Nordstaaten gezogen - ich meine, da gibt es ein Buch darüber. Aber wie gesagt: Zynisch!
… der „edlen Wilden“, die ganzheitlich und mit der Natur
und sich selbst im reinen friedlich vor sich hin gelebt haben,
bis die bösen, technisierten Europäer kamen und mit ihren
Werten und unterdrückerischen Methoden das Paradies
zerstörten, zu hinterfragen.
Zustimmung. Das hat’s nur in Ausnahmefällen gegeben. Pizarro hat die Streitigkeiten unter den Inkas ausgenutzt, die nach Amerika einwandernden Europäer konnten die Indianer nicht nur wegen der technischen Überlegenheit relativ leicht besiegen. Allerdings haben diese sich nicht gegenseitig ausgerottet, müssen sich die Europäer (die Nordamerikaner sind in diesem Sinne auch welche) vorwerfen lassen, dass sie in der Weltgeschichte die meisten und grausamsten Völkermorde auf dem Kerbholz haben. Mehr als ein „mea culpa“ ist da bis heute meist nicht rausgekommen … Es gibt da eine Geschichte, dass (Schwarz-) Afrikaner, die als UNO-Blauhelme auf dem Balkan waren, entsetzt über die ungeheuren Grausamkeiten dort waren. Von den Chinesen ist ein Verhalten, wie es die Europäer jahrhunderte lang praktiziert haben nicht bekannt!
"Dem Staat (kommunistisch) ist das gänzlich gleichgültig.
Hauptsacche die Partei wird reich und reicher … " Schlicht
falsch, meine liebe Barbara.
Wo soll ich das bitte gesagt haben??
Sorry, hab mich verguckt. Das hat Raimund am 5.3.2001 um 16:19 Uhr als Antwort auf Dein Antwortposting an Wolfgang Dreyer gesagt. Nehme alles zurück!
Gute Güte!
Heinz Erhard lässt grüßen 
Das Problem Russland ist wohl ein bisschen differenzierter
zu betrachten!
Z.B., dass in der ersten Hälfte der 90er Jahre mehr Geld aus Russland heraus auf Privatkonten floss, als an Krediten rein!
… dass das Gemetzel am Platz des himmlischen Friedens eine
legitime Beseitigung der Konterrevolution gewesen wäre.
Na servus!
Nein, so sehe ich das nicht, das ist zynisch. Aber versuchen wir das doch mal formal aus der Sicht eines Politikers, der an solchen Stellen Entscheidungen treffen muss, zu sehen. Ein Politiker kann nicht auf einzelne Menschen achten, sondern muss so etwas wie ein „Gesamtoptimum“ des Staates/Volkes im Auge haben. Da gibt’s auch die schöne Geschichte über Churchill: Als die Engländer im 2. Weltkrieg den Geheimcode der deutschen Enigma geknackt hatten und wussten, auf welche Städte die Deutschen Bombenangriffe fliegen, hat er einige nicht evakuieren lassen - aus Angst, die Deutschen könnten merken, dass die Engländer den Geheimcode kennen und die ganze Sache damit noch schlimmer wird, damit hat er im Prinzip die Leute dort aus übergeordneten Überlegungen dem Tode geweiht. Na ja, Vergleiche hinken, das Eine (Tienanmen) war aktives, das Andere (Churchill) war passives Töten. Auch Pius 12. (?) wollte ein starkes Nazi-Deutschland als Bollwerk gegen den atheistischen Bolschewismus, auch Amerika hat tatenlos zugesehen, als Saddam nach dem Golfkrieg die Schiiten im Süden des Iraks massakriert hatte, weil sie fürchteten, diese könnten im Bunde mit dem Iran Ungemach bereiten … So ist die Welt, man kann manchmal schon kirre daran werden - freuen wir uns, wie gesagt, dass wir hier und jetzt leben!
Grüße, Stucki