Was ist nur mit meinem kleinen Bruder los?

Hallo erst mal,

dies ist mein erster Artikel hier in diesem Forum, also ich hoffe ich mache alles richtig!

Es geht um meinen kleinen Bruder. Er ist jetzt 17 Jahre alt, wird in einem halben Jahr 18, also volljährig und ich mache mir mittlerweile wirklich Sorgen um ihn. Er ging auf die Walldorfschule, hat dort seinen Hauptschulabschluss gemacht und letzten Sommer hat er einfach so seinen Realschulabschluss sausen lassen („Mir doch alles sch-egal!!!“), obwohl das keiner aus unserer Familie erwartet hätte, zumal er ein intelligenter Junge ist und wirklich das Zeig für zumindest die Mittlere Reife hätte. Er ist halt nur ein sehr stiller Junge. Seitdem, also etwas seit 6 Monaten verbarrikadiert er sich tagtäglich auf seinem Zimmer und verbringt die meiste Zeit vor dem Computer, oder halt vor dem Fernseher. Sein Tagesrhytmus hat sich auch dementsprechend angepasst, also er macht fast die ganze Nacht durch und schläft dann immer bis mindestens 13 Uhr, manchmal auch bis 15 Uhr. Sein Zimmer hat er immer abgeschlossen, so dass wir alle durch die Tür mit ihm kommunizieren müssen und ihn nicht mal zu Gesicht bekommen wenn wir mit ihm sprechen. Nach unten (sein Zimmer befindet sich in unserem Haus ganz oben im Dachgeschoss) kommt er nur, wenn er was zu Essen haben will. Selbst wenn meine Mutter mal was zu essen gemacht hat, holt er sich das Essen auf sein Zimmer nach oben. Ich habe fast den Eindruck, als wäre ihm mitmenschlicher Kontakt bzw. jeder Sozialkontat gleichgültig. Er hat einen festen Freund, mit dem er an den Wochenenden hin und wieder die Zeit verbringt und der zu uns zum Übernachten kommt (oder mein kleiner Bruder geht mal zu ihm, aber eher seltener, weil er kaum das Haus verlässt). Dann spielen die beiden meistens irgendwelche PC-Spiele oder schauen TV, rauchen und trinken Alkoholika.

Mein Bruder wollte eine ganze Zeitlang gerne zur Bundeswehr gehen, was ich als gut empfunden habe und mir auch gewünscht habe, weil ich dachte, dass er dann wenigstens mal (zwangsweise) ein paar Manieren beigebracht kriegt und dann seinen Lebensrhytmus sich einigermaßen ändert. Aber meine Eltern wollten das nicht und haben es ihm wohl mit der Zeit ausgeredet, indem sie immer wieder zwischendurch irgendwelche Kommentare zum Militär gemacht haben. Ich selbst als sein älterer Bruder habe meinen Zivildienst geleistet, aber ich bin ehrlich gesagt auch ein ganz anderer Typ als mein Bruder, und ich finde jeder sollte in seinem Leben das machen dürfen wozu er sich berufen fühlt. Aber meine Eltern hatten wohl Angst, auch weil mein kleinder Bruder immer wieder meinte er wolle nach Afghanistan in den Krieg ziehen als Soldat. Also haben sie ihm das ausgeredet, und jetzt hockt mein kleiner Bruder halt vor dem PC in seinem Zimmer und wartet auf die Musterung, dessen Endergebnis meine Eltern dann wohl quittieren werden, indem sie eine Wehrdienstverweigerung für ihn schreiben.

Meine Mutter meint, ich solle ihn in Ruhe lassen und ihn nicht auf sein Verhalten ansprechen. Es regele sich schon alles von selbst irgendwann. Meine Mutter ist auch die einzige, auf die mein Bruder noch hört, aber auch nur zu 40 Prozent, was wohl daran liegt, dass sie ihn auch immer noch unterstützt (z.B.: sie bringt ihm Zigaretten mit, kauft ihm Alkohol und leiht für ihn DVD-Filme aus). Mein Vater hat ihm gar nichts mehr zu sagen (mein kleiner Bruder hat ihm wohl körperliche Gewalt angedroht und ich habe das Gefühl, dass er Angst oder zumindest Respekt hat). Ich als sein älterer Bruder komme zwar manchmal zu ihm durch, aber auch nur wenn mein kleiner Bruder es zulässt, soll heißen wenn es keine für ihn unangenehmen Dinge betrifft.

Kann mir irgendwer helfen und sagen, wieso er sich so verhält? Könnte es sein, dass er sexuell missbraucht wurde und sich deshalb so konsequent auf sein Zimmer vor den Computer zurückzieht? Ich wüßte wirklich gerne, was mit ihm los ist. Ich habe schon Angst, er könnte sich zu einem Amokläufer entwickeln oder eines Tages durchdrehen und auf uns alle losgehen…

moin,

eine umfassende antwort kann + will ich dir hier jetzt nicht geben, aber soviel zu dieser passage:

sie bringt ihm Zigaretten mit, kauft ihm Alkohol und leiht für ihn DVD-Filme aus

ich will nicht hinterfragen, warum er ueberhaupt raucht, moechte aber gern wissen, warum er nicht selbst lernt, dass zigaretten teuer sind, dass man dafuer evtl arbeiten oder auf andere dinge verzichten muss?

ebenso mit dem alkohol: wenn er saufen will, soll er seinen arsch bewegen und dafuer jobben gehen!!

und das mit den dvds finde ich genauso dramatisch: wenn du schon kritisierst, dass dein bruder sich im zimmer vergraebt, dann hinterfrag mal, wie man das abstellen kann. die antwort lautet: ihn dazu bringen, selbst fuer sein entertainment zu sorgen…

ich glaube , nicht dein bruder ist das problem, sondern deine mutter: wer einen fast erwachsenen so dermaßen verwoehnt und paeppelt, darf sich nicht wundern, wenn am ende ein voellig lebensuntuechtiges wrack rauskommt!!

gruss
khs

Hallo

Kann mir irgendwer helfen und sagen, wieso er sich so verhält?
Könnte es sein, dass er sexuell missbraucht wurde und sich deshalb so konsequent auf sein Zimmer vor den Computer zurückzieht?

Nach der Schilderung liegt eher der Gedanke sehr nahe, dass er - wahrscheinlich unbewusst, aber gezielt - in Abhängigkeit gehalten wird, und dass ihm keine Grenzen gesetzt werden und vielleicht auch noch nie gesetzt wurden.

Wenn die Mutter ihm den Alk aufs Zimmer bringt, wenn ihm Berufspläne ausgeredet werden, und der Vater Angst hat, von ihm verprügelt zu werden, ist da ganz gewaltig der Wurm drin.

Ich würde dir raten (eventuell auch ruhig mit professioneller Hilfe) eine für dich passende Einstellung dazu zu kriegen, allen deinen Familienangehörigen zu sagen, was du darüber denkst, und dann in allem Respekt das Weite zu suchen. Und Bedingungen stellen, unter denen du wieder mit ihnen in Kontakt treten würdest.

Ich weiß, dass man in so einem Beitrag viele Dinge weglässt, aber wenn das nicht regelrecht erfunden ist, was du schreibst, dann verhält sich nicht nur dein Bruder, sondern auch deine Eltern gegenüber deinem Bruder merkwürdig. Du wirst da nichts dran ändern können, vermute ich.

Aber einmal was sagen solltest du.

Viele Grüße

Hey,

nein wieso sollte ich das obige denn erfunden haben? Klingt es so wie in einem Märchen? :wink:

Was gesagt habe ich schon, aber sowohl mein Vater als auch meine Mutter wimmeln mich ab und scheinen nicht viel von meiner Meinung zu halten. Die einzige, die einigermaßen auf meiner Seite steht, ist meine Schwester, obwohl sie auch der Meinung ist, ich solle meinen Bruder in Ruhe lassen.

Meine Eltern haben mich persönlich ganz anders erzogen, und ich benutze das Wort erzogen ganz bewußt: bei mir haben sie immer an allem rumgemäkelt und mich kritisiert, durch die Autorität meiner Eltern fiel es mir selber ziemlich lange schwer, einen eigenen Weg in meinem Leben zu finden. Bei meinem kleinen Bruder ist es so, dass sie überhaupt nich autoritär ihm gegenüber sind, also ich sehe da überhaupt keine Erziehung (Erziehung bedeutet für mich nämlich eine angemessene Mixtur aus Autorität und Antiautorität). Naja, das ist wie gesagt auch gar nicht vorhanden bei meinem Bruder, fast so, als wollten sie bei ihm nun alles wieder gut machen, was sie bei mir schlecht gemacht haben, aber so nur das Gegenteil erwirken, nämlich das sie es wieder schlecht machen…

Und das mit der Angst meines Vaters vor meinem Bruder: er hatte sich zu Weihnachten immer Bodybuilding-Ausrüstungen gewünscht und stählt seinen Körper nun auf seinem Zimmer, wo er sich ja wie beschrieben eingechlossen hat. Ansonsten verbringt er seine Zeit nur vor dem PC.

Ich mache mir wirklich Sorgen um ihn, denn ich habe ihn sehr lieb!

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Hi

Naja, das ist wie gesagt auch gar nicht vorhanden bei meinem Bruder, fast so, als wollten sie bei ihm nun alles wieder gut machen, was sie bei mir schlecht gemacht haben, …

Ich glaube, für dich sieht es besser aus als für ihn, da du durch das Genörgel besser Abstand zu deinen Eltern kriegen konntest. Dein Bruder kommt wahrscheinlich nicht so leicht von zu Hause weg. Aber wahrscheinlich wäre es genau das, was er bräuchte.

Ich mache mir wirklich Sorgen um ihn, denn ich habe ihn sehr lieb!

Das glaube ich dir, sonst hättest du ja wohl auch gar nicht geschrieben, aber so wie du das schilderst, kannst du wahrscheinlich nicht viel machen. Du kannst ihm natürlich sagen was du denkst, und dass du dir Sorgen machst, und dass du dir wünschst, dass er es noch auf die Reihe bekommt. Es wäre gut, wenn er das klipp und klar gesagt bekommt, auch wenn ihm das wahrscheinlich sowieso klar ist.

Aber er steht ja irgendwie unter Drogen (Alkohol, Nikotin, PC-Sucht), und da kann man einfach nicht viel tun, jedenfalls nicht als Bruder, wenn die Mutter die Süchte so stark unterstützt.

Ich habe das Gefühl, dass es ihm sehr schlecht geht, und dass er dringend von zu Haus ausziehen sollte, möglicherweise eine Zeit lang sogar den Kontakt zu euren Eltern sehr reduzieren sollte. Irgendwie macht es den Eindruck, als wollte deine Mutter ihn mit allen Mitteln von sich abhängig machen und ihn nicht gehen lassen.

Macht er eigentlich im Moment gar nichts, außer am PC sitzen? Keine Ausbildung, nichts?

Eventuell könntest du das Jugendamt fragen, was die empfehlen würden. Wenn er nämlich wirklich nur auf dem Zimmer sitzt und sonst gar nichts macht außer saufen und rauchen, so kann das tatsächlich sein ganzes Leben sehr negativ beeinflussen.

Viele Grüße

Hallo Tobi,

der Entwicklungsprozeß, den Du schilderst, erinnert in seinen Grundzügen (Rückzug ins eigene Zimmer, Vermeiden von sozialen Situationen) an ein Phänomen, das bei Jugendlichen seit einiger Zeit beobachetet und „Hikikomori“ genannt wird:

http://de.wikipedia.org/wiki/Hikikomori
http://www.zeit.de/zeit-wissen/2006/05/Depressive_Ki…

Ich sehe es so ähnlich wie die anderen Antwortenden: Ein Jugendlicher, der sich in die Isolation zurückzieht, kann nur mit Hilfe von außen weiterexistieren. Deine Eltern treiben Deinen Bruder weiter in seine Lage hinein, indem sie ihn darin unterstützen, sein Zimmer nicht verlassen zu MÜSSEN.

Dein Bruder hatte ja Pläne (Bundeswehr). Diese Pläne wurden von Euren Eltern schlicht ignoriert oder demontiert, weil sie sich für ihn etwas anderes vorgestellt haben. Seine Reaktion ist die totale Verweigerung, die Flucht ins Innere.

Dein Bruder muss RAUS, Tobi, er muss raus ins Leben. Und Deine Eltern müssen ihn raus LASSEN. Er muss sein Leben leben, nicht IHRES, auch nicht das, was SIE sich für ihn vorstellen.

Alles Gute,
Diana

Aufzucht mit Zimmerservice
Hi,

ich dachte erst: was ist denn mit dem armen Jungen bloß los? Dann fing ich an zu schmunzeln und zum Schluss konnte ich nur noch lachen.

Bei den Privilegien, die ihr eurem Familienmitglied - ob nun Sohn oder Bruder - einräumt - warum sollte er sich da noch selbst um etwas kümmern? Er hat doch alles, was er braucht, kriegt es an die Haus-/Zimmertür geliefert, macht, wozu er grad Bock hat und lässt die Zukunft auf sich zukommen.

Wie khs schon schrieb: Alles an „Diensten“ abschaffen. Wenn er essen will, gibt es zu den Zeiten, wenn alle anderen essen, auch Essen für ihn. Die Beschaffung von Kippen, Alk und DVD wird ab sofort eingestellt. Die Entscheidung über Bund oder Wehrdienstverweigerung oder was sonstige beruflichen Ausbildungsvorhaben betrifft werden von dem jungen Mann selbst getroffen - und den Wehrdienst verweigert er selbst und nicht die Muddie.

Mich erinnert das Verhalten von Euch stark an das von Co-Abhängigen die alles dafür tun, dass das „Sorgenkind“ in seiner Situation verhaften bleibt. Ihr könnt andere Menschen nicht ändern - und je näher sie einem emotional sind, desto weniger. Aber ihr könnt euer Verhalten ändern und ihm damit den Weg frei machen, erwachsen zu werden.

Gruß,

Anja

Hallo Anja

Er hat doch alles, was er braucht …

Da bin ich aber anderer Ansicht.
Vollbedienung ist nicht das, was ein Jugendlicher braucht.

Wie khs schon schrieb: Alles an „Diensten“ abschaffen.

Der Fragesteller ist der Bruder, nicht die Mutter. Er kann diese Dienste nicht abschaffen.

Die Frage ist doch, wie der Bruder sich verhalten soll, und nicht, wie die Mutter sich verhalten soll.

Mich erinnert das Verhalten von Euch …

Wie er selber sich genau verhält, wissen wir auch nicht. Er hat das Verhalten der Mutter und ein klein bisschen des Vaters geschildert.

Viele Grüße

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Also, erst einmal vielen Dank für Deine liebevolle Unterstützung bzw. Hilfe!

Mit dem „Saufen“ verhält es sich eher nicht so, wie Du jetzt wahrscheinlich denkst - er bichelt eher gerne mal, wenn sein Kumpel vorbei kommt. Nur sein Freund, mit dem er zusammen zur Schule gegangen ist, hat damals wohl seinen Realschulabschluss gemacht (ist im Gegensatz zu meinem kleinen Bruder einfach zu den abschließenden mündlichen Prüfungen gegangen) und jobbt jetzt wohl erstmal in einem Supermarkt, weil er auch noch überhaupt nicht weiß, was er machen will) Mein Bruder hat halt „nur“ den Hauptschulabschluss, was ich als älterer Bruder total schäbig finde, denn er hat echt mehr drauf, das weiß ich, nur er traut sich nichts zu weil er absolut kein gutes Selbstwertgefühl hat. Hinzu kommt, dass er gerne zur Bundeswehr wollte, aber meine Eltern ihm das anscheinend vermiest mittleweile vermiest haben. Er hat gar keinen richtigen Plan, was er machen will.

Ja, und den ganzen Tag schläft er entweder auf seinem Zimmer oder er sitzt vor dem PC, spielt irgendwelche Kriegsspiele und hört dabei laut Musik.

Wenn ich zu einem Jugendamt gehe, dann habe ich ein schlechtes Gewissen, meine Familie zu verraten und in den Rücken zu fallen. :frowning:

Was kann ich bloß machen, in meiner Familie scheint es sonst niemanden zu kümmern. Sie meinen halt alle, „Lass nur, das renkt sich irgendwann schon wieder von selbst ein.“ Aber ich sehe da überhaupt gar keinen Antrieb seitens meines Bruders, irgendwas zu unternehmen…

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Hallo Anja,

ich bin eigentlich nicht in dieses Forum gekommen, um ausgelacht zu werden! :frowning: Sorry, aber ich mache mir echt Sorgen um meinen Bruder. Manchmal ertappe ich mich schon bei dem Gedanken, dass endlich der Musterungsbescheid ins Haus flattert und meinen Bruder in Gang setzt, dass er endlich mal was unternimmt. Ich dachte auch, seine Entscheidung mit der Bundeswehr wäre gut für ihn selbst, damit er endlich mal ein wenig Abstand von Zuhause bekommt, aber da haben meine Eltern ihm jetz wohl Angst vor gemacht…

ot: lob!
hallo leute,

ich wollte nur mal lobend erwähnen, dass ich es ungeheuer schön, finde, dass sich hier nur leute gemeldet haben, die liebevoll und ernsthaft was zum thema gebracht haben.
oft genug arten die aktikel (?) ja in unschöne debatten aus, weil irgendjemand herumblafft.
ich hoffe, ich habe dieses jetzt nicht ausgelöst. aber die abwesenheit der blaffer hat mich sehr bewegt.

der familie wünsche ich alles gute. es wurden viele schlaue und sinnvolle sachen gesagt.

es ist immer gut, nach aussen zu profis zu gehen. die petzen nicht und können die unwuchten besser sehen, die das geschlossene system nicht erkennt. und sie können helfen.

allzuoft geschehen dramen, weil geschwiegen wird, wie wir wissen.

lg
tili

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Also das aus Japan stammende Phänomen mit den Hikikomori kenne ich auch schon, nur da ist es ja meistens der Älteste, der sich zurückzieht. Aber hier handelt es sich ja um meinen >kleinen

Mich erinnert das Verhalten von Euch …

Wie er selber sich genau verhält, wissen wir auch nicht. Er
hat das Verhalten der Mutter und ein klein bisschen des Vaters
geschildert.

Mein Vater ist ein recht erfolgreicher, aber ziemlich gefühlskalter Geschäftsmensch. Er ist in der Wirtschaft tätig. Ich habe als Jugendlicher sehr unter ihm gelitten, weil er immer seinen Frust an mir ausgelassen hat und irgendwelche fiesen Bemerkungen gemacht hat. Meine Mutter hat mir auch mal erzählt, dass mein kleiner Bruder geweint hätte, weil er mitbekommen hat wie ich von meinem Vater mies behandelt wurde.

Anfänglich hat mein Vater auch meinen Bruder fies behandelt. Einmal meinte er zu ihm: „Was soll aus Dir bloß werden, Du kleiner Versager!“ Da hat mein kleiner Bruder auch angefangen zu weinen. Aber dann hatte sich eine Front gegen meinen Vater aufgebaut seitens meiner Mutter und meiner Schwester, und jetzt behandelt mein Vater meinen kleinen Bruder auch viel verständnisvoller, was sich darin äußert, dass er nett zu ihm ist wenn er ihn sieht, aber sich ansonsten nicht mehr um ihn kümmert.

hallo tobi

das Problem bei der ganzen Sache ist, dass so lange der Betroffene selbst nichts an seiner Situation ändern möchte, sich auch nichts ändern wird…da kann man sich die Lippen fusselig reden und einen Fusswackelnden Kopfstand machen.

Er müßte die Erleuchtung haben, dass er nicht im Schlaraffenland lebt und nicht automatisch alles für ihn getan wird…da müssen aber alle Familienmitglieder ran um ihm da eine leise Ahnung zu vermitteln, denn bisher hat er ja noch gar keine Veranlassung etwas zu ändern, es läuft ja alles so lala.

Es bringt auch gar nichts ihn schlecht zu machen…möglicherweise fühlt er sich schon wie ein Nichts…es gibt natürlich auch Phasen im Leben, in denen man sich lieber verkriecht, weil man schon mit sich selbst nicht klar kommt…in der Pubertät ist das durchaus der Fall.
Dann muß man jemanden aber nicht noch hineintreiben und das Verhalten schüren.

Wenn er für sich bleiben will ok. Aber das Zeug für seine Vergnügungen muß er sich schon selbst besorgen.
Keine Vergünstigungen mehr und kein Hinterhergetrage von irgendwelchen Dingen…dazu gehlören zB. auch Klamotten oder ähnliches.

Es wäre besser ihn in zu animieren und in seinem Vorhaben zu bestärken, als ihm immer wieder seine Schwächen vorzuhalten…das würde mich auch nicht motivieren. Besorg ihm doch mal Informationsmaterial von der Bundeswehr und legs ihm hin (da hast Du ihm zwar auch wieder etwas besorgt…aber vielleicht etwas was ihn mehr als interessiert und neugierig macht) Neugier ist manchmal ein guter Motivator. Vielelicht gibt ihm das eine neue Perspektive.

Gruß
Maja

PS ansonsten ruf doch mal anonym bei der Nummer gegen Kummer an
http://www.nummergegenkummer.de/
0800 1110333 Kinder/Jugentelefon
0800 1110550 Elterntelefon

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Hi

Mit dem „Saufen“ verhält es sich eher nicht so, wie Du jetzt wahrscheinlich denkst -

Das kann sein, aber das Folgende finde ich schon schlimm genug.

Ja, und den ganzen Tag schläft er entweder auf seinem Zimmer oder er sitzt vor dem PC, spielt irgendwelche Kriegsspiele und hört dabei laut Musik.

Es ist ja nicht nur das, was er tut, sondern auch das, was er nicht tut (wie z. B. irgendwelche Herausforderungen bestehen, sich an der frischen Luft bewegen). Den ganzen Tag rumsitzen ist zum Beispiel auch extrem gesundheitsschädlich, und man entwickelt sich dabei nicht weiter. Und wenn man sich nicht weiterentwickelt, dann entwickelt man sich zurück. Was nicht wächst, das verfällt, das ist ein Naturgesetz.

Wenn ich zu einem Jugendamt gehe, dann habe ich ein schlechtes Gewissen, meine Familie zu verraten und in den Rücken zu fallen. :frowning:

Das kann ich gut verstehen, aber ansonsten könntest du nur schauen, wie du selber heil aus der Sache rauskommst. Und das solltest du mindestens tun, wenn es geht. Vielleicht könntest du dadurch auch deinem Bruder helfen (durch Vorbild). Oder vielleicht könntest du zu Hause ausziehen und für deine Geschwister dadurch eine Anlaufstelle außerhalb des Elternhauses bieten? Das war nur eine spontane Idee.

Vielleicht kannst du ja auch zu einer Beratungsstelle oder einem Psychologen gehen und dir da zur Entscheidungsfindung (was du da tun könntest) weiterhelfen lassen. Da könntest du wenigstens alles hin- und herüberlegen, das ist geheim (Schweigepflicht), und die wissen auch eher, welche Möglichkeiten das Jugendamt hätte, und wahrscheinlich kennen die auch das örtliche Jugendamt etwas genauer.

Was kann ich bloß machen, in meiner Familie scheint es sonst niemanden zu kümmern. Sie meinen halt alle, „Lass nur, das renkt sich irgendwann schon wieder von selbst ein.“

Das sehe ich auch anders. Ich sehe das einfach als schlechten Start ins Leben. Natürlich sind damit noch nicht sämtliche Züge abgefahren, aber einige sind es schon, und täglich fahren weitere Züge ab. Es ist sicher nicht schlimm, wenn man als Jugendlicher Fehler macht, aber es ist schlimm, wenn man lange Zeit gar nichts macht. Und wieso sollte es sich von alleine wieder einrenken, wo doch die Realität von deinem Bruder so ferngehalten wird? Es wird ihm ja anscheinend gar nicht zugetraut, die Realität zu verkraften. Das baut ihn sicher auch nicht gerade auf.

Aber ich sehe da überhaupt gar keinen Antrieb seitens meines Bruders, irgendwas zu unternehmen…

Es scheint ja so, als würden ihm sämtliche Antriebe ausgeredet. Oder wenigstens der eine.

Obwohl ich das auch so sehe, dass heutzutage ein Soldat damit rechnen muss, dass er im Ernstfall eingesetzt wird, und dass er evtl. nicht sehr alt wird. Ich sage meinem Sohn (15) auch, dass er lieber Ersatzdienst machen soll. Aber wenn er unbedingt Wehrdienst machen wollte (was nicht der Fall ist), würde ich ihm das nicht ausreden, er sollte sich nur klarmachen, dass das kein Spiel ist.

Viele Grüße

Nochmal ich

wichtig fände ich es auch, dass ihm Aufgaben übertragen werden, damit er selbst für etwas verantwortlich ist (und auch seinen Beitrag innerhalb Eures Familienverbandes leisten kann)

Verantwortung für etwas zu übernehmen, stärkt auch das Selbstwertgefühl.

Hallo

was sich darin äußert, dass er nett zu ihm ist wenn er ihn sieht, aber sich ansonsten nicht mehr um ihn kümmert.

Das ist ja noch schlimmer als Fiesheit …

Viele Grüße

Hallo Tobi,

Kann mir irgendwer helfen und sagen, wieso er sich so verhält?
Könnte es sein, dass er sexuell missbraucht wurde und sich
deshalb so konsequent auf sein Zimmer vor den Computer
zurückzieht?

Sein kann natürlich alles, aber ich würde zuerst nach anderen Erklärungsmöglichkeiten suchen.
Wir können alle natürlich auch nur raten, aber einen Versuch ist es ja wert…

Ich versuche mal die Lage zusammenenzufassen, vielleicht kann dir das als Denkanstoß dienen:
Dein Bruder, fast volljährig:

  • hat Hauptschulabschluss, weil ihn ein höherer Abschluss nicht interessiert, obwohl er das Zeug dazu hätte
  • insgesamt eher still, verkriecht sich gerne in seinem Zimmer
  • beschäftigt sich vor allem mit Fernsehen, Computer, Rauchen und Trinken
  • spricht nicht mit euch (höchstens noch mit der Mutter)
  • kommt nur zu euch, wenn er etwas will (bekommt auch alles, was er will)
  • wollte gerne zum Bund, wurde ihm von euren Eltern ausgeredet

Meine persönlichen Eindrücke beim Lesen:

  • Die Situation ist schon ziemlich verfahren, ich weiß nicht, ob du oder deine Eltern die Lage wirklich in den Griff bekommen werden.

  • Es scheint eine Art Auslöser für sein Verhalten gegeben zu haben, ab einem gewissen Zeitpunkt ist ihm alles scheißegal.

  • In eurer Familie wird nicht geredet.

  • Deiner Familie/deinen Eltern scheint die Meinung/das Verhalten deines Bruders ziemlich egal zu sein. Wie ich darauf komme?

Mein Bruder wollte eine ganze Zeitlang gerne zur Bundeswehr gehen […] Aber :meine Eltern wollten das nicht und haben es ihm wohl mit der Zeit ausgeredet, :indem sie immer wieder zwischendurch irgendwelche Kommentare zum Militär gemacht :haben.

dessen Endergebnis meine Eltern dann wohl quittieren werden,
indem sie eine Wehrdienstverweigerung für ihn schreiben.

Meine Mutter meint, ich solle ihn in Ruhe lassen und ihn nicht auf sein :Verhalten ansprechen. Es regele sich schon alles von selbst irgendwann.

Für mich (Achtung! persönliche Meinung) klingt das so, als ob dein Bruder die Erfahrung gemacht hat, dass seine Wünsche sowieso nicht zählen oder er auch nicht als wichtig wahrgenommen wird. Dass er dann mit Null-Bock-Haltung reagiert, ist nachzuvollziehen.
Außerdem (entschuldige!) benimmt er sich unmöglich, bekommt aber trotzdem alles in den Ar… geschoben. Welchen Anreiz hat er denn, sein Leben zu ändern? So wie es klingt keinen.

Vielleicht ändert sich ja etwas, wenn er Bund oder Zivi macht. Warum schreiben eigentlich deine Eltern die Wehrdienstverweigerung? Was will denn dein Bruder? Er ist doch kein kleines Kind, dem man eine Entschuldigung für die Schule schreibt. Wenn er zum Bund will, dann soll er gehen, wenn nicht, dann soll er sich selbst drum kümmern.

An Stelle deiner Mutter würde ich auch aufhören, ihn mit Zigaretten, Alk und DVDs zu versorgen. Wenn er etwas will, dann muss er sein Zimmer schon selbst verlassen. Außerdem vermute ich, hat er überhaupt keine Ahnung, was das alles kostet und dass andere Leute für ihn arbeiten, während er in seinem Zimmer hockt.

Hat denn dein Bruder irgendwelche Pläne, von denen du weißt?

Was ihr bräuchtet, wer jemanden, der mit deinem Bruder im Vertrauen reden kann. Wie es aussieht, ist die Situation bei euch daheim aber so verfahren, dass von euch wahrscheinlich keiner in Frage kommt. Wie sieht es denn mit dem Freund deines Bruders aus?

Gruß
Kati

Hi Tobi,

ich bin eigentlich nicht in dieses Forum gekommen, um
ausgelacht zu werden! :frowning:

Zwischen Lachen und Auslachen liegt ein himmelweiter Unterschied, nicht?

Sorry, aber ich mache mir echt
Sorgen um meinen Bruder.

So habe ich das auch verstanden.

Manchmal ertappe ich mich schon bei
dem Gedanken, dass endlich der Musterungsbescheid ins Haus
flattert und meinen Bruder in Gang setzt, dass er endlich mal
was unternimmt.

Ja, Du hoffst auf erzwungene „Hilfe“ von Außen - aber selbst ändern willst Du/wollt ihr - nichts.

Ich dachte auch, seine Entscheidung mit der
Bundeswehr wäre gut für ihn selbst, damit er endlich mal ein
wenig Abstand von Zuhause bekommt,

So ist es. Ich bin zwar kein Fan der Bundeswehr oder welcher Heere auch immer, aber die „neutral“ erzwungene Disziplin, die Anforderungen an Kameradschaftlichkeit = soziale Kompetenz kann ich mir als durchaus heilsam vorstellen.

aber da haben meine Eltern
ihm jetz wohl Angst vor gemacht…

Die machen ihm Lebensangst und verhindern deshalb, sich dem Leben zu stellen.

Es wird übrigens kein Rekrut gezwungen, nach Afghanistan zu gehen…

Was ich Dir sagen wollte: Ihr müsst Euren Bruder „in die Pflicht“ nehmen, um ihm zu helfen und ihm nicht den eigenen Arsch nachtragen.

Gruß,

Anja
Mutter zweier Söhne (30 & 34)

Hallo Tobi

Könnte es sein, dass er sexuell missbraucht wurde und sich
deshalb so konsequent auf sein Zimmer vor den Computer
zurückzieht? Ich wüßte wirklich gerne, was mit ihm los ist.
Ich habe schon Angst, er könnte sich zu einem Amokläufer
entwickeln

Hast wohl gerade den Amoklauf-Krimi im Fernsehen geguckt, was?
Naja, jeder ist ja nun auch nicht in seiner Kindheit sexuell missbraucht worden, bloß weil er seine Pubertät gerade mal so zuende bringt, wie es die anderen Familienmitlieder nicht haben wollen.
Das müsste ja dann ein regelrechter Massenmissbrauch gewesen sein in den letzten Jahren, so nach Art der amerikanischen Sekten da.
Nein, bleiben wir mal hübsch auf dem Teppich und lassen ihn seine Pubertät in Ruhe abschließen.
Der letzte macht dann bitteschön das Licht aus. :smile:
LG,
Margeaux