Was schreibt ein Therapeut während der Sitzung auf

Guten Tag, mich würde mal interessieren was ein Therapeut während einer Psychotherapie aufschreibt? Macht er sich Notizen was der Patient sagt? Oder sind es vielleicht eher die nonverbalen Eindrücke, die er vom Patienten gewinnt? Freue mich auf aufklärende Antworten! Liebe Grüße

Hi,

Es kommt auf den Therapeuten und seine Therapiemethode an!

Ein klassischer Psychoanalytiker würde z.B. auf deine Triebkonflikte achten und dementsprechend Notizen machen.

Ein Verhaltenstherapeut würde auf dein Verhalten achten.

Wiederum andere achten darauf, ob sich bei einer bestimmten Erzählung die du tätigt, Affekte zeigen oder nicht. Wenn du z.B. von einer Vergewaltigung erzählst ohne jeden Affekt, hast du es etwa vielleicht schon perfekt verarbeitet. Was aber wahrscheinlicher ist, ist, dass du die Gefühle total verdrängt hast.

mich würde mal interessieren was ein Therapeut während einer Psychotherapie aufschreibt? Macht er sich Notizen was der Patient sagt? Oder sind es vielleicht eher die nonverbalen Eindrücke, die er vom Patienten gewinnt?

Ob er etwas aufschreibt oder nicht, hängt vor allem davon ab wie gut sein Gedächtnis ist, und wenn es schlecht ist, davon, wie ernst er seine Aufgabe nimmt.

Ansonsten passiert in der Psychotherapie so ziemlich das gleiche wie in einer gewöhnlichen zwischenmenschlichen Beziehung, d.h. beide Seiten achten sowohl darauf, was der Gegenüber sagt, als auch auf die nonverbal vermittelten Eindrücke. Allerdings geht ein erfahrener Therapeut sehr viel bewusster mit dem Phänomen der sonst überwiegend unterhalb der Schwelle zum Vollbewusstsein ablaufenden Kommunikation um (sowohl zwischen den ‚Zeilen‘ des Gesagten wie dem der Körpersprache ‚lesend‘), um seinem Patienten gegebenenfalls auf ihm Unbewusstes aufmerksam machen zu können. Und was während der Sitzungen jeweils vor allem thematisiert wird, ist auch je nach Richtung der therapeutischen Methode sehr verschieden. In der Psychoanalyse Freuds etwa, werden schwerpunktmäßig Träume untersucht; sie lassen sich ebenfalls nur in Form einer Mischung aus artikulierter und Körpersprache mitteilen…

Guten Tag, mich würde mal interessieren was ein Therapeut
während einer Psychotherapie aufschreibt? Macht er sich
Notizen was der Patient sagt? Oder sind es vielleicht eher die
nonverbalen Eindrücke, die er vom Patienten gewinnt? Freue
mich auf aufklärende Antworten! Liebe Grüße

Liebe® Abendrot

ich schreibe zu Beginn einer Therapie so über 2-3 Stunden die biografischen Fakten auf die der Patient mir erzählt, weil ich ja für mich, und auch für die Krankenkasse eine Arbeitshypothese erstellen muß, damit ich eine vorläufige Erklärung dafür habe, warum der Patient jetzt eine bestimmte Symptomatik entwickelt und wie diese Symptomatik im Zusammenhang mit der Lebensgeschichte des Patienten steht.
Danach schreibe ich nur noch einen Satz oder manchmal nur ein oder zwei Wörter auf („ergiebige Stunde“, oder: „Widerstandsarbeit“) weil mich ein häufigeres mitschreiben ablenken würde.
viele Grüße nashorn

Ja. Richtig. Das finde ich irgendwie traurig, das es so ist. Erstmal die Symptomatik abklappern, sodass es irgendwie in das ICD-10 passt, damit man bezahlte Therpaiestunden von der Krankenkasse bezahlt bekommt.

Was meinst du mit Widerstandsarbeit? Ob der Patient deine Fragen nicht zu voller Zufriedenheit beantwortet? bzw. er bei deinem „Programm“ sich weigert mit zu machen?

Hallo,

Ja. Richtig. Das finde ich irgendwie traurig, das es so ist.

Warum findest Du das traurig? Das therapieren besteht nicht aus Protokollschreiben.

Erstmal die Symptomatik abklappern, sodass es irgendwie in das
ICD-10 passt, damit man bezahlte Therpaiestunden von der
Krankenkasse bezahlt bekommt.

Das ist nun mal die organisatorische Voraussetzung für eine professionelle Therapie. Ein Therapeut ist kein Pfarrer oder ehrenamtlicher Seelsorger, sondern wird über die Krankenkasse abgerechnet und die Krankenkasse möchte wissen was sie bezahlen soll.

Was meinst du mit Widerstandsarbeit? Ob der Patient deine
Fragen nicht zu voller Zufriedenheit beantwortet? bzw. er bei
deinem „Programm“ sich weigert mit zu machen?

Ein Patient muss keine Antwort geben - und die Antwort die er (freiwillig) gibt kann weder richtig noch falsch sein und ein Therapeut trägt keine Erwartung in sich die das Gefühl von Zufriedenheit in Bezug auf eine Antwort erzeugt. Der Patient ehrlich, offen und zweifelnd sein, vielleicht auch die Bereitschaft zum an sich Arbeiten haben. Jeder Patient kann dadurch selber massiv die Qualität der Therapie verändern. Mit „Widerstandsarbeit“ meint er sicher einen Patienten, der nicht bereit ist mitzuarbeiten, bzw. nicht erkennt worum es geht.

Viele Grüße

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Hallo!

Mit
„Widerstandsarbeit“ meint er sicher einen Patienten, der nicht
bereit ist mitzuarbeiten, bzw. nicht erkennt worum es geht.

Nein, er meint den terminus technicus „Widerstandsarbeit“ bestimmt noch „tiefer“ als -pauschal ausgedrückt- die gemeinsame Arbeit von Therapeut und Patient an unbewussten Abwehrmechanismen, die den therapeutischen Zielen entgegenstehen.

Solcher Widerstand kann sich zum Beispiel auch als besonders eifriges Mitarbeiten des Patienten ausdrücken.

Ansonsten stimme ich jedem anderen Satz deines Posts zu.

_ ℂ Λ ℕ Ð I Ð € _

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Was aber

wahrscheinlicher ist, ist, dass du die Gefühle total verdrängt
hast.

Ja.Und aus eben diesem Grunde gibt es in jeder (!) Therapie Widerstände, die aus eben der Instanz kommen, die verdrängt hat.
Es ist ein Wechselspiel von Entwicklugsimpulsen und Widerständen.
Letztere richtig zu erkennen und eingefühlt bewusst zu machen ist Teil jeder analytischen Therapie.
DAs darf man sich schon auch mal notieren, wenn man zwischen 5 und 10 Patienten am selben Tag hat.
Warum so grätzig oben bei Nashorn Antwort?

Gruß,
Zahira

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Gern beantworte ich dir diese Frage.

Als ich das Posting von Nasi gelesen habe, ging mir unterschwellig eine Sache durch den Kopf: „er kann alles als widerstandsarbeit auffassen, was nicht in seine theorie oder in sein modell hineinpasst.“

Um ein gravierendes Beispiel zu nennen:

Jemand erzählt von einer Vergewaltigung, aber der Analytiker glaubt nicht daran das es wirklich real passiert ist, sondern einzig und alleine eine Ausgeburt der Phantasie des Patienten ist. Der Analytiker wird nun alles als Widerstandsarbeit auffassen, wo der Patient sich weigert die Vergewaltigung als eine reine Phantasie zu betrachten.

Der Therapeut „umschließt“ den Patienten mit seiner Theorie.

Dadurch wird der Patient gedemütigt und entmachtet. So wird ein Boden geschaffen, welcher für eine Therapie nicht nahrhaft ist.

Mir ist bewusst, dass das nicht immer so ist. Aber das war es was mir dort durch den Kopf gegangen ist.

Liebe Grüße :smile:

Hallo!

Als ich das Posting von Nasi gelesen habe, ging mir
unterschwellig eine Sache durch den Kopf: „er kann alles als
widerstandsarbeit auffassen, was nicht in seine theorie oder
in sein modell hineinpasst.“

Ja, das kann passieren und passiert und das ist alles andere als gut.
Aber da weiter oben ja ein persönliches Gespräch zwischen individuellen Menschen statt findet, wäre es schöner, das Grundsätzliche vom Konkreten zu trennen.
Denn zunächst einmal geht es, wie Du auch schreibst, durch Deinen Kopf, und hat mit dem Menschen, an den Du die Worte richtest nicht sicher etwas zu tun.
Andere Ebene: Weisst Du smit Sicherheit, dass Nashorn das so macht?
Kannst Du das wissen?
Wenn die Antwort nein ist, dann würde eine solche Antwort unschöne Verstrickungen verursachen die hier zwar relativ harmlos, in der Natur der Sache aber die Grundlage für vieles Ungemach sind.

Um ein gravierendes Beispiel zu nennen:

Jemand erzählt von einer Vergewaltigung, aber der Analytiker
glaubt nicht daran das es wirklich real passiert ist, sondern
einzig und alleine eine Ausgeburt der Phantasie des Patienten
ist. Der Analytiker wird nun alles als Widerstandsarbeit
auffassen, wo der Patient sich weigert die Vergewaltigung als
eine reine Phantasie zu betrachten.

Der Therapeut „umschließt“ den Patienten mit seiner Theorie.

Schon klar, ich verstehe Dich und finde die Bewusstheitüber die Möglichkeit solcher möglicher Schatten im Therapeuten auch wichtig.
Aber in eine Therapeuten/Klientenbeziehung muss man sich ein Stück weit einlassen, das geht nicht ohne Vertrauen.
Und solange keine Erfahrungen mit Nashorn vorliegen, die einen ernsten Verdacht auf eben so ein Verhalten aufkeimen lassen, wäre es konstruktiver, ihm zunächst einmal zu vertrauen.
In steter Achtsamkeit, man wird als Klient ja nicht völlig unmündig.
Ausserdem kann es sich bei solchen Verdächten tatsächlich um Übertragungen handeln, die so ausagiert, die Therapie, wenn der Therapeut damit nicht sehr umsichtig zu reagieren im Stande ist, grundsätzlich limitieren.
Ein guter Therapeut freilich wird mit solchen Widerständen frei und liebevoll umgehen können, das ist die andere Seite.

Der Sprung, zu vertrauen, muss allerdings wirklich vom Klienten geleistet werden, und das sind dann die Punkte, wo es wirklich weiter geht.
So ist das mit den Widerständen.

Dadurch wird der Patient gedemütigt und entmachtet. So wird
ein Boden geschaffen, welcher für eine Therapie nicht nahrhaft
ist.

Schlimmer noch, sie kann dann traumatisieren.

Mir ist bewusst, dass das nicht immer so ist. Aber das war es
was mir dort durch den Kopf gegangen ist.

Hm, ja.
Das hat aber mit Nashorn nichts zu tun.

Liebe Grüße zurück!

Zahira

was er muss und was er will
hi,

rechtlich sind wir als therapeuten verpflichtet, von jeder sitzung ein protokoll anzufertigen, dass namen, datum und inhalt, sowie methode der sitzung benennt.

das könnte man in einem dreizeiler abhaken.

die persönlichen aufzeichnungen während der sitzung sind bei mir „geniale zitate“ der patienten, die entweder sehr gut aufzeigen können, wie die störung gelagert ist, oder zeigen, wie die entwicklung vorangeht, oder besonders gut ausdrücken, welches gefühl vorherrscht.

und nicht zu vergessen: sätze, von denen ich viel lernen kann!