ja, ich möchte es sogar noch extremer ausdrücken als du:
(fast)ALLE psychischen Störungen entstehen in der Gegenwart -
unter anderem durch die Faktoren, die du aufgeführt hast. Dazu
kommen traumatische Ereignisse, das wären quasi die Armbrüche
(oder schlimmeres) der Psyche.
Hmm, meine psychische Erkrankung entstand in der Kindheit, in der ich gezwungen war, Bewältigungsstrategien zu entwickeln, die heute nicht mehr adäquat und notwendig, sondern sogar hinderlich sind, die ich jedoch nicht so ohne weiteres ablegen kann.
Natürlich kann ein Kindheitstrauma bleibende Schäden
hinterlassen, aber die heutigen Probleme entstehen auch da nur
durch heutiges Verhalten.
Ich würde nicht von „bleibenden Schäden“ sprechen, sondern wie ich oben geschrieben habe, von Verhaltensstrategien, die in der Gegenwart nicht mehr adäquat sind, und die mit entsprechender professioneller Begleitung geändert werden können.
Ich meine, zu konstruktiven Lösungen kommen wir nur, wenn wir
uns klar machen, dass psychische Probleme nur durch unser
gegenwärtiges Verhalten entstehen und auch nur in der
Gegenwart behandelt werden können (medikamentöse Behandlung
beziehe ich da durchaus mit ein).
Es hilft aber schon, zu wissen, dass die Ursachen in der Vergangenheit liegen.
Graben in der Vergangenheit und Beschuldigung von Eltern,
Schule oder sonstigem mag nachvollziehbar sein, konstruktiv
ist es nicht.
Im allgemeinen stimmt das, jedoch bei (schweren) Misshandlungen in der Kindheit muss dem Patienten erstmal vermittelt werden, dass er/sie keine Mitschuld an dem Geschehen trägt, sondern allein der Täter verantwortlich und schuldig ist. Opfer neigen nämlich dazu zumindest einen Teil der Schuld bei sich zu suchen. Das gilt im übrigen für alle misshandelten Menschen, nicht nur für jene, die in der Kindheit Opfer wurden.
Gruß ina
Gruß
morrighan.