Hallo pertincoion,
Ich bin auch einer der ‚Aussteiger‘. Und wollte mal etwas
darüber sagen. Ich bin nicht ganz der Meinung, das alle
Berichte von Aussteigern/Ausgeschlossenen stimmen.Das sehe ich ebenso. Deshalb schrieb ich ja, dass ich nicht
glaube, dass schlichtweg alle Berichte erstunken und erlogen
sind. Das besagt ja, dass man meines Erachtens mit
mindestens einem unstimmigen Bericht rechnen muss.In meinem Fall ist dies so. Ich habe mich mit einem Brief an
die Ältesten gewendet, indem ich mich von den ZJ getrennt
habe. Warum habe ich mich getrennt? Ich habe mich in jemanden
verliebt und wusste das Gott das verurteilt (manchmal hat man
auch die rosarote Brille auf).Wenn in einer Organisation der Glaube genährt wird, Gott würde
es verurteilen, einen Menschen zu lieben, ist das schon der
ausreichende Grund für einen Austritt. Gott verurteilt Liebe
nie. Egal wie sie aussieht, weil Johannes sagt: „Gott ist
Liebe.“ Wer also liebt, trägt Gott in sich und ist nicht von
ihm verurteilt:Niemand hat Gott jemals gesehen. Wenn wir einander
lieben, bleibt Gott in uns, und seine Liebe ist in uns
vollendet. (1. Joh 4,12) .
Ich habe ja, muss ich fairer weise sagen, nicht erwähnt, das es keine ‚normale‘ Liebe ist. Ich habe mich in einem Mann verliebt. Ich weiss aus eigenem betrachten der Bibel, das Gott das nicht gut heisst (1.Korinther 6:9 indem es u.a. heisst, dass Männer die bei einem Mann liegen Gottes Königreich nicht erben werden). Allerdings hast du Recht, das Gott Liebe ist und wenn ich mich ändern würde ich auch in seiner Liebe bin. Jedoch ist dies nicht einfach, da ich ihn (meinen Partner) genauso Liebe wie Gott. Also stehe ich mit mir selber im innerlichen konflickt.
Auch habe ich kontakt zu den meisten meiner
Familienangehörigen (viele sind ZJ) jedoch reden wir nicht
über den Glauben.Hmm. Kontakt „nur“ zu den Meisten? Und warum kein Gespräch
über den Glaubem? Du hast doch gesagt, Du glaubst an das
Lehrwerk der ZJ. Also warum sprecht ihr nicht drüber?
Die Familienbande bleibt ja bestehen, und es ist eine Gewissenssache der jeweiligen Personen mit mir Kontakt zu haben oder nicht. Ich akzeptiere diese, so wie sie ist. Ich, für meinen Teil, denke, dass man mit Sicherheit auch darüber reden könnte, jedoch würde ich meine Familie in keinen Gewissenskonflikt reindrängen und so würde ich einen Ältesten kontaktieren (im übrigen kommt regelmässig einer vorbei, der mir u.a. die Zeitschriften bringt).
Ist der Ausschluss aus der Gemeinschaft der ZJ ein ‚brutales‘
Instrument? Ich finde NEIN.Also ich fände es brutal, wenn die Ev.-Luth. Kirche mich
rauswerfen würde, nur weil ich nicht in allen Punkten mit ihr
übereinstimme. Diese „Friss oder Stirb“-Mentalität kenne ich
von keiner der Großkirchen.
Da könnte ich dir einen bekannten Menschen nennen (ist aus der römisch-katholischen Kirchen). Galileo z.B. wurde für seine Behauptung in Bezug auf die Erde exkommuniziert. Er wurde erst letztes Jahrhundert erst rehabilitiert.
Warum? Ich vergleiche das gerne
mit einem Vertrag den zwei Geschäftsleute schliessen. Wenn ich
mich Taufen lasse, unterschreibe ich sogesagt einen Vertrag
indem ja auch Richtlinien aufgeführt sind sowie auch
Sanktionen. Wenn ich vertragsbrüchig werde, muss ich auch mit
den konsequenzen rechnen.Sorry, das ist m. E. ein recht unzuverlässiger Vergleich. Eine
Taufe ist kein Vertrag zwischen zwei Geschäftsleuten, die
daraus „mutual benefit“ ziehen wollen, um sich dann im Falle
des Vertragsbruches über Konventionalstrafen zu streiten,
damit sie ihre Rechte durchzusetzen können. Die Taufe ist die
Teilhabe im Leiden und Auferstehen Christi und daher ein
erlösendes Bündnis zwischen dem Täufling und dem gütigen und
ewiglich gnädigen Gott der Christen.
Mit der Taufe verspricht man ja Gott ihm zu gehören. Desweiteren weiss man zu diesem Zeitpunkt (da man vorher ja die Bibel betrachtet hatte), welche Regeln Gott aufgestellt hat. in meinem Fall habe ich mich ja gegen diese Regel gestellt. Somit habe ich das versprechen ja auch gebrochen. Ich wollte ja nichts ändern. Allerdings, wenn ich es ändern würde, glaube ich, das Gottes Liebe gross ist und er mich wie ein verlorener Sohn wieder aufnimmt.
Interessant finde ich auch, dass man hier sagte, JZ würden nur
ihre Bibel benutzen.
Ich kenne jedoch viele, die mehrere
unterschiedliche Übersetzungen haben und in den Publikationen
werde sehr oft auch andere Bibelübersetzungen genutzt (z.B.
Elberfelder sowie auch aus dem englischem übersetzte Bibeln).
Jedoch, ich habe die Einheitsübersetzung gelesen, ist m. E.
die NWT eine gute und verständlichere Übersetzung.Ja, der „Guten Nachricht“ sagt man auch ein erfrischendes
Deutsch nach. Gleichzeitig ist ihr aber auch der Makel
angehaftet, dass sie bestimmte Wortwendungen, die des
Verständnisses wegen nicht ganz unwichtig sind, so sehr
modernisiert, dass das Gewicht der urtextlichen Worte nicht
mehr richtig zum Tragen kommt. Deshalb ist sie für 14-jährige
Konfirmanden gut, aber für Studienzwecke wenig geeignet. Also
nur, weil eine Bibel leicht zu lesen ist, besagt das nicht,
dass sie deshalb sinnvoller zur Anwendung gebracht werden
kann.
Das ist eigentlich nur eine Übersetzungssache. Man kann Texte kompliziert oder auch verständlich übersetzen ohne den Sinn zu verändern. Die Bibel sollte doch ein Buch sein, das alle Menschen verstehen würden. Die Sprache an sich ist immer im Wandel und desswegen habe ich nichts gegen modernere bzw. verständlichere Übersetzungen. Wenn sich jemand sich für die Bibel interessiert, hat er ja die Wahl, sich den gleichen Text in anderen Übersetzungen anzuschauen.
Allerdings wirst Du zugeben müssen, dass sich in der NWÜ der
Wachturmgesellschaft einige Dinge finden, die man in keiner
anderen Bibel liest, oder? Und merkwürdigerweise passt dann
die Bibel der Wachturmgesellschaft auch haargenau auf deren
Lehrwerk. Hält man (eigentlich alle) anderen
Bibelübersetzungen dagegen, tun sich diverse Fragen auf.
Interessant finde ich allerdings, dass man in vielen Publikationen der WTG den Leser ermuntert die Bibelstellen in der eigenen Bibel, also nicht der NWÜ, nachschlägt. Warum sollte die WTG dies tun, wenn sie was zu verheimlichen hätte, bzw. wenn sie die NWÜ angepasst hätte.
Gruss
tigger
Gruss
Sven
