Hi Kermit,
ich kann Dich verstehen - manchmal plagt mich auch der leise Missmut, dass ich aufgrund der damaligen Umstände nicht studieren konnte - es musste eben Geld rein, sonst wäre hätte ich wohl Biologie und Informatik belegt (hier auch mein Tip, die Fächer sind eine schöne Kombination).
Wird den Schülern nichts „vom wirklichen Leben“ vermittelt?
Das wirkliche Leben ist, dass man in der Wirtschaft nur bestehen kann, wenn man sich zu einem Rädchen macht, das in der Maschinerie läuft - dazwischen hat man noch manche Erlebnisse, die das Leben würzen, hauptsache man steht nicht still. Die Studienzeit - höre ich zumindest immer wieder - soll ja was tolles sein und hat damit noch relativ wenig zu tun, ist aber eine Vorbereitung (besonders wenn man nicht von Haus aus alles in den Allerwertesten geschoben bekommt und sich durchschlagen muss). Am Ende bleibt die Hauptsache, man mag den Job, den man macht (für mich war das immer Voraussetzung), dann und nur dann ist man zufrieden und findet die Erfüllung - zumindest im Arbeitsleben.
Das Schlimmste ist, ohne Ziele im Leben zu stehen, das legitimiert auch, an so einem Punkt im Leben andere Meinungen einzuholen, wie es der Fragesteller tut, und die Möglichkeiten für sich selbst abzuwägen.
Wie kann man jemandem das Abitur - sprich die nötige
Reifeprüfung - anerkennen, der mit sich und seinem Leben
nichts anzufangen weiss !
Die Reifeprüfung besteht aus schriftlichem und mündlichen Tests, reif meint hier reif fürs Arbeitsleben, nicht ob man erwachsen ist, Ziele hat und für die eigenen Handlungen einstehen kann.
Oder hast Du genug Bargeld um ein Studium zu finanzieren? Dann
meinen Glückwunsch an Dich.
Trotz aller Zuschüsse, die es mittlerweile gibt, es bleibt ein hartes Geschäft - besonders in den Universitätsstädten, weil es viele Studenten gibt. Aber es bleibt möglich, wenn man die Zeit und das nötige Engagement hat, sich früh genug um alles kümmert, und das Ganze mit Plan macht. Auch wenn es sich so manche nicht eingestehen wollen, für die meisten ist Student ein Full-Time Job.
Sieh Dich um. Lies Wirtschaftsblätter. Sei aufmerksam im
täglichen Leben. Schon könntest Du auf eigenem Wege
herausfinden, welchen Zeitvertreib Du nach der Schulzeit
anstreben willst.
Hier gebe ich Dir Recht, bis auf die Wirtschaftsblätter. Wenn man nur studiert, um mehr Geld zu verdienen, ist das ein ziemlich armer Beweggrund - die Berufung fehlt, die Motivation, das innere Gefühl ‚ja, das bin ich!‘. Ich habe nicht studiert, einen ganz anderen Weg eingeschlagen als ich früher mal dachte, und mir macht inzwischen jeder Tag trotzdem Freude, das beste ist, stolz darauf zu sein, was man erreicht hat, sich vor Augen zu halten, was man noch erreichen kann und sich nicht sinnlos mit dem grämen, das man zu erreichen versucht, aber nicht konnte.
Oder sollte Deine Frage nur ein Hinweis für die Leser sein:
„Juhu - ich hab’s Abi“
Das war unnötig 
(hatte nur Durschnitt 1,9 und damit keinen Medizin
Studienplatz ergattern können)
Das tut mir leid, Du warst bestimmt sauer. Aber Du scheinst Deinen Weg und die Freude im Leben ja trotzdem gefunden zu haben, hast andere wertvolle Erfahrungen und nur das zählt - ob man studiert oder nicht, so what. Wer kann und mag, der soll es auf jeden Fall tun - muss sich der Sache aber gefühlsmäßig sicher sein. Vorschläge anhören und am Ende selbst denken.
Sorry für das viele Geschreibsel, die Gedanken musste ich mal loswerden.
Schönen Gruß,
Rudy