Was soll ich bloß studiern?

Gegen Literaturwissenschaftler hab ich ganz und garnichts :smile:.
Im Gegenteil… wäre definitv besser, wenn sich mehr Studentne
für so nen Studiengang entscheiden, als für BWL oder Jura.

Jura ist einer der härtesten Studiengänge, die ich kenne. Man benötigt eine Menge Biss, um das durchzuziehen. Die 2 Stex sind kein Spaziergang. Allerdings sind die Jobaussichten wirklich mau. Das könnte sich ändern, da der Altersdurchschnitt der Anwälte ziemlich hoch ist. Sprich: die werden bald vom Arbeitsmarkt gehen und das könnte unglaubliche Potenziale für jene jungen Anwälte öffnen, die derzeit auf dem Arbeitsmarkt umherirren.

BWL’ler haben soweit ich weiß noch mit die besten Jobaussichten überhaupt. Und es ist sowas wie eine urban legend, dass BWL’ler ihr Diplom hinterhergeschmissen bekommen. Dort wird unglaublich gesiebt. Nur ca. 1/3 der Anfänger macht wirklich den Abschluss.

Ich habe auch nichts gegen Literaturwissenschaftler. Möchte aber nur, dass das mehr Leute studieren, falls dort ein Mangel herrscht und nicht, weil ich vielleicht keine BWL’ler und Juristen mag.

Hallo,

IMHO geht es hier um die gleiche Frage, mit der mich
schon meine Schwester vor 30 Jahren genervt hat.
Ich habe Theaterwissenschaft studiert.
„Und was bist du, wenn du fertig bist?“
Theaterwissenschaftler.
„Ja, aber, welcher Beruf?!“

Wenn jemand auf Lehramt studiert, stehen die Chancen
recht gut, dass er am Ende Lehrer wird (nicht ganz zwingend,
aber immerhin). Als Theaterwissenschaftler (und das
trifft auf viele Studiengänge zu) ist man, aber man hat
damit keinen Beruf. Das kommt danach. Deshalb ist
der Ansatz vom „zielgerichteten Studieren“ in vielen
Fällen der falsche.

Gruß
Elke

Hi Kermit,

ich kann Dich verstehen - manchmal plagt mich auch der leise Missmut, dass ich aufgrund der damaligen Umstände nicht studieren konnte - es musste eben Geld rein, sonst wäre hätte ich wohl Biologie und Informatik belegt (hier auch mein Tip, die Fächer sind eine schöne Kombination).

Wird den Schülern nichts „vom wirklichen Leben“ vermittelt?

Das wirkliche Leben ist, dass man in der Wirtschaft nur bestehen kann, wenn man sich zu einem Rädchen macht, das in der Maschinerie läuft - dazwischen hat man noch manche Erlebnisse, die das Leben würzen, hauptsache man steht nicht still. Die Studienzeit - höre ich zumindest immer wieder - soll ja was tolles sein und hat damit noch relativ wenig zu tun, ist aber eine Vorbereitung (besonders wenn man nicht von Haus aus alles in den Allerwertesten geschoben bekommt und sich durchschlagen muss). Am Ende bleibt die Hauptsache, man mag den Job, den man macht (für mich war das immer Voraussetzung), dann und nur dann ist man zufrieden und findet die Erfüllung - zumindest im Arbeitsleben.

Das Schlimmste ist, ohne Ziele im Leben zu stehen, das legitimiert auch, an so einem Punkt im Leben andere Meinungen einzuholen, wie es der Fragesteller tut, und die Möglichkeiten für sich selbst abzuwägen.

Wie kann man jemandem das Abitur - sprich die nötige
Reifeprüfung - anerkennen, der mit sich und seinem Leben
nichts anzufangen weiss !

Die Reifeprüfung besteht aus schriftlichem und mündlichen Tests, reif meint hier reif fürs Arbeitsleben, nicht ob man erwachsen ist, Ziele hat und für die eigenen Handlungen einstehen kann.

Oder hast Du genug Bargeld um ein Studium zu finanzieren? Dann
meinen Glückwunsch an Dich.

Trotz aller Zuschüsse, die es mittlerweile gibt, es bleibt ein hartes Geschäft - besonders in den Universitätsstädten, weil es viele Studenten gibt. Aber es bleibt möglich, wenn man die Zeit und das nötige Engagement hat, sich früh genug um alles kümmert, und das Ganze mit Plan macht. Auch wenn es sich so manche nicht eingestehen wollen, für die meisten ist Student ein Full-Time Job.

Sieh Dich um. Lies Wirtschaftsblätter. Sei aufmerksam im
täglichen Leben. Schon könntest Du auf eigenem Wege
herausfinden, welchen Zeitvertreib Du nach der Schulzeit
anstreben willst.

Hier gebe ich Dir Recht, bis auf die Wirtschaftsblätter. Wenn man nur studiert, um mehr Geld zu verdienen, ist das ein ziemlich armer Beweggrund - die Berufung fehlt, die Motivation, das innere Gefühl ‚ja, das bin ich!‘. Ich habe nicht studiert, einen ganz anderen Weg eingeschlagen als ich früher mal dachte, und mir macht inzwischen jeder Tag trotzdem Freude, das beste ist, stolz darauf zu sein, was man erreicht hat, sich vor Augen zu halten, was man noch erreichen kann und sich nicht sinnlos mit dem grämen, das man zu erreichen versucht, aber nicht konnte.

Oder sollte Deine Frage nur ein Hinweis für die Leser sein:
„Juhu - ich hab’s Abi“

Das war unnötig :smile:

(hatte nur Durschnitt 1,9 und damit keinen Medizin
Studienplatz ergattern können)

Das tut mir leid, Du warst bestimmt sauer. Aber Du scheinst Deinen Weg und die Freude im Leben ja trotzdem gefunden zu haben, hast andere wertvolle Erfahrungen und nur das zählt - ob man studiert oder nicht, so what. Wer kann und mag, der soll es auf jeden Fall tun - muss sich der Sache aber gefühlsmäßig sicher sein. Vorschläge anhören und am Ende selbst denken.

Sorry für das viele Geschreibsel, die Gedanken musste ich mal loswerden.

Schönen Gruß,
Rudy

Baz Luhrmann
Ach, wie schön kann es sein, wenn werweisswas interbrett-
mäßig zu Lösungen hilft.
Gestern fragte ich in „Musikrecherche“ nach einem Song,
den ich im Radio gehört habe. In weniger als gefühlten
5 Minuten, bekam ich Hilfe und den Text.

Hier ein Auszug - es handelt sich um ‚advice to somebody young‘:
„Don’t feel guilty if you don’t know what you want to do with your life. The most interesting people I know didn’t know at 22 what they wanted to do with their lives, some of the most interesting 40 year olds I know still don’t.“

Das Stück heißt „Everybody’s free (to wear sunscreen)“.

Gruß
Elke

*still looking*
Oh, und für die anti-anglophilen unter uns:
Rat für Jüngere:
„Spar dir die Schuldgefühle, wenn du nicht weißt,
was du mit deinem Leben anfangen sollst. The interessantesten
Menschen, die ich kenne, wußten mit 22 nicht, was sie mit
ihrem Leben anfangen wollten; einige der interessantesten
40jährigen wissen es immer noch nicht.“
Ist von Baz Luhrmann, der Text stammt von einer Kolumne
der Chicago Tribune, Autor: Mary Schmich.

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Hallo,

Also vllt sollte es irgendwas mit Computer und Mathe oder
sowas zu tun haben, n bissl international wenns geht^^
P.S.: Abi hab ich =)

http://www.fz-juelich.de/zam/ausbildung/mata/informa…

Daniel

Jetzt mal ein Hoch auf die BWL

BWL’ler haben soweit ich weiß noch mit die besten
Jobaussichten überhaupt. Und es ist sowas wie eine urban
legend, dass BWL’ler ihr Diplom hinterhergeschmissen bekommen.
Dort wird unglaublich gesiebt. Nur ca. 1/3 der Anfänger macht
wirklich den Abschluss.

Dem muß ich mich mal anschließen. Ich war genau so ein BWLer. Nicht direkt nen Plan und BWL war der kleinste gemeinsame Nenner. Das erste Jahr mag das alles noch lustig sein, dann mußt Du allerdings Deine Mathe / Statistik-Scheine auf den Tisch legen und genau dann geht ca. die Hälfte. Der nächste Schwund passiert dann beim Vordiplom.

Im übrigen würde ich gerade für etwas Orientierungslose diesen Studiengang empfehlen. Er ist einfach ne prima Basis für viele (sich noch entwickelnde) Interessen.

Ich bin mittlerweile sehr dankbar für mein BWL-Diplom, ohne diesen Abschluß hätte ich meine Traumjobs nie bekommen. Nur was tun muß man für den Abschluß auf jeden Fall.
PP

Hallo Nicolle,

ah ja, und sowas wie Literaturwissenschaften und ähnlich
unnötige Fächer wird dann abgeschafft, denn die brauchen wir
nicht, die sind nicht „zielführend“.

Um Gottes willen, es sollen keine Studiengänge abgschafft
werden. Ein Studium sollte ebenso eine zielführende Bildung
sein wie eine berufliche Ausbildung. Wer Literatur studieren
will, sollte schon vorher grob wissen, was er damit machen
will. (selber schreiben, in die Bibliothek, antiquariat,
Lehramt etc.) gibt ja etliche Möglichkeiten, nur sollte man
sich Gedanken machen.

hm, aber ob solche Gedanken dann geeignet sind, in einer Sendung wie bei Günter Jauch diskutiert zu werden (das war ja Deine Beanstandung) wage ich zu bezweifeln.

Nun ja, nicht jeder hat Deine Erziehung genossen (Du bist doch
Erzieherin, oder) und weiß von Anfang an, was aus ihm oder ihr
werden soll.

Ich wußte auch nicht, von anfang an was ich wollte, ist ja
auch okay, aber dann bitte nicht auf kosten der Steuerzahler.
Ohne Pläne zu studieren ist für alle zu teuer.

Hm, nach Interessenlage zu studieren halte ich nach wie vor für gerechtfertigt, auch wenn im Moment des Studienbeginns noch nicht eindeutig klar ist, was man dann werden wird.

Kannst Du Dir vorstellen, wieviele Ingenieure (nach Ausbildung) ich kenne, die später sagten: „Dass ich mal ausgerechnet meinen Job machen würde, hat mir auf der Uni/Ploytechnikum (waren halt ältere, das wäre heute die Fachhochschule) auch keiner gesungen.“

Was ist daran schlimm, bei einem Studium schon vor dem Diplom
einen Job zu kriegen? Viele brauchen das, weil die Förderung
der Studenten in unserem Land nicht so ist, dass sie ohne
dazuverdienen überhaupt durchkommen.

*Das geld wächst auf Bäumen, und weil man 2006 den Job
hinterhergeschmissen kriegt wird es 2010 auch so sein!!*

Hm, diesen Kurzschluss sehe ich nicht in dieser Aussage. Was Du da schreibst, ist, so wie ich es verstehe, die Diskrepanz zwischen Schweinezyklus und Bedarf an Arbeitskräften.

Das ist mein Problem mit solchen Aussagen

Eben, das Deine.

Und dann haben wir die stromlinienförmige „schöne neue Welt“,
in der de Querdenker auf eine einsame Insel verbannt werden
(Huxley schon gelesen?)

Das *Richtige* ist das was die Wirtschaft braucht!!!

Genau dieses formuliert Aldous Huxliey in dem oben benannten Buch. Er geht sogar noch den entscheidenden Schritt weiter, dass nur Frauen mit den gewünschten Eigenschaften ihre Keimzellen liefern dürfen, die dann mit den Spermien von Männern mit den passenden Eigenschaften befruchtet werden.

Ach was schreibe ich da, lies doch selber.

Und dann fällt mir noch ein: Wie oft, meinst Du, weiß „die Wirtschaft“ in Zeiten der Quartalsberichte und der kurzfristigen Gewinnmaximierung wirklich, was sie in 3-5 Jahren (also, wenn die aktuelle Studienbeginner-Generation fertig ist) brauchen wird?

Gruß, Karin

Hallo Tom,

Damals wurden Ingenieure genauso gesucht.

und doch kennt auch die Ingenieursausbildung den Schweinezyklus. Vor allem, wenn man nicht Jungingenieur und flexibel ist, und mit mindestens 10 Jahren Berufserfahrung dienen kann, dann schaut es gerne mal duster aus.

Kurz nach dem die ersten Inder,
Ungern usw. hier waren, zerplatzte dies wie eine Seifenblase.
Unzählige Informatiker waren plötzlich arbeitslos

im Gegensatz zu den Ingenieuren. Die heute noch dringendr
gesucht werden, als damals.

Und trotzdem gibt es etliche tausend arbeitslose Ingenieure.

Nein: Ernshaft: Ingenieurs/Physiker/Mathematiker-Mangel
besteht bereits seit mehreren dutzend Jahren in Deutschland
(oder sogar der gesamten Welt).

Also Physiker habe ich schon durch Deutschland Jobs suchen gesehen. Wo hast Du die Information her, dass Physiker immer und überall in allen von den Bewerbern gewünschten Sparten gesucht wurden? (So klingst Du nämlich zur Zeit).

Während die Nachfrage nach den Job stetig steigt, sinkt die
Anzahl der Studienanfänger genauso stetig.

Wäre ich nicht so sicher, obs da nicht auch Wellenbewegungen gibt. Zu meiner Zeit fielen die Dozenten an der FH München schier in Ohnmacht, wie groß ihre Studiengruppen (Fach Elektrotechnik, Schwerpunkt „allgemeine Elektrotechnik“) waren.

Und noch ein Jahr vor meinem Abschluss tönte eine große Elektro- und Elektronik-Firma, dass sie ganz alleine mindestens einen Ingenieurs-Jahrgang brauchen könnten.

Ich war jedoch nicht die einzige aus dem Studiengang, die nach einem untypischen Seitenberuf suchen musste.

Gleichzeitig gibt es gerade eine große Welle von Chefs, die in
den Ruhestand gehen in der Branche. Und jetzt haltet euch
fest: es gibt Vorfälle, wo Chefs dieser Unternehmen an die
Uni kommen, sich einen Studenten raussuchen und ihm quasi von
Anfang an klarmachen: wenn du nach dem Studium zu uns kommst
kriegst du meinen Chefsessel.

Eine steilere Karriere gibts ja wohl kaum.

Hm, das würde ich aber im Sinne von „Sammeln von Berufserfahrungen“ als kontraproduktiv ansehen.

Gruß, Karin