H wie Hola.
Na 'mal sehen, was vor dem Sandmann noch herauszuquetschen ist.
Ich habe in keinem Satz behauptet „Hauptsache Diplom in der
Hand“ und möchte es auch so nicht verstanden haben.
Dann äußere Dich eben nicht in der Weise, wie es dergestalt von anderen gerade vor wenigen Wochen wieder in einem Thema zu lesen war.
Es ist nunmal leider eine weitverbreitete Haltung, daß irgendwie Ort und Qualität des Abschlusses angeblich keine Rolle spielen. Bei sovielen Gegendarstellungen, wie man darüber immer wieder zu Ohren bekommt, kann man dieses übertriebene „relaxed-sein“ gar nicht genug geißeln.
Wenn es Dich fälschlicherweise getroffen hat, so nimm es nicht persönlich und sieh es als typischen Begleitschaden, der sich einstellen kann.
Während sich das Abitur eines
Schülers aus der Zeitstrecke von Leistungen zusammensetzt,
erfasst das Studium Leistungen in der Tat punktuell am
Prüfungstag. Würde all die Dinge einbezogen, die Du
angesprochen hattes (Vorleistungen, Leistungen über das Jahr
etc.) würden andere massiv benachteiligt beispielsweise jene
Gruppe, der Studenten mit Kindern oder diejenigen, die
aufgrund ihrer finanziellen Lage zb. einen Teilzeit-Job
ausüben.
Das grenzt an Verzerrung. Wer studieren will, muß nunmal gewisse Zeit dafür freimachen. Klingt im ersten Moment unsozial - wäre selbst in gewissem Sinne betroffen - doch kann keiner Anspruch auf Sonderbehandlung erheben oder genießen nur auf Grund gewisser Lebensumstände. Weiterhin ginge es bei einer solchen „konstruktiven Vornote“ um Dinge wie Praktika, Leistungskontrollen, Hausaufgaben.
Diese sind sowieso defacto immer als Zwang ausgelegt, sprich als Prüfungsvoraussetzung. Protokolle, mündliche Testate bei den Versuchen selbst, die Noten etwaiger Zwischenkontrollen und eben die Hausaufgaben werden fast generell ebenso korrigiert und/oder benotet.
Es geht lediglich um das Zusammenziehen solcher verteilter Leistungsnachweise zu einer Vornote, die einem bloßen Tageserfolg vorbeugt. Was habe ich nicht schon bei Leuten erlebt, die den Stoff prima drauf hatten und dann einfach absolut (nicht nur überdramatisiert gesprochen) dämliche Aufgaben erwischt haben? Oder die einfach hin und wieder einen schlechten Tag haben, weil früh nicht so rasant in Schuß und die Klausur gleich 8:00 Uhr? Mir ging es hin und wieder selbst so, daß ich mich nach einer erhaltenen Note echt gefragt habe, ob die Herren noch normal sind. Besonders Physiker treiben es hier gerne auf die Spitze bei der Korrektur von Nebenfächlern. Selbst ausgesprochene Streber (Vielübende ohne dieses schnelle Sprunghafte beim Lernen) standen oft kopfschüttelnd vor dem Schaukasten. Es ist schlicht und ergreifend Unsinn, Leute mit einer ‚3‘ oder ‚4‘ rauszuschicken, die bspw. das Praktikum mit ‚1‘ bestanden haben, anderen sogar noch beim Lernen geholfen haben. Hier muß reguliert werden, indem irgendwie eine entsprechende Vornote gegengerechnet wird - von mir aus 40%. Bestehen muß man die Klausur trotzdem ja noch. Das schlüge vor allem genau in die Richtung eines strafferen Studiums, ohne die universitären Freiheiten einzuschränken, wie es bspw. mit dem Bachelor-Master-System gerade getan wird.
Es geht dabei auch zusätzlich um den Aspekt der Motivation. Sicher, man ist kein Kind mehr und muß den Arsch selbst hochbekommen - blabla. Alles klar, alles selbstverständlich, alles einzusehen. Nicht einzusehen ist dann jedoch, sich durch genannte Kontrollen (siehe oben) zu zwängen, die dann am Ende nichts von Wert sind. Ein Problem, daß bereits schon latent im Kurssystem des Abiturs auftaucht: Wenn Leistung abgefordert wird, die jedoch zum Endergebnis nichts zur Sache tut, dann fördert man das Minimalprinzip und produziert sich eine vermeidbare, hohe Quote zusätzlicher Zuwenigtuender. Aussortiert wird schon durch die Gangart an sich; dann muß ich aber im Gegenzug Anreize bieten, für die es sich zu schinden lohnt. Ich erlebe bei anderen heute noch viele, die im Grundstudium rumhängen, wie die letzten Penner. Immer gerade soviel tun, daß es reicht - die Wissensvermehrung oder eben das „sich bemühen“ bleibt auf der Strecke. Natürlich packen die dann auch irgendwie das Hauptstudium, weil da nicht mehr ausgesondert wird und Abbrecher nach dem Grundstudium extrem selten sind. Doch ist die Frage in bezug auf eine gewünschte qualitativ hervorragende Ausbildung, was man damit erreicht? Mäßige Akademiker sind keine gute Reklame… ich gebe es sogar zu: Ich war oft auch nicht anders in Sachen Minimalprinzip. Zwar rührt das von einer ganz anderen Konsellation bei mir her, doch hätte ich mir oft gewünscht, hier und da eben den nötigen Arschtritt bekommen zu haben. Ganz ohne geht es einfach nicht und die Universitäten haben sich da die letzten Jahre auf einen ungesnden Weg begeben.
Die Umstrukturierung in den Bachelor-Master-Kram ist nun ein viel zu radikaler Schnitt, der das Prinzip „Universität“ zumindest teilweise untergräbt, indem er doch den individuellen Werdegang unterdrückt. Gedankenspiele an existierenden Verordnungen hätten für mich bspw. den definitiven Abbruch ergeben. Bei mir lief es bis vor einem Jahr alles andere als stringent. Finanzielle Probleme, Schwierigkeiten im sozialen Umfeld/Familie, ab und zu zur ungünstigen Zeit krank gewesen; hätten Prüfungsordnungen wie bei so manchem in Startposition befindlichen Bachelorstudiengang gegolten, wäre ich schon mehrmals exmatrikuliert. Wegen Rückständen, die ich immer mit der Brechstange ausgleichen mußte, die jedoch nicht an einer Bummelmentalität lagen.
Es ging mit ein bißchen Willen und Engagement dann doch - eben wegen vieler Freiheiten, die es an der Uni gibt.
Die angesprochene konstruktive Vornote wäre jedoch ein effizienter Gegenentwurf zu einer drastischen Verschulung der Uni gewesen, der eben auch noch echte Fairneß ins Spiel gebracht hätte.
Mit Berufsbildern und Arbeitsalltag braucht man nicht argumentieren.
Was interessiert in der Anatomie**prüfung** der Vergleich zum Chirurgen am OP-Tisch? Nichts, denn es ist vom Problem die Rede, daß Leute ohne ihr Dafürkönnen weit unter Wert abgefertigt werden und gerade eben beim Studium dann auch ernste Konsequenzen entstehen.
Mein Grundschulzeugnis guckt sich nunmal kein Arbeitgeber an.
Und auch sonst interessiert der Querverweis zum Arbeitsalltag nicht. Niemanden aus der Uni oder von der FH kann man an den Tisch setzen mit dem Kommentar „Jetzt machen Sie mal…“. Anlernen, Einarbeitung, Gewöhnung, weitere Ausbildung - war alles schon immer nötig.
Zwar ist ein Studium eine Spezialisierung, doch immer noch ist es Bildungsausbildung, zudem schulartig. Die Phasen echter praktischer Tätigkeit sind sogar vom sonstigen Ablauf separiert - eben nicht ohne Grund.
Außerdem ist, wie richtig gesagt wurde, zu bedenken, daß auch einem Chirurg das Messerchen in die falsche Schlagader rutschen kann, der an dem entsprechenden Prüfungstag 10 Jahre zurück eine Bombenklausr mit 1,3 oder dergleichen ablieferte. Im Unterschied zu den Verlierern (siehe oben) ist er aber vielleicht durch diesen Bombentag überhaupt erst an diese lukrative Stelle geraten. Böse wird es dann, wenn er sonst den Anforderungen eher weniger gut gewachsen war… die Tragweite wird immer größer. Sowas ist vielleicht im Roman genial; in bezug auf vernünftige, faire, umsichtige und realistische Ausbildung samt Bewertung ist es zu gut Deutsch Scheiße. Als Zyniker paßt ein „Pech gehabt!“, „So ist das Leben!“ natürlich blendend. Als Idealist empfinde ich das jedoch nicht als ertragbaren Zustand.
Wie gut, daß die kritisierten Unkenrufe (siehe oben) doch nicht ganz falsch liegen, wenn sie sagen, nicht alles würde auf die Goldwaage gelegt. Der arbeitsmäßig oder sogar karrieremäßig Angeschissene kann sich von solch schwachem Trost jedoch nichts kaufen - und der Staat hat 50.000 EUROS hineingepumpt…
Unter dem Wissen, dass es sich früher oder später im Beruf
auswirken wird, wenn ich gute oder schlechte Studienleistungen
erbringe, finde ich das bisherige Konzept nicht als
überwiegend negativ zu bewerten.
Hier ist „gute oder schlechte Studienleistungen“ der Knackpunkt.
Demzufolge muß auf Grund des mangelhaften Benotungssystems eine schizoide Trennung zwischen Studienleistungen und Studienleistungen im eigentlichen Sinne vollzogen werden, denn was auf dem Papier steht, wären zwei verschiedene Sachen. Genau das ist ja auch das Problem, was ich anmahne - es ist Stumpfsinn, daß hier erst viel später herauskristallisiert, ob denn jemand nun viel mitbekommen hat, oder nicht. Im Falle einer Luftnummer ergeben sich weitere Konsequenzen: Die Lehranstalt gerät ins Visier, der Abschluß insgesamt im allgemeinen ebenso. Eine Rückkopplung, die sich vermeiden ließe, bspw. durchaus durch eine hinzugerechnete Vornote (siehe oben). Diese
stellt auch das Grundanliegen, zu studieren, sicher, weil sie regelmäßige Bemühungen widerspiegelt. Mehr Fliegen mit einer Klappe könnte selbst das tapfere Schneiderlein nicht schlagen.
Ich weiß nicht was Dich dazu veranlasst das als „diffuse
Erfahrungen“ zu kennzeichnen. Wenn ich Architekt bin und ein
Haus bauen soll, und das anschließend zusammenbricht, weil ich
mich im Studium nur punktuell auf Prüfungssituationen
vorbereitet habe, mir folglich „Wissen um“ fehlt, ist es keine
„diffuse Erfahrung“, dass ich keinen Fuß auf den Boden kriegen
werde.
Ein bißchen einfach gestrickt diese Beispiele. Wie mit dem Chirurgen.
Der Berufsbezug wird viel zu sehr überschätzt, gerade heutzutage.
Es geht schon dabei los, daß ich gar nicht Architekt werden muß, wenn ich Architektur studiert. Trivial? Sicher. Bei genauem Hinschauen ein nicht zu verachtender Punkt. Der zuständige Statiker müßte ebenfalls blitzblöde sein, wenn er einem solchen Entwurf dann auch noch gründes Licht gäbe, und, und, und.
Zudem - Achtung der Zyniker - lehrt die aktuelle Zeit immer wieder, daß auch unfähige Leute oft sehr gut beide Füße auf den Boden bekommen. Ein wunderbares Beispiel ist Manfred Stolpe.
Und für das Problem des Selbstanspruches (sich mit dem Zeugnis unter Leute getrauen können) oder des ideellen Anspruches auf gerechte, realistische Bewertung leisten solche „Beispiele“ wie mit dem Architekten auch nichts.
Hier geben Unterhaltungen mit diversen Persern aufschluß. Man braucht nur an den falschen geraten (alter Haudegen mit entsprechendem Wertebild) und ein Zeugnis mit mäßigen Noten landet achtkantig im Papierkorb. So eine Aktion hab ich im Praktikum sogar selbst schon beobachtet, als der zuständige Dr.-Ing. Sowieso - schön bellend und schroff fluchend dabei - reihenweise Diplomzeugnisse in die Tonne gekloppt hat. Wohl bemerkt: nach ein, zwei Sekunden drauf schauen und Überfliegen der Noten.
Es ist nicht befriedigend, immer und immer wieder mit dem Zeigefinger daraufhinzuweisen, daß es später schon bei den Luschen „Krachbumm“ machen wird.
Natürlich gibt es auch diejenigen, die mit gut verkauftem
„Halbwissen“ ihren Posten langfristig schmücken. Aber dann ist
die Frage welchen Anspruch der Betrieb an seinen Mitarbeiter
stellt…Da es durchaus Leute gibt, die ein 1 A Diplom ablegen und
trotzdem in die obige Kategorie einzusortieren wären.
Ketzerischer Denkanstoß: Wieso solchen Leuten dann überhaupt ein Diplom zugestehen. Warum nicht geringfügige Änderungen so einbauen, daß solche Nieten nicht oder halt nur mit dem unvermeidlichen Restrisiko durchschlüpfen können? DAS, und nur das, wäre ein positivistischer Ansatz, ein schönes Ideal.
Das Konstrukt (von mir gestrichen) mit dem Auswahlverfahren hat übrigens auch nur dann Daseinsberechtigung, wenn auch Überschuß an Bewerbern vorhanden ist. Es gibt jedoch inzwischen genug Branchen, wo eklatanter Fachkräftmangel vorherrscht, weitere Bereiche werden hinzukommen. Das sollte bedacht werden.
Nebenbei geht es einfach auch um den Selbstanspruch, für meine
Mühe und auch Leistung entsprechend belohnt zu werden.
Ich erwarte von einem erwachsenen Menschen an der Universität,
dass er seinen Wunsch nach Anerkennung mittlerweile aus
anderen Kanälen befriedigen kann, als der Bewertung seiner
erbrachten Studienleistungen.
Das ist völliger Blödsinn. Ein lernender Mensch braucht *immer* regelmäßige Rückkopplung, Belohnung, Kritik. Dies mit so einem - mit Verlaub - absolut infantilen Sprüchlein vom Tisch zu fegen, zeugt alles andere von durchdachten Einsichten in diesem Punkt. Geradezu grotesk. Man kann nur noch mehr den Kopf schütteln, wenn man bedenkt, daß oft NUR die Note irgendeine Rückkopplung im Studium überhaupt darstellt. Bevor ein Student überhaupt in andere Situationen kommt, wo er Reaktionen auf seinen bisherigen Studienerfolg bekommen könnte, steckt er schon mitten in der Fachpraxis. Absolut daneben dieser Kommentar, absolut. In jeder Facette. Das muß wohl der Rausschmeißer zum Schluß gewesen sein.
Erneut frage ich Dich, wie Du dazu kommst anderen in der
Diskussion für Generalisierungen von Dingen die sie „nicht
beurteilen können“ gegens Schienbein trittst und dann Aussagen
über die Umstände an anderen Universitäten triffst.
Sowas schimpft sich Erkundigung. Informationsbeschaffung. Vergleich.
Vielleicht, eventuell, möglichweise…hast Du schon einmal entfernt davon gehört. Seitenhieb: Ansonsten Kant lesen.
EDIT: Die ursprünglich folgende Bemerkung an dieser Stelle
wurde von mir wieder gestrichen, damit der Frieden im Brett
gewahrt bleibt.
Möchtest Du jetzt für gelungene Affektregulation gelobt werden
oder weshalb teilst Du mir das mit?
Ich habe mir auch den einen oder anderen Kommentar gespart,
aber nicht des lieben Friedens willen, sondern aufgrund der
Tatsache, dass es sich hier um eine sachliche Diskussion
handeln soll, in der diese nichts zu suchen haben.
Entsprechend ist mir schleierhaft, warum Du auf diese
Auslassungen explizit hinweisen musst.
Stimmt, war ich wieder zu fordernd bei den anderen Leuten, was das In-Gang-kommen von Denkansätzen betrifft. Asche auf mein Haupt. In Zukunft setze ich die Ausrufezeichen explizit. Ach, wie ist das Leben schön.
Gute Nacht.
MfG