Hallo Barbara,
Das muss aber die Generation tun, die in dieser Zeit gelebt
und gehandelt hat. Ich kann mich nur mit dem befassen, was
(leider) heute aktuell ist, und wenn ich mit die IDGR-Website
ansehe kann ich nur sagen da bin ich vollauf beschäftigt.
Das sehe ich grundlegend anders,denn es ist nicht vorbei,wenn unsere Eltern und Großeltern tot sind.Sie haben uns erzogen, geprägt und auf sicher absolut nichtbewußten Ebenen ihre Gefühle weitergegeben.
Da waren sicher ein Haufen verschiedenster Abwehrgefühle, Schuldgefühle und so weiter.Aber größtenteils eben unbewußte, verdrängte Gefühle, denn eine Auseinandersetzung hat in den wenigsten Familien stattgefunden.Alles, wo massive Gefühlsenergieen gebunden sind, wird weitergegeben in verschiedenster Form.Und darum ist es solange nicht vorbei, wie keine Aufarbeitung stattfindet.
Was in Jugoslawien oder mit den Indianern oder oder… passiert ist, das ist ebenso schlimm,nur ist das nicht unsere Geschichte, das haben andere aufzuarbeiten.
Wenn jemand in Deiner Stadt sein Kind mißhandelt, dann ist das für Dich sicher schlimm,davon zu hören, aber es ist doch was anderes, als wenn Deine Mutter von Deinem Großvater misshandelt worden wäre, denn da hättest Du mit Sicherheit auch als nicht mehr direkt Betroffene einige der daraus resultuerenden nicht bewältigten Gefühle Deiner Mutter mitbekommen, als Erblast sozusagen.
Oder andersherum,wenn unsere Eltern sich im Krieg schuldig gemacht haben, und die Schuld nie zugelassen und gefühlt haben, vielleicht weil sie zu gewaltig war, dann können wir als ihre Kinder, dann müssen wir als ihre Kinder ihre Arbeit tun.
Damit endlich wieder wirklicher Frieden einkehren kann.
Und, Du sprichst von heutigen Gräueln, wieviele der heutigen Gräuel nicht wären, wäre die Vergangenheit besser aufgearbeitet worden, das würde mich wirklich interessieren. Die jeweils individuelle Vergangenheit der „Völker“ in erster Linie wohlgemerkt.
Du hast es gefühlt, das Entsetzen, dann fühle es noch mehr und
lass es Dich bis in dein Zentrum berühren.
Es gibt aber so viel zu trauern, das und noch anderes mehr -
so z.B. wenn ich lese, dass in den USA 14-jährige auf den
elektrischen Stuhl warten oder bosnische Frauen von ihren
Familien verstoßen werden, zur Strafe dafür, dass sie von
serbischen Soldaten vergewaltigt wurden, oder von der
situation der Frauen in Afghanistan höre, wo Frauen gesteinigt
werden, weil sie versehentlich das Handgelenk zwischen
Handschuh und Ärmel entblößt haben, oder Gesundheitsbehörden
in den USA schwangere Frauen ohne deren Wissen radioaktiv
bestrahlen, nur um zu schauen, was dann passiert … ach, es
wäre eine endlose Liste.
Aber erstmal sollte doch das eigene Heim aufgeräumt sein, bevor ich mir anmaße, in fremden Häusern aufzuräumen. Hätte gerne noch einen besseren vergleich gefunden,aber ich glaube es ist auch so verständlich.
Es geht ja nicht um Schuld, aber es geht darum,es gefühlsmäßig
an sich ranzulassen um einen Prozess in Bewegung zu setzen,
der das ganze vielleicht einmal irgendwann einmal wirklich
abschliessen kann.
Bei so vielen hier lese ich,daß sie nichts damit zu tun
hatten, daß sie es schlimm fanden und so weiter, aber, ich
kann das nicht fühlen, wenn ich mich hier so durchlese.
Vielleicht geht so vieles unter in der Flut von Schrecknissen,
die uns tagtäglich überströmt.
bb
Alles nur meine persönliche Überzeugung, vielleicht ist Dein Weg ein anderer.Und alles nur Versuche ssich einem Thema zu nähern,das ich für wichtiger halte als viele andere.
Schönen Tag Dir, Mina