Moin!
Nachdem die Gutmenschen nun ein wenig spielen durften, hier meine Einschätzung:
Wir wollen dem theoretischen Fahrer mal unterstellen, dass er
auf einer „off-Limit-Strecke“ schnell gefahren ist, weil die
Strecke frei war. Beim 100er Schild hat er dann seinen Wagen
auslaufen lassen, weil er nicht ständig hart in die Eisen
gehen will (kostet ja auch wieder Geld). Nach ca. 200m stand
der Blitzer.
In solch einem Fall würde man doch weniger von
Rücksichtslosigkeit als viel mehr von Abzocke sprechen, oder?
Wir können dies intern tun.
Auch ich meine, dass 62 Km/h zu viel schon deftig ist und dass man doch besser bremst, bevor man sich dem Risiko aussetzt, geblitzt zu werden.
Aber das Ausrollen sollte schon noch auf 500m möglich sein.
Vor Gericht jedoch sollte man sich in einem solchen Fall Kommentare wie „Abzocke“ tunlichst sparen.
Wir haben aktuell in den Gerichten noch zahlreiche Alt-68er sitzen, welche oftmals keine Ahnung davon haben, wie der Arbeitsalltag derjenigen Menschen aussieht, die ihnen ihr Gehalt verdienen.
Und wenn man dann noch weiter annimmt, dass der Fahrer pro
Monat ca. 10.000km fährt und trotzdem noch nicht eine
Auffälligkeit im Straßenverkehr hatte, deute ich das mal als
eher defensives Verhalten…
Möglicherweise wird man Dir vor Gericht erzählen, dass ein Außendienstler, der beruflich auf seinen Führerschein angewiesen ist, umso vorsichtiger sein muss, nicht erwischt zu werden, also noch mehr regelkonform zu fahren hat.
Dass dies mit der Realität nur wenig zu tun hat, dass sehr erfahrene Lenker auch sicherer fahren u.s.w. interessiert die o.g. Richter üblicherweise nicht. Man kann natürlich auch an vernünftige Richter geraten, aber darauf würde ich meine berufliche Zukunft nicht bauen wollen.
Wenn ich in der fiktiven Situation wäre, würde ich über einen Top-Anwalt für Verkehrsrecht alle Register ziehen, um aus der Sache heraus zu kommen. Auf Milde zu hoffen, ist m.E. ziemlich unrealistisch.
Gruß,
M. (kein Anwalt)
P.S.: bevor nun wieder die üblichen Raser-Anwürfe kommen: ich habe seit Jahren kein Ticket mehr bekommen, welches über falsch Parken hinaus geht. Ich rase nicht, aber erlaube mir dennoch, gewisse Praktiken der Rennleitung zu hinterfragen.