Was unterscheidet gute von schlechten Büchern?

Spannung! Und Neugierde des Lesers!
Hi Andreas,

Ich glaube, es ist der Schreibstil. Ist das so?

Genau das ist das Geheimnis! Verschiedene Autoren können von ein und derselben Sache schreiben, aber erfolgreich wird nur derjenige der seine Leser in Spannung versetzt und sie geistig fesseln kann.

Gruss
Paula

ja?
hi,

kannst du mir auch nur ein einziges genre der literatur nennen, in dem es nach aristoteles noch neues gab?
welches motiv, glaubst du, ist damals noch nicht erschöpfend behandelt worden?

fragt ernsthaft
ann

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lektoren

Hallo!

Kein Verlag würde sich mit der anderen
Sorte von Büchern abgeben.

Und warum geben sie sich damit ab? Sind denn alle Lektoren
unfähig?

wo ist da der zusammenhang? auch lektoren sind nur selten mit prophetischen gaben ausgestattet.

kennst du überhaupt das berufsbild eines lektors? offensichtlich nicht.
lektoren machen dem autor verbesserungs_vorschläge_. die kann, muss er aber nicht annehmen. unter den autoren gibt es genauso viele beratungsresistente wie im durchschnitt in der übrigen bevölkerung.

a.

Hi,

lies mein anderes Posting. Klar hat Aristoteles die Dramenstruktur erfunden, sozusagen, wie sie seither verwendet wird. Aber Struktur ist ja nicht inhalt.
Und Inhalöte wird es schon immer genug neue geben, solange sich die Welt entwickelt, gottseidank.
Mit einer Einschränkung vielleicht, die Postmoderne. Seit den 1960ern. Postmoderne bedeutet fast genau das, was Du gesagt hast: es wurde alles bereits geschreiben, gemalt, dargestellt, etc, es gibt nichts neues mehr. Je nach Kunstauffassung dauert die Postmoderne noch an, oder ist bereits abgelöst. Aber auf jeden fall setzte sie nach dem Zweiten WEltkrieg ein, und das ist ziemlich lange nach Aristoteles :smile:. Ich bin jetzt schon etwas müde, aber nur ein-zwei Beispiele: Ein christlicher Autor wird sich anders mit Religion und Gott auseinandersetzen, andere Probleme erleben als Aristoteles mit seiner griech. Götterwelt, die sehr viel Ähnlichlichkeit mit der GEsellschaftsstruktur der Menschen hatte, die funktioneirte ganz anders als der Gott des Christentums. Auch Krieg funktioniert (leider) im 20. Jahrhundert ganz anders als bei Aristoteles. Da müssen auch andere Ausdrucksmöglichkeiten gefunden werden. etc.

Aber jetzt geh ich ins Bettchen, gute Nacht!

Die Franzi

Hallo!

Und warum geben sie sich damit ab? Sind denn alle Lektoren
unfähig?

Die Frage sollte eigentlich die Antwort provozieren, daß sie natürlich NICHT unfähig sind. Sondern fähig. Daß sie also was können. Dafür werden sie ja bezahlt. Aber WIE machen die das?

wo ist da der zusammenhang? auch lektoren sind nur selten mit
prophetischen gaben ausgestattet.

Wenn sogar ich als Laie ein Buch, das sich gut verkauft, von einem, das sich nicht gut verkauft, unterscheiden kann, allein anhand von ein paar Zeilen Text, dann werden Lektoren das doch auch können. Auch ohne prophetische Gaben.

kennst du überhaupt das berufsbild eines lektors?

Nein. Aber ich weiß, daß Lektoren, under anderem (!), die Aufgabe haben, neue Manuskripte zu unterteilen in gut verkaufbare und nicht gut verkaufbare.

unter den autoren gibt es genauso viele beratungsresistente wie
im durchschnitt in der übrigen bevölkerung.

Ja, und die sind zu bedauern.

Hi Paula!

Toll! Genau meine Meinung! So ist es!

Aber was heißt das jetzt eigentlich genau? Was ist, ganz konkret, aus Deiner Sicht der entscheidende Unterschied?

Grüße

Andreas

Millionen von Fliegen …

Und zur Erklärung, was ich meine: Unter guten Büchern verstehe
ich solche, die sich auch gut verkaufen.

Na, Andreas,
das ist das Fliegen-Argument, Du weißt schon: „Millionen Fliegen können nicht irren …“

Ich kenne Bücher die liegen wie Blei in den Regalen der Händler, aber es sind wunderbare Bücher.

Nicht alles, was den Massengeschmack trifft (und sich daher gut verkauft) muss zwangsläufig gut sein, es ist nur gut verkäuflich.

Deshalb betrachte ich auch Bestsellerlisten eher mit zusammengekniffenen Augen.

Was wirklich gute Literatur ist, entscheidet sich, wenn sie auch nach hundert Jahren noch mit Genuss gelesen werden kann.

Gruß
Eckard

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Hallo Eckard

Ich kenne Bücher die liegen wie Blei in den Regalen der
Händler, aber es sind wunderbare Bücher.

Das werde ich dann meinem Verlag schreiben: „Mein Buch wird vielleicht wie Blei in den Regalen liegen, niemand wird es lesen wollen, auch Sie als Lektor nicht, aber glauben Sie mir: Es ist ein wunderbares Buch! Ich muß es wissen, ich habe es ja geschrieben.“

Nicht alles, was den Massengeschmack trifft (und sich daher
gut verkauft) muss zwangsläufig gut sein, es ist nur gut
verkäuflich.

Dann stelle ich die Frage eben so: Wie schreibe ich, auch ohne Zauberei, einen Jugendroman, der den Massengeschmack trifft und gut verkäuflich ist?

Grüße

Andreas

Hallo Andreas,

Dann stelle ich die Frage eben so: Wie schreibe ich, auch ohne
Zauberei, einen Jugendroman, der den Massengeschmack trifft
und gut verkäuflich ist?

Vor allem wohl, indem Du Dich mit den Interessen, Problemen, Konflikten und Freuden, also mit der Lebens- und Vorstellungswelt von Jugendlichen intensiv beschäftigst - Authentizität ist das "Zauber"wort. Erst wenn Du Dich selbst in Jugendliche hineinversetzen kannst und verstehst, was sie bewegt, wird Dir das (vielleicht) gelingen.

Allerdings solltest Du mit der Sprache doch etwas „zaubern“ können, um zum Beispiel Spannung zu erzeugen, die über ein ganzes Buch trägt.

Grüße,
MrsSippi

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Ich nenne mal ein Beispiel.
Hallo!

Ich habe gerade ein Buch aufgeschlagen, und folgenden Text gelesen:

„Um unser Leben, Vergangenheit und Zukunft, zu verstehen, sind die Übergänge oft wichtiger, als die Lebensphasen selbst. Bestimmte Auslöser setzten uns in Bewegung, verändern Situationen, führen uns weiter.“

Ob sich dieses Buch gut verkauft?

Was ist mit dem Schreibstil? Ist der spannend und fesselnd?

Oder ehr nicht?

Mit Begründung bitte!

Danke.

Grüße

Andreas

Hallo MrsSippi!

Danke für diesen guten Beitrag! Ja, ich denke, das ist ein sehr wichtiger Schlüsselfaktor, da werde ich mal verstärkt mit arbeiten.

Grüße

Andreas

Hallo nochmal!

Ich habe in der Zwischenzeit mal überlegt, wie man das umsetzen könnte, was du schreibtst:

Interessen

Ich hätte als Kind und Jugendlicher gerne auch so ein kleines Fluggerät besessen, wie in manchen Kinderbüchern beschrieben, einen fliegenden Teppich oder fliegenden Besen oder ein fliegendes Motorrad oder ein fliegendes Auto. Wie wäre es mit einer schwebenden Tischplatte mit Kraftfeldantrieb, mit der man lautlos überall hinschweben kann? Wäre das interessant für Jugendliche?

Problemen

Ich hatte als Jugendlicher das Problem, daß ich zu schüchtern war, ein Mädchen anzusprechen, obwohl ich den brennenden Wunsch hatte, eine Freundin zu haben. Wie wäre es, wenn der Junge in meinem Roman auf einer Brücke sitzt und zusieht, wie ein Krimineller seine Stieftochter mit einem Stein an den Hals gebunden von der Brücke schmeißt, um sie zu ertränken? Er springt hinterher, schneidet das Seil mit dem Taschenmesser durch, und die beiden werden Freunde. Weil das Mädchen nicht mehr zurück zu seinem Stiefvater kann und will, nimmt er es einfach mit nach Hause und versteckt es im Kinderzimmer. Die Frage, wie es weitergeht, macht es um so spannender. Würden Jugendliche so was lesen?

Konflikten

Ich hatte oft Konflikte mit meinen Lehrern, weil die meinten, man müsse Hausaufgaben machen, und ich war stets anderer Meinung. Wie wäre es, wenn so ein Konflikt in dem Roman so richtig maßlos eskaliert, und der Schüler den Toilettenraum bis zur Decke unter Wasser setzt, wodurch der Schuldirektor aus der Schule geschwemmt wird? Würden Jugendliche so was lesen? Wären sie wohl gespannt, welche Folgen so ein Streich für den Schüler hat?

Freuden

Ich hätte als Kind auch gerne mal ganz allein gezeltet, was ich nicht durfte, schon gar nicht im Wald, und womöglich noch mit einem Mädchen dabei. Aber in einem Roman geht das doch. Sogar hoch oben auf einer Baumkrone. Und natürlich mit Lagerfeuer. Das macht Jugendlichen doch Spaß, oder?

Ach ja, es ist gefährlich, wegem dem Feuer.

Wie wäre es mit einem Waldbrand? Und mit einer schönen Polizeiverfolgungsjagt, wo der kleine Junge dann ohne Führerschein flüchtet? Ob Jugendliche da noch weiterlesen würden, um zu sehen, wie so was endet? Ich verrate schon mal: Es endet mit einem Problem. Und das, nachdem der der Polizei längst entkommen ist.

So weit bin ich also jetzt.

Aber ist das lesenswert???

Grüße

Andreas

noch ein versuch

Was ist, ganz
konkret, aus Deiner Sicht der entscheidende Unterschied?

der unterschied liegt klar darin, dass der leser bei büchern, die er für gut hält, mit dem inhalt identifizieren kann, d.h. er hat einen bezug dazu, kann miterleben.
der reine text löst sich dabei auf und geht in die eigenen erfahrungen ein und umgekehrt. wenn das nicht passiert, bleibt alles theoretisch.

ein text - egal ob roman, sachbuch oder werbetext - ist eine nachricht des autors an den leser. es findet kommunikation statt.

ein guter text weckt bilder im kopf des lesers. diese bilder sehen naturgemäß bei jedem menschen anders aus. die „kunst“ besteht darin, den text so zu gestalten, dass möglich viele (= unterschiedliche) leser ihre bilder finden.

gruß
ann

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hi,

Das werde ich dann meinem Verlag schreiben: "Mein Buch wird
vielleicht wie Blei in den Regalen liegen, niemand wird es
lesen wollen, auch Sie als Lektor nicht,

warum sollte ein verlag ein buch verlegen wollen, wenn es sich nicht verkauft? in erster linie ist ein verlag ein wirtschaftsunternehmen, dass mindestens so viel geld erwirtschaften muss, dass es nach abzug der kosten für produktion, miete, gehälter, honorare, tantiemen u.ä. den inhaber ernährt.

aber glauben Sie mir:
Es ist ein wunderbares Buch! Ich muß es wissen, ich habe es ja
geschrieben."

diesem irrtum unterliegen nicht wenige autoren :smile:
aber ich kann dir versichern: ein autor ist wirklich der letzte, der das beurteilen könnte.

Dann stelle ich die Frage eben so: Wie schreibe ich, auch ohne
Zauberei, einen Jugendroman, der den Massengeschmack trifft
und gut verkäuflich ist?

*seufz* du willst nicht begreifen, was? :-/

also, ähnliche aufgabe, andere baustelle: kaufe bitte die mode, die dir im nächsten jahr aus der hand gerissen wird, in ausreichender stückzahl ein.
erkenne zuverlässig das (meinung, wetterlage, mode, musik), was im nächsten jahr trend ist.

aber noch ein paar literaturempfehlungen (obwohl ich langsam den verdacht habe, dass dich das alles herzlich wenig interessiert):

1.) so „funktionieren“ geschichten! -> aristoteles: poetik - http://www.amazon.de/Poetik-Reclam-Universal-Bibliot…
2.) die bibel aller schreiberlinge: „grundlagen und techniken der schreibkunst - handbuch für schriftsteller, redakteure und angehende autoren“ von otto schuhmann (hsg.) - http://www.amazon.de/Grundlagen-Techniken-Schreibkun…
3.) björn jagnow „marketing für autoren“ - http://www.amazon.de/Marketing-f%C3%BCr-Autoren-erfo…

so, das reicht erst mal.

gruß
a.

Hallo Ann!

Das gefällt mir! Ja, ich glaube besser kann man es nicht erklären! Ich denke genauso. Deshalb fällt es mir auch so schwer, Bücher zu lesen, die nur aus Allgemeinplätzen bestehen, siehe „Ich gebe mal ein Beispiel“.

Vielen Dank, das hilft mir wirklich weiter! Auch wenn es nicht ganz neu ist, aber es bestätigt, was wirklich wichtig ist.

Grüße

Andreas

nein
hi,

so hoch ich aristoteles auch schätze - es geht nicht darum, wer was „erfunden“ hat, sondern dass es keine anderen motive mehr gibt, als die paar, die seit jahrtausenden literarisch schon behandelt werden.

es gibt nicht einen gedanken, der nicht schon mal gedacht wurde. es haben sich bestenfalls rahmen, die technologie verändert. wenn kriege heute anders funktionieren, dann eben durch die technik, nicht aber durch die geisteshaltung der menschen.

gruß
ann

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hi andreas,

Vielen Dank, das hilft mir wirklich weiter! Auch wenn es nicht
ganz neu ist, aber es bestätigt, was wirklich wichtig ist.

dann bin ich ja beruhigt. (ich hatte schon langsam zweifel …)

schöne grüße
ann

Hi!

in erster linie ist ein verlag ein wirtschaftsunternehmen, dass geld
erwirtschaften muss

Das sage ich doch! Wenn auch ironisch.

ein autor ist wirklich der letzte, der das beurteilen könnte.

Das ist ja mein Problem!

du willst nicht begreifen, was? :-/

Doch!!! Deshalb stelle ich doch all diese Fragen! Und die Antworten waren teilweise sehr lehrreich und lohnend!

erkenne zuverlässig das, was im nächsten jahr trend ist.

Das ist die Millionen-Euro-Frage!!!

den verdacht habe, dass dich das alles herzlich wenig
interessiert

Denk doch nicht immer gleich so negativ! Eins dieser Bücher, das unterste, habe ich mir auf deine Empfehlung schon gekauft. Sehr interessant. Bei den anderen überlege ich noch.

Grüße

Andreas

Hallo Andreas,

zunächst müßtest Du den Begriff „Jugendlicher“ für Dich klären: Willst du für Kinder schreiben, für welche Altersklasse, also z.B. 6 bis 12Jährige, oder für Jugendliche, die zu pubertieren beginnen, also etwa 13-16Jährige, oder für ältere Jugendliche?
Das sind äußerst verschiedene Lebenswelten, in die man sich hineindenken müßte.

Ich kann Dir auf Deine Fragen nicht wirklich antworten; ich bin selbst zwar noch halbwegs jugendlich, aber durchaus keine Jugendliche mehr. Ich stelle oft fest, daß es mir immer schwerer fällt, mich in die jugendliche Gedankenwelt hineinzuversetzen, auch wenn ich mich bemühe. Aber ich will ja auch keine Jugendbücher schreiben :wink:.

Die von Dir erwähnten Themen scheinen mir durchweg eher für Kids bis etwa 12 geeignet, die älteren wirst Du damit nicht locken können; vielleicht noch die Geschichte mit dem Mädchen, aber die klingt zu unglaubwürdig, hanebüchen geradezu!

Bei Kindern kannst Du natürlich noch tief in die Zauberkiste greifen (siehe HP), aber ich denke, bei Jugendlichen besteht die Kunst eher darin, ihre eigene Lebenswelt wiedererkennbar darzustellen und aus diesem Ansatz genug Spannung zu erzeugen, ohne abstruse Konstruktionen zu basteln, denn das wird schnell unglaubwürdig.

Wenn Du Dich an die Träume und Wünsche Deine Kindheit erinnerst, so kannst Du daraus für Kinderbücher vielleicht einigen Stoff ziehen. Aber die Welt der Jugendlichen und auch die der Kinder hat sich inzwischen gewaltig verändert, Du müßtest Dich also erstmal auf die heutigen Interessenlage bringen (Musik, Technik, Mode, Mädchen/Jungs) und Dich auch mit der sich dauernd weiterentwickelnden Kinder- und Jugendsprache auseinandersetzen - und Dich auch darauf einlassen!

Vor allem fände ich es wichtig, massenhaft gute Kinder- und Jugendbücher zu lesen, die nicht älter als fünf bis zehn Jahre sind, um eine ungefähre Vorstellung davon zu kriegen, was ankommt. Die findest Du in jeder guten Bibliothek, guck Dich da mal um.

In Deiner ViKa steht, daß Du drei Kinder hast: Spann sie als Erstleser und Kritiker ein! Das bringt Dir auf die Dauer garantiert mehr, als Dir von Erwachsenen gute Ratschläge geben zu lassen.

Grüße,
MrsSippi

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Hi!

Danke für den ausführlichen Kommentar, der mich aber leider überhaupt nicht überzeugt. Harry Potter wird von Kindern, jüngeren und älteren Jugendlichen und Erwachsenen gelesen, und ist weder glaubwürdig noch lebensnah, und oft sehr abstrus und konstruiert. Das gleiche gilt für Pipi Langstrumpf, Superman, Donald Duck und viele andere, und alle verkaufen sich sehr gut.

Bin gespannt, ob es Gegenargumente gibt.

Grüße

Andreas