Hallo, Leia!
als ich meinen Beitrag geschrieben habe, habe ich mir schon
gedacht, dass ich damit höchst wahrscheinlich genau die Leute
aufs Trapez hole, die Verfechter von Östrogenen sind.
Vielleicht haben sie gute Gründe dafür? Ich habe, als sich die Wexeljahre bemerkbar machten, auf Hormone verzichtet, auch weil meine sechzehn Jahre ältere Schwester von sich erzählte, dass sie auch keine nimmt; wenn eine Hitzewallung kommt, setzt sie sich eben hin und trinkt einen Espresso und entspannt sich, bis es vorbei ist. Mir war halt auch wenig mulmig wegen der möglichen Nebenwirkungen einer Hormontherapie, also dachte ich, ich lasse den Dingen ihren Lauf. Jetzt wäre ich froh, ich könnte noch anfangen, Hormone zu nehmen, vielleicht berate ich mich auch mit meinem Arzt, was da in Frage käme.
Das häufige nächtliche Aufwachen, in Schweiß gebadet, am Tag deswegen müde und unlustig, Hitzewallungen tagsüber, dass mir der Schweiß aus den Haaren übers Gesicht läuft - ganz toll, wenn man z.B. im Postamt in der Schlange steht und am liebsten aus den Kleidern fahren möchte, weil man das Gefühl hat zu verglühen und zu ersticken. Man fühlt sich angestarrt und ach, wie toll, jeder weiß jetzt, dass ich in den Wechseljahren bin!
Die berufliche Leistungsfähigkeit lässt nach, ich kann mich bei meiner Arbeit (Übersetzen) einfach nicht mehr konzentrieren, wenn so eine Saunawelle kommt. Voll im Leben stehend, beruflich sehr angespannt, kann ich es mir nicht leisten, mich hinzusetzen, einen Kaffee zu trinken und zu warten, bis es vorbei ist. Das hat nichts mit „sich verrückt machen“ zu tun. Je nachdem, wie es einen trifft, erlebt man auch eine Entfremdung von eigenen Körper, der plötzlich als Neutrum unterm Kopf baumelt. Ich finde den Zustand scheußlich, und ich habe keine Lust, mich damit zu trösten, dass er in zehn Jahren vielleicht vorbei ist. In zehn Jahren bin ich 64 und habe bis dahin wahrscheinlich werweisswas für andere Zipperlein. Wenn man die Lebensmitte überschritten hat, sind zehn in Missbehagen vergeudete Jahre verdammt viel Zeug!
Niemand kann vorher genau wissen, wie stark es ihn erwischt, höxtens, wenn man bei den weiblichen Familienmitgliedern herumfragt, aber das ist auch keine Garantie. Jeder erwartet auch anderes vom Leben und lebt anders - da muss man einfach abwägen, wo die eigenen Prioritäten liegen. Wo man richtig Geld raushaut, das sind diese Dinger wie Remifemin. Selbst wenn es hilft, muss man es monatelang schlucken, bevor man Linderung merkt, und weil man immer hofft, dass doch noch eine Besserung kommt, kauft und schluckt man, kauft und schluckt man, bis - wenn man zu der Gruppe gehört, bei der’s nicht anschlägt - das Portemonnaie qualmt.
Ich würde immer raten, die persönlichen und familiären Risikofaktoren zu bedenken, sich vom Arzt des Vertrauens ausführlich beraten zu lassen und dann zu entscheiden, was man tun möchte. Manche von den Leuten, die gegen Hormone in den Wexeljahren sind, hatten nichts dagegen, jahrzehntelang die Pille zu schlucken, was ich ziemlich seltsam finde.
Nichts für ungut!
Grüße,
Eva