Hallo Oliver,
erstmal danke für deine Antwort, obwohl ich schon etwas enttäuscht bin, dass du wieder beleidigt bist, weil ich „deine“ Klassifikation geschrieben habe (was natürlich relativ und nicht absolut gemeint war). Denn selbstverständlich weiß ich, dass die DSM nicht von dir stammt, und du weißt auch, dass ich das weiß. Also warum diese Marginalienerwähnung? Ich habe doch gesagt, dass ich mein Posting als ganz normale Frage ohne Hintergedanken verstanden wissen wollte.
Dass die DSM-IV sich auf die ICD-9 (was heißt „CM“) und nicht auf die ICD-10 beruft, finde ich interessant und werde dem bei Gelegenheit mal nachgehen, weil mich die Entwicklung des Forschungsstandes interessiert. Danke schön für den Hinweis.
In meiner Ausgabe der ICD-10 finde ich im Index unter „saisonale
depressive Störung“ den Verweis auf F33.
Genau dort habe ich sie auch gefunden, wie ich auch andeutete.
Das hat den Grund, daß eine
einzelne depressive Episode niemals den Zusatz „mit saisonalen
Merkmalen“ erhalten kann, weil man schon rein logisch gesehen
ein saisonales Muster erst bei mindestens 2 Episoden festellen
kann.
Das verstehe ich nicht ganz, denn als Muster muss man das doch angeben können - oder als Möglichkeit. Die Richtlinien wimmeln doch nur so von Möglichkeiten.
Wie Du richtig schreibst, steht unter den Klinisch-Diagnostischen
Leitlinien der ICD-10 etwas von 3 bis 6 Monaten.
Ich lese sogar „bis 12 Monate“.
Du weißt vielleicht, daß diese Klinisch-Diagnostischen Leitlinien der
ICD ziemlich dehnbar und deshalb weniger gut für eine „harte“
Diagnostik geeignet sind.
Ja, das weiß ich, und ich denke, dass das Absicht ist.
DSM-IV operationalisiert die Störungen deutlich strenger
- in etwa so wie die Forschungskriterien in der ICD-10.
Das verstehe ich wieder nicht. Soll das heißen, dass die DSM-IV strenger ist als die ICD-9, aber ungefähr gleich streng wie die ICD-10, die doch „dehnbar“ ist? Oder ist die DSM-IV auch strenger als die ICD-10? In diesem Fall wäre meine nächste Frage, ob das vielleicht mit dem Menschenbild und der Krankheitsdefinition zu tun hat. Damit wäre erklärlich, warum du als mehr behavioristisch orientierter Psychologe die DSM-IV vorziehst. Oder gibt es doch keinen (nennenswerten?) Unterschied zwischen den beiden Systemen.
Das ist der Maßstab, an dem DSM-IV-Kriterien zu messen sind.
Lass mich bitte noch einmal konkret fragen: Sind die DSM-IV-Kriterien nun strenger als die der ICD-10 oder etwa gleich streng?
Sowohl DSM-IV als auch ICD-10-Forschungskriterien definieren
eine Episode einer Major Depression bzw. eine depressive
Episode als mindestens 14 Tage andauernd. Etwas anderes ist es
dann, wie lange eine solche Episode tatsächlich andauert. Die
tatsächliche Dauer liegt nämlich in dem Bereich, der in den
Klinisch-Diagnostischen Leitlinien der ICD-10 angegeben wird.
Zumindest remittieren 40-50% der depressiven Episoden
innerhalb von 6 Monaten.
Natürlich, das leuchtet ja sofort ein.
Insofern ist es also kein Widerspruch, daß die
Winterdepression als rezidivierende depressive Störung in der
ICD-10 verschlüsselt wird. Alles, was mindestens 14 Tage lang
die Kriterien der einzelnen depressiven Episode erfüllt und
mindestens 2mal auftrat, wobei 2 Monate lang zwischen den
einzelnen Episoden die Kriterien der einzelnen Episode nicht
erfüllt waren, wird mit F33 verschlüsselt - gleichgültig, um
was ein sich genau für einen Typ von Depression handelt.
Auch das scheint mir klar.
Was die heiterkeitsfördernden Umstände angeht, so hast Du da
etwas mißverstanden. Die sommerlichen hypomanen Phasen
der Winterdepressiven sind nicht belastungs-, sondern
lichtabhängig.
Mein Argument war eher, ob man wirklich jede Verstimmung, die etwas mehr als üblich belastet, als pathologisch einstufen muss bzw. sollte. Die Geschichte mit der Lichttherapie hatte ich auch vor einiger Zeit schon gelesen oder gehört, und das leuchtet mir auch ein *g*. Aber die Frage ist, ob eine zu frühe Ansetzung dieser Art von Therapie nicht den - ich sag es mal etwas lax - Maschinencharakter des Menschen zu sehr betont, also die Anwesenheit von Melatonin etc. nicht vielleicht doch zu sehr die somatische Komponente psychischer Vorgänge betont.
Was Biancas konkreten Fall angeht, dann wirst
Du feststellen, daß Deine Sorge hinsichtlich der Überschätzung
der „Krankhaftigkeit“ übertrieben ist, weil ich das, was Du
nanntest, nämlich auch ansprach (zum Schluß, als ich konkret
auf Biancas Beschwerden einging).
Das habe ich gelesen und war einverstanden. Ich war nur eben etwas verwirrt, weil ich mir nicht ganz klar war, was du nun wirklich an meinem Posting auszusetzen hast, die Ratschläge oder nur die Ablehnung zu früher Krankheitseinstufung.
http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…
und
http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…
Das schaue ich mir noch mal an. Danke schön.
Herzliche Grüße
Thomas Miller