Hallo Anne,
der Vater meines Sohnes beging Selbstmord als er 4 1/2 Jahre alt war.
Er litt ohne Ende, wurde aggressiv, autoaggressiv, krank.
Ich habe getan was ich konnte, wir haben geredet. Über den Sinn des Lebens. Wohin die Seele geht. Warum man sterben muss. Warum man leben muss, wenn tot sein nicht schlimm ist. Wo wir waren bevor wir hierher kamen. Ich habe allerdings immer nur mit seinen Fragen reagiert.
Er war in Therapie, schon 3 Wochen nach dem Tod des Vaters. Die Erziehungsberatung hatte gute Adressen für uns. Für mich auch. Gut so.
Sie Situation war übrigens eine ähnliche. Eltern, nicht verheiratet. Der Sohn erbt den Pflichtteil, ich hab ihn verwaltet.
Wenn ihr eine einigermaßen zuverlässige (schlechte) Prognose habt, geht es rund, da hat die Verdrängung ein Ende, Hoffnung wird etwas schmerzhaftes. Spätestens dann müssen die Kinder es erfahren, weil sie es ja eh mitkriegen.
Mittlerweile gibt es Trauerzentren für Kinder. Versuch doch mal Kontakt aufzunehmen, denn in eurem Fall beginnt die Trauer vor dem Tod. Ihr braucht da ganz viel Hilfe, Schutzräume und Geborgenheit. Und jeder von euch braucht etwas anderes, muss sich etwas anderes suchen, sonst sitzt ihr zusammen und fühlt euch allein, - dann kommen Agressionen gegeneinander auf.
Mein Kind war damals 4 und hat unter den Auswirkungen zu leiden gehabt bis er 7 oder 8 war. Da verklang der letzte Asthmaanfall.
Spätfolgen?
Er (17)interessiert sich für Religion, hat die Bagwa gita gelesen, den Koran und die Bibel, er kennt sich mit Buddhismus aus und mit Hinduismus. Er kennnt alte animistische Rituale und will mal in die entsprechende Richtung studieren.
Ich glaube das Umfeld fördert das nicht, es ist schon seins, immernoch in der Verarbeitung.
Und meine Spätfolgen?
Ähnlich. Ich bin selbstständige Multijobberin, aber meine Hauptintension liegt im Coaching und in der Ritualbegleitung von Menschen in Krisensituationen, auch bei Tod und Trauer.
Wenn man sich traut zu trauern, dann verändert das. Man wächst. Man leidet nicht nur, das Leben erhält auch einen größeren, zusätzlichen Wert, der uns nie bewußt war.
Auch dein Liebster wird trauern, er wird hadern, schimpfen, zornig sein und verzweifeln.
Und auch damit müßt ihr fertig werden. Das wird hart, weil er Angst hat: Todesangst. Darum muss auch er einen Weg finden, jemanden der ihn begleitet, jemand, der nicht du bist, und schon gar nicht die Kinder.
Der praktische Teil, wie man den Alltag bewältigt???
Hab Vertrauen, und sei offen, sag, wo deine Grenzen sind, dass du Hilfe brauchst und dass du ein Recht darauf hast. Familien halten zusammen. Der Außenfeind (Krebs) schmiedet zusammen. Du mußt allerdings damit rechnen, dass nach dem Ende der Trauer alle auseinandergehen, weil es einfach zu eng werden wird.
Und trau dich für dich gut zu sein: wenn dir die Rangen nicht helfen, darfst auch du deine Energien schonen und ihren Kram liegen lassen.
9 und 11? die können auch selbst was kleines kochen, die Waschmaschine anschmeißen oder sich was einkaufen. Können selber aufstehen und sich was fürs Frühstück machen. Doch! Sie können. Familie heißt Zusammenhalt, gemeinsam füreinander sorgen. Wenn sie sich nicht in der Lage sehen, sei klug und damit entsprechend blind.
Allerdings solltest du ihnen Freiraum zum Üben lassen. Wenn sie kochen, wird es am Anfang anbrennen, scheußlich schmecken und die Küche wird aussehen wie ein Schlachtfeld. Mit alle dem hat du nichts zu tun,- sie werden 3 Tage brauchen, bis die Küche wieder begehbar ist und du wirst es aushalten. Bestell dir eine Pizza und deinem Liebsten auch.
Und so werden sie ganz schnell lernen, das eine - oder das andere.
Das Bundesministerium verteilt kostenlose Broschüren zum Thema Tod und Erben. und wenn du mich persönlich anmailst hab ich auch noch eine lange Liste der Dinge an die man auch noch denken muss und kann.
Lieben Gruß
Susanne
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