Weiterleben ohne Papa - wie umgehen mit Kindern?

Hallo Anne,

Die Sicht der Kinder ist es, die mir Sorgen macht.
Ich habe mir jetzt überlegt, dass möglichst während und die
erste Zeit nach dem Tod des Vaters eine zweite Bezugsperson
bei uns sein sollte,

Dazu noch eine Frage: Haben denn die Kinder irgendeine Art von Paten (offiziell oder nicht), der ihnen nahe steht? Wenn ja, kannst du das Problem mit ihnen besprechen?

Die absolute Horrovorstellung ist die Beerdigung - ich hasse
Beerdigungen, seit ich sie kenne (die meines Vaters war die
erste). Ich hasse vor allem die trostspendenwollenden,
unwissenden Reden von Pastoren oder Psychologen, die
eigentlich alles nur noch schlimmer machen - ich hätte bislang
auf allen Beerdingungen schreien mögen, ob des banalen
Gelaberes, das man sich da in seiner Trauer anhören muß - und
das alles nur noch schlimmer macht, sei es, weil es einfach
falsch ist, sei es, weil es nicht tröstet, sondern nur noch
trauriger macht oder wegen der immer gleichen Betohnung).

Das ist verständlich, ich war schon auf so vielen Beerdigungen (und habe diese Woche wieder eine) und jeder fasst den ganzen Ablauf anders auf.
Versuch am besten, jetzt nicht an die Beerdigung zu denken, es kann noch lange (ist natürlich immer relativ) dauern, bis es soweit ist.

Aber diese Reden tun mir nicht gut. Ich bin nur froh, dass
meinen Kindern das Gelabere zu langweilig und abgehoben sein
wird, als dass sie es völlig aufnehmen und verstehen werden.
Besser fände ich eher etwas Symbolisches wie z.B. ein großes
Lagerfeuer bei dem vielleicht jeder ein Geschenk hineinwirft,
ein für jeden Beteiligten persönlicher Abschied, ohne
geschwollene Reden.

Das kannst du mit deinen Kindern inoffiziell immer machen. Und auch die offiziellen Beerdigungen müssen nicht nach einem ganz starren Schema ablaufen.

Aber davon jetzt genug.
Ich kenne dich nicht, deswegen weiß ich nicht, ob dir die Beschäftigung
mit dem Thema Beerdigung gut tut oder nicht. Aber wenn du zuviel drüber nachdenkst, dann zieht dich das nur noch mehr runter.

Falls Du es schafst, Dir dieses ganze Geschreibsel
reinzuziehen, meine Hochachtung und meinen Dank.

Wie du siehst, habe ich sogar geantwortet :wink:

Aber das Schreiben allein bringt schon was, auch wenns keiner
ließt. Einfach, weil man sich da konkreter mit der eigenen
Situation auseinandersetzen muß, als in dem Dauergegrübele.

Der Beitrag hier im Forum wird wohl bald ins Archiv abrutschen und ist als Dauergespräch wohl nicht geeignet.

Deswegen mein Vorschlag: Besorg dir eine Email-Adresse (gmx o.Ä.), die deine Kinder nicht kennen (und deswegen außer dir auch keiner liest) und dann tausch dich mit jemandem aus, der dir hier (oder wo-auch-immer) seine Hilfe angeboten hat. Wenn ich dir langsam lästig werde, dann brauche das nicht ich zu sein, wenn nicht, dann fühl dich eingeladen, mir zu schreiben.

Viele Grüße
Kati

Hallo Kati,

danke für Deinen weiteren Beitrag. Und wie versprochen, melde ich mich wieder.
Es ist jetzt ziemlich klar, dass es nicht mehr lange dauern wird. Inzwischen wurde noch eine quasi Notoperation wegen drohendem Darmverschluß gemacht, und seitdem geht es mit dem Essen garnicht mehr. Im Krankenhaus sind alle sehr, sehr freundlich und aufmerksam, er hat ein Zimmer allein für sich, aber an Behandlung wird nur noch Schmerztherapie und Nahrungsinfusion gemacht.
Es ist alles klar, ihm auch.

Meinem Sohn habe ich es heute erzählt - er fragte, wann er seinen Geburtstag nachfeiern könnte (machen wir immr, weil er in den Ferien Geburtstag hat). Ich hatte mir eh schon vorgenommen, es ihm zu sagen - aber es war so schwer.
Er hats allerdings nicht sehr dramatisch aufgenommen, es ging. Genaugenommen hat mehr er mich getröstet, als ich ihn. Kommt bei ihm verm. später, weil er noch nicht weiß, was es eigentlich bedeuted, wenn jemand stirbt - ging mir beim ersten Mal auch so, sogar beim zweiten Mal noch.
Meine Tochter wird morgen nochmal mit ins Krankenhaus kommen und mein `Mann´ freut sich darauf. Deshalb wollte ich ihr jetzt noch nichts sagen (mein Sohn weiß das), damit er sie nicht gleich morgen völlig fertig erlebt. Sie wird anders reagieren als mein Sohn, ganz anders.
Sie meinte noch heute abend, dass Papa doch hoffentlich nicht daran stirbt - ich habe dann dem nur zugestimmt.
Ich habe mir vorgenommen, es ihr morgen nach dem Besuch vorsichtig klar zu machen - aber wie macht man das vorsichtig? Es wird fürchterlich werden und ich habe neben aller Trauer und eigenem Desaster schlicht Schiß davor.

Außerdem ich habe Anfragen laufen zur Betreuung zuhause - ich fände es für uns alle besser, wenn er die letzte Zeit hier zuhause sein könnte. Aber das muß er natürlich entscheiden - und die Frage an Ihn: willst Du nicht lieber nach Hause - die alles so klar macht, die zu stellen wird mir furchtbar schwer fallen. Wie irgendwo schon mal erwähnt, er ist so ein ganz verschiegener, stiller Mensch, der auch nur wenns ganz arg ist „au“ sagt. Es ist nicht leicht, mit ihm offen zu reden in dieser Situation. Aber wir wissen natürlich alle, dass wir alle Bescheid wissen. Hört sich paradox an, aber so läuft das leider.

Ich geb Dir jetzt mal meine Mailadresse, denn mein Sohn weiß Bescheid und die Kleine schaut nicht in die Mails: [email protected]

Allerdings mußt Du Dich da zu nichts verpflichtet zu fühlen - wir haben viele Bekannte, denen ich heute Bescheid gegeben habe, wie es steht. An Unterstützung fehlt es nicht.
Es ist nur für mich manchmal einfacher, jemand Fremden etwas zu berichten, als den Bekannten, die ja auch involviert, geschockt und traurig sind. Wir sind alle noch nicht in dem Alter, in dem Beerdigungen von Bekannten dazu gehören. Die Freunde, die schon Bescheid wissen, sind völlig fertig und wissen auch nicht, was sie sagen sollen.

Und dann seine Mutter - vor sieben Jahren ist ihr ältester Sohn gestorben (hat sich wegen Depressionen, teils ausgelöst durch seine AIDS-Erkrankung, vom Balkon gestürzt), jetzt ihr `Kleiner´, letztes von zwei Kindern.
Trotzdem ging es mir, ihr vielleicht auch, besser, als sie noch hier war.
Sie ist nur für ein paar Tage weg, die Wäsche reichte nicht und sie hatte zuhause keinen so langen Aufenthalt geregelt.
Für sie muß es eigentlich noch schlimmer sein, als für mich, und wer sie nicht kennt, würde sie vielleicht für kalt halten, aber sie hat einfach ein paar wunderbare Überlebensmechanismen, oder Möglichkeiten, neben dem Drama auch noch was anderes zu sehen. Jedenfalls tut sie mir einerseits unheimlich gut, verhindert andererseits aber auch ein bißchen die doch nötige Trauer. Auch deshalb möchte ich das mit den Kindern jetzt klar machen, wenn Oma da ist, haben wir irgendwie nicht die Intimität und Trauerfähigkeit dazu. Mit meinen Kinder heulen kann ich, mit Oma nicht so gut.
Aber ich freue mich auch darauf, dass sie wieder herkommt.

Nochmal Danke für Dein Engagement, Kati, es ist schön, mal jemandem gegenüber garnicht Rücksicht nehmen zu müssen, weil selbige ja einfach selbst nicht betroffen ist.

Aber wie gesagt, Du mußt nicht zurück mailen, die Freunde werden sich jetzt ohnehin alle melden und ich weiß nicht, ob und wann ich die Nerven habe, Dir zu antworten.

Mail mir vielleicht einfach mal Diene Mailadresse - O.K?

Gruß, Anne

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