Old Shatterhands Brille
Hallo,
ein wunderbares Beispiel dafür, wie der Karl-May-Verlag in die Texte eingegriffen hat, ist nachzulesen unter
http://wwwhomes.uni-bielefeld.de/mailman/unibi/publi…
Old Shatterhand will mal wieder beweisen, was für ein Meister im Schießen er ist. Dazu braucht er aber seine Brille:
„Was lacht ihr, Mesch’schurs? Wenn man dreißig Jahre lang über den
Büchern sitzt, so leiden die Augen, und es ist besser, man tut mit der
Brille einen guten Schuß, als ohne dieselbe einen schlechten!“
Da sich so etwas für einen Superhelden aber nicht gehört, hat der Verlag das einfach gestrichen.
Ein anderes Beispiel: Den May-Roman „Deutsche Herzen - Deutsche Helden“ hat der Verlag einfach in vier einzelne Bänder verhackstückt („Der Derwisch“, „Zobeljäger und Kosak“ - die anderen habe ich gerade nicht im Kopf), hat die handelnden Personen rausgestrichen und neue Personen - sprich: altvertraute May-Helden - stattdessen eingesetzt. Kaum eine Zeile Karl May.
im übrigen für all die Freunde des Stichworts, das Fritz nicht mehr so gerne hört: Rechtschreibreform. Ich zitiere Joachim Biermann:
(http://wwwhomes.uni-bielefeld.de/mailman/unibi/publi…)
„vor 102 Jahren wurde die deutsche Rechtschreibung erstmals reformiert. Nach 1902 wurde ein Teil der Mayschen Schriften der (damals) neuen Rechtschreibung angepaßt, wogegen May u.W. zwar nicht protestierte, was er aber für sich selbst in seinen Manuskripten nie akzeptiert hat. Der „wirklich originale Karl May“ ist also eigentlich nur in seinen Manuskripten zu lesen. Auch vor 1902 wurde … die Rechtschreibung der Mayschen Texte vielfach für den Druck vereinheitlicht und dem in den 1880er und 1890er Jahren sich wandelnden Schriftbild angepaßt. (So ist erkennbar, daß man weit vor 1902 bereits anfing, Verben wie „flankiren“ einzudeutschen und „flankieren“ zu schreiben, auch bevor dies 1902 so normiert wurde; auch beim Wechsel von c zu k bzw. z ist dies erkennbar, so daß wir in Mays Texten alle Varianten etwa wischen „Capitain“, „Kapitain“ und „Kapitän“ finden.) Nur bei relativ frühen May-Texten (in Münchmeyer-Zeitschriften, für die May ja auch sein eigener Redakteur war, und wohl auch in den Kolportage-Romanen) bekommen wir vermutlich einen Eindruck davon, wie May wirklich geschrieben hat.
Verfolgt man die Entwicklung der Rechtschreibung in May-Texten von c. 1875 bis 1912, so bekommt man in der Tat einen interessanten Einblick in schriftsprachliche Entwicklungen.“
Soweit zum „originalen“ karl May. Ich kann Fritz nur zustimmen und dazu raten, sich möglichst nahe an das Original zu begeben…
Bernhard