Fast alle!
Hallo, Tychi,
da wären zunächst einmal die Buchstaben zu nennen, die eben die Lateinischen sind, egal in welcher Schrift sie geschrieben werden.
Und die 24 lateinischen Buchstaben sind denkbar schlecht geeignet gewesen, um „deutsche“ - man dürfte hier eigentlich nicht von der deutschen Spreche sprechen, sondern von einem germanischen Vordeutsch - Laute wiederzugeben.
Daher die vielen Sonderzeichen.
Da die deutsche Sprache, in der Form, wie wir sie seit althochdeutscher Zeit (2. Hälfte des 8. Jhdts) fassen können, erst in dieser Zeit entstand und zwar in ständiger Vermengung mit dem Lateinischen und außerdem unter der starken Dominanz des Lateinischen, sind nahezu alle Phänomene der deutschen Sprache, zumal die Grammatik der Sprache der damaligen Leute ganz und gar fremd gewesen.
Ein Beispiel, das ich der vierbändigen "Deutschen Sprachgeschichte von Hans Eggers ISBN 2-499-55185-3 Buch anschauen entnehmen - das Buch sei auch als Lektüre empfohlen und vielleicht findet ein Moderator Zeit, das Buch auch in die Literaturliste aufzunehmen - soll veranschaulichen, was ich meine.
Barmherzigkeit ist doch ein Wort, das kaum deutscher klingen könnte, so richtig voll Herz und Bärmde, und doch ist es eine Übersetzung und Neubildung für das lateinische „misericordia“ und es hat einige Zeit gedauert, sagen wir mal 200 Jahre, ehe ein von jedermann akzeptiertes Wort war.
Als Versuche wurden von verschiedenen Übersetzern vorgeschlagen:
miltida, miltissa, ginâda êregrechtî, armherzîn, irbarmherzî, irbarmherzida, irbarmida, gabarmida
Diese Wörter klangen für die damaligen Leute wenigstens so abstrus wie uns heute ünnötige Anglizismen klingen, dafür aber sicher sehr wichtig, so wie Salesaccountartdirectorassistent.
Ganz sicher verdanken wir dem Lateinischen auch das Zeitformensystem mit dem völlig überflüssigen Futur II. Doch das bekamen wir erst später aufs Auge gedrückt.
Ebenso sicher scheint mir, dass auch andere Phänomen dem Lateinischen nachgebildet waren, obwohl man annehmen darf, dass auf Grund der Verwandtschaft des Deutschen mit dem Lateinischen über das Indogermanische eine Reihe dieser Phänomen auch im Deutschen vorhanden oder zumindest angelegt waren, sodass ihrer „offiziellen“ Einführung nichts im Wege stand.
Im Mittelhochdeutschen, das eigentlich erst wirklich deutsche genannt werden kann, hat die deutsche Sprache für das Verb folgende Formen parat.
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ein Genus: Aktiv (Passiv, Perfekt und Plusquamperfekt werden durch Umschreibungen mit Hilfverben gebildet, wie heute noch);
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drei Modi: Indikativ, Optativ (wird später Konjunktiv), Imperativ;
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zwei Tempora (Präsens und Präteritum (das Futur wurde mit soln, wellen, müêzen umschrieben);
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zwei Numeri: Singular und Plural;
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drei Personen (ich – wir, du ir, er, siu, ez – sie)
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drei Verbalnomina: Infinitiv des Präsens, Partizip I, Partizip II
Diese Zusammenstellung entnahm ich der „Mittelhochdeutschen Grammatik“ von Helmut de Boor und Roswitha Wisinewski, ISBN 3-11-015742-X Buch anschauen. Auch wert in die Bücherliste aufgenommen zu werden und natürlich lesenswert, ja studierenswert.
Alles was hier nicht genannt wurde, haben die spätmittelalterlichen und frühneuhochdeutschen Grammatiker hinzugebosselt. Übrigens ganz ohne Kommissionen, Räten für deutsche Sprache und KMK.
So kann man also sagen, dass Deutsch eine ganz und gar undeutsche Sprache war, ehe sie vor tausend Jahren deutsch wurde. Und seither verwenden wir sie und beobachten zu Zeit, wie sie wieder undeutsch wird.
Gruß Fritz